{"id":51239,"date":"2022-04-11T13:49:18","date_gmt":"2022-04-11T11:49:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=51239"},"modified":"2022-04-12T07:40:32","modified_gmt":"2022-04-12T05:40:32","slug":"es-gibt-so-viele-wahrheiten-wie-menschen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/04\/11\/es-gibt-so-viele-wahrheiten-wie-menschen-2\/","title":{"rendered":"\u201eEs gibt so viele Wahrheiten wie Menschen\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_51242\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 941px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-51242\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/SchSpW_20220406_EX_307_169-1024x576-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"931\" height=\"654\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tanz auf dem Tisch in dem St\u00fcck &#8222;Ex. M\u00f6gen die Mutspieler platzen&#8220; &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Die Inszenierung steht in der in der Tradition s\u00fcdamerikanischen Familientheaters und d\u00fcrfte weit \u00fcber Wuppertals Grenzen Aufmerksamkeit erregen. Es ist ein 2012 uraufgef\u00fchrten St\u00fcck des gefeierten uruguayischen Autors und Regisseurs Gabriel Calder\u00f3n aus Montevideo, das jetzt von Peter Wallgramm \u00fcbersetzt und dramaturgisch begleitet wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im Kern geht es hier um die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung einer Familie, die im B\u00fcrgerkrieg ihres Landes durch Milit\u00e4rdiktatur und Folter schwer gelitten hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ein Thema, welches angesichts Putins Kriege erschreckende Aktualit\u00e4t besitzen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Enkelin Ana (Julia Meier)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>gerade 20 Jahre alt geworden, versucht mit Hilfe ihres Freundes Tadeo<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>(Kevin Wilke) die nach Jahren noch vielen unbeantworteten Fragen ihrer Familie zu kl\u00e4ren, die ihr seelische Schmerzen bereiten, st\u00f6\u00dft dabei aber auf eine Mauer des Schweigens.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eSteck dir deine Fragen sonst wohin\u201c, so die Antwort ihres missmutigen Gro\u00dfvaters Antonio (Stefan Walz), der sich so an gar nichts erinnern mag.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Mehr noch, er weigert sich sogar, seine bohrend fragende Enkeltochter zu kennen und will auch nicht \u201eOpa\u201c genannt werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51166\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-51166\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/SchSpW_20220406_EX_445_169-2-1024x643.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"377\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Eine Szene aus &#8222;Ex. M\u00f6gen die Mitspieler platzen&#8220; &#8211; \u00a9 \u00a0Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Eltern, Gro\u00dfeltern und Kinder bleiben die Antworten auch noch schuldig, als Tadeo mit Hilfe einer \u201eZeitmaschine\u201c ein Weihnachtsessen mit den meist schon verstorbenen Protagonisten arrangiert, ein Familientreffen aus dem Jenseits.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dank der neuartigen Erfindung des jungen Wissenschafters Tadeus l\u00e4uft das Thema in verschiedenen Zeitzonen ab, mit deren Hilfe reichlich Tote aus dem Jenseits an die festliche Tafel gekommen sind. Bei dem rasanten Wechsel vom Heute ins Damals und wieder zur\u00fcck wird das Ausmass der Schuld in dieser Familie sichtbar.<\/p>\n<p>Calder\u00f3n l\u00e4\u00dft das Publikum nur ahnen, was da derart tabuisiert und im Hintergrund geblieben ist. Es geht es um die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Zeit der Milit\u00e4rdiktatur in Uruguay, die von 1973 bis 1985 dauerte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Eine Zeit, in der \u00fcberaus beliebte sp\u00e4tere Pr\u00e4sident (2010-2015) Mujica noch als Terrorist galt. Guerilla-K\u00e4mpfer\u00a0Jos\u00e9 Mujica, genannt El Pepe, wurde er in seiner Zeit als Guerrillero von der milit\u00e4rischen Diktatur f\u00fcr zw\u00f6lf Jahre inhaftiert. Seine Geschichte wurde inzwischen verfilmt ( Netflix: Ein Leben an h\u00f6chster Stelle). <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51170\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 611px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-51170 \" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/SchSpW_20220406_EX_344_2000-1024x614.jpg\" alt=\"\" width=\"601\" height=\"360\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Familientreffen der besonderen Art &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Auch Jos\u00e9 (Alexander Peiler), Spielmacher des Schauspiels sowie dessen Bruder Jorge (Konstatin Rickert) und Vater von Ana waren Teil jener Widerstandsk\u00e4mpfer, die sich nach dem letzten, von spanischen Kolonisatoren 1572 hingerichtete Inka-Herrscher Tupac Amaru (\u00fcbersetzt \u201eLeuchtende Schlange\u201c) \u201eTupamaros\u201c nannten.<\/p>\n<p>Jos\u00e9 starb als Opfer schwerster Folter in einem tiefen Brunnen. Der Bruder schien ihn verraten zu haben. Tats\u00e4chlich aber hatte der Vater der beiden, jetzt der Opa (Stefan Walz) und fr\u00fcher ein Arzt, der sich aus dem politischen Kampf gern heraushalten wollte, die Namensliste von Jorges Freunden an die m\u00f6rderische Obrigkeit weiter gereicht. So starb auch Jorge. \u00dcber all das wurde zwischen Opa und Mutter (Yulia Yanez Schmidt) Stillschweigen vereinbart.<\/p>\n<h4>\u201eSchmerz ist dein Freund\u201c<\/h4>\n<p>\u201eSchmerz ist dein Freund\u201c, hei\u00dft es in einem Dialog und sp\u00e4ter: \u201eUngerecht ist Teil der Gerechtigkeit\u201c. Es gibt vielf\u00e4ltige, auch philosophische Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze f\u00fcr das Schweigen. Die einen sagen, man m\u00fcsse die Vergangenheit endlich ruhen lassen und sich um die aktuellen Probleme k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Die anderen meinen um das Heute zu verstehen und an einer Zukunft zu bauen, sollte man seine Vergangenheit kennen. \u201eEs gibt so viele Wahrheiten wie Menschen\u201c gelangt das St\u00fcck zu einer interessanten Erkenntnis.<\/p>\n<p>Vesta Hiltmanns schlichtes und funktionales B\u00fchnenbild passt sich thematisch ebenso gut wie Ulf Steinhauers untermalende Musikauswahl ein in dieses schnelle, anspruchsvolle Theaterst\u00fcck von einer Stunde und 30 Minuten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u201eEx. M\u00f6gen die Mitspieler platzen\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/h4>\n<p>von Gabriel Calder\u00f3n<\/p>\n<p>Theater am Engelsgarten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Weitere Vorstellungen:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Sonntag \u2013 10. April 2022 \u2013 18:00 Uhr<\/p>\n<p>Sonntag \u2013 17. April 2022 \u2013 18:00 Uhr<\/p>\n<p>Freitag \u2013 29. April 2022 \u2013 19:30 Uhr<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Samstag \u2013 28. Mai 2022 \u2013 19:30 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Inszenierung von Jenke Nordalm ist eine literarisch-dramaturgische Glanzleistung. Die deutschsprachige Erstauff\u00fchrung mit dem sonderbaren Titel \u201eEx. M\u00f6gen die Mitspieler platzen\u201c von Gabriel Calder\u00f3n feierte im Theater am Engelsgarten Premiere.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-51239","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 16:52:40","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51239"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51268,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51239\/revisions\/51268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}