{"id":53819,"date":"2022-07-27T09:59:06","date_gmt":"2022-07-27T07:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=53819"},"modified":"2022-07-27T10:01:03","modified_gmt":"2022-07-27T08:01:03","slug":"entwicklung-des-telefons-der-lange-kampf-des-graham-bell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/07\/27\/entwicklung-des-telefons-der-lange-kampf-des-graham-bell\/","title":{"rendered":"Entwicklung des Telefons: Der lange Kampf des Graham Bell"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53825\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53825 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Brueckmann1-2-1024x807.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"807\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Erfolgsgeschichte des Telefons &#8211; Prof. Dr.-Ing. Dieter Br\u00fcckmann\/ Nachrichtentechnik &#8211; \u00a9 Foto: UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Im Mittelpunkt stehen der schottische Erfinder Alexander Graham Bell &#8211; der am 03.03.1847 in Edinburgh geboren wurde &#8211; und die Erfolgsgeschichte des Telefons.<\/p>\n<p><strong>Alexander Graham Bell, in Amerika als Audiologe, Erfinder, Gro\u00dfunternehmer und Eugeniker bekannt, starb am 2. August 1922. Was war seine herausragende Errungenschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Alexander Graham Bell wird an erster Stelle immer mit der Erfindung des Telefons in Verbindung gebracht, auch wenn er auf vielen unterschiedlichen Gebieten aktiv war. Aufbauend auf den Ideen anderer Erfinder entwickelte er das Telefon zur Marktreife und meldete hierf\u00fcr 1876 ein Patent an, nur wenige Stunden vor seinem gr\u00f6\u00dften Konkurrenten Elisha Gray. Trotz jahrelanger Rechtsstreitigkeiten wurde Bell dieses Patent zugesprochen, vermutlich ist dieses eines der wertvollsten jemals erteilten Patente. Zur Vermarktung seiner Erfindung wurde von einer Gruppe rund um Gardiner Hubbard unter Beteiligung von Alexander Graham Bell die Bell Telephone Company gegr\u00fcndet. Bell \u00fcbernahm in dieser Firma die Rolle des technischen Beraters. Auch wenn er sich bereits 1880 weitgehend aus dieser Firma zur\u00fcckzog, entwickelte sie sich sp\u00e4ter zu einer der weltweit erfolgreichsten Telefongesellschaften.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die lautsprachliche Kommunikation spielte in der Familie Bell eine besondere Rolle. Wissen Sie warum?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Sowohl der Gro\u00dfvater als auch der Vater von Alexander Graham Bell besch\u00e4ftigten sich bereits mit lautsprachlicher Kommunikation, wobei letzterer im Rahmen seiner Professur f\u00fcr Rede- und Vortragskunst sogar eine universelle phonetische Lautschrift entwickelte.\u00a0Die Mutter von Alexander Graham Bell litt unter einer H\u00f6rschw\u00e4che und war fast taub. Bell besch\u00e4ftigte sich daher mit besonderen Sprachtechniken die es ihm m\u00f6glich machten, sich dennoch mit ihr zu unterhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_53830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-53830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Logo-Jahr100Wissen.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Auch sein Klavierspiel konnte sie \u00fcber die akustischen Schwingungen wahrnehmen. Durch diese fr\u00fche Sensibilisierung f\u00fcr die lautsprachliche Kommunikation wurde Alexander Graham Bell zu einem Bef\u00fcrworter der lautsprachlich orientierten Methoden zur Ausbildung f\u00fcr Geh\u00f6rlose, als Alternative zu geb\u00e4rdensprachlich orientierten Methoden. Auch nach seinem Umzug nach Nordamerika war er \u00fcber mehrere Jahre in Northhampton (Massachusetts) als Geh\u00f6rlosenlehrer sowie an der Universit\u00e4t Boston als Professor f\u00fcr Sprechtechnik und Physiologie t\u00e4tig.\u00a0Auch die geh\u00f6rlose Mabel Hubbard, die Tochter eines seiner sp\u00e4teren Unterst\u00fctzer und Gesch\u00e4ftspartner, hat er \u00fcber seine T\u00e4tigkeit als Geh\u00f6rlosenlehrer kennengelernt. 1877 heirateten Mabel und er.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Bell studierte Latein und Griechisch und wurde mit 17 Jahren Lehrer f\u00fcr Sprachtechnik und Musik in Schottland. Bereits da begann er mit den ersten Forschungen auf dem Gebiet der Akustik und kam mit dem deutschen Universalgelehrten Hermann von Helmholtz zusammen, der ihn sehr beeinflusste. Worin?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann: &#8222;Der deutsche Physiker und Physiologe Helmholtz hatte bereits 1863 das Werk \u201eLehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage f\u00fcr die Theorie der Musik\u201c herausgegeben. Die darin beschriebenen Ans\u00e4tze hatten eine gro\u00dfe Wirkung auf den jungen Bell und beeinflussten ihn bei seinen weiteren Arbeiten stark.<\/p>\n<div id=\"attachment_53829\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-53829\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/phone-2732012_1280-1024x911.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"445\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Telefon-Nostalgie &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><strong>Bell studierte in London Anatomie und Physiologie. Nachdem zwei seiner Br\u00fcder an Tuberkulose verstarben, siedelte die Familie aufgrund des besseren Klimas nach Kanada, wo Bell sp\u00e4ter als Professor f\u00fcr Sprachtechnik und Physiologie der Stimme an der Universit\u00e4t Boston t\u00e4tig war. 1874 f\u00fchrte er akustische Experimente zur Aufzeichnung von Schallwellen durch und konstruierte einen sogenannten Phonautomaten, ein Ger\u00e4t, das die Vibrationen des Schalls auf einem beru\u00dften Zylinder aufzeichnete. Warum waren diese Experimente wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann: &#8222;Bei dem Phonautomaten von Alexander Graham Bell wurde der Schall mit Hilfe eines Ohres aufgenommen und auf einem beru\u00dften Metallzylinder zur optischen Ansicht aufgezeichnet. Das Ohr war zuvor einem Leichnam entnommenen worden. Hierdurch sollte die Zusammensetzung des Schalls optisch erkennbar gemacht werden was Geh\u00f6rlosen wiederum eine bessere Sprachkontrolle erm\u00f6glichen sollte. An eine Tonwiedergabe wurde noch nicht gedacht. Auch wenn die Versuche zun\u00e4chst wenig erfolgreich waren, so lieferten Sie doch einen wichtigen Beitrag zur Konstruktion eines funktionierenden Telefons. Auch hierbei muss der Schall in \u00e4hnlicher Weise umgesetzt werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1876 gelang ihm der bis heute nachhaltigste historische Erfolg. Dabei griff er auf die Vorarbeiten des Italieners Antonio Meucci zur\u00fcck, dem man erst posthum 2002 f\u00fcr seine Verdienste dankte. Um was handelt es sich dabei?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Der italienische Wissenschaftler und Erfinder Antonio Meucci hatte bereits in den 1830er Jahren herausgefunden, dass Schall durch elektrische Schwingungen in Kupferdraht \u00fcbertragen werden kann. 1850 \u00fcbersiedelte er in die USA wo er sein Telefon weiterentwickelte. F\u00fcr sein sogenanntes \u201eTelettrofono\u201c beantragte er bereits 1871 ein Patent.\u00a0 Dieses wurde allerdings \u00fcber zwei Jahre lang nicht erteilt, so dass der Antrag erlosch.\u00a0Meucci reichte seine Unterlagen und Ger\u00e4te bei Edward B. Grant ein, dem Vizepr\u00e4sidenten der American District Telegraph Co., um seine Erfindung an deren Telegraphenkabel testen zu lassen, wurde aber mehr als zwei Jahre lang hingehalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_53832\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 323px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-53832 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/417rYfO4XGL._SX311_BO1204203200_.jpeg\" alt=\"\" width=\"313\" height=\"499\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Alexander Graham Bell &#8211; Inventions Telephone (A Life and Legacy of the Father of Invention) &#8211; Autorin Brenda Sepe &#8211; Verlag Martin Debroh &#8211; ISBN-10: 1774856328 &#8211; ISBN-13: 978-1774856321<\/span><\/div>\n<p>In der Zwischenzeit nutzte Bell, der jetzt in den ehemaligen Werkst\u00e4tten Meuccis bei der American District Telegraph Co. arbeitete, dessen Materialien und Unterlagen f\u00fcr die Weiterentwicklung seines eigenen Telefons. 1876 meldete Bell schlie\u00dflich als erster hierf\u00fcr ein Patent an.\u00a0Trotz jahrzehntelanger Auseinandersetzungen mit Bell gelang es Meucci nicht, das Patent oder wenigstens eine finanzielle Entsch\u00e4digung zu erhalten. Er starb als verarmter Mann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Bell profitierte dabei auch von der Grundlagenfor-schung des Deutschen Philipp Reis, der bereits ein ton\u00fcbertragenes Ger\u00e4t entwickelt hatte, dass er \u201eTelephon\u201c nannte. Kann man sagen, Bell hat sich an anderen, nicht gesch\u00fctzten wissenschaftlichen Erkenntnissen bedient?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Man kann sagen, dass die Zeit reif war f\u00fcr das Telefon als Bell 1876 sein Patent anmeldete. Wichtige Grundlagenforschung auf dem Gebiet der lautsprachlichen Kommunikation erfolgte von Philip Reis aber auch anderen. Philip Reis entwickelte sein \u201eTelephon\u201c bereits im Zeitraum von 1858 bis 1863 und verkaufte es in gr\u00f6\u00dferen St\u00fcckzahlen als Demonstrationsobjekt. Hierdurch gelangte es auch ins Ausland. Dieser Apparat regte wiederum eine Reihe von Erfindern zu Experimenten und Weiterentwicklungen an.<\/p>\n<p>Auch Bell kam mit ihm sowohl in Edinburgh als auch sp\u00e4ter in den USA in Ber\u00fchrung. Es ist unbestritten, dass er sicherlich stark von der f\u00fcr ihn sehr wichtigen Grundlagenforschung von Philip Reis profitiert hat.\u00a0Auch wenn Bell stark von den Vorarbeiten anderer inspiriert wurde, hat auch er eigene, wichtige Verbesserungen eingebracht. Letztendlich hatte er gute Kontakte zu Leuten die seine Arbeiten f\u00f6rderten sodass er der erste war der das Patent f\u00fcr die akustische Ton\u00fcbertragung erfolgreich angemeldet hat.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_53833\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-53833\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/vintage-telephone-1750817_1280.jpeg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"491\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Telefon aus der guten alten Zeit &#8211; \u00a9 Pixaby<\/span><\/div>\n<p><strong>Bell meldete sein Patent f\u00fcr einen Fernsprecher nur zwei Stunden vor einem anderen Antrag von Elisha Gray an und es entstand ein aufreibender Patenterechtsstreit, wobei das Model von Gray auch tats\u00e4chlich funktionierte. Trotzdem obsiegte Bell. Ging das alles damals mit rechten Dingen zu?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Sowohl Bell als auch Gray haben sich vor ihren Patentanmeldungen mit dem sogenannten \u201eharmonischen Telegraphen\u201c besch\u00e4ftigt. Durch diesen sollten unterschiedliche T\u00f6ne \u00fcber eine Telegrafenleitung \u00fcbertragen werden. Vermutlich haben beide unabh\u00e4ngig voneinander die gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickelt und in ihre Patentanmeldungen eingebracht. Der Streit zwischen den beiden \u00fcber den Vorrang ihrer Erfindungen stand aber von Anfang an im Raum. Bell konnte im Gegensatz zu Gray zwar kein funktionierendes Ger\u00e4t vorweisen, er hatte andererseits aber bereits Erfahrungen bei der Erstellung von Patentantr\u00e4gen gesammelt.<\/p>\n<p>In seinem Antrag beschrieb er das Prinzip f\u00fcr die \u00dcbertragung von T\u00f6nen in einer Form die zu dem damaligen Zeitpunkt v\u00f6llig ausreichend war, um als Patent anerkannt zu werden. Der Antrag wurde am 14. Februar 1876 \u00fcber seinen Anwalt Gardiner Greene Hubbard eingereicht. Zwar nur zwei Stunden aber eben doch sp\u00e4ter, reichte Elisha Gray seine Anmeldung ein, wobei er auch auf ein funktionierendes Ger\u00e4t verweisen konnte.\u00a0Der von Bell \u00fcber Hubbard eingereichte Antrag f\u00fchrte zu der gr\u00f6\u00dften patentrechtlichen Auseinandersetzung die jemals stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Nach der Erteilung des Patents am 7. M\u00e4rz 1876 vermuteten einige eine illegale Verbindung zwischen Bell und dem Patentamt.<br \/>\nDa das Patent sehr umfassend formuliert war, gab es im Laufe der Jahre fast 600 Einspr\u00fcche gegen das Patent, die jedoch alle abgewiesen wurden. Bell\u2019s Patent wurde in allen Prozessen uneingeschr\u00e4nkt best\u00e4tigt. Ob tats\u00e4chlich alles mit rechten Dingen zuging, l\u00e4sst sich auch aus heutiger Sicht nicht eindeutig sagen. Auf jeden Fall war Bell sehr gut vernetzt und hatte zahlungskr\u00e4ftige Freunde im Hintergrund.&#8220;<\/p>\n<p><strong>1881 war das Bell-Telefon endlich einsatzf\u00e4hig, denn er benutzte nun die elektromagnetische Induktion. Wie muss ich mir das vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;Bewegt man eine Spule, die sich um einen festen Magneten herum befindet, in eine Richtung, so entsteht ein elektromagnetisches Feld. Dadurch wird in der Spule ein Strom in einer Richtung erzeugt. Bei einer Bewegung der Spule in die entgegengesetzte Richtung entsteht ein Stromfluss in der umgekehrten Richtung. Dieses Prinzip wurde von dem englischen Physiker Faraday entdeckt und wird als elektromagnetische Induktion bezeichnet.<\/p>\n<p>Dieses Prinzip kann man beim Mikrofon nutzen, in dem man die Spule mit einer Membran verbindet. Wird die Membran durch die akustischen Wellen bewegt, so \u00fcbertr\u00e4gt sich diese Bewegung auf die Spule und es wird proportional zur Bewegung ein Strom induziert. Kehrt man dieses Prinzip um, so entsteht ein Lautsprecher, so dass man aus den Wechselstr\u00f6men auch wieder akustische Signale erzeugen kann. Dieses Prinzip wurde jetzt auch von Bell in seinen Telefonen benutzt wobei weitere Verbesserungen einflossen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_53834\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 510px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-53834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/phone-2476595_1280-1024x526.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"257\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dieses Telefon-Modell kennen noch viele &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p><strong>Bell gr\u00fcndete 1877 die Bell Telephone Company, die aber zun\u00e4chst nicht erfolgreich war. Warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann: &#8222;Zur Vermarktung seiner Erfindung wurde im Juli 1877 von einer Gruppe rund um Gardiner Hubbard unter Beteiligung von Alexander Graham Bell und seinem Assistenten Watson die Bell Telephone Company gegr\u00fcndet. Allerdings hatte die Firma in der Anfangsphase gro\u00dfe Absatzschwierigkeiten da der Bedarf an Telefonapparaten noch nicht sehr gro\u00df war. Schlie\u00dflich bot man sogar dem gro\u00dfen Konkurrenten, der Western Union Telegrafengesellschaft bei der auch Elisha Gray besch\u00e4ftigt war, die Patente zum Kauf an. Diese lehnte allerdings ab, was sich im Nachhinein als gro\u00dfer Fehler herausgestellt hat. Nach mehreren Fusionen der Bell Telephone Company mit anderen Firmen, wurde 1885 als Tochterunternehmen die \u201eAmerican Telephone and Telegraph Company\u201c (AT&amp;T) gegr\u00fcndet. Diese Firma wurde sp\u00e4ter zu einer der weltweit erfolgreichsten Telefongesellschaften.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Nach mehreren Transferaktivit\u00e4ten begann die Erfolgsgeschichte des Telefons, die heute von der American Telephone and Telegraph Company, kurz AT&amp;T genannt, vermarktet wird. Als Bell 1922 starb, ruhte in den Vereinigten Staaten eine Minute lang der gesamte Telefonverkehr. Wie denkt die Wissenschaft heute \u00fcber ihn?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Br\u00fcckmann:\u00a0&#8222;W\u00e4hrend in der amerikanischen und angels\u00e4chsischen Literatur Bell meistens an erster Stelle als Erfinder des Telefons genannt wird, ist dieses in der deutschsprachigen Literatur sehr h\u00e4ufig Philip Reis.\u00a0 In Italien und einigen anderen L\u00e4ndern werden insbesondere auch die Verdienste von Meucci hervorgehoben, nachtr\u00e4glich wurde dieser sogar mit Beschluss des amerikanischen Repr\u00e4sentantenhauses vom 11. Juni als Erfinder des Telefons anerkannt.\u00a0Weltweit unbestritten ist auf jeden Fall, dass es Bell gelungen ist, basierend auf seiner Patentanmeldung und der Unterst\u00fctzung zahlungskr\u00e4ftiger Freunde, ein funktionsf\u00e4higes Telefon zu entwerfen, das sich auch in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen produzieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Dieses stellte den Durchbruch f\u00fcr die Telefonie dar, die sich in der Folgezeit mit exponentiellem Wachstum \u00fcber die ganze Erde ausgebreitet hat. Das Bell so erfolgreich war ist sicherlich auf mehrere Ursachen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hierzu geh\u00f6ren insbesondere seine Intuition, seine umfassenden Kenntnisse auf dem Gebiet der Tontechnik, sein breites wissenschaftliches und technisches Verst\u00e4ndnis, seine gute Vernetzung auch mit zahlungskr\u00e4ftigen Geldgebern und letztendlich auch das Gl\u00fcck, zum richtigen Zeitpunkt das richtige getan zu haben.\u00a0Im sp\u00e4teren Verlauf seines Lebens erfuhr Bell zahlreiche Ehrungen, auch die Einheit f\u00fcr den Pegel Bel bzw. Dezibel ist nach ihm benannt. Dieses macht deutlich welche Wertsch\u00e4tzung ihm weltweit entgegengebracht wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_53838\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 176px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-53838\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Brueckmann1-2-2-700x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"166\" height=\"243\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr.-Ing. Dieter Br\u00fcckmann &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<h4>\u00dcber Prof. \u00a0Dr.-Ing. Dieter Br\u00fcckmann<\/h4>\n<p>Prof. Dr.-Ing Dieter Br\u00fcckmann leitet das Fachgebiet Nachrichtentechnik, Bauelemente und Schaltungstechnik in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Elektrotechnik, Medientechnik und Informationstechnik der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die gr\u00f6\u00dfte patentrechtliche Auseinandersetzung aller Zeiten zur Entwicklung des Telefons beitrug &#8211; \u00fcber dieses spannende Thema hat sich der Autor Uwe Blass in der beliebten Uni-Reihe &#8222;Jahr100Wissen-Interview&#8220; mit Prof. Dr. Ing. Dieter Br\u00fcckmann unterhalten. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-53819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-21 10:22:26","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53819"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53819\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53842,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53819\/revisions\/53842"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}