{"id":54893,"date":"2022-08-26T07:49:17","date_gmt":"2022-08-26T05:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=54893"},"modified":"2022-08-26T07:49:17","modified_gmt":"2022-08-26T05:49:17","slug":"lukas-baumann-gibt-bei-der-kurrende-den-ton-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/08\/26\/lukas-baumann-gibt-bei-der-kurrende-den-ton-an\/","title":{"rendered":"Lukas Baumann gibt bei der Kurrende den Ton an"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_54921\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54921\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/1200598-2-3-1024x879.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"879\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lukas Baumann, der neue Musikalische Leiter im Kreise seiner jungen Chormitglieder &#8211; \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<p>Mit seinen 26 Jahren hat Lukas Baumann schon sehr vier Erfahrung in der deutschen Knabenchor-Szene gesammelt und eine Menge Verantwortung getragen &#8211; ob in Jena, Suhl oder Windsbach. Bereits in seiner Zeit als Mitglied der Wuppertaler Kurrende war er mehrere Jahre Assistent des Chorleiters. Jetzt schliesst sich der Kreis. Mit Vorfreude und neuen Idee im Gep\u00e4ck ist Lukas Baumann an die Wupper zur\u00fcck gekehrt. F\u00fcr ihn ging ein beruflicher Wunschtraum in Erf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter mit dem Wuppertaler Knabenchor Kurrende, der eine so &#8222;klangvolle&#8220; Vergangenheit hat? Welche neuen musikalischen Akzente gesetzt werden, ohne zu sehr an den guten, alten Traditionen zu r\u00fctteln? Welche Pr\u00e4ventivmassnahmen werden bei der Kurrende ergriffen, um Missbrauch nahezu auszuschliessen? \u00dcber diese und viele andere Themen haben wir uns mit dem neuen Musikalischen Leiter Lukas Baumann und Chormanager Tilman Klett, der f\u00fcr den kaufm\u00e4nnischen Bereich und das Marketing zust\u00e4ndig ist, unterhalten.<\/p>\n<p><b>DS: Sie haben eine Kurrende-Vergangenheit, ist das f\u00fcr Sie so etwas wie ein nach Hause kommen?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Absolut. Ich habe selber 12 Jahre in der Wuppertaler Kurrende gesungen und auch schon damals musikalische Assistenzt\u00e4tigkeiten wahrgenommen. Ich freue mich jetzt sehr darauf, in anderer Funktion als Chorleiter zur\u00fcckzukommen, in bekannte Strukturen einzusteigen und meine eigenen Impulse zu setzen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was reizt Sie an dieser Aufgabe besonders?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Ich bin schon mein ganzes Leben lang ein gro\u00dfer Knabenchor-Fan. Ich finde das Konzept sehr reizvoll, da hier ausschlie\u00dflich Jungen und junge M\u00e4nner zusammenkommen, um zu singen. Das ist in der heutigen Zeit ja schon au\u00dfergew\u00f6hnlich. Dadurch entsteht eine ganz besondere, intensive Gemeinschaft und diese wirkt sich dann auch positiv auf den Klang eines Chores aus. Die Wuppertaler Kurrende hat sehr professionelle Strukturen. Ich freue mich wahnsinnig, dass ich hier einsteigen und meine musikalischen Vorstellungen als Leiter verwirklichen kann.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Ist das Wort Knabenchor inzwischen nicht old-fashioned und nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Das finde ich nicht. Knabench\u00f6re haben eine jahrhundertealte Tradition. Sicher k\u00f6nnte man den Namen \u00e4ndern und an die heutige Sprache anpassen. Dann w\u00fcrde man aber auch im gewissen Ma\u00dfe mit der Tradition brechen. Es gibt in Deutschland etwa 50 bis 60 Ch\u00f6re, in denen nur Jungen singen, die alle unter der Bezeichnung Knabenchor laufen. Auch wenn das Wort Knabe vielleicht etwas veraltet ist, repr\u00e4sentiert der Name Knabenchor doch eine erfolgreiche, unverwechselbare Marke.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_54908\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1005px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-54908 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/1200664-3-995x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"995\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lukas Baumann bei einer Probe seines Chores &#8211; \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wo werden Sie als Chorleiter neue Impulse und Akzente setzten?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Ich lege bei den Proben gro\u00dfen Wert auf konzentrierte Arbeit. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich sehr gerne auch der Tradition treu bleiben. Es gibt viele Komponisten, die gro\u00dfe Werke f\u00fcr extra f\u00fcr Knabench\u00f6re komponiert haben. Allen voran Johann Sebastian Bach, aber es gibt auch viele andere. Deren Werke k\u00f6nnen von Knabench\u00f6ren so eindrucksvoll vorgetragen werden, wie von keinem gemischten Chor. Das ist klassische Musik, die man heute unbedingt noch in der authentischen Auff\u00fchrungsweise pr\u00e4sentieren sollte. Auf der anderen Seite m\u00f6chte ich aber auch neue Impulse setzen mit Werken von zeitgen\u00f6ssischen Komponisten, die wunderbare Musik f\u00fcr Ch\u00f6re schreiben.&#8220;<\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Jeder Chorleiter hat eigene klangliche Vorstellungen und auch einen eigenen stimmtechnischen Ansatz. Schon allein deshalb wird sich schon der Klang der Kurrende mit der Zeit weiter entwickeln und ver\u00e4ndern. Damit wird dann eine eigene, neue Linie h\u00f6rbar. Diese neue auf Konzentration und Disziplin setzende Linie wird aber auch ganz sicher sichtbar werden. Dabei kann Lukas Baumann seine breit gef\u00e4cherte Erfahrung, die er bei der Arbeit mit anderen Knabench\u00f6ren gesammelt hat, erfolgversprechend miteinbringen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Kurrende ist lateinisch und bedeutet \u201eLaufchor<\/b>&#8222;<b> und war urspr\u00fcnglich ein aus bed\u00fcrftigen Sch\u00fclern bestehender Chor an protestantischen Schulen, der unter Leitung eines \u00e4lteren Sch\u00fclers von Haus zu Haus zog oder bei Festen f\u00fcr Geld sang. Martin Luther gilt ja als Vorbild eines Kurrende-S\u00e4ngers. Wie eng ist aktuell noch die Bindung zur evangelischen Kirche?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Es kann selbstverst\u00e4ndlich heute jeder Junge Mitglied werden in der Kurrende. Es gibt keine Eintrittsvoraussetzung, au\u00dfer dass man eine Grundleidenschaft f\u00fcr das gemeinsame Musizieren mitbringen muss. Trotzdem haben wir als Traditions-Chor, der fast 100 Jahre alt ist, durchaus eine enge Verbindung mit der evangelischen Kirche. Und das nicht nur wegen der institutionellen F\u00f6rderung des Kirchenkreises, sondern auch durch unser gottesdienstliches Mitwirken in rund 15 Gottesdiensten in Gemeinden des Kirchenkreises pro Jahr. Grunds\u00e4tzlich fungieren wir aber inzwischen als \u00fcberkonfessionelle Einrichtung, die auch katholische Gottesdienste mitgestaltet und somit in ganz Wuppertal einen kulturellen Fu\u00dfabdruck hinterl\u00e4sst. Neben den Gottesdiensten singen wir vornehmlich Konzerte mit geistlichen Werken und bewahren damit das reiche Erbe der christlichen Chormusik.\u201c<\/p>\n<p><b>DS: Sie sagten gerade, dass jeder Junge Mitglied der Kurrende werden k\u00f6nne. Gilt das auch f\u00fcr Kinder von Andersgl\u00e4ubigen &#8211; beispielsweise f\u00fcr den Sohn muslimischer Eltern?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Auch Nicht-Gl\u00e4ubige oder Kinder muslimischen Glaubens k\u00f6nnen bei uns wie alle anderen mitsingen. Hier m\u00fcssen die Familien das Verst\u00e4ndnis mitbringen, dass die Jungen sich in unserer Chorgemeinschaft der Pflege christlicher Chormusik und dem damit verbundenen Verk\u00fcndigungsgedanken widmen. Unabh\u00e4ngig vom eigenen kulturell-religi\u00f6sen Hintergrund k\u00f6nnen die Jungen bei uns den wahnsinnig wertvollen Kulturschatz der Geistlichen Chormusik entdecken und von unserem Ausbildungsangebot und dem ganzheitlichen Bildungsansatz profitieren. Zugegebenerma\u00dfen finden nur selten muslimische Familien den Weg zu uns. Das ist aber sehr schade, da es dort so viele begabte Kinder gibt, deren Talent wird gern wecken und f\u00f6rdern m\u00f6chten.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_54904\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54904\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Tilman_Klett_2021_05_grade-30-2-1024x741.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"741\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tilman Klett, kaufm\u00e4nnischer Leiter der Wuppertaler Kurrende &#8211; \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie schwer ist es eigentlich, Kids in Zeiten, in denen sie sich lieber mit dem Smartphone und der Spielkonsole besch\u00e4ftigen, f\u00fcr das Singen in einem Knabenchor zu begeistern?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Zur Wuppertaler Kurrende geh\u00f6rt neben der Musik und dem Singen auch das ausgepr\u00e4gte Gemeinschaftserlebnis. Die Jungen und Jugendlichen kommen teilweise schon eine Stunde vor der Chorprobe zu uns, um Fu\u00dfball, Basketball oder Tischtennis zu spielen. Oder einfach nur, um ihre besten Freunde zu treffen. Nat\u00fcrlich spielen auch unsere Jungs gerne mit dem Smartphone, aber in den Proben ist es nicht gestattet. Auf unseren Reisen setzten wir bei den Kleinen gerne auch auf Smartphone-Entzug, sodass die Jungs auch mal Karten spielen oder ein Buch in die Hand nehmen. Ich glaube, unser Knabenchor ist ein guter Gegenpol f\u00fcr diese immer rastloser werdende Gesellschaft.&#8220;<\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Die Smartphone-Daddelei f\u00fchrt ganz sicher dazu, dass das Konzentrationsverm\u00f6gen bei den Jungen abnimmt. Diese Erfahrung machen wir aber auch die Schulen. Da ist es sicher sehr vorteilhaft, dass unsere Jungs in Proben und Konzerten konzentrativ stark gefordert werden. Bei uns machen sie einen Lernprozess durch, der sie sicher auch f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Leben nach dem Ausscheiden bei der Kurrende positiv pr\u00e4gt.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Kindes-Missbrauchsf\u00e4lle gibt es nicht nur in der katholischen Kirche, sondern in Sportvereinen, Kinderg\u00e4rten, Internaten und auch in Knabench\u00f6ren. Inwieweit gibt es in dieser Hinsicht in bei Ihnen eingebaute Sicherungen?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Das Missbrauchsrisiko existiert leider gesamtgesellschaftlich. Deshalb steht der Schutz der Kinder bei uns auch an vorderster Stelle. Ich glaube, dass wir strukturell ein geringeres Risiko haben als andere Eirichtungen. Unsere Kinder sind in der Regel immer in Gruppen unterwegs. Das sorgt f\u00fcr einen gegenseitigen Schutz. Wir schulen und sensibilisieren ganz gezielt alle Mitarbeiter und auch die ehrenamtlichen Helfer, die meist betreuerische Aufgaben haben. Uns ist dennoch bewusst, dass es ein gewisses Rest-Risko gibt. Wir behalten bei diesem Thema einen wachen Blick. Das Gef\u00e4hrlichste in dem Zusammenhang ist n\u00e4mlich Naivit\u00e4t.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Auf der anderen Seite k\u00f6nnten auch Erwachsene im Umfeld Ihres Chores m\u00f6glicherweise aus Versehen oder aber ganz bewusst zu Unrecht beschuldigt zu werden. Wie wollen Sie das verhindern?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Indem wir unser Personal und die ehrenamtlichen Mitarbeiter regelm\u00e4\u00dfig schulen. Es ist schon richtig, dass man auch die Erwachsenen vor ungerechtfertigten Anschuldigungen sch\u00fctzen muss. Einen solchen Fall hat es meines Wissens bei uns noch nicht gegeben. Dennoch hat der Schutz der Kinder Priorit\u00e4t. Wichtig ist dabei auch, dass man eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Elternh\u00e4usern pflegt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>DS: Thematisieren Sie das Missbrauchs-Risiko auch in Gespr\u00e4chen mit den Eltern?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Wir f\u00fchren mit allen Familien, die ihre Kinder in der Kurrende anmelden, ein ausf\u00fchrliches Kennenlerngespr\u00e4ch. Da geht es in erster Linie um die Anforderungen, die an die Kinder und Familien gestellt werden und die gro\u00dfen Chancen, die die Mitgliedschaft in der Kurrende bietet. Das Thema Missbrauch spielt in diesen Gespr\u00e4chen bislang keine gro\u00dfe Rolle, es sei denn, es wird von den Eltern ausdr\u00fccklich angesprochen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie funktioniert \u00fcberhaupt der Austausch mit den Eltern, die sich &#8211; das sieht man in den Schulen und Gymnasien &#8211; heute viel mehr als fr\u00fcher einbringen und Mitsprache fordern?<\/b><\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Wir stehen im st\u00e4ndigen Austausch mit den Elternh\u00e4usern. Dieses eben erw\u00e4hnte Eingangsgespr\u00e4ch ist besonders wichtig, damit die Familien wissen, worauf sie sich einlassen. Wir haben einen Kulturwahrungsauftrag und verfolgen in diesem Sinne eine sehr klare Linie. Die Eltern sp\u00fcren im besten Fall schnell, dass unser Konzept funktioniert, und tragen es in der Regel mit.&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-54909\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/1200653-2-1024x900.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"900\" \/><\/p>\n<p><b>DS: Gerade bei einem so ambitionierten und erfolgreichen Chor wie der Kurrende muss zwangsl\u00e4ufig das Leistungsprinzip herrschen. Wie schwer ist es, jungen Bewerbern und deren Eltern klarzumachen, dass das Talent doch nicht ausreicht?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Es kommt bei uns fast nie vor, dass wir einen Jungen ausschlie\u00dfen und nach Hause schicken m\u00fcssen. Die Kinder, die bei uns angemeldet werden, sind meist mit ihrer musikalischen Kindererziehung bereits im Kindergarten oder im ersten oder zweiten Schuljahr gestartet. Die jungen Einsteiger kommen dann erst einmal in einen unserer Nachwuchsch\u00f6re. Hier lernen sie das Singen von Grund auf und auch die Musiktheorie und alles, was dazu geh\u00f6rt. Mit steigender Erfahrung wird es dann anspruchsvoller f\u00fcr die Jungen. Ein Chor setzt sich immer aus Mitgliedern zusammen, die anf\u00fchren und anderen, die eher mitgezogen werden. Unsere Ausbildung dauert mehrere Jahre. Der letzte Schritt ist dann die Aufnahme in unseren gro\u00dfen Konzertchor. 99 Prozent erreichen dieses Ziel auch.&#8220;<\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Uns ist klar, dass wir den Familien eine Menge abverlangen. Wir haben rund 50 Konzerte und Mitwirkungen im Jahr, was viel Zeit Anspruch nimmt und Commitment fordert. Aber daf\u00fcr k\u00f6nnen wir den Kindern tats\u00e4chlich auch viel mehr bieten als andere Institutionen in der Region: j\u00e4hrliche, internationale Konzertreisen, hochwertige oratorische Projekte mit renommierten Profiorchestern. Dadurch wollen wir die Leidenschaft f\u00fcr Leistung in den Kindern wecken. Und dass es Spa\u00df macht, hart und mit langem Atem f\u00fcr eine ganz bestimmte Sache zu arbeiten. Wir proben ja nicht ein halbes Jahr lang, um dann nur ein paar sch\u00f6ne Gottesdienste in Wuppertal zu singen, sondern gehen nach den langwierigen Proben auf gro\u00dfe Konzertreisen. Das ist ein wichtiger Bestandteil unseres p\u00e4dagogischen Konzepts. In wenigen Wochen reisen wir beispielsweise nach S\u00fcdfrankreich, haben unter anderem Konzerte in Lyon und Marseille. Das ist ein sch\u00f6nes Geschenk f\u00fcr die Jungen. Denn dann wissen sie, dass sich harte Arbeit lohnt. Leistung und Leidenschaft geh\u00f6ren bei uns ganz eng zusammen. Wenn die Kinder dies verinnerlichen, kann sich das auch auf alle anderen Bereiche im Leben \u00fcbertragen. Genau das ist unser p\u00e4dagogisches Ziel.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie viele Jungen bleiben denn der Musik erhalten, wenn sie die Kurrende verlassen?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Da gibt es keine genauen Zahlen. Es sind immer wieder einzelne, die dann sp\u00e4ter als S\u00e4nger oder Musiker Karriere machen. Das ist vergleichbar mit den Jugendfu\u00dfballern in den Nachwuchsmannschaften der gro\u00dfen Vereine: die werden auch nicht alle Profis. Es geht uns auch gar nicht darum, dass unsere Kurrende-Mitglieder Profi-Musiker werden, sondern vielmehr \u00dcberzeugungst\u00e4ter. Das kann man auf alle Lebensbereiche \u00fcbertragen. Chormitglieder, die uns am Ende verlassen und dann ins Berufsleben starten, sind Leute, die mit beiden Beinen im Leben stehen, parkettsicher sind, Auftrittserfahrung haben, die wissen, wie man sich schick kleidet, wie man sich auf einer B\u00fchne verh\u00e4lt. Sie bringen alle Voraussetzungen mit, F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten zu werden.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: <\/b><b>Welche besonderen Eigenschaften und F\u00e4higkeiten m\u00fcssen potenzielle Knabenchor-Mitglieder mitbringen?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Grunds\u00e4tzlich Leidenschaft und Engagement. Alles, was das Singen angeht, kann man bei uns lernen.&#8220;<\/p>\n<p>Tilman Klett: &#8222;Leidenschaft und Engagement w\u00fcrde ich noch durch Neugierde und Energie erg\u00e4nzen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Jungen in dem Alter sehr energiegeladen sind und diese Energie in der Schule nicht zwingend loswerden. Diese Energie k\u00f6nnen sie dann bei uns in h\u00f6chste Konzentration und tolles Singen umwandeln. Die Eingangsvoraussetzungen sind also ziemlich niedrig, auch was die finanziellen Voraussetzungen angeht. Bis uns kann jeder mitmachen, unabh\u00e4ngig vom Geldbeutel des Elternhauses. Der Monatsbeitrag liegt bei 35 \u20ac.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: 30 Minuten Klavierunterricht an der Musikschule kosten schon 60 \u20ac im Monat. Und selbst wenn die Eltern die 35 \u20ac im Monat nicht stemmen k\u00f6nnen, haben wir zahlreiche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Stipendien.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_54913\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-54913 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/1200625-2-1024x933.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"933\" \/><span class=\"wp-caption-text\">In seinem Element: Chorleiter Lukas Baumann &#8211; \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie sorgen Sie daf\u00fcr, dass ihre jungen Chormitglieder, die ja doch irgendwie privilegiert sind, viel von der Welt sehen, vom Publikum mit Applaus \u00fcbersch\u00fcttet werden, mit den F\u00fcssen auf dem Teppich bleiben?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Die Gemeinschaft regelt das, das ist mein Eindruck. Es gibt sicherlich wie \u00fcberall immer Kinder oder pubert\u00e4re Jugendliche, die einmal \u00fcbers Ziel hinausschie\u00dfen. Ich glaube aber, dass eine funktionierende Gemeinschaft von Jungen immer daf\u00fcr sorgt, dass die Bodenhaftung gewahrt bleibt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Tilman Klett: \u201eGanz wichtig ist der Aspekt Dienst. Das m\u00fcssen die Kinder verstehen. Deshalb ist auch der Gottesdienst ein Instrument, das daf\u00fcr sorgt, dass die Kinder die Bodenhaftung behalten. Deshalb hei\u00dft es bei uns: &#8218;Jungs, am Sonntag wird um sieben Uhr aufgestanden, damit wir zur Freude der Menschen in den Gottesdiensten singen k\u00f6nnen.&#8216; Selbstbewusstsein und Parkettsicherheit sind uns sehr wichtig, aber die Bodenhaftung darf dabei auf keinen Fall verloren gehen. Ich bin mir sicher: Wir sind eine robuste Gemeinschaft, die auch in der Lage ist, als Korrektiv zu wirken.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Welche Instrumente beherrschen Sie selbst?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Ich spiele Klavier und habe fr\u00fcher Posaune gespielt, aber das ist schon lange her.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Welche Musik h\u00f6ren Sie privat?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Ganz durchmischt von Bach bis Beatles eigentlich alles.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Welche Hobbys haben Sie neben der Musik?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Ich bin leidenschaftlicher Fu\u00dfballfan. Mein Lieblingsverein ist Borussia Dortmund. Ich spiele auch selbst gern Fu\u00dfball oder Tischtennis.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Last but not least: Gibt es f\u00fcr Sie so etwas wie einen Lebenstraum?<\/b><\/p>\n<p>Lukas Baumann: &#8222;Seit meinem Musikstudium hatte ich den Wunsch, irgendwann einmal einen eigenen Knabenchor zu leiten. Und das ist jetzt passiert. Ich freue mich sehr auf die Arbeit in Wuppertal und werde diese genie\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen Dank f\u00fcr das interessante, spannende und offene Gespr\u00e4ch<\/b><\/p>\n<p><b>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_54915\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 280px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-54915\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/1200598-4.jpeg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"183\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Lukas Baumann &#8211; \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<h4>Vita Lukas Baumann<\/h4>\n<p>Lukas Baumann wurde am<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>02.04.196 in Herdecke geboren und wuchs in Wuppertal auf. Bereits mit sechs Jahren bekam er den ersten Klavierunterricht. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde er Mitglied des Knabenchores Wuppertaler Kurrende und sang dort w\u00e4hrend seiner gesamten Schulzeit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ab 2013 war Lukas Baumann f\u00fcr mehrere Jahre Assistent des Knabenchorleiters und dirigierte auch mehrere Konzerte.<\/p>\n<p>Von 2016 bis 2020 studierte er Chordirigieren an der Hochschule f\u00fcr Musik Franz Liszt Weimar bei Prof. J\u00fcrgen Puschbeck. Bereits im ersten Semester wurde er Assistent des Knabenchors der Jenaer Philharmonie und vertrat die Chordirektorin regelm\u00e4\u00dfig bei Proben und auch bei Konzerten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Weitere Engagements f\u00fchrten ihn zum Suhler Knabenchor, den er 2018 als Interimschorleiter leitete, sowie zum Philharmonischen Chor Jena und dem Jenaer Madrigalkreis. 2019 vertrat Lukas Baumann die Chordirektorin der Jenaer Philharmonie f\u00fcr ein halbes Jahr und leitete in dieser Zeit die Geschicke des Knabenchors.<\/p>\n<p>Ab Herbst 2019 arbeitete Baumann beim renommierten Windsbacher Knabenchor, wo er bis 2022 die Nachwuchs-Ensembles leitete, Stimmbildung unterrichtete und verschiedene weitere Assistenzt\u00e4tigkeiten f\u00fcr den Musikalischen Leiter Martin Lehmann \u00fcbernahm. Seit Juli 2022 ist Lukas Baumann Musikalischer Leiter der Wuppertaler Kurrende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_54903\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 280px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-54903\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Tilman_Klett_2021_05_grade-30-3-1024x769.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"203\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tilman Klett \u00a9 Wuppertaler Kurrende<\/span><\/div>\n<h4>Vita Tilman Klett<\/h4>\n<p>Tilman Klett leitet als Manager den organisatorisch-kaufm\u00e4nnischen Bereich der Wuppertaler Kurrende. Er verantwortet die Konzert- und Auftrittsplanung aller Chorgruppen sowie die Kommunikation und das Marketing der kulturellen Einrichtung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist er f\u00fcr das Fundraising zust\u00e4ndig und gestaltet die strategisch-nachhaltige Entwicklung der Kurrende Wuppertal. Schon seit seiner Jugend begeistert sich Tilman Klett f\u00fcr klassische Musik und entwickelte im S\u00e4ngerinternat des renommierten Windsbacher Knabenchores und bei hunderten Konzerten im In- und Ausland seine Leidenschaft f\u00fcr das Kulturgut Knabenchor.<\/p>\n<p>Interessenten, die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Anfragen zur Mitwirkung der\u00a0Wuppertaler Kurrende bei Konzerten, Gottesdiensten oder privaten Feierlichkeiten haben, k\u00f6nnen sucg direkt an gerne direkt an Tilman Klett.\u00a0<a href=\"t.klett@wuppertaler-kurrende.de\">t.klett@wuppertaler-kurrende.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Link zur Webseite der Kurrende Wuppertal:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wuppertaler-kurrende.de\">http:\/\/www.wuppertaler-kurrende.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas Baumann gibt jetzt bei der Kurrende Wuppertal den Ton an! F\u00fcr den 26j\u00e4hrige Musiker und Dirigent ist es in der Bergischen Metropole ein Comeback und eine Heimkehr. W\u00e4hrend seiner gesamten Schulzeit war Lukas Baumann S\u00e4nger des renommierten Knabenchores. 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