{"id":54836,"date":"2022-08-23T09:50:28","date_gmt":"2022-08-23T07:50:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=54836"},"modified":"2022-08-23T09:50:28","modified_gmt":"2022-08-23T07:50:28","slug":"in-der-pandemie-ging-das-gefuehl-fuereinander-verloren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/08\/23\/in-der-pandemie-ging-das-gefuehl-fuereinander-verloren\/","title":{"rendered":"\u201eIn der Pandemie ging\u00a0das Gef\u00fchl f\u00fcreinander verloren\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_54838\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-54838\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Foto-Huber-Privat.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Christian Huber &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Corona und kein Ende! Die internationale gesellschaftliche Krise des 21. Jahrhunderts macht auch vor unseren Kindern nicht Halt. Eine neue Studie, die der Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Christian Huber am Institut f\u00fcr Bildungsforschung an der Bergischen Universit\u00e4t durchf\u00fchrte, l\u00e4sst die Alarmglocken in unserem Schulsystem regelrecht aufheulen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser waren ratsuchende Schulleitungen, die sich in ihrer Not an den Schulrat ihres Schulamtsbezirks wandten, der sich dann mit dem Wuppertaler Wissenschaftler in Verbindung setzte. Dieser bereitete mit seinem Team dann im Fr\u00fchjahr f\u00fcr den Schulamtsbezirk K\u00f6ln eine Studie vor, deren Ergebnisse Anlass zur Sorge geben.<\/p>\n<p>\u201eDer entscheidende und zentrale Grund war, dass die Lehrkr\u00e4fte irgendwann festgestellt haben, es geht nicht mehr\u201c, beginnt Huber, \u201edie Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer waren am Limit. Die Lehrkr\u00e4fte sahen sich in den letzten Monaten mit einer zunehmenden Zahl an Verhaltensproblemen konfrontiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Ausgehend von der Aufgabe, die Leistungsr\u00fcckst\u00e4nde, also den verpassten Stoff aufzuholen, standen sie jedoch vor dem Problem, massive Verhaltensauff\u00e4lligkeiten der Kinder zu ber\u00fccksichtigen, die ein stressfreies Lernen unm\u00f6glich machten.<\/p>\n<h4>Die Teilnehmer<\/h4>\n<p>Neben den Lehrkr\u00e4ften und den Eltern der Kinder, standen vor allem die Grundsch\u00fclerinnen und Grundsch\u00fcler der dritten und vierten Klasse selber im Vordergrund. \u201eWir haben die Studie breit angelegt, d.h. wir haben nat\u00fcrlich die Kinder selber befragt, weil das ganz entscheidend ist. Wir wollten wissen, wie sich die Kinder f\u00fchlen\u201c, erkl\u00e4rt der Bildungsforscher. Weil die Lesekompetenzen der Erst- und Zweitkl\u00e4ssler noch nicht ausreichen, gibt die Studie f\u00fcr diesen Bereich lediglich durch Elternaussagen Auskunft.<\/p>\n<p>Die Befragung startete kurz vor den Osterferien, zu einem Zeitpunkt, an dem viele Coronama\u00dfnahmen bereits zur\u00fcckgefahren wurden. \u201eWir haben eigentlich erwartet, dass die Kinder das Thema Corona ganz gut weggepackt haben\u201c, sagt Huber, \u201edas war aber definitiv nicht der Fall. Wir haben ungef\u00e4hr ein Drittel der Kinder, die massive Zukunfts\u00e4ngste in Bezug auf die Coronapandemie haben.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Fragen beinhalteten auch die Zukunftsperspektive, welche durch Corona, eingeschr\u00e4nkte Freizeitaktivit\u00e4ten und ein ver\u00e4ndertes Berufsleben den Grundsch\u00fclern massive Zukunftssorgen bereite. Auch nahmen die Kinder sich selbst als ungew\u00f6hnlich aggressiv wahr.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_54845\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54845\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/homeschooling-5121262_1280-1024x682.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Homeschooling konnte den Pr\u00e4senzunterricht nicht ann\u00e4hernd ersetzen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eWir haben drei Mal mehr Kinder gehabt, die gro\u00dfe Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Aggressivit\u00e4t hatten. Gleichzeitig ergaben sich erh\u00f6hte Angstwerte und Depressivit\u00e4tswerte.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Auch konnte die Studie einen Zusammenhang zwischen der Belastung der Eltern und der Belastung der Kinder nachweisen. \u201eJe belasteter die Eltern waren, desto st\u00e4rker waren die Kinder auch belastet.\u201c<\/p>\n<h4>Hohe Belastungsempfindung bei Eltern und Kindern<\/h4>\n<p>Huber und sein Team nutzten vergleichbare Verfahren, welche schon in der Copsy-Studie eingesetzt wurden (Die COPSY-L\u00e4ngsschnittstudie untersucht die Auswirkungen und Folgen der COVID-19 Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Studie wird von Frau Prof. Dr. Ravens-Sieberer geleitet und von der Forschungsabteilung Child Public Health am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgef\u00fchrt. Anm. d. Red.)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDamit ist unsere Studie an Befunde des Robert-Koch-Instituts anschlussf\u00e4hig\u201c, erkl\u00e4rt Huber, \u201ed.h., wir konnten unsere Werte damit vergleichen und feststellen, dass es in den letzten zwei Jahren keine Reduktion der Belastung gegeben hat, sondern wir noch immer auf einem sehr hohen Level sind.\u201c Eine Beruhigung der Situation sei also nicht eingetreten, so dass die immer noch hohe Belastung der Eltern auch Einfluss auf die Kinder habe und man darin eine m\u00f6gliche Ursache sehen k\u00f6nne.<\/p>\n<h4>Aggressionen, Angst und ein Krieg in Europa<\/h4>\n<p>Depressionen und auch Angstsituationen lie\u00dfen sich zum Teil auch auf die sozialen Unsicherheiten in den Elternh\u00e4usern zur\u00fcckf\u00fchren, erl\u00e4utert Huber. \u201eAber auch Themen, die medial sehr stark waren, wie der Ukrainekrieg, spielen hier eine Rolle, die in den Schulen und auch famili\u00e4r oft nicht aufgegriffen werden.\u201c<\/p>\n<p>Die gesellschaftliche Situation sei momentan auf Entspannung ausgerichtet und da k\u00e4men Kinder nicht unbedingt mit. Dazu Huber: \u201eEinige Kinder haben ja ein Viertel ihres bewussten Lebens wirklich in dieser Coronapandemie verbracht. Sie k\u00f6nnen diese Situation nicht einfach absch\u00fctteln. Das ist der Teil Angst. Wir brauchen hier mehr Aufbereitung der gesamten Situation\u201c, fordert daher der Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Wenn Kinder dann auch nicht mit dieser Angst umzugehen verst\u00fcnden, k\u00f6nne dies leicht in Aggression umschlagen. \u201eWir d\u00fcrfen uns nicht vorstellen, dass ein Kind, das innerlich Aggressivit\u00e4t sp\u00fcrt, immer auch das Kind ist, dass \u00fcber Tisch und B\u00e4nke geht. Aggressivit\u00e4t kann sich wie bei uns Erwachsenen auch, unterschiedlich \u00e4u\u00dfern.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_54840\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 396px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-54840\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/student-1666118_1280-576x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"386\" height=\"686\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Viel zu lange konnten die Kids nicht zur Schule gehen &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Bei einigen sei die Aggressivit\u00e4t nach innen gerichtet, bei anderen nach au\u00dfen. Einige leben sie in der Schule aus, andere im Elternhaus oder beim Sport. Die Pandemie hat nicht nur die M\u00f6glichkeiten des Auslebens von Aggressionen j\u00e4h beendet, sondern viele Gelegenheiten zum Erlernen sozialer Kompetenzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Studienergebnisse zeigen, dass Kinder offensichtlich massive Defizite in der sozialkognitiven Informationsverarbeitung h\u00e4tten. Huber nennt dazu ein Beispiel: \u201eWenn ein Kind bspw. im Pausenhof einen Ball vor den Kopf geschossen bekommt, gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten, das zu interpretieren. Manche Kinder neigen dazu zu sagen: \u00b4Na ja, es ist ein Versehen gewesen und daher ist es wieder gut. ` Wir nehmen aber an, dass der Anteil der Kinder, die das quasi zu ihrem eigenen Nachteil interpretieren, stark zunimmt. Also nach dem Motto: Du hast das extra gemacht. Und diese Regulation erfolgt eigentlich im gegenseitigen Miteinander. Wenn wir viel auf dem Pausenhof miteinander spielen, dann lerne ich, dass das mal passieren kann.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese Lernvorg\u00e4nge seien aber durch Homeschooling kaum m\u00f6glich gewesen. Und auch die nonverbale Kommunikation sei durch das st\u00e4ndige Maske tragen erschwert gewesen, denn das Gesicht war zur H\u00e4lfte verdeckt. So konnten viele nonverbalen Interaktionen nicht gelernt werden, sagt Huber und die Kinder hingen zur\u00fcck.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch die Wechselbeziehungen zu Gleichaltrigen litten, denn \u201ees entstehen Konflikte, die nicht aufgearbeitet werden. Kinder haben keine Modelle, an denen sie sich orientieren k\u00f6nnen, haben keine Vorerfahrungen gemacht. Und das ist die zweite gro\u00dfe Aufgabe neben dem Aufbereiten der \u00c4ngste: die Erm\u00f6glichung der sozialen Kontakte. Wir m\u00fcssen mit den Kindern diese sozialen Kompetenzen wieder erlernen.\u201c<\/p>\n<h4>Vom Verlust des Gef\u00fchls f\u00fcreinander\u2026<\/h4>\n<p>\u201eDie Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung gerade bei der Aggressivit\u00e4t gehen meist auseinander\u201c, sagt Huber.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Jedoch stellten die Wissenschaftler in dieser Studie ein Kuriosum fest. \u201eKinder sch\u00e4tzen sich selber in der Regel immer weniger aggressiv ein als das Au\u00dfenstehende tun. D.h. der Lehrer nimmt eine Unterrichtsst\u00f6rung immer st\u00e4rker wahr als das Kind selber. Das war jetzt genau umgekehrt. Die Kinder haben sich viel st\u00e4rker aggressiv wahrgenommen als die Lehrkr\u00e4fte das eingesch\u00e4tzt haben. Bei den Eltern war das zum Teil auch so.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dadurch, dass Lehrkr\u00e4fte die Kinder nicht in der Form beobachten konnten, wie das sonst der Fall gewesen sei, die Coronamaske das Problem obendrein noch versch\u00e4rfte, k\u00f6nne auch ein Grund darin liegen, formuliert der Wissenschaftler, \u201edass uns in der Pandemie so ein bisschen das Gef\u00fchl f\u00fcreinander verloren gegangen ist.\u201c Die Sicht auf die Kinder sei zwischen Schule und Elternhaus sehr unterschiedlich. Deswegen legte die Studie auch gro\u00dfen Wert darauf, die Kinder selber zu befragen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Welche Rolle spielt der Krieg?<\/h4>\n<p>In der Studie ging es auch um Zukunftssorgen in Bezug auf Corona und den Ukrainekrieg. \u201eWir haben die Studie Anfang Februar fertig geplant, und dann kam der Krieg dazu. Daher haben wir dann noch einen Satz an Fragen aufgenommen, weil wir nicht wussten, wenn wir auff\u00e4llige Ergebnisse bekommen, worauf die sich beziehen\u201c, erkl\u00e4rt Huber. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zu Beginn des Krieges sei dieser sehr stark medial aufbereitet worden und es zeigte sich, dass die Zusammenh\u00e4nge zwischen Kindern, die vor dem Ukrainekrieg Angst h\u00e4tten und denen, die sich vor Corona f\u00fcrchten, relativ gro\u00df sei.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie Kinder sind in Sorge wegen beider Ph\u00e4nomene. Das Entscheidende ist, wir m\u00fcssen diese Dinge mit den Kindern aufbereiten und zwar so schnell wie m\u00f6glich. Wir k\u00f6nnen nicht darauf vertrauen, dass sich das alles in Luft aufl\u00f6st. Wir m\u00fcssen mit den Kindern sprechen. Kinder haben nicht die gleiche Selbstregulationsm\u00f6glichkeit wie wir als Erwachsene. Wenn wir Corona als gro\u00dfe Krise betrachten &#8211; und f\u00fcr manche Kinder ist es auch eine traumatische Erfahrung -, dann ist das, was jetzt eintreten wird, nach einer kurzen Phase der Beruhigung wieder eine Art Retraumatisierung, auf die wir zusteuern\u201c, warnt der Bildungsforscher.<\/p>\n<div id=\"attachment_54841\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54841\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/teacher-3765909_1280-1024x683.webp\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Unterricht wie er eigentlich sein sollte &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Er schlussfolgert: \u201eZurzeit entsteht ein starker gesellschaftlicher Druck, verpassten Stoff m\u00f6glichst schnell wieder aufzuholen. Es wird \u00fcberall dar\u00fcber geredet, wie gro\u00df die L\u00fccken sind, es wird eine Verlierergeneration vorausgesagt. Meine These ist: Wenn wir jetzt zu schnell auf die Inhalte gehen und vergessen, dass die Kinder auch ein emotional-soziales Befinden haben, dann werden die L\u00fccken nicht kleiner, sondern gr\u00f6\u00dfer. Die Unterrichtsst\u00f6rungen und Verhaltensauff\u00e4lligkeiten werden daf\u00fcr sorgen, dass die Kinder sich nicht auf den Unterrichtsstoff konzentrieren.\u201c Das wiederum bek\u00e4men dann die Lehrkr\u00e4fte zu sp\u00fcren, von denen sich rund zwei Drittel in einem bereits sehr belasteten Bereich bef\u00e4nden.<\/p>\n<h4>Hilfe zur Selbsthilfe<\/h4>\n<p>Um ca. 10 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer m\u00fcsse man sich sogar langfristig Sorgen machen, weil viele davon bei unver\u00e4nderter Belastung dem System nicht erhalten blieben. \u201eEs h\u00e4ngt sicher vom weiteren Geschehen der Coronapandemie ab\u201c, sch\u00e4tzt Huber, \u201eaber es ist damit zu rechnen, dass wir Lehrkr\u00e4fte auf lange Sicht verlieren. Das kann sich das Schulsystem aber nicht leisten. Wir m\u00fcssen uns also auch um die Lehrkr\u00e4fte k\u00fcmmern.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Daher habe die Studie weniger die wissenschaftliche Aufarbeitung der Situation zum Ziel gehabt, sondern vielmehr die Hilfsangebote in den Fokus ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>\u201eEs f\u00e4llt nicht unter den Aspekt Forschung, sondern eher unter den Aspekt Solidarit\u00e4t mit Lehrkr\u00e4ften, Familien und vor allem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Die Universit\u00e4t leistet einen Beitrag zur Hilfestellung\u201c, sagt Huber.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zu den realistisch implementierbaren Hilfen im Schulalltag stehen der untersuchte K\u00f6lner Schulamtsbezirk, die Schulpsychologie und der kinder- und jugendpsychiatrische Dienst der Stadt K\u00f6ln sowie die Uni K\u00f6ln bereits im Austausch. Einig ist man sich in der Frage der Priorit\u00e4tenverschiebung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eAn erster Stelle steht die emotional-soziale Aufbereitung der Gesamtsituation. Dann k\u00f6nnen wir auch wieder Fahrt aufnehmen, was die Leistungsf\u00f6rderung betrifft\u201c betont Huber und das funktioniere \u00fcber kleine Gespr\u00e4chsanl\u00e4sse sowohl in der Familie, als auch im Unterricht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eWir greifen die Sorgen der Kinder auf, thematisieren sie und zeigen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr sie.\u201c Dazu entwickele man Gespr\u00e4chskreise oder auch kleine Unterrichtseinheiten. Der zweite wichtige Aspekt betreffe die emotional-soziale Entwicklung der Kinder, die unterst\u00fctzt w\u00fcrde. \u201eDazu brauchen wir kleine, einfache Varianten von Sozialtrainings, wo Kinder, die Lernr\u00fcckst\u00e4nde &#8211; und ich w\u00fcrde das nicht als Verhaltensst\u00f6rung bezeichnen -, also Lernr\u00fcckst\u00e4nde im emotional-sozialen Bereich, die sie am Lernen hindern, st\u00fcckweise aufbereiten.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bei Konflikten m\u00fcsse Unterst\u00fctzung her, denn \u201edie Kinder haben zwei Jahre Pandemieerfahrung in den Knochen, d.h. sie haben nicht gelernt, Konflikte zu l\u00f6sen.\u201c Sonderp\u00e4dagogen k\u00f6nnen in dieser Situation eine entscheidende Rolle spielen, der offene Ganztag k\u00f6nne eingebunden werden und am Ende seien es auch immer die Eltern, deren Unterst\u00fctzung man brauche. \u201eGrundlage f\u00fcr das Lernen, ist auch das soziale Lernen\u201c, konstatiert Huber. \u201eWenn wir das verpassen und versauen, dann haben wir wirklich eine ganze Generation an Corona verloren. Wir k\u00f6nnen es jetzt ver\u00e4ndern!\u201c<\/p>\n<p>Zwar haben Christian Huber und sein Team berufsbedingt diese Studie mit Grundsch\u00fclern durchgef\u00fchrt, die Frage sei trotzdem erlaubt, ob eine Studie mit erwachsenen Berufst\u00e4tigen nicht zu \u00e4hnlichen Ergebnissen f\u00fchren w\u00fcrde, denn Pandemie, Homeoffice und zu wenig Zwischenmenschliches haben auch uns schwer zugesetzt. Bekanntlich lernen wir alle durch Wiederholungen. Daher k\u00f6nnten wir uns Hubers Eingangszitat als Frage formuliert am Ende noch einmal selber stellen: \u201eIst uns in der Pandemie ein bisschen das Gef\u00fchl f\u00fcreinander verloren gegangen?\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-54843\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Foto-Huber-Privat-2.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"254\" \/><\/p>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Christian Huber<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Christian Huber leitet das Lehr- und Forschungsgebiet der Rehabilitationsp\u00e4dagogik (Schwerpunkt: F\u00f6rderung der emotional-sozialen Entwicklung) am Institut f\u00fcr Bildungsforschung in der School of Education an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; hat Autor Uwe Blass mit dem Bildungsforscher Christian Huber \u00fcber eine aktuelle Studie zur Situation an Grundschulen nach zwei Jahren Pandemie gesprochen. Ans Tageslicht kamen besorgniserregende Ergebnisse.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-54836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 14:27:26","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54836"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54836\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54847,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54836\/revisions\/54847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}