{"id":59289,"date":"2022-12-21T10:05:30","date_gmt":"2022-12-21T09:05:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=59289"},"modified":"2022-12-21T12:40:06","modified_gmt":"2022-12-21T11:40:06","slug":"martin-niemoeller-ein-kompromissloser-theologe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/12\/21\/martin-niemoeller-ein-kompromissloser-theologe\/","title":{"rendered":"Martin Niem\u00f6ller: Ein kompromissloser Theologe"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_59292\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-59292\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christophersen2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Alf Christophersen &#8211; \u00a9 Astrid Padberg<\/span><\/div>\n<p>Martin Niem\u00f6ller gilt als einer der umstrittensten Theologen der evangelischen Kirche. Seine Reden polarisieren Christen in aller Welt. Seine Schulzeit verbrachte der geb\u00fcrtige Lippst\u00e4dter am Evangelischen Gymnasium, dem heutigen Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium in Elberfeld.<\/p>\n<p>Schon fr\u00fch w\u00e4hlte er die NSDAP und bef\u00fcrwortete den F\u00fchrerstaat. Als er der Ideologie der Nationalsozialisten zunehmend mit Reserve begegnete, wurde er 1937 verhaftet und verbrachte daraufhin bis 1945 acht Jahre als \u201epers\u00f6nlicher Gefangener\u201c Adolf Hitlers in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau.<\/p>\n<p>In Sachsenhausen verfasste er in Einzelhaft handschriftlich seine <strong>\u201eGedanken \u00fcber den Weg der christlichen Kirche\u201c<\/strong>, die der Wuppertaler Theologe Prof. Dr. Alf Christophersen als Mitherausgeber 2019 erstmals ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<h4>Wenn der Staat \u00fcbergriffig wird<\/h4>\n<p>Prof. Alf Christophersen hatte sich bereits ausf\u00fchrlich mit dem Kaiserreich, der Weimarer Republik sowie dem Nationalsozialismus aus politischer, ethischer und historischer Perspektive auseinandergesetzt, als ihn der Historiker Benjamin Ziemann um seine theologische Expertise zu einem neuen Buch \u00fcber Marin Niem\u00f6ller ansprach.<\/p>\n<p>\u201eEr suchte jemanden an seiner Seite, der sich theologiegeschichtlich versiert nicht zuletzt auch mit exegetischen Fragen, neutestamentlich fundiert, auskennt. Das Neue Testament ist mein urspr\u00fcngliches Fach gewesen, und so kam es zum Teamwork. Der Historiker auf der einen und der Theologe auf der anderen Seite\u201c, erkl\u00e4rt Christophersen, der an der Bergischen Universit\u00e4t Systematische Theologie lehrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Die Haltung Niem\u00f6llers zum F\u00fchrerstaat und seine Wendung zum Widerstand sind nicht ohne einen genauen Blick auf die Kontinuit\u00e4ten und Diskontinuit\u00e4ten nachzuvollziehen, und Christophersen sagt: \u201eEs ist die gro\u00dfe Frage, ob sich seine Haltung wirklich ge\u00e4ndert hat. Auf jeden Fall hat sich die Form der Aktion ge\u00e4ndert. Niem\u00f6ller war immer jemand, der die Weimarer Republik abgelehnt hat, von Anfang an die NSDAP gew\u00e4hlt hat, der sich auch mit verschiedenen Zusammenschl\u00fcssen zusammengetan hat, die die Weimarer Republik bek\u00e4mpft haben.\u201c<\/p>\n<p>Niem\u00f6ller sei U-Boot-Kommandant gewesen und habe den Beginn der Weimarer Republik nach dem Ende des Kaiserreiches sehr skeptisch gesehen. \u201eAuf der anderen Seite hat er auch immer darauf beharrt, dass die Kirche als Institution und als die Gemeinschaft, in der man sich doch in einem geteilten Glauben verbunden wei\u00df, nicht \u00fcbergriffig vom Staat so behandelt werden darf, dass nicht mehr klar ist, wer in ihr eigentlich das Sagen hat.\u201c<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung des sogenannten \u201eArierparagraphen\u201c, der 1933 Bestandteil des \u201eGesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums\u201c war und in dem es hie\u00df \u201eBeamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen\u201c, brachte dann f\u00fcr Niem\u00f6ller das Fass zum \u00dcberlaufen \u2013 denn dieser sollte dann auch auf die Kirchen angewendet werden, was, so Christophersen, \u201evon Niem\u00f6ller als unzul\u00e4ssiger Eingriff wahrgenommen wurde\u201c.<\/p>\n<h4>Barmer Bekenntnissynode war Sprengstoff f\u00fcr Nationalsozialisten<\/h4>\n<p>Im Mai 1934 wurde in Barmen auf der Ersten Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche die Barmer Theologische Erkl\u00e4rung verabschiedet. Sie bildete das theologische Fundament der Bekennenden Kirche. Eine Kernaussage darin lautete: \u00b4Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu h\u00f6ren, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als k\u00f6nne und m\u00fcsse die Kirche als Quelle ihrer Verk\u00fcndigung au\u00dfer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und M\u00e4chte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.`<\/p>\n<h4>Buch-Tipp:<\/h4>\n<div id=\"attachment_59295\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 560px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-59295 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/71oGWxuddkL-675x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"834\" \/><span class=\"wp-caption-text\">&#8222;Martin Niem\u00f6ller &#8211; Gedanken \u00fcber den Weg der christlichen Kirche&#8220; &#8211; Herausgeber: Alf Chistophersen &amp; Benjamin Ziemann &#8211; G\u00fctersloher Verlagshaus &#8211; 272 Seiten &#8211; ISBN-10: 3579085441 &#8211; ISBN-13: 978-3579085449<\/span><\/div>\n<p>\u201eDas war ein Frontalangriff\u201c, erl\u00e4utert Christophersen, \u201eweil ein wunder Punkt nationalsozialistischer Ideologie getroffen wird: im Volk und im F\u00fchrer verk\u00f6rpere sich das gesamte Wesen des Deutschen. Die Betonung der Christologie, die besagt: allein Jesus Christus ist der Herr und sonst nichts, denn er hat einen Anspruch auf unser ganzes Leben, ist dann ein Angriff auf all jene, die meinen, sie k\u00f6nnten andere M\u00e4chte ins Spiel bringen.\u201c<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne Gott nicht aus dem Wirken in der Geschichte erkennen, man k\u00f6nne ihn nicht in der Ordnung der Natur erkennen, erkl\u00e4rt der Theologe. \u201eDas wird alles ausgeschlossen. Erst recht der Bezug auf Adolf Hitler als F\u00fchrergestalt, die sich selbst unter dem Aspekt der Vorsehung als verl\u00e4ngerten Arm Gottes betrachtet.\u201c<\/p>\n<p>In dieser Konfliktkonstellation sei dann die Bekennende Kirche aus der Taufe gehoben worden. Obwohl Niem\u00f6ller nicht aktiv an der Ausarbeitung des Textes der Barmer Erkl\u00e4rung mitgewirkt habe, verk\u00f6rpere er doch sozusagen diese Beschl\u00fcsse, die er im damaligen Kirchenkampf in seiner Gemeinde in Berlin-Dahlem kategorisch umsetzte.<\/p>\n<h4>Sondergefangener Adolf Hitlers schreibt seine \u201eGedanken\u2026\u201c auf<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend seiner Inhaftierung in Sachsenhausen erkannte Niem\u00f6ller die Mitverantwortung der Kirchen an der Machtergreifung der Nazis und schrieb seine \u201eGedanken \u00fcber den Weg der christlichen Kirche\u201c. \u201eEs ist erst einmal ein ganz eigent\u00fcmliches Ph\u00e4nomen, dass jemand im Konzentrationslager sitzt und sich einem Text widmet, der sich mit der Kirche besch\u00e4ftigt\u201c, erkl\u00e4rt Christophersen sein Interesse an der Ver\u00f6ffentlichung dieser Aufzeichnungen.<\/p>\n<p>\u201eDrum herum starben die Leute, er bekam mit, wie die Hinrichtungen stattfanden, war auch selbst anfangs kurz davor. Dann aber fokussiert er sich und stellt sich die Frage: Was ist eigentlich meine kirchliche und theologische Identit\u00e4t?\u201c Mit dazu beigetragen habe sicherlich seine Entt\u00e4uschung \u00fcber das Verhalten seiner eigenen Landeskirche, der altpreu\u00dfischen Union, von der er sich im Stich gelassen f\u00fchlte und die ihn in den sogenannten Wartestand versetzten wollte, was einem Rauswurf gleichkam.<\/p>\n<p>Niem\u00f6ller dachte ernsthaft dar\u00fcber nach, zum Katholizismus zu wechseln. \u201eDer \u201aWeg der christlichen Kirche\u2018 ist im Grunde der Versuch, sich dar\u00fcber klar zu werden, ob der Protestantismus wirklich die angesagte Konfession ist\u201c, sagt Christophersen. Man gestand Niem\u00f6ller einige B\u00fccher zu. \u201eMit denen hat er dann ein paar Monate still dagesessen und gearbeitet. Er hat diese Zeit genutzt, um den Protestantismus abzuklopfen und als hochgradig abgr\u00fcndig hinzustellen. Das ganze System mit Bisch\u00f6fen, das sich durchsetzte, h\u00e4lt er f\u00fcr eine absolute Verfehlung, weil die sich wichtiger nehmen als die breite Kirchenmasse, sich herausragend f\u00fchlen, ohne es wirklich zu sein. Dann fehlt ihm im Vergleich zum Katholizismus die Eindeutigkeit.<\/p>\n<p>Das Papstamt fand er hochattraktiv, weil man da doch wenigstens wusste, woran man war. Das fehlt im Protestantismus. Die evangelische Kirche sieht Niem\u00f6ller im Grunde gerade in ihrer Zersplitterung in die Landeskirchen als schattenhaftes Gebilde, was gar nicht in der Lage ist, in irgendeiner Weise noch konkret Auskunft zu geben, schon gar keine Orientierung. Diese Kirche l\u00e4uft f\u00fcr ihn in den S\u00e4kularismus hinein, also die reine Verweltlichung, und man verliert alle Prinzipien\u201c, erkl\u00e4rt Christophersen.<\/p>\n<p>Die Frage war f\u00fcr Niem\u00f6ller nicht \u201eWas ist die Kirche?\u201c, sondern \u201eWo ist die Kirche?\u201c, und seine Antwort ist eindeutig. \u201eSie ist bei den Menschen selbst, sie ist auch im Konzentrationslager, sie ist in den Gemeinden und da, wo Leute bedr\u00e4ngt werden, wo man sich an Christus, als zentraler Leitfigur ausrichtet und in ernsthafte Nachfolge tritt. Also sehr, sehr entschieden.\u201c Seine Idee der Konversion verwarf er alsbald.<\/p>\n<p>Dazu Christophersen: \u201eNiem\u00f6ller hatte in Dachau einige katholische Pfarrer in seiner Gefangenschaft um sich, mit denen er lebte und den Alltag teilte, auch Andachten hatte, und er merkte, dass das nicht seine Welt war. Der ganze Habitus passte ihm nicht. 1963 hat er in einem Interview mit dem Journalisten G\u00fcnter Gaus gesagt: \u201aDas Fehlurteil bei der ganzen Geschichte ist immer, dass man das Ideal einer anderen Gr\u00f6\u00dfe mit den praktischen Erfahrungen einer Gr\u00f6\u00dfe, zu der man selber geh\u00f6rt, vergleicht. Dann kommt es sehr leicht zu diesem Urteil: Die anderen sind besser! Nicht wahr?\u2018\u201c<\/p>\n<h4>Vom Nationalisten zum Pazifisten<\/h4>\n<p>Der Militarist Niem\u00f6ller wird irgendwann zum Pazifisten Niem\u00f6ller, eine Metamorphose, die f\u00fcr Christophersen nur schwer zu erkl\u00e4ren ist. \u201eEr ist eine unglaublich sperrige Person, die sehr getrieben ist von ihren eigenen \u00dcberzeugungen. Und diese \u00dcberzeugungen konnte er auch \u00e4ndern\u201c, sagt er. \u201eNiem\u00f6ller war der festen Meinung, dass die Art und Weise mit Atombomben umzugehen etwa, die beitragen k\u00f6nnen, dass diese Welt komplett vernichtet wird, ein derartiger Eingriff auch in die Sch\u00f6pfungshoheit Gottes und des Bestehens der Welt darstellt, dass ein Christ aus seiner Perspektive, der sich in der Nachfolge Jesu sieht, eigentlich gar nicht anders kann, als zum Pazifisten zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Das habe er dann mit dem genau gleichen Ehrgeiz durchgezogen, wie er in den 20er Jahren die NSDAP unterst\u00fctzt habe. \u201eDas ist so eine Art Gesinnungsethik, die wir auch aus anderen Bereichen kennen. Aus der eigenen Haltung heraus wird entschieden, was richtig ist. Und da gibt es keinen Kompromiss. Er kannte auch nur Freund oder Feind.\u201c Das habe ihn beim Linksprotestantismus attraktiv gemacht, weil es ein wirkliches Angebot gewesen sei.<\/p>\n<p>Mit der Theologie der Revolution in den 60er Jahren begann es und in den 70er Jahren verband es sich mit der Nachr\u00fcstungsdebatte und floss in die \u00f6kologische Krise. \u201eEher linksgerichtete Protestanten fanden ihn nat\u00fcrlich faszinierend, weil da jemand voranmarschierte und nicht vage blieb. Das Abw\u00e4gende und Pragmatische hat er massiv zur\u00fcckgewiesen.\u201c<\/p>\n<h4>Bekennende Kirche bedeutet nicht \u201aWiderstand um jeden Preis\u2018<\/h4>\n<p>Wenn man von der Bekennenden Kirche spricht, kommt man an der Person Niem\u00f6ller nicht vorbei. Aus dem Pfarrernotbund (Der Pfarrernotbund wurde 1933 gegr\u00fcndet, bestand aus evangelischen Theologen, Pfarrern und anderen kirchlichen Amtstr\u00e4gern, die sich gegen den Arierparagraphen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) wandten. Anm. d. Red.) erwuchs die Bekennende Kirche, in der Niem\u00f6ller, auch aus seiner Haft, als eine zentrale Figur hervorsticht.<\/p>\n<p>Dieses kirchliche Widerstandspathos ging dann aber nach 1945 sukzessive wieder verloren, denn \u201eman merkte, dass man diese Form von Widerstandsgeist eigentlich f\u00fcr Landeskirchen und f\u00fcr die Evangelische Kirche in Deutschland nicht gut gebrauchen kann\u201c, sagt Christophersen. Die Kirche habe auch selber nach 1945 \u201arezeptionslenkend\u2018 ein Bild von sich weiter aufrechterhalten, dass simplifizierend die Bekennende Kirche auf den Inbegriff des Widerstands gegen alles Menschenfeindliche reduzierte.<\/p>\n<p>\u201eDas wird der Bandbreite \u00fcberhaupt nicht gerecht\u201c, betont der Theologe, \u201ees gab flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche, es gab einen gro\u00dfen Teil, der weder das eine noch das andere war. Einige haben auch mehrfach die Position gewechselt. Es gab Personen in der Bekennenden Kirche, die durchaus Nationalsozialisten waren.<\/p>\n<p>Die Bekennende Kirche hat nicht darauf abgezielt, das ganze Regime zu st\u00fcrzen, sondern hat eher den Impuls gehabt, die Kirche innerhalb des Totalit\u00e4ren abzusichern. Und das ist viel facettenreicher, als man in den ersten Jahrzehnten nach 45 meinte.\u201c Was von der Bekennenden Kirche jedoch bleibt, ist aus christlicher Perspektive der best\u00e4ndige Wunsch, sich gegen jegliche politische Vereinnahmung aufzulehnen.<\/p>\n<p>Erst allm\u00e4hlich komme man dahin, kritische Fragen zu stellen und auch die Vielschichtigkeit der Person Niem\u00f6llers zu erkennen. \u201eBei Niem\u00f6ller haben wir das Problem dieser mangelnden F\u00e4higkeit, Kompromisse einzugehen und wirklich die eigene Person mit autorit\u00e4rem Gestus zu stilisieren. Das ist heute nicht mehr vermittelbar. Er hat viele Themen angesto\u00dfen, er hat auch die Kirche in den globalen Kontext gebracht, hat sich schon \u00fcber Kolonialismusfragen Gedanken gemacht oder \u00fcber die Verteilung des Reichtums auf der Erde. All diese Fragen hat er aufgegriffen, aber eben ausgesprochen auf sich selbst fixiert letztendlich.\u201c<\/p>\n<p>Und doch brauchen wir solche Menschen, an denen man sich orientieren kann. \u201eDa ist so jemand wie Niem\u00f6ller in seiner Unerbittlichkeit nat\u00fcrlich ein permanenter Hinweis darauf, dass man es sich nicht zu einfach machen darf, nicht alles \u00fcber Bord zu schmei\u00dfen, was man aus guten Gr\u00fcnden f\u00fcr wichtig hielt. Eine Figur, an der man sich abarbeiten kann, ist Gold wert, denn das vermissen heute viele wiederum. Wie oft h\u00f6ren wir, damals hatten wir zentrale Gestalten: Willy Brandt, Helmut Schmidt und Franz Josef Strau\u00df, ganz egal, wie man sie politisch findet, die durchaus sagten, was sie dachten.\u201c<\/p>\n<h4>Taktgeber der \u00d6kumene<\/h4>\n<p>Martin Niem\u00f6ller, so kontrovers er diskutiert wird, hat die Evangelische Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg aber auch wieder aus der internationalen Isolation befreit. Mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis, das er mitverantwortete, bekannte sich die Evangelische Kirche im Oktober 1945 zu einer Mitschuld evangelischer Christen an den nationalsozialistischen Verbrechen. \u201eIndem Niem\u00f6ller sich hier eingesetzt hat\u201c, sagt Christophersen, \u201ehat er die Evangelische Kirche wieder salonf\u00e4hig gemacht f\u00fcr die Integration des deutschen Protestantismus in die weltweite \u00d6kumene. Und das hatte auch eine politische Dimension.\u201c<\/p>\n<p>Niem\u00f6ller habe zweifelsohne durch seine jahrzehntelangen weltweiten Kontakte in der \u00d6kumene dazu beigetragen, den Protestantismus und auch die Bundesrepublik wieder in die Weltgemeinschaft zu integrieren. \u201eDas kann man nicht hoch genug sch\u00e4tzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_59293\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 144px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-59293\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/Christophersen2-3-744x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"134\" height=\"185\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Alf Christophersen &#8211; \u00a9 Astrid Padberg<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Alf Christophersen<\/h4>\n<p>Alf Christophersen lehrt seit 2018 als Professor f\u00fcr Systematische Theologie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war ein umstritten, genau wie seine Aufzeichnungen &#8222;Gedanken \u00fcber den Weg der Christlichen Kirche&#8220;. Die Rede ist von Martin Niem\u00f6ller: Theologe, KZ-H\u00e4ftling und Galionsfigur der Bekennenden Kirche. \u00dcber ihn hat sich Autor Uwe Blass im Rahmen der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Prof. Dr. Alf Christophersen, Dozent der Bergischen Universit\u00e4t, unterhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-59289","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 01:30:59","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=59289"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59289\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59296,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/59289\/revisions\/59296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=59289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=59289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=59289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}