{"id":55591,"date":"2022-10-08T20:08:11","date_gmt":"2022-10-08T18:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=55591"},"modified":"2022-10-13T19:17:56","modified_gmt":"2022-10-13T17:17:56","slug":"camilla-jacob-vier-tal-typen-und-eine-theaterfrau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/10\/08\/camilla-jacob-vier-tal-typen-und-eine-theaterfrau\/","title":{"rendered":"Camilla Jacob: Vier Tal-Typen und eine Theaterfrau"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_55593\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-55593\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220909_04-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Schauspielerin Camilla Jacob &#8211; \u00a9 Manfred G\u00f6rgens<\/span><\/div>\n<p>Schlie\u00dflich interessiert das Publikum doch weit mehr, was Experten mitzuteilen haben. Nur: Wie vollst\u00e4ndig ist ein Meinungsspiegel, der einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung ausblendet?<\/p>\n<p>In einem Theaterprojekt hat die Schauspielerin Camilla Jacob vier dieser Unbefragten aus dem Wuppertaler Stadtleben befragt. Keine realen Personen, sondern Prototypen, keine M\u00e4nner, sondern ausschlie\u00dflich Frauen: eine Jugendliche, eine Alleinerziehende, eine Arbeiterin, eine Frau aus dem \u00f6ffentlichen Dienst.<\/p>\n<h4>Von MANFRED G\u00d6RGENS<\/h4>\n<p>Figuren aus dem gew\u00f6hnlichen Leben, die \u00fcberall im Stadtgeschehen vertreten sind, aber nicht ad\u00e4quat wahrgenommen werden. Wobei der weibliche Blick ungleich weniger Beachtung findet als der m\u00e4nnliche. Darum eben die Performance mit vier Frauen, eine jede von Camilla Jacob verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Die Schauspielerin, die 1989 in Hannover als Camilla Nowogrodzki geboren wurde und im niederschlesischen Jelena G\u00f3ra aufwuchs, lebt erst seit 2019 in Wuppertal. Ihr Einstieg in die Stadt gestaltete sich nachvollziehbar schwierig, denn kurz nach dem Umzug wurden Corona-Ma\u00dfnahmen ergriffen, die eine B\u00fchnenpr\u00e4senz nahezu unm\u00f6glich machten.<\/p>\n<div id=\"attachment_55594\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 710px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-55594\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220909_23-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"1049\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ist in Wuppertal angekommen: Camilla Jacob \u00a9 Manfred G\u00f6rgens<\/span><\/div>\n<p>Die Elberfelder Neub\u00fcrgerin, die damals gerade erst Mutter geworden war, nahm die Widrigkeiten als Herausforderung und nicht als Last. \u201eMein Optimismus ist eine bewusste Entscheidung f\u00fcr einen konstruktiven Umgang mit den Dingen. Ich bin in einem sehr sch\u00f6nen Alter, die Zeiten von Sturm und Drang sind \u00fcberstanden, ich f\u00fchle eine innere Klarheit\u201c, sagte sie auf dem H\u00f6hepunkt der Pandemie.<\/p>\n<p>Einen k\u00fcnstlerischen Anker fand sie damals im B\u00fcrgerbahnhof Vohwinkel, ein wertvoller Halt, der das Einfinden in die neue Rolle als Mutter und in die neue Umgebung erleichterte.<\/p>\n<p>Wohnortwechsel sind f\u00fcr Camilla Jacob keine Seltenheit. Aus Niederschlesien zog sie mit den Eltern im Alter von zw\u00f6lf Jahren nach Berlin, um nach dem Abitur ihr Schauspielstudium bei Professor Markus W\u00fcnsch an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Rostock aufzunehmen.<\/p>\n<p>Mit dem selbstinszenierten Projekt \u201eWoyzeck\u201c nach Georg B\u00fcchner errang sie 2012 beim Hochschulwettbewerb HMT-Interdisziplin\u00e4r den 1. Preis. Nach Abschluss des Studiums 2015 wechselte sie ans Vorarlberger Landestheater Bregenz und damit in \u201eeinen elit\u00e4ren Kreis, wo beste Rahmenbedingungen herrschten, aber doch die Br\u00fccke zu den Alltagsmenschen fehlte\u201c.<\/p>\n<p>Selbst Erfolge wie der STELLA.Jugendpreis 2016 f\u00fcr die beste Kinder- und Jugendtheaterproduktion in \u00d6sterreich konnten am Ende nicht gegen das Heimweh nach Berlin ankommen. Sie zog wieder in die deutsche Hauptstadt und bekam, was zumindest Laien als Medaille einer Schauspielkarriere erscheinen will: ihr erstes Engagement f\u00fcr eine TV-Produktion. Es war die Rolle der Crystal in der Serie \u201eBerlin Station\u201c unter Regisseur John David Coles (\u201eHouse of Cards\u201c, \u201eLaw &amp; Order\u201c).<\/p>\n<div id=\"attachment_55595\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55595 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220909_30-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Camilla Jacob hat B\u00fchnen- und Kamera-Erfahrung &#8211; \u00a9 Manfred G\u00f6rgens<\/span><\/div>\n<p>Regisseurin Connie Walther leitete eine Phase ein, die bis heute Camillas beruflichen und pers\u00f6nlichen Werdegang ausmacht. Die soziale Arbeit im kulturellen Kontext verbunden mit Schauspiel erwies sich als richtungsgebend. Berliner Kinderhilfe Schutzengel und Jugendamt Treptow-K\u00f6penick wurden ebenso Stationen der neuen Orientierung wie ein Theaterprojekt im Nachbarschaftsheim Neuk\u00f6lln mit M\u00e4dchen der Sinti und Roma.<\/p>\n<p>Deutlich in diesen Zusammenhang geh\u00f6rt die Rolle in der \u201eTatort\u201c-Folge \u201eLeonessa\u201c (2020) mit Ulrike Folkerts und Lisa Bitter. Camilla spielt darin die \u00fcberforderte Mutter einer 15-J\u00e4hrigen, die sich prostituiert.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter kam der Umzug von Berlin nach Wuppertal. Im Unterschied zu vielen alteingesessenen B\u00fcrgern ist Camilla Jacob begeistert von dieser Stadt: \u201eWuppertal hat gro\u00dfes Potenzial, wird aber leider in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung stark untersch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem 2022 die zahlreichen Einschr\u00e4nkungen des Kulturlebens aufgehoben wurden, hat die Schauspielerin auch Wuppertals Kulturleben erfahren k\u00f6nnen und empfindet nun eine Aufbruchsstimmung, in der sie selbst zahlreiche neue Kontakte schlie\u00dfen und sich vernetzen konnte, etwa mit dem Caf\u00e9 Ada. \u201eDie Stadt ist noch urspr\u00fcnglich und vor allem \u00fcberschaubar. Wuppertal hat seinen eigenen Rhythmus, den es sich nicht nehmen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Und nun sei es an der Zeit, die Kultur wieder hochzufahren. In diesen Kontext geh\u00f6rt die Performance, die Camilla Jacob erstmals am 16. Oktober in der Bahnhofshalle Vohwinkel auff\u00fchren wird. In Textfragmenten besch\u00e4ftigt sie sich mit der Frage, was ihre vier Frauentypen denken k\u00f6nnten, was sie als das Lebenswerte in dieser Zeit betrachten, was sie zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<div id=\"attachment_55596\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 711px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55596 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/220909_38-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"701\" height=\"1051\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Besitzt nicht nur gro\u00dfes Talent, sondern auch viel Humor: Camilla Jacob &#8211; \u00a9 Manfred G\u00f6rgens<\/span><\/div>\n<p>Cello und Trompete, die akustisch besser in die Halle passen als etwa ein Klavier, liefern dazu musikalische Begleitung. Im Anschluss wird das Publikum zum Austausch in den B\u00fcrgerbahnhof eingeladen. Wie es nach der Premiere weitergeht, wird sich je nach Corona-Lage entscheiden.<\/p>\n<p>Betr\u00fcblich w\u00e4re es, wenn es keine Fortf\u00fchrung g\u00e4be, denn der Planungsaufwand war immens und h\u00f6her, als Camilla Jacob erwartet hatte. Allein die Buchung der Bahnhofshalle kostete viel Zeit und Kraft, da hier\u00fcber mit der Deutschen Bahn zu verhandeln war. Am Rande aber ergaben sich bereits gute Kontakte zur Stadt Wuppertal und zu lokalen Unternehmen.<\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite von Camilla Jacob<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.camilla-jacob.de\">http:\/\/www.camilla-jacob.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sind diese Menschen, die zum gro\u00dfen und kleinen Weltgeschehen nie befragt werden. Die sich in ihre vermeintliche Bedeutungslosigkeit so sehr ergeben haben, dass sie von sich aus h\u00f6chstens in sozialen Medien das Wort ergreifen, um ihre Sicht der Dinge in die Runde zu werfen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-55591","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-04 07:08:32","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55591"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55591\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55598,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55591\/revisions\/55598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}