{"id":55070,"date":"2022-08-31T19:10:58","date_gmt":"2022-08-31T17:10:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=55070"},"modified":"2022-08-31T19:10:58","modified_gmt":"2022-08-31T17:10:58","slug":"neue-tarifpflicht-das-aus-fuer-viele-pflegedienste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/08\/31\/neue-tarifpflicht-das-aus-fuer-viele-pflegedienste\/","title":{"rendered":"Neue Tarifpflicht: Das Aus f\u00fcr viele Pflegedienste?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_55072\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-55072\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Michael_Wessel_1_Foto_Pflege_Wessel-2-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel macht sich Sorgen um seine Branche &#8211; \u00a9 Pflegedienst Wessel<\/span><\/div>\n<p>Michael Wessel spricht Klartext:\u00a0\u201eAls wir von der Tarifpflicht erfahren haben, waren wir zun\u00e4chst erleichtert. Denn darin haben wir zwei Vorteile gesehen: Erstens bekommen Pflegekr\u00e4fte eine bessere Bezahlung und zweitens gibt es mehr Transparenz, wenn jeder Arbeitgeber das gleiche zahlen muss. Damit w\u00e4re der finanzielle Anreiz, ein Unternehmen zu wechseln, nicht mehr gegeben und die Job-Fluktuation in der Branche n\u00e4hme ab.\u201c<\/p>\n<p>Vielmehr tr\u00e4ten dann Auswahlkriterien wie Arbeits- und Freizeit, Fortbildungs- und Karrierem\u00f6glichkeiten sowie zus\u00e4tzliche Angebote st\u00e4rker in den Vordergrund.<\/p>\n<p>Zudem hie\u00df es bei Ank\u00fcndigung der Tarifpflicht, dass die Refinanzierung gesichert sei. \u201eDarauf haben wir uns nat\u00fcrlich verlassen\u201c, sagt Michael Wessel. Zum 1. September 2022 tritt die Tarifpflicht in Kraft \u2013 doch seit gut sieben Monaten gebe es mehr Fragen und Sorgen, als Antworten und Optimismus.<\/p>\n<p>Denn von einer Refinanzierung k\u00f6nne keine Rede sein und es herrsche Chaos, welchem Tarif sich welches Unternehmen anschlie\u00dfen solle. Allein NRW stellt 16 Tarife zur Auswahl. Seit Monaten befasst sich ein extra gebildetes Team bei Pflege Wessel mit der Berechnung, welcher der passende f\u00fcr die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Denn das k\u00f6nne bei jedem Unternehmen ein anderer Tarif sein: \u201eEs kommt auf die Struktur an. Ist es ausschlie\u00dflich ein ambulanter Fahrdienst, sind es Wohngemeinschaften oder wie in unserem Fall eine Mischung aus beidem mit zus\u00e4tzlicher 24-Stunden-Betreuung von Patienten in ihrem eigenen Zuhause.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende aller Berechnungen stehe fest: F\u00fcr Pflege Wessel bedeute es 20 bis knapp 30 Prozent mehr Lohnkosten in H\u00f6he von 60.000 bis 70.000 Euro pro Monat. Das Problem dabei: Der maximal von der Pflegekasse zur Verf\u00fcgung stehende Betrag, der pro Pflegegrad an den Patienten gezahlt werde, bliebe unver\u00e4ndert. Der Kostendeckel sei starr. Lediglich f\u00fcr die einzelnen Leistungen, die eine Pflegekraft am Patienten erbringe \u2013 beispielsweise f\u00fcr Waschen oder Duschen, Hilfe beim Anziehen oder auf der Toilette \u2013 k\u00f6nne nun ein etwas h\u00f6herer Betrag abgerechnet werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_55073\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-55073\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Michael_Wessel_3_Foto_Pflege_Wessel-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Michael Wessel &#8211; \u00a9 Pflegedienst Wessel<\/span><\/div>\n<p>Doch das versch\u00e4rfe das Problem weiter: Wenn auch noch die Leistung teurer werde und die Pflegekraft mehr Lohn bekomme, sei der Deckel des Pflegegrades umso schneller erreicht. Michael Wessel bef\u00fcrchtet: \u201eAm Ende leidet vor allem der Pflegebed\u00fcrftige unter der Situation. Wurde er bislang beispielsweise t\u00e4glich vom Pflegedienst versorgt, ist dieselbe Leistung entweder jetzt nur noch dreimal pro Woche m\u00f6glich, oder der Betroffene muss privat draufzahlen.\u201c<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnten aber die wenigsten, also bliebe nur der Antrag beim Sozialhilfetr\u00e4ger auf Kosten\u00fcbernahme. Und das im hohen Alter und mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen. Michael Wessel ist fassungslos: \u201eMenschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, werden im Alter von \u00fcber 80 Jahren jetzt pl\u00f6tzlich zu Sozialf\u00e4llen. Das ist erschreckend. Und was noch schlimmer ist: Pflegedienste werden k\u00fcnftig nicht mehr anhand \u00e4rztlicher Diagnosen und Versorgungsm\u00f6glichkeiten entscheiden, einen Patienten anzunehmen oder nicht, sondern anhand seiner Verm\u00f6genswerte.\u201c<\/p>\n<p>Michael Wessel fordert, dass hier dringend nachgebessert werden m\u00fcsse, denn sonst bedeute dies das Aus f\u00fcr viele Pflegedienste in den kommenden Monaten \u2013 und das bundesweit.\u00a0\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine gute Idee, aber nicht zu Ende gedacht? Am 1. September 2022 tritt die Tarifpflicht in der Pflege in Kraft. Doch daraus ergeben sich nach \u00dcberzeugung von Michael Wessel, Inhaber des Wuppertaler Pflegedienstes Wessel, mehr Fragen als Antworten. Unter dem Strich k\u00f6nnte die neue Tarifpflicht das Aus vieler privat gef\u00fchrter Pflegedienste in den kommenden Monaten bedeuten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-55070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 05:35:35","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55070"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":55075,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55070\/revisions\/55075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}