{"id":52497,"date":"2022-06-05T21:46:48","date_gmt":"2022-06-05T19:46:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=52497"},"modified":"2022-06-07T13:25:00","modified_gmt":"2022-06-07T11:25:00","slug":"die-welt-ist-wie-sie-ist-nicht-wie-sein-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/06\/05\/die-welt-ist-wie-sie-ist-nicht-wie-sein-soll\/","title":{"rendered":"\u201eDie Welt ist wie sie ist, nicht wie sein soll\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_52500\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-52500 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/01-oh-2-1024x735.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"735\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Macher von &#8222;Stella&#8220;: Stefan Maurer, Luis Graninger und Barbara Noth &#8211; \u00a9 Anna Schwartz<\/span><\/div>\n<p>So erkl\u00e4rt sich, dass jetzt von den Wuppertaler B\u00fchnen in Kooperation mit dem Theater Luxemburg \u201eGoethes Stella\u201c als ein Schauspiel f\u00fcr Liebende pr\u00e4sentiert wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Stefan Maurers Inszenierung leuchtet das utopische Potential der fr\u00fchen Textfassungen von Goethe aus. Premiere ist am Samstag (11.06.) im Theater am Engelsgarten.<\/p>\n<p>Die Urauff\u00fchrung 1776 in Hamburg war ein gesellschaftlicher Skandal und bekam \u201eAuff\u00fchrungsverbot\u201c, weil<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>sein freiheitliches Werk dem Gedanken nach Absolutheit der damaligen Zeit widersprach. Goethe arbeitetet das St\u00fcck sp\u00e4ter um und gab ihm ob der \u201egesellschaftlichen Verwerfungen\u201c einen tragischen und damit angemessenen, zeitgem\u00e4\u00dferen Schluss.<\/p>\n<h4>Goethe ver\u00e4nderte 1806 die Weimarer Inszenierung<\/h4>\n<p>In der Weimarer Inszenierung 1806 ver\u00e4nderte der Dichter das St\u00fcck und lie\u00df die M\u00e9nage \u00e0 trois\u201e (Ehe, Familie zu dritt\u201c) durch kollektiven Freitod verhindern. Obwohl weit \u00fcber 200 Jahre her, findet sich nach Meinung des im Wuppertaler Schauspiel t\u00e4tigen freien Regisseur Stefan Maurer<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>auch in der heutigen Gesellschaft noch immer antiquiertes Gedankengut. Handlung und Sujets, also Gegenstand und Motiv der k\u00fcnstlerischen Gestaltung, sind auf sein Leben und die heutige Gesellschaft projiziert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie Welt ist wie sie ist, nicht wie sein soll\u201c, so Stefan Maurer. Er erkennt Goethes Sehnsucht nach L\u00e4ssigkeit und Freiheit, die er in der Realit\u00e4t so nicht auszuleben vermochte. Der Dichter soll ein durchaus turbulentes Liebesleben gehabt haben, dessen Beziehungen allerdings oft nicht zu seiner Zufriedenheit liefen. \u201eStella\u201c soll jetzt einen Beleg liefern, wie sich gesellschaftliche Normen manifestieren und einen Ver\u00e4nderungsprozess nur ganz langsam in Gang bringen lassen.<\/p>\n<h4>Aufbruchstimmung mit Willy Brandt<\/h4>\n<p>Als Beispiel nennt der 1965 in Karlsruhe geborenen und in Frankfurt aufgewachsene Maurer die 1970ger Jahre, als schon die Frisur mit langen Haaren zur weltanschaulichen Bedeutung wurde und durchaus tief greifende Ablehnung erfahren lie\u00df. Ex-Bundeskanzler Will Brandt stehe exemplarisch f\u00fcr die folgende damalige Aufbruchstimmung, als er sich in den USA im Freizeitlook mit Badehose und einer Dose Cola fotografieren lie\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_52502\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 650px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-52502\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_0492-2.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><span class=\"wp-caption-text\">B\u00fchnenbild-Entwurf f\u00fcr &#8222;Stella&#8220; von Luis Graninger &#8211; \u00a9 Siegfried J\u00e4hne<\/span><\/div>\n<p>Die Leichtigkeit der damaligen Zeit seien heute verflogen. Eher verkrampft w\u00fcrden Genderfragen diskutiert, statt Emanzipation selbstverst\u00e4ndlich zu nehmen, was die Sehnsucht nach Entspannung erst recht n\u00e4hre.<\/p>\n<p>Die Zwei Frauen \u2013 ein Mann. Kampf und Utopie. Stella h\u00e4ngt der Liebe zu einem Mann nach, der sie vor Jahren verlassen hat. Sie lebt sehr zur\u00fcckgezogen und will eine junge Frau, Lucie, zur t\u00e4glichen Hilfe einstellen. Lucie reist mit ihrer Mutter C\u00e4cilie an.<\/p>\n<p>Diese erkennt in Stellas Schicksal zugleich ihr eigenes: Auch sie liebt einen Mann, der sie verlassen hat. Als Fernando eintrifft, um zu Stella zur\u00fcckzukehren, stellt sich heraus, dass beide Frauen von ihm verlassen worden sind. C\u00e4cilie ist seine ehemalige Frau, Lucie seine Tochter und Stella die Geliebte. Das Verwirrspiel der gro\u00dfen Gef\u00fchle beginnt: Gibt es einen Weg, Liebe und Freundschaft unter einen Hut zu bringen? Gar in Form einer M\u00e9nage-\u00e0-trois?<\/p>\n<h4>Frauen vom Opferstatus befreit<\/h4>\n<p>Dramaturgin Barbara Noth sieht in dem utopischen Ansatz in \u201eStella\u201c die Verkn\u00fcpfung zu Frauen mit starken Positionen. Noth: \u201eGoethes Haltung<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>spiegelt sich in den Frauen, die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>er vom Opferstatus befreit und zu starken Pers\u00f6nlichkeiten macht. Hauptfigur Stella (Nora K\u00f6nig) ist die Person mit mit maximalen Gef\u00fchlen, Mutter C\u00e4cilie (Julia Wolff) steht dagegen f\u00fcr Pragmatismus<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>und Verstand, w\u00e4hrend der Mann Fernando (Thomas Braus) in verschiedenen Rollen erkennbar ist.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Goethes eigene Biografie spiegelt sich nach Meinung von Barbara Noth eher in der Wankelm\u00fctigkeit von Fernando wider.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Erg\u00e4nzt wird das Trio von Lucie<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>(Maditha Dolle), die f\u00fcr Leben und Zukunft stehen und dem Wirt (Germain Wagner), der Goethes Gedichtsammlung zum Thema Liebe und Gef\u00fchle mit den Gegens\u00e4tzen jung und alt sowie Anfang und Erfahrung zum Ausdruck bringt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Kontrapunkt zu Ordnung und Disziplin<\/h4>\n<p>Der f\u00fcr B\u00fchne &amp; Kost\u00fcm zust\u00e4ndige Luis Graninger fand nach anf\u00e4nglichen Vorbehalten zu \u201eGoethes Trauerspiel\u201c erst in der direkten Konfrontation mit dem entstehenden neuen Werk seine \u00fcberaus positive Position. Er baute die Assoziationen eines bunten Lebens als Kontrapunkt zu Ordnung und Disziplin. Der Moment der Freiheit, Sehnsucht und des Gef\u00fchls, ohne Bewertungen und ohne Schuld, so wie Stefan Maurer und wohl auch Wolfgang Goethe es sahen, wird breiter Raum gegeben.<\/p>\n<p>Das Schauspiel ist f\u00fcr 80 Minuten (ohne Pause) konzipiert und wird im Engelsgarten<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>am 11. Juni (19.30 Uhr) 12. Juni (18 Uhr) und 25. Juni (19.30 Uhr)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>aufgef\u00fchrt. Im neuen Jahr geht die Inszenierung nach Luxemburg.<\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goethes Klassiker \u201eStella\u201c als Schauspiel f\u00fcr Liebende.\u00a0Die Sehnsucht nach L\u00e4ssigkeit und Freiheit.\u00a0Gef\u00fchle ohne Schuld und Bewertung. Wenn von Goethes Klassiker \u201eStella\u201c die Rede ist, denkt man an ein Trauerspiel in f\u00fcnf Akten. Liebe und Tod stehen im Zentrum des Geschehens. Doch es gibt zwei Versionen zu diesem Thema.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-52497","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-25 07:45:50","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52497"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52505,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52497\/revisions\/52505"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}