{"id":53911,"date":"2022-08-02T08:43:06","date_gmt":"2022-08-02T06:43:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=53911"},"modified":"2022-08-02T08:43:06","modified_gmt":"2022-08-02T06:43:06","slug":"gruener-strom-fuer-co2-freie-energieversorgung-alternativlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/08\/02\/gruener-strom-fuer-co2-freie-energieversorgung-alternativlos\/","title":{"rendered":"&#8218;Gr\u00fcner Strom&#8216; f\u00fcr CO2-freie Energieversorgung alternativlos"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53914\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 861px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53914 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Foto-Zdrallek-2.jpg\" alt=\"\" width=\"851\" height=\"607\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Mit den &#8222;Bergischen Transfergeschichten&#8220; zeigt die Bergische Universit\u00e4t beispielhaft, wie sich Forscherinnen und Forscher mit ihrer Arbeit in der Region einbringen, mit anderen Partnern vernetzen und die Gesellschaft so aktiv mitgestalten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diesmal dreht sich alles umd den &#8222;Gr\u00fcnen Strom&#8220;, der f\u00fcr eineregenerative und CO2-freie Energieversorgungswelt alternativlos ist.\u201c Autor Uwe Blass hat sich \u00fcber das Thema &#8222;Energiegewinnung der Zukunft&#8220; mit Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Elektrische Energieversorgungstechnik, unterhalten.<\/p>\n<p>Atomkraft? Nein danke, lautete Anfang der 1970er Jahre der Slogan, mit dem sich die Anti-Atombewegung langsam ins Bewusstsein der Menschen dr\u00e4ngte. Kohleausstieg jetzt! hei\u00dft es im 21. Jahrhundert, denn fossile Brennstoffe sch\u00e4digen mehr und mehr unseren Planeten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Fukushima-Reaktorunfall 2011 in Japan und die junge Fridays for Future-Bewegung beschleunigten den rollenden Proteststein derer, die mit erneuerbaren Energien dem Klimawandel entgegenwirken wollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_44822\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Das Ziel der Energiewende in Deutschland, bis zum Jahr 2045 Energie haupts\u00e4chlich aus regenerativen Quellen zu beziehen, schien in greifbarer N\u00e4he zu sein, doch dann drehte der russische Usurpator Wladimir Putin im Zuge seines begonnenen Ukrainekrieges dem Westen das Gas ab und beschert auch uns Deutschen einen harten Winter.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Warum wir dennoch auf dem richtigen Energieweg sind, wei\u00df der Wuppertaler Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, der an der Bergischen Universit\u00e4t den Lehrstuhl f\u00fcr Elektrische Energieversorgungstechnik leitet.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eMeine 100% regenerative und CO2-freie Welt der Zukunft sieht so aus\u201c, sagt er, \u201ewir machen so viel es geht mit regenerativem Strom und was wir nicht mit regenerativem Strom machen k\u00f6nnen, machen wir mit gr\u00fcnem Wasserstoff.\u201c Aber was ist eigentlich regenerativer Strom?<\/p>\n<h4>Gr\u00fcner Strom aus erneuerbaren Energien<\/h4>\n<p>\u201eAllgemein ist gr\u00fcner Strom so definiert, dass das Strom ist, der aus regenerativen Quellen kommt, also von Windr\u00e4dern, Photovoltaikanlagen, von Biomasse oder von Wasserkraftwerken erzeugt wird. Mittlerweile reden wir auch schon \u00fcber gr\u00fcnen Wasserstoff. Das ist dann Wasserstoff, der \u00fcber Elektrolyse hergestellt wird, und diese Elektrolyse wird wiederum von gr\u00fcnem Strom gespeist, also von regenerativem Strom.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_53917\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53917\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/beach-375069_1280-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Windkraft-Park &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Dieser Strom sei beinahe CO2-frei, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler und erg\u00e4nzt: \u201eWenn wir zu einer mehrheitlich regenerativen und CO2-freien Energieversorgungswelt kommen wollen, und irgendwann &#8211; unser Ziel ist ja auch 2050-<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>zu einer vollst\u00e4ndig regenerativen und CO2-freien, neutralen Energieversorgung, dann ist das der einzige Weg, den wir gehen k\u00f6nnen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gr\u00fcner Strom oder auch \u00d6kostrom stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Anbieter m\u00fcssen f\u00fcr die Menge, die sie als \u00d6kostrom verkaufen wollen, Herkunftsnachweise beziehen, die auch von einer Aufsichtsstelle, die den Strommarkt \u00fcberwacht, kontrolliert werden. Der Strom, den H\u00e4ndler im Jahr einkaufen wird dabei in Deutschland im Viertelstundenraster gehandelt.<\/p>\n<h4>\u00d6kostrom f\u00fcr alle?<\/h4>\n<p>Momentan gebe es nicht genug \u00d6kostrom, wenn alle Verbraucher ein sogenanntes \u00d6kozertifikat erwerben wollten. \u201eDas System funktioniert so\u201c, erkl\u00e4rt Zdrallek, \u201edass der normale Strommix, den jemand bezieht, der nicht speziell ein \u00d6kostromprodukt kauft, um die \u00d6kostromanteile reduziert wird. Das bedeutet, wenn jetzt mehr Leute \u00d6kostrom kaufen, dann kriegen die Restlichen mehr Kohlestrom und Atomstrom, den wir ja in diesem Jahr auch noch haben.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Richtig sei aber auch, dass wenn alle ein \u00d6kostromzertifikat kaufen w\u00fcrden, die Energieversorger gezwungen w\u00e4ren, wirklich auch 100% \u00d6kostrom einzukaufen.<\/p>\n<p>Dabei ist \u00d6kostrom g\u00fcnstig geworden, weil seine Erzeugung mittlerweile konkurrenzf\u00e4hig zur Kohlestrom- oder Kernkraftenergiegewinnung ist.<\/p>\n<p>Prof. Zdrallek erkl\u00e4rt es so: \u201eMan sagt z.B., die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom in einem Kernkraftwerk ist heute das g\u00fcnstigste und kostet ungef\u00e4hr 2,5 Cent die Kilowattstunde. Bei dieser Berechnung werden aber immer die Kosten der Endlagerung au\u00dfen vorgelassen. Bei Kohle liegen wir bei 5 \u2013 6 Cent, Gaskraftwerke sind im Moment ganz besonders teuer, aber auch schon vor dem Ukrainekrieg hatte das Gas angezogen, sie liegen bei ungef\u00e4hr 10 \u2013 15 Cent pro Kilowattstunde.<\/p>\n<p>Der Wissenschaftler weiter: &#8222;Und wenn wir heute \u00fcber PV-Anlagen (Photovoltaik) reden, dann sind wir bei Stromerzeugungskosten von 9 \u2013 10 Cent pro Kilowattstunde, bei Onshore-Wind bei 7 \u2013 8 Cent, bei Offshore-Wind bei 3 \u2013 4 Cent. D.h. die regenerative Energie wird auch preislich konkurrenzf\u00e4hig, es ist heute genau so g\u00fcnstig mit Wind eine Kilowattstunde zu erzeugen, wie mit Kohle. Und damit sind diese Gr\u00fcnstromzertifikate auch nicht signifikant teurer als der normale Strom. Aber, Windkraft funktioniert nur, wenn auch der Wind weht, und mit Kohle halt immer.\u201c<\/p>\n<h4>Energiewende braucht Zeit<\/h4>\n<p>Die Energiewende wird in der Fachwelt und der \u00d6ffentlichkeit als ein Weggehen von einer hierarchischen Stromversorgung durch Kraftwerke hin zu einer regenerativen und dezentralen Energieversorgung mit Wind und Photovoltaik. \u201eBisher haben wir die Energiewende sehr stark verstanden als eine Stromwende, und da haben wir auch mehr geschafft, als das vielfach diskutiert wird. Ich kann die junge Fridays-for-Future-Generation zwar verstehen, die sagen, wir m\u00fcssen da noch schneller sein, wir m\u00fcssen raus aus dieser Kohle\u201c, sagt Zdrallek.<\/p>\n<div id=\"attachment_53918\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53918\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/solar-panels-944002_1280-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Solar-Anlage auf einem Privathaus &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Und er erg\u00e4nzt: \u201eAber man muss auch sagen, wir sind da schon ganz sch\u00f6n weit gekommen. Wir sind ungef\u00e4hr bei 50% regenerativem Anteil am Stromverbrauch in Deutschland. 50% in den letzten 15 Jahren! Wir waren vor 15 Jahren bei 5%, und das ist schon ein ganz sch\u00f6n langer Weg. Das ist ein Marathon, und der dauert noch, denn wir bauen ein riesiges System um, was wir \u00fcber Jahrzehnte und Jahrhunderte als Ingenieure und Ingenieurinnen aufgebaut und optimiert haben. Und das geht nicht vom einen auf den anderen Tag.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hinzu komme, dass wir nun nicht mehr allein nur \u00fcber Strom reden m\u00fcssten, sondern auch andere Energiesektoren zu ber\u00fccksichtigen h\u00e4tten. \u201eMan kann im Prinzip sagen, der Energieverbrauch in Deutschland teilt sich in drei Drittel ein. Ein Drittel ist Stromverbrauch, ein Drittel ist Heizen, also W\u00e4rme und ein Drittel ist Mobilit\u00e4t, das betrifft das Auto fahren im Wesentlichen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und wenn wir im Stromsektor im Moment bei 50% erneuerbarer Energie sind, sind wir in den beiden anderen Sektoren unter 10%.\u201c Biogas und Biodiesel seien zu marginal genutzt, und es gehe nun darum, mehr regenerativen Strom in den Mobilit\u00e4tssektor zu bringen. Schwierig gestalte sich das Thema W\u00e4rme, da spiele der gr\u00fcne Wasserstoff sicher eine zuk\u00fcnftige Rolle, aber durch die derzeitige Gasverknappung m\u00fcsse man jetzt erst einmal \u00fcber den Winter kommen.<\/p>\n<h4>Jeder kann Energie sparen<\/h4>\n<p>F\u00fcr seine Untersuchungen zur Elektromobilit\u00e4t stie\u00df der Fachmann auf eine Studie zum Thema Mobilit\u00e4t in Deutschland, die ihm auch selber zu Denken gab. Dabei ging es um das Fahrverhalten, Strecken, Dauer und Wege der Deutschen mit eigenem PKW. \u201eDa kann man nachlesen, 25% aller Fahrten, die mit Autos gemacht werden, sind unter einem Kilometer.\u201c Das seien Fahrten zum B\u00e4cker, zur Kita oder die Fahrten zum nahegelegenen Wald, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Zdrallek jedenfalls, f\u00e4hrt seitdem sonntags mit dem Fahrrad zum B\u00e4cker oder geht auch mal zu Fu\u00df.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Energieversorgung der Zukunft<\/h4>\n<p>\u201eDas Energiekonzept der Bundesregierung ist bis zum Ukrainekrieg so gewesen, dass wir bis 2040 80% des Stroms regenerativ und 20% mit Gaskraftwerken erzeugen wollen. Jetzt muss man dieses Konzept definitiv \u00fcberdenken, aber eine vollst\u00e4ndig regenerative und CO2-freie Energieversorgung der Zukunft k\u00f6nnte so aussehen, dass wir noch sehr viel mehr Wind- und PV-Erzeugung zubauen, und das werden wir m\u00fcssen. Dann brauchen wir ein Zwischenspeichermedium, damit wir zwischenspeichern k\u00f6nnen f\u00fcr die Zeit, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Und da kommt als gro\u00dfe Speicherm\u00f6glichkeit nur der gr\u00fcne Wasserstoff in Frage, wo wir die gro\u00dfen Mengen vom Sommer f\u00fcr den Winter zwischenspeichern. Das k\u00f6nnte man zum Teil auch in dem heutigen Gassystem realisieren.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zwar w\u00fcrden wir nicht komplett alles in Deutschland erzeugen k\u00f6nnen, und auch aus L\u00e4ndern importieren m\u00fcssen, wo mehr die Sonne scheint als bei uns. \u201eSo k\u00f6nnten wir es schaffen, uns 100% nachhaltig aufzustellen und damit unabh\u00e4ngiger zu werden\u201c, formuliert er.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Bestand und Ausbau der regenerativen Energiequellen<\/h4>\n<p>Die wachsende Nachfrage nach gr\u00fcnem Strom steigert den Ausbau von Anlagen, die regenerative Energiequellen nutzen. \u201eWir reden bei PV-Anlagen von einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von 2 Millionen in Deutschland, bei Windr\u00e4dern habe ich keine genauen Zahlen\u201c erkl\u00e4rt Zdrallek.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das reiche im Moment, um 50% des Stroms regenerativ zu erzeugen. Fachleute gingen davon aus, dass wir ungef\u00e4hr noch einmal die drei- bis vierfache Menge an PV- und Windanlagen zubauen m\u00fcssen, um die Energieversorgung der Zukunft zu 100% regenerativ gestalten zu k\u00f6nnen. \u201eDas birgt gesellschaftlichen Sprengstoff, man kennt die Diskussionen um neue Windr\u00e4der und deren Standorte\u201c, gibt er zu bedenken, denn die Energiewende f\u00e4nde zwar jeder gut, solange kein Windrad oder eine Hochspannungsleitung meinem Umfeld zu nahekomme.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>An dieser Stelle gehe es nur mit Beteiligungsmodellen weiter. \u201eEs gibt ja auch schon erfolgreiche B\u00fcrgerprojekte in Zusammenhang mit PV-Anlagen in Wuppertal, wo man sich beteiligen kann. Und wenn es dann auch noch f\u00fcr einen selbst etwas abwirft, dann wird es nicht als so st\u00f6rend empfunden.\u201c<\/p>\n<h4>\u00d6lmultis als Vorbild?<\/h4>\n<p>Der g\u00fcnstigste gr\u00fcne Strom kommt bald aus Saudi-Arabien. Die indische Ingenieursgesellschaft L&amp;T baut zurzeit dort das Solarkraftwerk Sudair mit einer Leistung von 1500 Megawatt. Das entspricht in etwa der Leistung eines gro\u00dfen Kohlekraftwerks. Sudair soll im Laufe dieses Jahres in Betrieb gehen und den g\u00fcnstigsten Solarstrom der Welt liefern: 1 Cent pro Kilowattstunde. F\u00fcr Zdrallek ist das auch f\u00fcr Europa vorstellbar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_53919\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53919\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/solar-4824604_1280-1024x767.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"767\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Solar-Anlage auf einem Gewerbebetrieb &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>\u201eUnser Problem dabei ist nur, das im Wuppertaler Sommer zu wenig Sonne scheint\u201c, erl\u00e4utert der Techniker. \u201eIn Saudi-Arabien kann man mit viertausend Volllaststunden rechnen, denn dort scheint ein halbes Jahr lang kontinuierlich die Sonne auf die Anlage. Bei uns rechnen wir hier mit 900, in S\u00fcddeutschland mit 1100 Volllaststunden. Da ist ein Faktor 3 bis 4 dazwischen. Deshalb sind die Kosten bei uns nicht bei einem Cent, sondern bei 7-8 Cent, weil wir einfach weniger Sonne haben.\u201c<\/p>\n<p>Saudi-Arabien stelle sich damit auch neu auf, um mit diesem Strom, den sie dann erzeugen, nicht nur die eigene Bev\u00f6lkerung zu versorgen, sondern dann auch gleich gr\u00fcnen Wasserstoff zu erzeugen, den man perspektivisch nach Europa exportieren will. \u201eAuch die Saudis haben erkannt, dass das fossile Zeitalter zu Ende geht und sie sich jetzt noch mit den Gewinnen aus ihrem Erd\u00f6lverkauf auf die n\u00e4chsten 20 \u2013 30 Jahre einstellen m\u00fcssen, wo das dann nicht mehr der Fall ist.\u201c Nun ist Saudi-Arabien kein politisch einfaches Land und das sei die Krux, erkl\u00e4rt Zdrallek, denn \u00fcberall da, wo Bodensch\u00e4tze l\u00e4gen, wo unsere Energieressourcen herk\u00e4men, also Russland, Saudi-Arabien oder der Iran, seien politisch heikle L\u00e4nder, insofern m\u00fcsse man \u00fcberlegen, ob man sich von diesen Staaten abh\u00e4ngig machen wolle. \u201eWir werden es nicht schaffen\u201c, erkl\u00e4rt er abschlie\u00dfend, \u201eDeutschland auf Dauer autark aufzustellen. Wir werden immer auf Energieimporte angewiesen sein, wenn auch nicht mehr auf so viele wie heute.\u201c<\/p>\n<p>Seit jeher wird in der Welt Handel betrieben und die Bodensch\u00e4tze des Mittleren Ostens und Asiens ersetzt der Westen heute durch neue Kommunikationsmethoden, technische Innovationen sowie den Einsatz von Computern. Somit sind wir alle aufeinander angewiesen. Eines darf man nicht vergessen: Jedes Land hat den Anspruch, seine Bev\u00f6lkerung in eine sichere Zukunft zu f\u00fchren. Das gilt auch f\u00fcr Russland.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_53921\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 229px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53921 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Foto-Zdrallek-3.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"339\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr.-Ung. Markus Zdrallek<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek leitet den Lehrstuhl f\u00fcr Elektrische Energieversorgungstechnik in der Fakult\u00e4t Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, der Erkenntnisgewinn und das neu generierte Wissen sind kein Selbstzweck, sondern dienen der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. 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