{"id":54018,"date":"2022-08-09T12:14:14","date_gmt":"2022-08-09T10:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=54018"},"modified":"2022-08-09T14:19:56","modified_gmt":"2022-08-09T12:19:56","slug":"die-bewegte-gechichte-des-deutschlandliedes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/08\/09\/die-bewegte-gechichte-des-deutschlandliedes\/","title":{"rendered":"Die bewegte Geschichte des &#8222;Deutschlandliedes&#8220;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_54022\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 860px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-54022\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Pressefoto-Brauer-2.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"647\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Juliane Brauer lehrt Geschichte und ihre Didaktik &#8211; \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<p>In dieser Folge, die unter dem Titel \u201eMan kann an dem Gebrauch von Liedern unheimlich viel Geschichte erz\u00e4hlen\u201c steht, hat sich Autor Uwe Blass mit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Prof. Dr. Juliane Brauer \u00fcber die Einf\u00fchrung der deutschen Nationalhymne in der Weimarer Republik unterhalten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Die deutsche Nationalhymne ist ein Zusammenschluss des Deutschlandliedes, gedichtet 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und der urspr\u00fcnglich r\u00f6misch-deutschen Kaiserhymne von Joseph Haydn. Wie kam es dazu?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;Grunds\u00e4tzlich ist das nichts Ungew\u00f6hnliches, dass wir Gedichte haben, die mit bekannten Melodien gemischt werden, oder dass wir ein Gedicht haben, das auch Jahrzehnte sp\u00e4ter oder sogar ein Jahrhundert sp\u00e4ter mit einer neuen Melodie versehen wird. Wenn man sich dieses Lied \u2013 eine Nationalhymne war es damals ja noch nicht \u2013 ansieht, ist die Entstehungsgeschichte eher typisch. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ist 1841 durch die deutschen Lande gereist und entdeckt sein Nationalgef\u00fchl. Wir befinden uns mitten in der Rheinkrise. Es geht um die Frage der Zugeh\u00f6rigkeit der linksrheinischen Gebiete zu Frankreich oder dem Deutschen Bund, (das Deutsche Kaiserreich gab es damals noch nicht, das wird erst 1871 gegr\u00fcndet). D.h., wir befinden uns inmitten einer Suchphase nach nationaler Identit\u00e4t, die mit der Gr\u00fcndung des Kaiserreiches zu einem vorl\u00e4ufigen Abschluss kommt. Aber 1841 ist noch v\u00f6llig offen, welche Gebiete \u201eDeutsch\u201c sind, welche zu einem zuk\u00fcnftigen deutschen Nationalstaat geh\u00f6ren sollen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Juliane Breuer weiter: &#8222;Die linksrheinischen Gebiete geh\u00f6rten bis 1814 zu Frankreich und wurden nach dem Wiener Kongress dem Deutschen Bund zugeordnet. Das stellte Frankreich 1840 in Frage. Der Rhein sollte wieder die nat\u00fcrliche Grenze werden. Welche Gebiete waren nun deutsch, welche franz\u00f6sisch? Es entstanden in der Zeit viele vom Nationalgedanken getragene Rheingedichte und Rheinlieder. Aus einem dieser Gedichte ist auch sp\u00e4ter eine Art Nationalhymne des Kaiserreiches geworden. Das war \u201eDie Wacht am Rhein\u201c von Max Schneckenburg und Carl Wilhelm. Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb nun auf seiner Reise durch die deutschen Gebiete 1841 ebenfalls ein Gedicht \u00fcber die Fragen, was deutsch ist, was deutsches Land, was deutsche Identit\u00e4t ist. Was nicht sicher ist, ob er bereits auf die Melodie Joseph Haydns von 1797 seinen Text geschrieben hat. Sicher ist hingegen, dass die \u201eKaiserhymne\u201c von Haydn zu dieser Zeit sehr popul\u00e4r war. F\u00fcr mehr als 50 Gedichte stellte sie die Melodie. Insofern ist das nicht ungew\u00f6hnlich, dass auch das Gedicht von Heinrich Hoffmann von Fallersleben rasch auf die Melodie Haydns gesungen wurde.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Erst<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>am 10. August 1922 bestimmte <\/b><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reichspr%25C3%25A4sident\"><b>Reichspr\u00e4sident<\/b><\/a><b> <\/b><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Ebert\"><b>Friedrich Ebert<\/b><\/a><b> das Lied der Deutschen zur <\/b><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalhymne\"><b>Nationalhymne<\/b><\/a><b> des <\/b><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weimarer_Republik\"><b>Deutschen Reiches<\/b><\/a><b>. Warum gerade dieses Lied?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;Wir sind in den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Wir haben das erste Mal eine demokratische Republik, so bezeichnete und verstand sie sich. Der 10. oder eigentlich der 11. August 1922 war der sogenannte Verfassungstag, also der dritte Jahrestag, an dem die Weimarer Verfassung verabschiedet wurde. An diesem Tag wurde offiziell zum ersten Mal das \u201eLied der Deutschen\u201c als Nationalhymne gesungen. Die Entscheidung hat Friedrich Ebert vermutlich am 10. August verabschiedet. Die Anfangsjahre der Weimarer Republik waren nicht leicht. Sie gr\u00fcndete sich 1918 und gab sich im Sommer 1919 die Verfassung einer demokratischen Republik. Das hat das Land kr\u00e4ftig durchgesch\u00fcttelt, denn die Menschen und die Politik mussten Demokratie erst einmal lernen. Gerade in den ersten Jahren gab es massive Angriffe von den Rechtskonservativen, von der Reichswehr und den Kaisertreuen auf die Republik, die abgewehrt werden mussten. Kurz vor dem Verfassungstag wurde Walther Rathenau ermordet und die Republik stand auf ganz unsicheren F\u00fc\u00dfen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_54025\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 778px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54025\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/fallersleben-227200_1280-768x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Denkmal des Dichters Heinrich Hoffmann von Fallersleben &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Warum wurde das \u201eDeutschlandlied\u201c aber genau zu dem Verfassungstag als Hymne eingef\u00fchrt? Dieses Lied wurde schon l\u00e4nger von Deutschnationalen, auch von den militanten, antisemitischen kaisertreuen Chauvinisten als nationales Lied gesungen. Daher war es eigentlich problematisch, es zur Hymne der neuen Republik zu bestimmen. F\u00fcr die Kommunisten und Sozialdemokraten verbot sich das \u201eDeutschlandlied\u201c regelrecht. Daher gab es eine lange Phase des Aushandelns dessen, was die Nationalhymne der Weimarer Republik sein k\u00f6nnte. Der ausschlaggebende Punkt war dann, dass sich mit dem \u201eLied der Deutschen\u201c eine Kontinuit\u00e4t von den b\u00fcrgerlich-demokratischen Anf\u00e4ngen des Vorm\u00e4rz und der Revolution von 1848 zur neuen Republik herstellen lie\u00df und es deshalb so geeignet f\u00fcr die erste deutsche Republik erschien. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dazu kam, dass 1922 England anfragte, welches offizielle Lied denn f\u00fcr die Weimarer Republik gespielt werden sollte? Jedes Land brauchte f\u00fcr offizielle Anl\u00e4sse eine Hymne. Daraufhin setzte im Sommer 1922 die Reichsregierung auf die b\u00fcrgerlich demokratische Tradition und das Gef\u00fchl von \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u201c, das st\u00e4rker sein sollte als die chauvinistisch nationalistische Idee, mit der die militanten Kaisertreuen das Deutschlandlied bis dahin gesungen haben.&#8220;<\/p>\n<p><b>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Singen der Nationalhymne, vor allem in der amerikanischen Zone, verboten, und auch nach der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland 1949 gab es keine Festlegung einer Hymne. Zu offiziellen Anl\u00e4ssen wurde daher oft die erste Strophe von Schillers Gedicht \u201eAn die Freude\u201c in der Vertonung von Ludwig van Beethoven aus dem vierten Satz der 9. Sinfonie als Ersatzhymne verwendet. Aber auch das konnte sich nicht durchsetzen. Warum nicht?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;Ich liebe wirklich diese Liedgeschichten, denn man kann an dem Gebrauch und dem Kampf um Lieder unglaublich viel Geschichte erz\u00e4hlen. Am 23. Mai 1949 gr\u00fcndet sich mit der Verabschiedung des Grundgesetzes die Bundesrepublik und am 7. Oktober mit der Verabschiedung der Verfassung die DDR. Wir haben dazwischen die Aufteilung Deutschlands in die vier Besatzungszonen. Einerseits die drei westlichen Besatzungszonen und andererseits die sowjetische Besatzungszone. Die drei westlichen Zonen schlie\u00dfen sich nach und nach zusammen, zuerst 1947 zur britisch-amerikanischen Bizone, und dann zur Trizone. In Hinblick auf die Trizone schrieb der Kabarettist Karl Berbuer 1948 als Karnevalslied: \u201eWir sind die Eingeborenen von Trizonesien\u201c. Das wurde als Hymne gespielt und gesungen und gar nicht so sehr \u201eOde an die Freude\u201c.<\/p>\n<p>Der \u201eTrizonesien-Song\u201c beschreibt die Deutschen ironisch als menschliche \u201eWesien\u201c und eben nicht als \u201eMenschenfresser\u201c und steht damit f\u00fcr die deutsche Befindlichkeit in der Besatzungszeit. Die Deutschen wollten eben nicht mehr von den Alliierten d\u00e4monisiert werden, sondern wieder als ganz normale Menschen in einem normalen Land gelten, was angesichts der Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus auch f\u00fcr eine komplette Geschichtsvergessenheit steht. Das Lied ging so nat\u00fcrlich nicht dauerhaft auf den offiziellen Anl\u00e4ssen als Hymne durch.<\/p>\n<p>Die DDR war da viel schneller, und das macht es besonders spannend. Die ersten Funktion\u00e4re waren bereits im August 1949, also knapp drei Monate vor der Staatsgr\u00fcndung in Sachen Hymne unterwegs. Johannes R. Becher und Hanns Eisler wurden damit beauftragt, eine neue Nationalhymne f\u00fcr das neue Deutschland zu schreiben. \u201eAuferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt\u201c beginnt die erste Strophe. Damit steht das Lied f\u00fcr ein neues, staatliches Bewusstsein eines sich entwickelnden sozialistischen Staates. Unabh\u00e4ngig vom politischen Kontext ist Eisler damit auch eine packende Komposition gelungen, nicht umsonst gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Kaum war die DDR gegr\u00fcndet, bestimmte der Pr\u00e4sident Wilhelm Pieck dieses Lied ganz offiziell zur Hymne. Sie wurde massiv \u00fcber den Rundfunk, durch Notendrucke und das Erlernen in den Schulen verbreitet.<\/p>\n<div id=\"attachment_54027\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54027\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/national-anthem-2462345_1280-2-1024x497.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"497\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das &#8222;Deutschlandlied&#8220; in Noten &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>In der Bundesrepublik funktionierte das nat\u00fcrlich nicht, ein Lied als Hymne so autorit\u00e4r durchzusetzen. Theodor Heuss, der erste Bundespr\u00e4sident, wollte auch eine neue Hymne f\u00fcr die Bundesrepublik. Ihm war klar: Wir k\u00f6nnen und d\u00fcrfen nicht dieses \u201eDeutschlandlied\u201c in diesen drei Strophen singen, zumal die erste Strophe \u201eDeutschland, Deutschland \u00fcber alles\u2026\u201c in der NS-Zeit immer in Verbindung mit dem Horst Wessel-Lied gesungen wurde. Es gab viele Einsendungen mit Vorschl\u00e4gen f\u00fcr eine neue Hymne. Der Archivbestand zeugt noch heute davon. Viele Menschen schrieben an den Pr\u00e4sidenten, machten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr neue Hymnen. Heuss beauftragte dann aber den Dichter Rudolf Alexander Schr\u00f6der im Sommer 1950, einen neuen Text zu dichten. Zuerst wollte er, dass Carl Orff die Melodie komponieren sollte, doch der lehnte ab. Hermann Reutter komponierte dann die Melodie.<\/p>\n<p>Doch das Ergebnis war nicht \u00fcberzeugend, Melodie und Text wirkten eher wie ein Choral. Die Reaktionen der Zeitgenossen zeigten, dass die neue Hymne nicht die Herzen bewegen konnte, nicht emotional packen konnte und die Kritik war harsch. Heuss und Adenauer haben sich dann lange brieflich dar\u00fcber verst\u00e4ndigt, was denn nun wirklich als Hymne f\u00fcr Deutschland gespielt werden durfte. Adenauer pl\u00e4dierte sehr f\u00fcr das \u201eLied der Deutschen\u201c, der alten, geliebten Hymne, weil sie den Menschen so ans Herz gewachsen sei, so emotional sei und alle damit gro\u00df geworden seien. Sie beinhalte die Gef\u00fchle von Stolz, Gl\u00fcck und Selbstbewusstsein, so argumentierte Adenauer. Heuss hat dann klein beigegeben. Im Mai 1952 schl\u00e4gt Adenauer vor, nur die dritte Strophe als Nationalhymne zu nehmen und Heuss widersprach nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wozu braucht man \u00fcberhaupt eine Nationalhymne?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;In anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern gibt es dar\u00fcber \u00fcberhaupt keine Diskussion, z.B. in Frankreich mit seiner langen Nationalstaatlichkeit. Aber f\u00fcr Deutschland ist es immer wieder Thema, auch 1990 bei der Wiedervereinigung kam die Frage erneut auf, welche Hymne das wiedervereinigte Deutschland haben sollte. Aber lange wurde nicht dar\u00fcber diskutiert. Das Bed\u00fcrfnis nach einer vertrauten Hymne mit Wiedererkennungseffekt war sehr gro\u00df. Was macht eine Nationalhymne aus? Sie wird gemeinschaftlich gesungen, im Sport zum Beispiel, um sich gemeinsam stark zu f\u00fchlen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Das Deutschlandlied hat eigentlich drei Strophen. Warum wird heute immer nur die dritte Strophe gesungen?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;Das war der Kompromiss zwischen Heuss und Adenauer. Die erste Strophe ging schon wegen der nationalsozialistischen Verbindung mit dem Horst-Wessel-Lied nicht. Auch die Gebietsanspr\u00fcche im Text \u201e\u2026 von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt\u2026\u201c war nach dem Zweiten Weltkrieg v\u00f6llig unzeitgem\u00e4\u00df. Die zweite Strophe ist generell f\u00fcr eine Nationalhymne wenig aussagekr\u00e4ftig und die dritte Strophe war am unverf\u00e4nglichsten. \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u2026\u201c. Mit der Gr\u00fcndung zweier deutscher Staaten und nach der \u00fcber vierzigj\u00e4hrigen Teilung Deutschlands konnte man mit diesem Text nicht viel falsch machen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Als Sarah Connor 2005 bei der Er\u00f6ffnung der Allianzarena statt \u201eBl\u00fch im Glanze\u2026\u201c, \u201eBr\u00fch im Lichte dieses Gl\u00fcckes\u201c sang, echauffierte sich die gesamte Nation. Wie wichtig ist uns unsere Hymne heute?<\/b><\/p>\n<p>Dr. Juliane Brauer: &#8222;Wenn man sich die Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins seit 1949 ansieht, erkennt man, dass es nicht besonders ausgepr\u00e4gt war. Es gab und gibt zwar immer rechtskonservative Kr\u00e4fte, die ein ausgepr\u00e4gtes nationalstaatliches Selbstbewusstsein pflegten, aber im Gro\u00dfen und Ganzen hielten sich die Deutschen in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts mit \u00fcberschw\u00e4nglichen Nationalgef\u00fchlen zur\u00fcck. Das hat sich aber ab den 1990ern und 2000ern ge\u00e4ndert. Die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2006 markierte diese Wendung. Auf einmal war es in Ordnung, die Fahnen herausholen, die Hymne mitzusingen \u2013 das gab es ja vorher nicht in diesem Ma\u00dfe. Das hat sich meiner Beobachtung nach deshalb ge\u00e4ndert, weil die deutsche Geschichte nach 1989\/90 als eine nationalstaatliche Erfolgsgeschichte erz\u00e4hlt werden konnte.<\/p>\n<p>Wir haben die (so wird immer wieder betont) gegl\u00fcckte Wiedervereinigung. Deutschland steht gut da in der Welt, ist eine wirtschaftlich starke Industrienation und politisch eine positive Autorit\u00e4t auch durch die Kanzlerschaft von Angela Merkel. Die Perspektive auf Deutschland hat sich damit in den letzten 30 Jahren sehr ver\u00e4ndert. Das ist meiner Ansicht einer der Gr\u00fcnde, warum ein Nationalstolz und ein Nationalbewusstsein wieder akzeptierter ist. Ein Symbol daf\u00fcr ist eben auch das \u201eDeutschlandlied\u201c, die Nationalhymne, das heute nicht mehr zur Debatte steht und sehr selbstverst\u00e4ndlich gerade im Kontext sportlicher Wettk\u00e4mpfe gesungen wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_54023\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 196px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-54023\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Pressefoto-Brauer-3.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"270\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Juliane Brauer<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Juliane Brauer lehrt Geschichte und ihre Didaktik in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Ihre Forschungsschwerpunkte im Bereich der Geschichtsdidaktik sind Emotionen und historisches Lernen, Musik im Geschichtsunterricht, Imagination und historisches Lernen sowie digitale Geschichtskulturen. F\u00fcr die Neuere und Neueste Geschichte forscht und lehrt sie vor allem zur Geschichte des geteilten Deutschlands.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir lernen aus der Geschichte nicht, was wir tun sollen. Aber wir k\u00f6nnen aus ihr lernen, was wir bedenken m\u00fcssen. Das ist unendlic wichtig&#8220;, dieser kluge Satz stammt von Ex-Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker. In der Reihe &#8222;Jahr100Wissen&#8220; besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftler der Bergischen Uni mit 100 Jahre zur\u00fcckliegenden Ereignissen, die die Gesellschaft ver\u00e4ndert und gepr\u00e4gt haben.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-54018","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 07:47:23","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54018"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54503,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54018\/revisions\/54503"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}