{"id":51496,"date":"2022-04-25T17:43:52","date_gmt":"2022-04-25T15:43:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=51496"},"modified":"2025-05-12T18:41:46","modified_gmt":"2025-05-12T16:41:46","slug":"wetten-dass-frank-elstner-80-jahre-alt-geworden-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/04\/25\/wetten-dass-frank-elstner-80-jahre-alt-geworden-ist\/","title":{"rendered":"&#8222;Wetten, dass&#8230; Frank Elstner 80 Jahre alt geworden ist?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_43541\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-43541\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HX7A9388-1024x630.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"630\" \/><span class=\"wp-caption-text\">TV-Legende Frank Elstner in der Talkshow &#8222;Begegnungen&#8220; mit \u00a0Peter Maffay &#8211; \u00a9 Wolfgang K\u00f6hler<\/span><\/div>\n<p>Zu seinem 80. Geburtstag am 19. April hat das Burda-Magazin &#8222;BUNTE&#8220; mit ihm ein ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt, auch \u00fcber eine Zeit, die weit zur\u00fcckliegt \u2013 aber aktueller denn je ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Frank Elstner, Sie wurden im Krieg geboren. In Zeiten eines anderen Krieges werden Sie 80 Jahre alt. Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit im Krieg?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Mein Vater inszenierte im Fr\u00fchjahr 1942 in Linz an der Donau eine Operette. Da hat meine Mutter ihn besucht. Und bei die- sem Besuch kam ich in der Landesklinik von Linz auf die Welt. Wir sind dann wenig sp\u00e4ter zur\u00fcck ins tschechische Br\u00fcnn ge- gangen, wo mein Vater Oberspielleiter der St\u00e4dtischen Operet- te war. Die erste Sprache, die ich gelernt habe, war die tsche- chische Sprache. Denn ich habe mich immer mit unserem Kinderm\u00e4dchen Vera unterhalten, das aus der Tschechei kam.&#8220;<\/p>\n<p><b>Wann setzt Ihre Kindheitserinnerung ein?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Im Mai 1945, mit drei Jahren. Wir wohnten noch im tschechischen Br\u00fcnn, wo damals viele Deutsche waren. Mein Vater war erfolgreicher Schauspieler. Meine Mutter eine erfolgreiche S\u00e4ngerin und Schauspielerin. Es muss bis zum Krieg eine sehr sch\u00f6-ne Zeit gewesen sein. Dann aber wurden die M\u00e4nner in den Krieg geschickt und sp\u00e4ter in Gefangenschaft genommen. Mein Vater kam im Winter 1946\/47 aus der Kriegsgefangenschaft nach Wien. Und war pl\u00f6tzlich ein furchtbar entstellter Mann mit einem Wasserkopf. Was eine Folge der Kasernierung in der Gefangenschaft war. Es hat ein paar Tage gedauert, bis er sich davon wieder erholt hatte. Es war das erste Erscheinungsbild meines Vaters, das mir bewusst war. Dieser f\u00fcrchterliche Wasserkopf. Er tat mir unglaublich leid. Obwohl ich noch so klein war.&#8220;<\/p>\n<p><b>Sie sind einer der letzten lebenden Zeitzeugen, die den sogenannten Todesmarsch von Br\u00fcnn nach Wien erlebt haben. Woran erinnern sie sich?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Meine Mutter und ich wurden am Morgen des 15. Mai 1945 \u2013 wenige Tage nach Kriegsende \u2013 wie 60.000 andere deutschsprachige Bewohner von Br\u00fcnn in den Hof des Augustiner-Klosters St. Thomas gebracht und eingepfercht. Von dort begann der Marsch. Betroffen waren Frauen, Kinder und alte M\u00e4nner. Vier Tage und vier N\u00e4chte sind wir gegangen. 55 Kilometer. 5.000 bis 6.000 Menschen sollen auf dem Br\u00fcnner Todesmarsch gestorben sein. An Hunger, an Durst \u2013 und durch Gewalt. Erinnern kann ich mich noch \u2013 obwohl ich erst drei Jahre war \u2013 an die riesigen Menschenschlangen. Kilometer lang. Und ich erinnere mich an die toten Pferde, die am Stra\u00dfenrand lagen. Komischerweise sehe ich noch meinen Kinderwagen vor mir. Ein wei\u00df geflochtener Kinderwagen, in den meine Mutter unsere letzten Habseligkeiten gepackt hatte. Und ein Zelt, in dem die Menschen abends vor einem riesigen Topf an einer Feuerstelle sa\u00dfen. Das alles sind die Bilder meiner ersten Kindheitserinnerungen. Meine Mutter war bis zum Schluss davon \u00fcberzeugt, dass ich ihr das Leben gerettet habe, weil ich w\u00e4hrend der Flucht nur tschechisch gesprochen habe.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_43550\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-43550\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/R51K1556-2-1024x546.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"546\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Frank Elstner (r.) in der Talkshow von Peter Maffay (l.). In der Mitte Fu\u00dfballnationalspieler Christian G\u00fcnter &#8211; \u00a9 Wolfgang K\u00f6hler<\/span><\/div>\n<p><b>Ihre Eltern sind fr\u00fch gestorben. Wie sind Sie mit diesem Verlust umgegangen?<\/b><b>&#8222;<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Der Tod meiner Mutter hat mich wahnsinnig getroffen. Er kam so pl\u00f6tzlich. Ich war 22 Jahre alt. Sie hatte einen Schlaganfall. Sie hat wie ein Schlot geraucht, 60 Zigaretten am Tag. Mein Bruder und ich haben immer gesagt: Unsere Mutter hat sich tot geraucht.&#8220;<\/p>\n<p><b>H\u00e4tten Sie Ihrer Mutter gerne noch etwas gesagt?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Meine Mutter hat sich ihr Leben lang einen Apfelbaum in einem Garten gew\u00fcnscht. Als sie noch lebte, hatte ich noch kein Geld, mir einen Gar- ten zu leisten. Es tut mir leid, dass mir das damals nicht m\u00f6glich war.&#8220;<\/p>\n<p><b>Was haben Sie von Ihren Eltern mitbekommen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Von meinem Vater habe ich die Gabe, die Menschen zu unter- halten. Meine Mutter hat gemerkt, dass ich sehr gut sprechen kann. So kam ich zum Kinderfunk und habe mit acht Jahren das \u201eBambi\u201c in Walt Disneys \u201eBambi\u201c gesprochen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Erinnern Sie sich noch an den Text?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;An die erste Szene kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich \u2013 also das kleine Reh \u201eBambi\u201c \u2013 stehe auf der Lichtung und beschreibe, wie der Tau auf den Bl\u00e4ttern liegt und langsam die Sonne herauskommt. Der gro\u00dfe Dichter und Schrifsteller Hermann Hesse (\u201eDer Steppenwolf\u201c, die Red.) stand damals zuf\u00e4llig im Studio und sagte den anwesenden Leuten, dass aus mir etwas werden k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p><b>H\u00e4tten Sie sich gew\u00fcnscht, dass Ihre Eltern Ihre gro\u00dfen Erfolge noch mitbekommen h\u00e4tten?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Kurz vor dem Tod meiner Mutter bin ich durch das Abitur gefallen und konnte deshalb nicht Theater- wissenschaften studieren, wie es meine Mutter sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte. Wir waren schlie\u00dflich eine Schau- spielerfamilie. Radio Luxemburg suchte damals Discjockeys. So landete ich beim Radio. Meine Mutter h\u00e4tte sich gefreut, dass aus ihrem Jungen doch noch etwas geworden ist. Mein Vater hat noch meine ersten beiden Folgen der Fernseh-Sendung \u201eDie Montagsmaler\u201c mit- erlebt.&#8220;<\/p>\n<p><b>Sie gelten \u2013 im besten Sinne \u2013 als strebsam, diszipliniert und ehrgeizig. Wie kam es dass Sie das Abitur nicht bestanden ha- ben?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Ich war in einem Katholischem Konvikt. Ich hatte einfach kei- ne Lust mehr auf die Schule und interessierte mich mehr f\u00fcr M\u00e4dchen als f\u00fcr den Unterricht. Au\u00dferdem spielte ich damals schon Theater. Dass ich durch das Abitur gefallen bin, hat mich sehr geschmerzt. Es war ein Wendepunkt in meinem Leben, weil ich dieses Scheitern nie vergessen habe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Es waren andere, strengere Zeiten. Wie hat Ihre Mutter auf Ihre fr\u00fche Vaterschaft reagiert?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Sie hat sich f\u00fcr mich und \u00fcber ihren Enkel gefreut. Aber sie hat<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>mir \u00fcbelgenommen, dass ich mich von meiner Frau wegen einer anderen wenig sp\u00e4ter getrennt habe. Als ich meine Mutter mit meiner neuen Freundin besuchen wollte, hat sie mir klipp und klar gesagt: Die l\u00e4sst Du bitte unten im Auto sitzen. Ich will sie nicht kennenlernen. Das haben wir bis zu ihrem Tod leider nie ausdiskutiert.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Nun liegen bereits acht Lebens-Jahrzehnte hinter Ihnen. Was war das sch\u00f6nste Jahrzehnt?<\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Ich bin kein Mensch, der durchs Leben geht und abends ein Res\u00fcmee zieht. Oder am Monatsende. Ich sage nicht am 31. De- zember, das war ein gutes oder ein schlechtes Jahr. Ich nehme das Leben, wie es kommt und wie es der liebe Gott bestimmt.&#8220;<\/p>\n<p><b>Und \u2013 wie war das Leben f\u00fcr Sie?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Frank Elstner: &#8222;Es war ein wirklich sch\u00f6nes Leben. Ich mache mir keine Ge- danken dar\u00fcber, ob ich noch zwei Jahre oder 20 Jahre lebe. Ich mache mir Gedanken \u00fcber meine Kinder, die mein gr\u00f6\u00dftes Ver- m\u00f6gen sind. Ob sich meine Kinder im Leben durchsetzen und unabh\u00e4ngig werden. Unabh\u00e4ngigkeit schafft Freiheit. Freiheit gibt Gelassenheit. Und je \u00e4lter ich werde, desto gelassener bin ich. Und ich hoffe, dass es das Leben noch ein bisschen gut mit mir meint. Und auch der liebe Gott.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Interview: Martin Heidemanns \/ BUNTE<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Link zur BUNTE-Webseite\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bunte.de\">http:\/\/www.bunte.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wetten, dass Frank Elstner 80 Jahre alt geworden ist? Fast jeder Deutsche jenseits der 40 kennt die TV-Legende \u2013 und sein Leben. Dass er das kleine Radio Luxemburg so gro\u00df gemacht hat. Dass er die Jahrhundert-Show \u201eWetten dass..?\u201c erfunden und mit Sensationsquoten moderiert hat. Und dass er Parkinson hat, ein Glasauge \u2013 und f\u00fcnf Kinder von vier Frauen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-51496","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-04 06:40:53","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51496"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51505,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51496\/revisions\/51505"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}