{"id":59772,"date":"2023-01-14T10:31:09","date_gmt":"2023-01-14T09:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=59772"},"modified":"2023-01-14T13:08:58","modified_gmt":"2023-01-14T12:08:58","slug":"else-lasker-schueler-kehrt-als-gemaelde-ins-tal-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2023\/01\/14\/else-lasker-schueler-kehrt-als-gemaelde-ins-tal-zurueck\/","title":{"rendered":"Else Lasker-Sch\u00fcler kehrt als Gem\u00e4lde ins Tal zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_59775\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59775\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1897-2-1024x706.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"706\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Museumsdirektor Dr. Roland M\u00f6nig mit der Gem\u00e4lde \u201eLesende (Else Lasker-Sch\u00fcler)\u201c von Karl Schmidt-Rottluff &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Dem Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen ist es gelungen, auf einer Auktion beim Auktionshaus Ketterer in M\u00fcnchen am 9. Dezember 2022 das ber\u00fchmte Bild \u201eLesende (Else Lasker-Sch\u00fcler)\u201c von Karl Schmidt-Rottluff (1912) aus der Sammlung Hermann Gerlinger zu ersteigern. Als Dauerleihgabe wird es dem Von der Heydt-Museum Wuppertal nun \u00fcbergeben. Damit kommt die ber\u00fchmte j\u00fcdische Dichterin Else Lasker-Sch\u00fcler (1869-1945) im Bild zur\u00fcck an ihren Geburtsort (Wuppertal-)Elberfeld.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Museumsdirektor Dr. Roland M\u00f6nig: \u201eWir sind \u00fcbergl\u00fccklich, dass Else Lasker-Sch\u00fcler mit diesem Bildnis quasi nach Hause kommt. Das Werk belegt Schmidt-Rottluffs ganze sch\u00f6pferische Wucht auf dem H\u00f6hepunkt seines Schaffens. Else Lasker-Sch\u00fclers schillernde Pers\u00f6nlichkeit hat er in einer einzigartigen Komposition eingefangen, in der eine expressive, leuchtende Farbigkeit sich mit kubistischen Formexperimenten verbinden. Dieses kostbare Meisterwerk schlie\u00dft eine L\u00fccke in unserem Bestand zur Kunst des Expressionismus. Sein Gegenst\u00fcck im Von der Heydt-Museum ist das ber\u00fchmte Bildnis Else Lasker-Sch\u00fcler\u2018, das Jankel Adler 1924 schuf.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Kunstm\u00e4zen, der anonym bleiben will: \u201eEs war mir ein gro\u00dfes Anliegen, dieses besondere Bild nach Wuppertal zu holen. Hier geh\u00f6rt es hin! Ich freue mich sehr, es dem Von der Heydt-Museum als Dauerleihgabe zur Verf\u00fcgung zu stellen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_59777\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59777 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1833-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"977\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die \u201eLesende (Else Lasker-Sch\u00fcler)\u201c von Karl Schmidt-Rottluff &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Das Werk von Karl Schmidt-Rottluff war als Leihgabe 2019\/2020 in der Ausstellung \u201eElse Lasker-Sch\u00fcler. \u201aPrinz Jussuf von Theben\u2018 und die Avantgarde\u201c im Von der Heydt-Museum zu sehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Bild wird ab Ende Januar 2023 im Von der Heydt-Museum Wuppertal ausgestellt sein \u2013 ein genauer Zeitpunkt wird noch bekanntgegeben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Provenienz des Werkes ist unbelastet: Schmidt-Rottluff selbst \u00fcbergab das kostbare Werk \u201eLesende (Else Lasker-Sch\u00fcler)\u201c aufgrund seines besonderen Vertrauensverh\u00e4ltnisses seinem langj\u00e4hrigen Freund Hermann Gerlinger, einem W\u00fcrzburger Unternehmer und M\u00e4zen, der seit den 1950er Jahren eine der bedeutendsten Kunstsammlungen zur Kunst der \u201eBr\u00fccke\u201c \u00fcberhaupt zusammengetragen hatte \u2013 eine reiche Sammlung von geradezu musealer Qualit\u00e4t und hoher Aussagekraft, die 2022 in mehreren Auktionen versteigert wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eSchmidt-Rottluff hat mich im Zelt sitzend gemalt. [..] Bin entz\u00fcckt von meiner bunten Pers\u00f6nlichkeit, von meiner Urschrecklichkeit, von meiner Gef\u00e4hrlichkeit, aber meine goldene Stirn, meine goldenen Lider, die mein blaues Dichten \u00fcberwachen. Mein Mund ist rot wie eine Dickichtbeere, in meiner Wange schm\u00fcckt sich der Himmel zum blauen Tanz, aber meine Nase weht nach Osten, eine Kriegsfahne, und mein Kinn ist ein Speer, ein vergifteter Speer. So singe ich mein hohes Lied&#8220;, schrieb\u00a0Else Lasker-Sch\u00fcler &#8211; Briefe nach Norwegen &#8211;\u00a0in: &#8222;Der Sturm&#8220;. Monatsschrift f\u00fcr Kultur und die K\u00fcnste, Nr. 94, Januar 1912, S. 752.<\/p>\n<div id=\"attachment_59779\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 818px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-59779\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1866-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"808\" height=\"539\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Freut sich \u00fcber die Dauerleihgabe: Museumsdirektor Dt. Roland M\u00f6nig &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<h4>Biografie Karl Schmidt-Rottluff<\/h4>\n<p>Der Maler, Grafiker und Plastiker Karl Schmidt (1884 &#8211; 1976) wird 1884 in Rottluff bei Chemnitz als Sohn eines M\u00fcllers geboren. 1905 beginnt Schmidt-Rottluff ein Architekturstudium an der Technischen Universit\u00e4t in Dresden. Dort lernt er Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Fritz Bleyl kennen, mit denen er im selben Jahr die K\u00fcnstlergemeinschaft \u201eDie Br\u00fccke\u201c gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1906 erscheint die erste gemeinsame Grafikmappe. In seinen expressionistischen Bildern verleiht der Maler der leidenschaftlich aufgetragenen und bildbestimmenden Farbe eine intensive Leuchtkraft und geht in der Verwendung der unvermischten Prim\u00e4rfarben im Vergleich zu seinen K\u00fcnstlerkollegen am weitesten. Bis 1912 h\u00e4lt sich Schmidt-Rottluff immer wieder f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit im Dangastermoor bei Varel in Oldenburg auf, wo er zahlreiche Motive f\u00fcr seine Landschaftsgem\u00e4lde findet.<\/p>\n<p>Mit seiner \u00dcbersiedlung nach Berlin im Jahr 1911 wendet er sich verst\u00e4rkt formalen Problemen zu und entwickelt eine zunehmend reduzierte, geometrische Formensprache. Der Ausbruch des Krieges unterbricht diese Entwicklung. W\u00e4hrend seines Milit\u00e4rdienstes entsteht ein Zyklus von religi\u00f6sen Holzschnitten, in dem Schmidt-Rottluff die Schrecken des Krieges verarbeitet und der als sein grafisches Hauptwerk gilt.<\/p>\n<p>1918 kehrt er nach Berlin zur\u00fcck. Seinen Arbeitsrhythmus mit Malreisen im Sommer und der Atelierarbeit im Winter beh\u00e4lt er auch in den zwanziger Jahren bei. Aufenthalte in Pommern, am Lebasee, im Tessin und im Taunus, ferner in Rom als Studiengast der deutschen Akademie in der Villa Massimo (1930) inspirieren Schmidt-Rottluff zu seinen reifen Stillleben und Landschaften.<\/p>\n<p>1937 wird seine Kunst auf der M\u00fcnchner Ausstellung \u201eEntartete Kunst\u201c diffamiert, 1941 folgen das Malverbot und der Ausschluss aus dem Berufsverband. Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt Schmidt-Rottluff einen Lehrstuhl an der (West-) Berliner Hochschule f\u00fcr bildende K\u00fcnste an. Sein Sp\u00e4twerk schlie\u00dft motivisch an die expressionistische Phase an, ist farblich jedoch differenzierter und weniger intensiv.<\/p>\n<div id=\"attachment_59781\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 659px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-59781\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/1904-2-823x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"649\" height=\"808\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die &#8222;Lesende&#8220; &#8211; ein beeindruckendes Werk &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Der als Erneuerer der Kunst, als Revolution\u00e4r Angetretene erh\u00e4lt 1956 den Orden \u201ePour le M\u00e9rite\u201c und sieht sich als Klassiker geehrt. 1967 wird das auf seine Initiative hin gegr\u00fcndete Br\u00fccke-Museum in Berlin er\u00f6ffnet. Zahlreiche Ausstellungen ehren Karl Schmidt-Rottluff, der von der Kunstgeschichte zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Expressionismus gez\u00e4hlt wird.<\/p>\n<h4>In folgenden Ausstellungen und dazugeh\u00f6rigen Katalogen war das Werk bereits zu sehen:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p>Maler der Br\u00fccke in Dangast von 1907 bis 1912. Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emma Ritter, Oldenburger Kunstverein, Oldenburg, 2.6.-30.6.1957, Nr. 75 (m. Abb. S. 59).<\/p>\n<p>Br\u00fccke 1905-1913, eine K\u00fcnstlergemeinschaft des Expressionismus, Museum Folkwang, Essen, 12.10.-14.12.1958, Nr. 156.<br \/>\nKarl Schmidt-Rottluff zum 100. Geburtstag, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 3.6.-12.8.1984, Kat.-Nr. 14 (m. Abb.).<\/p>\n<p>Karl Schmidt-Rottluff, Retrospektive, Kunsthalle Bremen, 16.6.-10.9.1989; St\u00e4dtische Galerie im Lenbachhaus, M\u00fcnchen, 27.9.-3.12.1989, Kat.-Nr. 104 (m. SW-Abb., Farbtaf. 43).<\/p>\n<p>Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).<\/p>\n<p>Frauen in Kunst und Leben der &#8222;Br\u00fccke&#8220;, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 10.9.-5.11.2000, Kat.-Nr. 126 (m. Abb. S. 205).<\/p>\n<p>Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).<br \/>\nDer Potsdamer Platz. Ernst Ludwig Kirchner und der Untergang Preu\u00dfens, Neue Nationalgalerie, Berlin, 27.4.-12.8.2001, Kat.-Nr. 43 (m. Abb. S. 103).<\/p>\n<p>Das andere Ich. Portr\u00e4ts 1900-1950, Staatliche Galerie Moritzburg, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 6.4.-15.6.2003, Kat.-Nr. 258 (m. Abb.).<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke und die Moderne, 1904-1914, Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 17.10.2004-23.1.2005, Kat.-Nr. 174 (m. Abb.).<br \/>\nExpressiv!<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstler der Br\u00fccke. Die Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 24 (m. Abb.).<br \/>\nBuchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).<\/p>\n<p>Br\u00fcckenschlag: Gerlinger \u2013 Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 242-245 (m. Abb.).<br \/>\nSchmidt-Rottluff. Form, Farbe, Ausdruck!, Buchheim Museum, Bernried, 29.9.2018-3.2.2019, S. 178f. (m. Abb.).<\/p>\n<p>Else Lasker-Sch\u00fcler. &#8222;Prinz Jussuf von Theben&#8220; und die Avantgarde, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 6.10.2019-16.2.2020, S. 141 (m. ganzs. Abb.).<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite \u00a0des Von der Heydt-Museums:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.von-der-heydt-museum.de\/\">http:\/\/www.von-der-heydt-museum.de\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Else kehrt nach Wuppertal zur\u00fcck \u2013 zumindest als Gem\u00e4lde. 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Dort wird es demn\u00e4chst an exponierte Stelle eine Wand schm\u00fccken.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-59772","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 04:42:15","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59772"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59784,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59772\/revisions\/59784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}