{"id":55258,"date":"2022-09-12T10:50:55","date_gmt":"2022-09-12T08:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=55258"},"modified":"2022-09-13T14:35:06","modified_gmt":"2022-09-13T12:35:06","slug":"macbeth-zeitlose-urfabel-ueber-mord-und-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/09\/12\/macbeth-zeitlose-urfabel-ueber-mord-und-gewalt\/","title":{"rendered":"&#8222;Macbeth&#8220;: Zeitlose Urfabel \u00fcber Mord und Gewalt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_55261\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-55261\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Macbeth_SchSpW__c_UweSchinkel__10_-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Darsteller in &#8222;Macbeth&#8220;: (v.l.) Kevin Wilke, Thomas Braus, Rebekka Biener und Julia Meier &#8211; \u00a9 Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Das Werk handelt vom Aufstieg des k\u00f6niglichen Heerf\u00fchrers Macbeth zum K\u00f6nig von Schottland, seinem Wandel zum K\u00f6nigsm\u00f6rder und weiteren Mordtaten sowie seinem Fall. &#8222;Macbeth&#8220; ist eine zeitlose Urfabel \u00fcber Machtgier, Mord und die sich fortsetzende Gewalt. Jetzt war Premiere im Opernhaus.<\/p>\n<p>Shakespeares Klassiker eilt der Ruf voraus, blutr\u00fcnstig und einen skrupellosen mordenden Tyrannen zu zeigen. Der historische Macbeth war gemessen an seiner Zeit indessen keineswegs der wahnsinnige M\u00f6rder, sondern eher ein Herrscher, der sich f\u00fcr die Einheit Schottlands einsetzte. Shakespeares Vorlage seines Werkes war von 1040 bis 1057 (nach Christus) schottischer K\u00f6nig. Der Name \u201eMacbeth\u201c bedeute &#8222;Sohn des Lebens\u201c.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Aberglaube, Mythologie und Fiktion<\/h4>\n<p>Shakespeares formte seine Geschichte 1606 nach den damals g\u00fcltigen Theateregeln um und verkn\u00fcpfte in seinem Drama geschichtliche Fakten \u00fcber den historischen Schottenk\u00f6nig Macbeth und den zeitgen\u00f6ssischen englischen K\u00f6nig Jakob I. mit Aberglauben, Mythologie und Fiktion. Eine \u00fcbersinnliche Ebene in Gestalt von drei Schicksalsschwestern mit dunklen Zauberspr\u00fcchen und Weissagungen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_55263\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-55263\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Macbeth_SchSpW__c_UweSchinkel__9_-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">(V.l.) Alexander Peiler, Julia Wolff, Thomas Braus, Julia Meier, Rebekka Biener, Kevin Wilke &#8211; \u00a9 Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Eine vielversprechende, aber breit interpretierbare Weissagung f\u00fchrt den erfolgreichen schottischen Feldherrn Macbeth in Versuchung, dem Lauf des Schicksals nachzuhelfen. Seine Frau, Lady Macbeth, ehrgeizig und anstachelnd, ist der \u00dcberzeugung, dass Macbeth sich nicht mit den Ehrentiteln &#8222;Than von Glamis&#8220; und &#8222;Than von Cawdor&#8220; zufriedengeben, sondern direkt nach der K\u00f6nigsw\u00fcrde greifen sollte.<\/p>\n<p>Macbeth z\u00f6gert und zweifelt, denn dieser Weg f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig \u00fcber Mord und Schuld. Einmal im Mechanismus von Drohungen, Gewalt und falschen Anschuldigungen gefangen, vermag Macbeth seinem eigenen System nicht mehr zu entkommen.<\/p>\n<p>Der Einblick in das Gedankendrama von Macbeth l\u00e4\u00dft zus\u00e4tzlich Anteil an seine innere K\u00e4mpfe und \u00c4ngsten nehmen. Die Entwicklung des Schauspielstils trug zur Psychologisierung bei und lie\u00df aus den handelnden Personen des Dramas komplexe Pers\u00f6nlichkeiten werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_55265\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-55265\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Macbeth_SchSpW__c_UweSchinkel__8_-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">(V. l.) Alexander Peiler, Thomas Braus, Julia Meier &#8211; \u00a9 Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Die Geschichte selbst l\u00e4sst mehrere voneinander verschiedene Interpretationen zu, so dass man in Wuppertal auf die Inszenierung des \u00fcberregional gefragten Dortmunder Direktor der Akademie f\u00fcr Theater und Digitalit\u00e4t Marcus Lobbes sowie der Wuppertaler Dramaturgien Barbara Noth gespannt sein durfte.<\/p>\n<h4>Symbol: Ein blutverschmierter Kopf<\/h4>\n<p>Die handelnden Personen, der ermordet K\u00f6nig Duncan und seine S\u00f6hne Malcolm und Donalbain sowie sein Kriegsherr und M\u00f6rder Macbeth mit Gattin Lady Macbeth als Intrigantin und die Lehnsherren Banque und Macduff sowie die drei Schicksalsschwestern werden von Rebekka Biener, Thomas Braus, Julia Meier, Alexander Peiler, Kevin Wilke und Julia Wolf in wechselnden Rollen dargestellt, so dass die komplexen Personen nicht immer sicher zuzuordnen sind, zumal sie sich meist mehrstimmig artikulierten. F\u00fcr die brillanten K\u00fcnstler, aber auch f\u00fcr den Zuschauer eine Herausforderung.<\/p>\n<p>Eindrucksvoll das B\u00fchnenbild von Robi Voigt (Z\u00fcrich) und die Kost\u00fcme von Pia Maria Mackert, beide bereits hochdekoriert. Knallgelbe Kost\u00fcme in einer Umgebung mit moderner K\u00fcchenzeile und einer Dusche, die zum symbolischen Abwaschen der Schuld dient, lassen einen modernen Zeitgeist erscheinen, der noch mit der in englischer Sprache gefassten, akustischen Einblendungen aktualisiert wird. Symbolisch wird der blutverschmierte Kopf des ermordeten K\u00f6nigs wie ein roter Faden durch das Geschehen getragen.<\/p>\n<h4>Beschw\u00f6rungstheorien<\/h4>\n<p>Das Drama spielt sich zwischen Imagination und Realit\u00e4t in zwei unterschiedlichen Zeitstrukturen und Welten ab. Interessant deshalb auch die sp\u00e4ter im Mittelalter einsetzenden Beschw\u00f6rungstheorien, wonach Shakespeare seinen Hexenfiguren Beschw\u00f6rungsformeln in den Mund gelegt haben soll, die durch das Rezitieren auf der B\u00fchne ihre dunkle Maggie entfalten\u2026.<\/p>\n<div id=\"attachment_55267\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-55267 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Macbeth_SchSpW__c_UweSchinkel__7_-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">(V.l.) Thomas Braus, Kevin Wilke, Alexander Peiler, Rebekka Biener, Julia Meier, Julia Wolff &#8211; \u00a9 Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>80 Minuten dauert die Vorstellung und muss das sehenswerte Geschehen damit zwangsl\u00e4ufig arg komprimieren. Das Premierenpublikum honorierte die Vorstellung mit lang anhaltendem Beifall. Sieben Auff\u00fchrungen sind im Wuppertaler Opernhaus bis zum 26. M\u00e4rz 2023 noch geplant, die n\u00e4chste am Donnerstag, den 29. September.<\/p>\n<p>Wer ohne Vorwissen in den vollen Theatergenuss kommen m\u00f6chte, dem sei zum tieferen Verst\u00e4ndnis angeraten, sich mit den Inhalten des St\u00fcck bereits im Vorfeld zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht um Fragen \u00fcber Moral und ethische Grunds\u00e4tze. Es geht um die ewigen Menschheitsthemen Machtgier, die Frage nach Vorherbestimmung des Sckicksals bis hin zu S\u00fchne und Schild. Das Schauspiel Wuppertal hat Shakespeares Trag\u00f6die \u201eMacbeth\u201c in dieser Spielzeit in sein Programm genommen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-55258","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-15 07:23:01","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55258"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55355,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55258\/revisions\/55355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}