{"id":52393,"date":"2022-05-31T09:00:46","date_gmt":"2022-05-31T07:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=52393"},"modified":"2022-05-31T09:00:46","modified_gmt":"2022-05-31T07:00:46","slug":"das-kleine-stueck-gegenwart-der-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/05\/31\/das-kleine-stueck-gegenwart-der-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Das kleine St\u00fcck Gegenwart der Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_52397\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-52397\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Exkursionsteilnehmer-vor-Villa-Borghese-2-1024x804.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"804\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Rom-Exkurses vor der ber\u00fchmten Villa Borghese &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Im Onlineportal StudyCHECK kann man lesen: &#8218;Um erfolgreich Geschichte studieren zu k\u00f6nnen, solltest Du umfassendes Interesse an historischen Ereignissen, alten und neuen Sprachen sowie analytisches Denken mitbringen.&#8216; Interessant wird es vor allem dann, wenn sich Gelegenheiten ergeben, wissenschaftliche Studien direkt vor Ort durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dr. Arne Kasten, Dozent f\u00fcr Geschichte der Neuzeit an der Bergischen Universit\u00e4t, veranstaltet aus diesem Grund auch immer wieder Exkursionen, die seinen Studierenden die M\u00f6glichkeit der Recherche am Objekt erm\u00f6glichen. Trotz Corona-Dauersituation hat er sich mit 15 Teilnehmern zu einer Forschungsreise nach Rom aufgemacht, um die Spuren deutscher Gelehrter und Pilger in der ewigen Stadt ausfindig zu machen. Zusammen mit dem Doktoranden Michael Schwedt und dem Masterstudenten Jonathan Huppertz berichtet er \u00fcber die detektivischen Arbeiten Wuppertaler Jungforscher.<\/p>\n<h4>Die Quellen zum Sprechen bringen<\/h4>\n<p>\u201eDie Idee dabei war es, nicht einfach nur Wissen und Referate abzuspulen, sondern im gemeinsamen Gespr\u00e4ch vor den Kunstwerken die Quellen zum Sprechen zu bringen\u201c, sagt Karsten, \u201edie Fragen der erstmalig beteiligten Studierenden haben dann auch immer wieder neue Ans\u00e4tze geliefert.\u201c In Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Prof. Dr. Andreas Meier aus der Germanistik plante Karsten diese Exkursion mit konkreten Aufgabenstellungen, die dann wiederum in Eigeninitiative umgesetzt werden sollten.<\/p>\n<div id=\"attachment_52398\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-52398\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/image002.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eAufgebaut hatten wir das Ganze auf vier Schwerpunktthemen\u201c, berichtet Michael Schwedt. \u201eEin Thema war \u00b4Kardinal Matth\u00e4us Schiner (1465 \u2013 1522) und die Schweizer Garde`, ein weiteres behandelte den Konvertiten und Bibliothekar Lucas Holsten (1596 \u2013 1669) im Dienste der Papstfamilie Barberini in Rom. Das dritte Schwerpunktthema war der Jesuit Athanasius Kircher (1602 \u2013 1680) und der Jesuitenorden. Mit dem vierten Thema sind wir dann mit dem Historiker Ferdinand Gregorovius (1821 \u2013 1891) und dem italienischen Risorgimento (italienische Einigung) ins 19. Jahrhundert gekommen.<\/p>\n<p>Es gab also immer eine Schwerpunktperson in Verbindung mit einer Institution oder einem gr\u00f6\u00dferen Prinzip.\u201c Damit deckten die Teilnehmer einen gro\u00dfen Zeitraum ab, um Personenkreise und Institutionen in den Blick zu nehmen. Der rote Faden dabei, erg\u00e4nzt Schwedt, sei das Thema \u00b4Gelehrte in Rom` gewesen, zu dessen Vorbereitung sich die Beteiligten bereits im Vorfeld der Exkursion regelm\u00e4\u00dfig trafen und eigenst\u00e4ndig die Herangehensweise planten.<\/p>\n<p>\u201eDie Objekte, an denen man die Aufgabenstellung dieser deutschen Spuren im r\u00f6mischen Stadtraum zeigen konnte, wurden von den Exkursionsteilnehmern selber gefunden und ausgew\u00e4hlt\u201c, sagt Schwedt. Und da man schon mal vor Ort war, schrieb ein Student sogar die Schweizer Garde per Email an, um nach weiteren spannenden Objekten zu fragen, die man noch h\u00e4tte einbinden k\u00f6nnen. \u201eDie haben auch tats\u00e4chlich zur\u00fcckgeschrieben\u201c, lacht Schwedt.<\/p>\n<h4>Ein deutscher Friedhof mitten im Vatikan<\/h4>\n<p>Ab dem Mittelalter lie\u00dfen sich viele Handwerker aus aller Welt in Rom nieder. Es entwickelte sich eine regelrechte Kolonie ausl\u00e4ndischer Mitb\u00fcrger. So entstand auch ein umfangreiches deutsches Leben, mit B\u00e4ckereien &#8211; deutsches Brot gibt es da noch heute &#8211; Kirchen und auch Friedh\u00f6fen, die man aber suchen muss. Der Campo Santo Teutonico ist ein Beispiel eines deutschen Friedhofs mitten im Vatikan.<\/p>\n<p>\u201eDas geht zur\u00fcck auf eine Bruderschaft, die sich dort im 16. Jahrhundert gr\u00fcndet\u201c, erkl\u00e4rt Jonathan Huppertz. \u201eDie haben es sich zur Aufgabe gemacht, sich um deutsche Pilger zu k\u00fcmmern. Dazu geh\u00f6rt es nat\u00fcrlich dann, eine Anlaufstelle zu sein aber auch sp\u00e4ter im Todesfalle, sich um eine Beerdigung vor Ort zu k\u00fcmmern.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Aus dieser quasi Privatinitiative von Landsleuten entwickelte sich im Laufe der Jahre dieser deutsche Friedhof im Zentrum des Vatikans.<\/p>\n<div id=\"attachment_52399\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 778px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-52399\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Grabstein_Willert-2-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Grabstein von Johann Willert auf dem deutschen Friedhof im Vatikan &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eEs war eine Bruderschaft, die anf\u00e4nglich aus wenigen Mitgliedern bestand, die kuriale \u00c4mter innehatten\u201c, erg\u00e4nzt Huppertz, \u201edie sich am p\u00e4pstlichen Hof bewegten, sich in Privatinitiative zusammenschlossen und f\u00fcr deutsche Pilger t\u00e4tig wurden.\u201c<\/p>\n<h4>Der Campo Santo Teutonico \u2013 ein Erinnerungskosmos<\/h4>\n<p>Der Campo Santo Teutonico ist eines der letzten Relikte des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation. Zum Campo geh\u00f6rt auch die Kirche Santa Maria della Piet\u00e0, in der viele Hauptleute der Schweizer Gardisten bestattet sind. Die Besucher m\u00fcssen sich bei den Schweizer Gardisten am Tor s\u00fcdlich des Petersdoms zwischen den Kolonnaden und dem Palazzo del Sant`Uffizio melden und in deutscher Sprache den Zugang zum Deutschen Friedhof oder <i>Campo Santo Teutonico<\/i> begehren.<\/p>\n<p>Dieses skurril anmutende Prozedere hat f\u00fcr Karsten eher etwas Erleichterndes. \u201eEs ist vor allem ungew\u00f6hnlich gro\u00dfz\u00fcgig, denn das Bemerkenswerte ist ja nicht, dass man um den Einlass bitten muss, sondern dass man ihn ohne Voranmeldung, ohne Antrag, ohne eine E-Mail verschicken zu m\u00fcssen, einfach im Vorbeigehen erbitten kann und gew\u00e4hrt bekommt\u201c, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. \u201eAls Deutscher hat man das Recht, ohne Formalie dorthin zu gehen und sich den Friedhof und die sich daran anschlie\u00dfende Kirche anzusehen.\u201c<\/p>\n<p>Und dieser Friedhof sei auch wirklich ein faszinierendes Sammelsurium von Gr\u00e4bern, auf dem man immer wieder etwas Neues entdecke, wei\u00df Karsten. Vom einfachen Mann \u00fcber K\u00fcnstler, Gelehrte und Wissenschaftler seien dort viele Tote vereint.<\/p>\n<p>\u201eWir haben einen Grabstein \u00fcber einen deutschen B\u00e4cker, der 1527 beim Sacco di Roma (Pl\u00fcnderung Roms) zu Tode kam entdeckt, der mit einer Brezel abgebildet ist. In diesem Jahr habe ich das Grab des Chefkochs eines k.u.k Gesandten, der 1908 in Rom verstarb, als der Graf gerade Botschafter in Rom war, gefunden. Er hat seinem K\u00fcchenchef zur Erinnerung einen Grabstein gestiftet. Wir haben auch Maler und K\u00fcnstler gefunden, die im 19. Jahrhundert in Rom gelebt und gearbeitet haben. Ein wahrer Erinnerungskosmos\u201c, schw\u00e4rmt Karsten.<\/p>\n<p>Und Huppertz f\u00fcgt hinzu: \u201eDazu ist es f\u00fcr deutsche Reisende auch eine wunderbare Erg\u00e4nzung, wenn man gerade aus dem Petersdom kommt, der sehr \u00fcberlaufen ist. Der wird ja von riesigen Massen an Touristen besucht, gerade, wenn man nicht sehr fr\u00fch kommt. Dann ist das Kontrastprogramm mit einem Besuch des Friedhofes seitlich davon, sehr ruhig und besinnlich. Es ist ein sehr sch\u00f6ner Ort\u201c, und den Besucher erwarte ein kleines St\u00fcck Gegenwart der Vergangenheit, erg\u00e4nzt Karsten.<\/p>\n<h4>Weitere Spuren in Rom<\/h4>\n<p>Catharina Elisabeth Goethe schrieb ihrem Sohn Johann Wolfgang nach Rom: \u00b4Lieber Sohn &#8230; Jubeliren h\u00e4tte ich vor Freude m\u00f6gen, dass der Wunsch, der von fr\u00fchester Jugend in deiner Seele lag, nun in Erf\u00fcllung gegangen ist\u2026` Seine Reiseeindr\u00fccke erschienen sp\u00e4ter unter \u00b4Italienische Reise` und entfachten eine weitverbreitete Italiensehnsucht.<\/p>\n<p>Seit der Zeit des Humanismus kamen viele deutsche Gelehrte und K\u00fcnstler nach Rom. Ihre Spuren kann man heute noch entdecken. \u201eDazu geh\u00f6rt sicher das Haus, in dem Goethe damals gelebt hat\u201c, beginnt Schwedt, \u201eman kann ganz viele Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Gelehrte und K\u00fcnstler finden, die inspiriert nach Italien kamen. In Santa Maria dell\u00b4Anima, der deutschen Nationalkirche, kann man sie sehr deutlich greifen. Menschen wie Lucas Holsten tauchen \u00fcberall auf, weil sie sich im Dunstkreis einer m\u00e4chtigen Papstfamilie bewegen\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>\u201eHolsten taucht auch im Petersdom auf, bei Christina von Schweden (schwedische K\u00f6nigin von 1632 \u2013 1654). Da haben wir uns das Grabmal angeschaut, also eine Monarchin und Konvertitin, die ihre Krone abgibt, konvertiert, nach Rom zieht und den Rest ihres Lebens dort verbringt. Sie wird bei ihrer Konversion von Lucas Holsten begleitet, der als Hamburger Gelehrter dort auftaucht. Und er ist auch auf dem Grabmal abgebildet, einer, den kaum jemand erkennen w\u00fcrde, wenn man es nicht wei\u00df\u201c, und Karsten f\u00fcgt hinzu: \u201eEs ist ein gro\u00dfes Grabmal und auf dem Sarkophag, in dem die sterblichen \u00dcberreste der K\u00f6nigin liegen, ist ein Relief angebracht. Dieses Relief zeigt die Szene ihrer Konversion, wo dann auch Lukas Holsten als geb\u00fcrtiger Hamburger Protestant selber konvertiert und als Betreuungsfachmann f\u00fcr Konversionsf\u00e4lle in der Zeit Urban VIII. fungiert.\u201c<\/p>\n<p>Gelehrte wie Holsten hatten damals nicht die Mittel, um selber im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen, sind aber durch ihre Dienste bei prominenten Arbeitgebern, wie z.B. der p\u00e4pstlichen Familie, immer am Rande beteiligt. So auch der deutsche Jesuit Athanasius Kircher.<\/p>\n<p>\u201eEr ist als Jesuit in Rom an ganz vielen Projekten beteiligt\u201c, wei\u00df Schwedt, \u201eund das erkennt man heute nur, wenn man sich damit auseinandersetzt. Wir hatten uns den Vierstr\u00f6mebrunnen auf der Piazza Navona angesehen, ein Objekt, welches durchweg von Touristen belagert ist. Da thront oben ein Obelisk drauf und die Hieroglyphen erinnern an Kircher, weil er sich damit intensiv auseinandergesetzt hat. Man erkennt ihn am Rande, obwohl er prominent vor aller Augen ist. Das ist bei vielen Personen so, sie wirken immer irgendwie \u00fcberall mit und geh\u00f6ren auch zu diesem Machtzentrum dazu.\u201c<\/p>\n<h4>Santa Maria dell`Anima \u2013 letzte Ruhest\u00e4tte eines deutschen Papstes<\/h4>\n<p>Santa Maria dell\u2019Anima ist die Nationalkirche der deutschen Katholiken, die sich aus einer Hospizstiftung entwickelte. Die Zahl der deutschen Zuwanderer muss irgendwann so gro\u00df gewesen sein, dass dann sogar ein Neubau von 1499 bis 1509 erfolgte. Die Spenden dazu kamen auch von Jakob Fugger, dem Reichen. Der deutsche Bezug geht aber noch weiter, denn in dieser Kirche wurde auch der letzte deutsche Papst vor Benedikt XVI., Papst Hadrian VI., 1523 beigesetzt.<\/p>\n<p>\u201eEr lag urspr\u00fcnglich im alten Petersdom, also Alt Skt. Peter, ca. 10 Jahre\u201c, berichtet Huppertz. \u201eAnfang des 16. Jahrhunderts beginnt man den Neubau des Petersdoms und zwar mit recht rabiaten Umbauarbeiten, so dass auch einige bedeutende Papstgr\u00e4ber verloren gehen. Hadrian VI. wurde auch Opfer dieser Umbauma\u00dfnahmen. Aber gl\u00fccklicherweise wurde das Grab dann in die Deutsche Nationalkirche \u00fcberf\u00fchrt. Es ist bezeichnend, dass er dahin kommt, denn es finanziert einer seiner engsten Freunde, Kardinal <i>Willem<\/i> van Enckenvoirt, der einzige Kardinal, den Hadrian in seiner kurzen Amtszeit ernannt hat.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sei Rom auch die Stadt der Toten, erkl\u00e4rt Karsten, und das sei f\u00fcr die vormoderne Denkwelt sehr wichtig und k\u00f6nne in Rom sehr sch\u00f6n studiert werden. Die Erinnerung an die Verstorbenen, das bewusste Inszenieren der bedeutenden Toten geh\u00f6re zur Lebenswelt der Nachwelt und sei damit auch das Setzen eines Erinnerungszeichens.<\/p>\n<h4>K\u00f6nigreich Italien erm\u00f6glicht den Bau einer Lutherischen Kirche<\/h4>\n<p>Auch eine Lutherische Kirche gibt es im katholischen Rom. Ihr Architekt, Franz Schwechten, hat in Berlin die Kaiser Wilhelm Ged\u00e4chtniskirche erbaut. 1910 wurde das Bauprojekt endlich umgesetzt. \u201eDas ist sehr eng verbunden mit dem K\u00f6nigreich Italien, als Rom aufh\u00f6rt, die Hauptstadt der P\u00e4pste zu sein und Hauptstadt der K\u00f6nige wird\u201c, sagt Schwedt, \u201eden Vorl\u00e4ufer dieser Kirchenstiftung hatten wir schon fr\u00fcher betrachtet, als wir auf dem Kapitol waren. Da ist der Palazzo Caffarelli und da war fr\u00fcher die preu\u00dfische Gesandtschaft drin.\u201c<\/p>\n<p>Denn tats\u00e4chlich habe man dort schon ab 1817 in einer Hauskapelle lutherische Gottesdienste gefeiert, ab 1819 sogar mit einem eigenen Pfarrer. \u201eDa fand im Herzen Roms schon dieses evangelische Gemeindeleben statt. Das sah zwar der Papst nicht gerne, aber man wollte auch keinen Streit mit der preu\u00dfischen Gesandtschaft, daher duldete man es\u201c, erkl\u00e4rt Schwedt.<\/p>\n<div id=\"attachment_52400\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-52400\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/HuppertzSchwedtKarsten1-2-1024x549.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"549\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Wissenschaftler Jonathan Huppertz, Michael Schwedt und Dr. Arne Karsten &#8211; \u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Nicht geduldet wurden dagegen verstorbene Nichtkatholiken, die man innerhalb der Stadt nicht beisetzen durfte. \u201eDa gibt es den Cimitero<i> Acattolico\u201c, <\/i>sagt Karsten, \u201eda d\u00fcrfen die Ketzer ihre Toten bestatten. Da liegt z.B. Goethes Sohn und viele andere protestantische K\u00fcnstler und Gelehrte.\u201c<\/p>\n<p>Sichtbar ein Geb\u00e4ude innerhalb des Kirchenstaates entstehen zu lassen, das einem anderen Kultus gewidmet ist, sei v\u00f6llig undenkbar gewesen. Nachdem 1870 jedoch Truppen des italienischen K\u00f6nigs Rom erobert hatten, war der Weg frei zum Bau einer evangelischen Kirche. \u201eF\u00fcr den gesamten Stadtraum war nun das K\u00f6nigreich Italien verantwortlich und das f\u00fchrte dazu, dass auch andere Konfessionen Bauland erwerben konnten\u201c, sagt Schwedt.<\/p>\n<h4>Martin-Lutter-Platz in der N\u00e4he des Kolosseums<\/h4>\n<p>Auch im 21. Jahrhundert lassen sich immer noch deutsche Einfl\u00fcsse in Rom nachweisen, wie z.B. der vor sechs Jahren neu benannte Martin-Luther-Platz (Piazza Martin Lutero). Die Wissenschaftler hingegen entdecken immer wieder Neues an alten Objekten. <b>\u201e<\/b>Mich hat sehr gefreut\u201c, res\u00fcmiert Karsten, \u201edass das Konzept der Exkursion aufgegangen ist. Die Idee, nicht Wissensmassen zu referieren, sondern gemeinsam die historische Quelle ernst zu nehmen und versuchen, aus der Besch\u00e4ftigung mit den einzelnen Objekten die Geschichte lebendig werden zu lassen auf der Basis studentischer Eigeninitiative.\u201c<\/p>\n<p>Schwedt erg\u00e4nzt: \u201eF\u00fcr mich war es diesmal sehr interessant, \u00fcber diese Gelehrtenfiguren in der zweiten Reihe mehr zu erfahren, wie wichtig sie im Gesamtzusammenhang der Entwicklungen sind. Deutsche Spuren in Rom sind \u00fcber Holsten, Kircher oder andere immer wieder im Stadtraum zu entdecken. Das barocke Rom als in recht kurzer Zeit entstandenes Bauensemble pr\u00e4gt bis heute die Stadt. Und da haben viele Deutsche in zweiter Reihe mitgewirkt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber PD Dr. Arne Karsten<\/h4>\n<p>PD Dr. Arne Karsten (*1969) studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in G\u00f6ttingen, Rom und Berlin. Von 2001 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin. Seit dem Wintersemester 2009 lehrt er als Junior-Professor, seit der Habilitation 2016 als Privatdozent f\u00fcr Geschichte der Neuzeit an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Michael Schwedt (*1988) studierte Geschichtswissenschaft und Germanistik an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal bis zum Abschluss des Master of Education und Master of Arts. Aktuell arbeitet er unter der Betreuung von PD Dr. Arne Karsten an seiner geschichtswissenschaftlichen Dissertation zum Untergang der Republik Venedig und seit November 2021 als Projektmitarbeiter in der Germanistik an der BU.<\/p>\n<p>Jonathan Huppertz (*1995) studiert derzeit Geschichtswissenschaft und Anglistik an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal im Master of Education.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Exkursionsreise des Fachs Geschichte unter der Leitung von Dr. Arne Karsten auf der Suche nach deutschen Spuren in Rom &#8211; mit diesem Thema besch\u00e4ftigt sich Uwe Blass in einer neuen Folge der Uni-Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-52393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 17:28:32","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52393"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52405,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52393\/revisions\/52405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}