{"id":56454,"date":"2022-11-02T10:17:47","date_gmt":"2022-11-02T09:17:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=56454"},"modified":"2022-11-06T10:03:29","modified_gmt":"2022-11-06T09:03:29","slug":"wie-englisch-sind-die-royals-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/11\/02\/wie-englisch-sind-die-royals-eigentlich\/","title":{"rendered":"Wie englisch sind die Royals eigentlich?\u00a0"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_56457\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56457\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Eckert-Pressefoto-2-1024x702.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"702\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Privatdozent Dr. Georg Eckert &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Er sich dar\u00fcber und \u00fcber die Frage, wie gro\u00df der Einfluss deutscher Adelsh\u00e4user in der Geschichte der britischen Monarchie ist, mit dem Historiker und Privatdozenten Dr. Georg Eckert unterhalten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bei der \u201eRoyal Family\u201c denkt man spontan an Namen wie Heinrich VIII., dessen Tochter Elisabeth I. oder auch an ihre Rivalin Maria Stuart: Allesamt geb\u00fcrtige Briten, die auf ihre Weise Weltgeschichte schrieben. Aber nach der Herrschaft der Tudors und Stuarts lassen sich zahlreiche \u00b4deutsche` K\u00f6nige des Inselreiches nachweisen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>William III. beispielsweise, der ab 1688 regierte, hie\u00df eigentlich Prinz Wilhelm von Nassau-Oranien. Dr. Georg Eckert, Privatdozent f\u00fcr Neuere Geschichte an der Bergischen Universit\u00e4t, kennt die Umst\u00e4nde, durch die es zu dieser und weiteren \u00b4deutschen` Thronbesteigungen in Gro\u00dfbritannien kam.<\/p>\n<h4>Dynastische Heiratspolitik<\/h4>\n<p>\u201eHerrscherdynastien der Fr\u00fchen Neuzeit empfanden sich kaum als national, sondern als einen besonderen Stand\u201c, sagt Eckert, \u201eder durch seine Herkunft \u00fcber solchen Zugeh\u00f6rigkeiten stand.\u201c Das spiegele die f\u00fcr fr\u00fchneuzeitliche Politik so wesentliche dynastische Heiratspolitik wieder, die \u201ainternational` angelegt war.<\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eSolche Verbindungen waren \u00fcblich, eben auch bei Wilhelm von Nassau-Oranien. Er war mit (einer weiteren) Maria Stuart verheiratet, der \u00e4ltesten Tochter Jakobs II. \/VII. (von England bzw. Schottland), und folgte seinem Schwiegervater, der sein K\u00f6nigreich hatte rekatholisieren wollen, nach der \u00b4Glorreichen Revolution` 1688\/1689 auf dem Thron.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seitdem ist der K\u00f6nig nicht mehr Alleinherrscher, sondern nur noch in Verbindung mit dem Parlament Tr\u00e4ger der Staatssouver\u00e4nit\u00e4t: \u00b4King-in-Parliament` hei\u00dft das im Staatsrecht der Insel. \u201eGleichwohl l\u00e4sst sich im Laufe der Zeit immer sch\u00e4rfere Kritik an \u00b4fremden\u2018 Mitgliedern des K\u00f6nigshauses beobachten\u201c, wei\u00df Eckert, man kreidete dem neuen K\u00f6nig seine nicht-englische Herkunft immer wieder an, da er bis zu seinem Tode in Personalunion weiterhin auch als Statthalter in den Vereinigten Niederlanden amtierte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wilhelm III. unterst\u00fctzte zwar die anglikanische Kirche, doch seine Herrschaft durfte er eben nur zusammen mit seiner englischen Frau Maria II. als gleichberechtigter K\u00f6nigin aus\u00fcben.<\/p>\n<h4>Act of Settlement regelt protestantische Thronfolge<\/h4>\n<p>Ein besonderes Gesetz beschr\u00e4nkte ab 1701 sogar die Thronfolge auf die nat\u00fcrlichen und legitimen Nachkommen von Sophie von der Pfalz (1630\u20131714), der Kurf\u00fcrstin von Braunschweig-L\u00fcneburg und Enkelin von Jakob\u00a0I. Im sogenannten \u00b4Act of Settlement` \u00fcberlagerten sich politische und konfessionelle Motive.<\/p>\n<p>\u201eDamals war die Lage heikel. Wilhelm III. und Maria II. hatten keine eigenen Kinder, so dass die Herrschaft an Marias Schwester Anne, eine weitere geborene Stuart, \u00fcberging\u201c, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. Anne selber sei eine tragische Figur, schildert Eckert, die viele Fr\u00fch- und Totgeburten erlitt und deren Sohn Wilhelm, der eigentliche Thronfolger, bereits im Alter von 11 Jahren verstarb.<\/p>\n<p>So wurde die Erbfolge zu einem eminenten Politikum. \u201eDie Dynastie der Stuarts stand nun vor dem Aussterben, nur noch ein Zweig hatte \u00fcberlebt.\u201c Doch das war ausgerechnet derjenige des bereits erw\u00e4hnten, vertriebenen, katholischen K\u00f6nigs Jakob II., der bei seinen Thronanspr\u00fcchen auf die Unterst\u00fctzung des franz\u00f6sischen Sonnenk\u00f6nigs Ludwig XIV. zur\u00fcckgreifen konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_56458\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-56458\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/buckingham-g5af6d94b6_1280-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der legend\u00e4re Buckingham Palast in London &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eUm eine solche, katholische Sukzession abzuwenden, \u00e4nderte das englische Parlament die Nachfolgeregelung zugunsten der Nachfahren von Sophie von der Pfalz.\u201c Sophies Mutter Elisabeth wiederum war die Tochter des ersten Stuart-K\u00f6nigs Jakob I., ihr Vater Kurf\u00fcrst Friedrich V. von der Pfalz stammte aus einer Linie des Hauses Wittelsbach.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>M\u00e4chtige Akteure setzten auf schwache Herrscher<\/h4>\n<p>\u201eDer \u00b4Act of Settlement` schloss sowohl Katholiken als auch solche mit katholischen Ehepartnern von der Thronfolge aus\u201c, erkl\u00e4rt Eckert. \u201eDieses Novum, das am Ende langanhaltender Auseinandersetzungen stand, garantierte, dass auch k\u00fcnftig ein Protestant regieren w\u00fcrde \u2013 und erneut ein Monarch, der \u00fcber wenig eigenen R\u00fcckhalt auf der Insel verf\u00fcgte, denn Sophie von der Pfalz war mit dem hannoveranischen Kurf\u00fcrsten Ernst August verheiratet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Man kann darin fast ein Muster erkennen: M\u00e4chtige Akteure auf der Insel setzten erneut auf einen eher schwachen Herrscher vom Kontinent, um ihre eigene Position zu st\u00e4rken.\u201c Dieses Gesetz gilt im Grundsatz bis heute: Immerhin ist der britische Monarch nach wie vor \u00b4Supreme Governor` der Anglikanischen Kirche \u2013 und erst seit 2013 st\u00fcnde einem Herrschaftsantritt ein katholischer Ehepartner nicht mehr im Wege.<\/p>\n<p>Als Ernst August, Prinz von Hannover und als solcher eben ein weitl\u00e4ufiger Verwandter der heutigen Royal Family und deshalb dem britischen Thronfolgegesetz unterworfen, im Jahre 1999 die katholische Caroline von Monaco heiratete, hatte er gem\u00e4\u00df dem \u00b4Act of Settlement\u00b4 zuvor K\u00f6nigin Elisabeth II. um Erlaubnis zu ersuchen.<\/p>\n<h4>Das Adels-Haus Hannover<\/h4>\n<p>Ab 1714 fand dann sozusagen ein deutscher Hochadelswechsel am englischen Hof statt und das Haus Hannover \u00fcbernahm die Geschicke des Landes bis zum Jahr 1901. Unter der Herrschaft dieser Linie des Welfengeschlechts erlebte Napoleon sein Waterloo, die Vorherrschaft auf den Weltmeeren wurde ausgebaut und das Britische Weltreich konnte auf anderen Kontinenten sogar vergr\u00f6\u00dfert werden.<\/p>\n<p>Doch wie kamen die Hannoveraner nach England? \u201eDer \u00b4Act of Settlement` schuf die gesetzlichen Grundlagen daf\u00fcr\u201c sagt Eckert. Die enge Verbindung des Hauses Hannover mit dem britischen K\u00f6nigshaus gehe auf das Jahr 1714 zur\u00fcck. Der Kurf\u00fcrst von Hannover bestieg als Georg I. den englischen Thron. Er war der Sohn der besagten Sophie von der Pfalz.<\/p>\n<div id=\"attachment_56459\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 305px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56459\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/3328102922.01.S001.LXXXXXXX.jpg\" alt=\"\" width=\"295\" height=\"468\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Buch-Tipp: &#8222;Englands Krone &#8211; Die Britische Monarchie im Wandel der Zeit&#8220; &#8211; Von Bettina Musall und Eva-Maria Schnurr &#8211; Ein Spiegel-Buch &#8211; Penguin Verlag &#8211; ISBN-10: 3328102922 &#8211; ISBN-13: 978-3328102922<\/span><\/div>\n<p>\u201eDas Thema der fremden Monarchen blieb weiterhin virulent, denn die K\u00f6nige aus dem Hause Hannover amtierten weiterhin in Personalunion auch in ihrem angestammten Territorium. Die in Schottland beheimateten Stuarts ihrerseits genossen weiterhin eine landesweite Unterst\u00fctzung, wie sich bei mehreren Aufst\u00e4nden bzw. Aufstandsversuchen zeigte. Das zeitgen\u00f6ssische Ger\u00fccht, Georg I. sei zeitlebens des Englischen nicht m\u00e4chtig gewesen, erschwerte die Anerkennung des Hauses Hannover zus\u00e4tzlich.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die enge Verbindung zwischen dem britischen Thron und den hannoveranischen Festlandbesitzungen endete erst im Jahre 1837 mit der Thronbesteigung K\u00f6nigin Viktorias. Sie war als Tochter von Eduard August, dem Herzog von Kent und Strathearn, eine Hannoveranerin. Aber das welfische Erbrecht lie\u00df im K\u00f6nigreich Hannover, anders als in Gro\u00dfbritannien, keine weibliche Thronfolge zu. Daher l\u00f6ste sich die \u00fcber ein Jahrhundert w\u00e4hrende Personalunion zwischen Gro\u00dfbritannien und Hannover seinerzeit auf.<\/p>\n<h4>Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha<\/h4>\n<p>Als K\u00f6nigin Victoria 1901 starb, endete mit der Thronbesteigung ihres Sohnes, Eduard VII., die Linie der Hannoveraner. Der neue englische K\u00f6nig kam nun aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha. \u201eDie Dynastie Sachsen-Coburg und Gotha war eine Nebenlinie der Wettiner, die \u00fcber ein vergleichsweise nachrangiges Territorium herrschte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Doch gerade das war wohl ein Grund daf\u00fcr, dass sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts binnen weniger Jahre gleich mehrere K\u00f6nigsw\u00fcrden errang\u201c, sagt Dr. Georg Eckert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>So besetzte diese Familie den Thron in Belgien mit Leopold I. \u2013 auch der amtierende K\u00f6nig Philippe stammt aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha \u2013, begr\u00fcndete die in Portugal regierende Dynastie Coburg-Braganza mit Ferdinand II. und heiratete mit dem Vater Eduards VII., Prinz Albert, in die britische K\u00f6nigsfamilie ein.<\/p>\n<p>\u201eIm stark von nationalen Ideen gepr\u00e4gten 19. Jahrhundert stie\u00df diese Hochzeit in der britischen \u00d6ffentlichkeit zun\u00e4chst auf massive Ablehnung\u201c, wei\u00df Dr. Eckert, \u201ezumal die Rolle eines Prinzgemahls ohne eigene Herrschaftsrechte erst einmal neu erfunden werden musste.\u201c Albert und Victoria betrieben je auf ihre Weise eine energische Modernisierung der britischen Monarchie, erkl\u00e4rt der Forscher. \u201eAlbert begeisterte sich vor allem f\u00fcr technische Innovationen. Auf sein Wirken geht die erste Weltausstellung in London im Jahre 1851 zur\u00fcck. Victoria gelang es in ihrer 64j\u00e4hrigen Regierungszeit, zu einer popul\u00e4ren Identifikationsfigur zu werden, wenn auch unter eher widerwilliger Preisgabe politischer Entscheidungsmacht.\u201c<\/p>\n<p>Seither hielten sich britische Monarchen von der Tagespolitik eher fern und erzielten ihre Wirkung durch die Wahrnehmung repr\u00e4sentativer Aufgaben und zahlreicher Wohlt\u00e4tigkeitsprogramme. \u201eMan kann sagen, dass sie schon im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert zu Medienstars wurden\u201c, beschreibt Eckert die Quellenlage.<\/p>\n<h4>Aus \u00b4Sachsen \u2013 Coburg und Gotha` wird das Haus \u00b4Windsor`<\/h4>\n<p>Seit 1917 hei\u00dft die k\u00f6nigliche Familie des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha um die j\u00fcngst verstorbene Monarchin Elisabeth II. mit Familiennamen Windsor. F\u00fcr die Namens\u00e4nderung gab es einen politischen Grund, der sich aus der eingangs erw\u00e4hnten Heiratspolitik erkl\u00e4ren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>In den Ehen von Viktorias Kindern zeige sich, erkl\u00e4rt Dr. Eckert, wie sehr sich die Dynastien noch immer nationalen Zuordnungen zu entziehen suchten. \u201eVictorias gleichnamige Tochter war mit dem preu\u00dfischen Thronfolger Friedrich verheiratet, dem Hundert-Tage-Kaiser aus dem Hause Hohenzollern.<\/p>\n<div id=\"attachment_56460\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 536px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-56460\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/queens-guard-gfb8d423f1_1280-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"526\" height=\"701\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Mitglied der ber\u00fchmten k\u00f6niglichen Garde &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Sie war die Mutter Kaiser Wilhelms II. Der sp\u00e4tere K\u00f6nig Eduard VII. war mit einer d\u00e4nischen Prinzessin verm\u00e4hlt\u201c, z\u00e4hlt Dr. Georg Eckert auf. \u201eAlice, eine weitere Tochter, heiratete den hessischen Gro\u00dfherzog, ihr Bruder Alfred eine russische Gro\u00dff\u00fcrstin aus dem Zarenhaus.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch alle anderen Geschwister, bis hin zur j\u00fcngsten Tochter Beatrice, die die Gattin von Heinrich Moritz von Battenberg wurde, verm\u00e4hlten sich mit kontinentalem Hochadel.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese ausl\u00e4ndischen und vor allem deutschen Verbindungen wurden in den enormen nationalen Aufwallungen, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, pl\u00f6tzlich zum Problem. Dr. Eckert erkl\u00e4rt es so: \u201eNun kam dem offenkundig deutschen Namen der Dynastie ein schriller Klang zu, prinzipiell und in der konkreten Kuriosit\u00e4t, dass im Jahre 1917 ausgerechnet deutsche Bomber der Bauart \u00b4Gotha G.IV` erste Luftangriffe auf Gro\u00dfbritannien flogen. Zudem hatte die Abdankung des russischen Zaren auch bei den Sachsen-Coburg-Gothas in Gro\u00dfbritannien die Sorge vor einem abrupten Ende der Monarchie gemehrt, so dass Georg V. f\u00fcr seine Dynastie im Juli des Jahres 1917 einen neuen Namen proklamierte.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Haus Windsor war geboren. \u201eGeorg V. besetzte also einen in der Tradition pr\u00e4senten Namen neu \u2013 Schloss Windsor ist also um viele Jahrhunderte \u00e4lter als die umfirmierte Dynastie, die es bis heute besitzt. Kaiser Wilhelm II. soll auf die Umbenennung seiner Verwandtschaft \u00fcbrigens mit der durchaus geistreichen Bemerkung reagiert haben, er freue sich schon auf die n\u00e4chste Auff\u00fchrung der \u00b4Lustigen Weiber von Sachsen-Coburg-Gotha`, in Anspielung auf Shakespeares \u00b4The Merry Wives of Windsor`.\u201c<\/p>\n<h4>Prinzgemahl mit ungeliebtem Namen<\/h4>\n<p>Im Jahre 1947 heiratete die sp\u00e4tere K\u00f6nigin Elisabeth II. Prinz Philipp \u2013 freilich erst nach einem Namenswechsel, der wiederum seine \u201adeutsche\u2018 Herkunft verschleiern sollte. Philipp wurde kurz vor der Hochzeit auf einmal zu einem \u201eMountbatten\u201c. Diese Familie hatte ebenfalls im Laufe des Erstens Weltkriegs ihre Bezeichnung ge\u00e4ndert, zuvor hie\u00df sie Battenberg.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eUrspr\u00fcnglich ist das eine Nebenlinie des hessischen Gro\u00dfherzogshauses\u201c, wei\u00df Dr. Eckert. \u201eDie Battenbergs geh\u00f6rten zum britischen K\u00f6nigshaus, und zeitgleich mit diesem reagierten sie auf die antideutsche Pr\u00e4gung der Weltkriegszeit. Sie war derart stark, dass der damals bedeutendste Battenberg, der in Graz geborene und in Hessen aufgewachsene britische Admiral Ludwig Alexander von Battenberg, bereits im Oktober des Jahres 1914 nach einer Kampagne, die seine Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber Gro\u00dfbritannien in Zweifel gezogen hatte, vom herausragenden Amt des Ersten Seelords zur\u00fccktreten musste.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sein Sohn, Louis Mountbatten, war der letzte Vizek\u00f6nig von Indien und erlangte traurige Ber\u00fchmtheit, als er 1979 durch ein Attentat der IRA ermordet wurde. Er war der Onkel von Philipp, dem sp\u00e4teren Herzog von Edinburgh. Dieser wiederum war \u201egeboren als Prinz Philipp von Griechenland und D\u00e4nemark. Sein Vater stammte aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Gl\u00fccksburg. Das war auch in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kein respektabler Name f\u00fcr einen Prinzgemahl.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Jahre der Hochzeit mit der britischen Thronfolgerin \u00e4nderte Philipp seinen Nachnamen und wurde in Anlehnung an die Abstammung seiner Mutter nunmehr ebenfalls ein Mountbatten. Die britische Staatsangeh\u00f6rigkeit erhielt er erst im Rahmen der Hochzeitsvorbereitungen.\u201c<\/p>\n<h4>Hollywood statt Hohenzollern<\/h4>\n<p>Mit Sophie, Gr\u00e4fin von Wessex, Queen Consort Camilla, Prinzessin Catherine und Herzogin Meghan haben in den letzten Jahren keine deutschen Vertreterinnen mehr in die Royal Family eingeheiratet. Der neue britische K\u00f6nig, Karl III. (Charles III.), spricht allerdings wie schon seit Vater Philipp flie\u00dfend Deutsch, davon konnte man sich bei der Rede des Kronprinzen im Deutschen Bundestag bereits 2020 \u00fcberzeugen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es sei prinzipiell allerdings eine gewisse Nationalisierung der K\u00f6nigsdynastie zu beobachten, sagt Dr. Georg Eckert, die Anzahl britischer Ehepartner nehme seit dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert zu, doch stie\u00dfen als Zeichen einer Demokratisierung der Monarchie erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch b\u00fcrgerliche Hochzeiten auf Zustimmung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Abdankung Edwards VIII. durch seine Eheschlie\u00dfung mit der zweimal geschiedenen b\u00fcrgerlichen \u2013 und obendrein: amerikanischen \u2013<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Wallis Simpson st\u00fcrzte die Monarchie 1936 kurzzeitig noch einmal in eine Krise. \u201eWie man an Herzogin Meghan sehen kann, ist Hollywood mittlerweile weitaus attraktiver als die Hohenzollern\u201c, sagt Dr. Georg Eckert abschlie\u00dfend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie Trauer um Elisabeth II. zeigt sogar, inwiefern die britischen Monarchen auf ganz andere Weise als vormals wieder zu globalen Gestalten geworden sind. Abgesehen davon, dass sich auch Karl III. gewiss nicht dem Verdacht aussetzen w\u00fcrde, sich bevorzugt von Angeh\u00f6rigen anderer Nationen beraten zu lassen, kann man ganz im Sinne uralter aristokratischer Praxis sagen: Wenn ein \u00b4Deutscher` an einem K\u00f6nigshof einen besonderen Einfluss h\u00e4tte, dann eher nicht qua seiner nationalen, sondern wenn schon seiner verwandtschaftlichen N\u00e4he.\u201c<\/p>\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt sollte zum Schluss noch die einzige Bergische K\u00f6nigin auf dem englischen Thron bleiben, auch eine \u00b4Deutsche`: Anna von Kleve (1515 \u2013 1557). Die geb\u00fcrtige D\u00fcsseldorferin verbrachte ihre Jugend auf Schloss Burg, bevor sie mit dem englischen K\u00f6nig Heinrich VIII. verheiratet wurde. Als dessen vierte von sechs Gemahlinnen ging sie in die Geschichte ein.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_56461\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 170px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-56461\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Eckert-Pressefoto-3.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"221\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dr. Georg Eckert &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Dr. Georg Eckert<\/h4>\n<p>Dr. Georg Eckert studierte Geschichte und Philosophie in T\u00fcbingen, wo er mit einer Studie \u00fcber die Fr\u00fchaufkl\u00e4rung um 1700 mit britischem Schwerpunkt promoviert wurde, und habilitierte sich in Wuppertal. 2009 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Geschichte und lehrt heute als Privatdozent in der Neueren Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den Tod von Elisabeth II., ihre weltweit live \u00fcbertragene Beisetzung und durch Prinz Charles sp\u00e4ten Aufstieg zum K\u00f6nig, war das englische K\u00f6nigshaus zuletzt wochenlang in aller Munde. Anlass f\u00fcr Uwe Blass, das Thema &#8222;Wie englisch sind die Royals eigentlich&#8220; in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; aufzugreifen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-56454","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-31 15:15:31","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56454"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56454\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":56463,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56454\/revisions\/56463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}