{"id":51105,"date":"2022-04-05T13:49:14","date_gmt":"2022-04-05T11:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=51105"},"modified":"2022-04-05T13:49:25","modified_gmt":"2022-04-05T11:49:25","slug":"papstgrabmale-von-der-bodenplatte-bis-zu-meisterwerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/04\/05\/papstgrabmale-von-der-bodenplatte-bis-zu-meisterwerken\/","title":{"rendered":"Papstgrabmale: Von der Bodenplatte bis zu Meisterwerken"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_51107\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-51107\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Karsten_21-5a-2-1024x745.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"745\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die r\u00f6mischen Papst- und Kardinalsgr\u00e4ber<br \/>PD Dr. Arne Karsten \/ Geschichte &#8211; \u00a9<br \/>Foto: UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Dr.\u00a0 Arne Karsten, Dozent f\u00fcr Geschichte der Neuzeit an der Bergischen Universit\u00e4t, hat sich mit der Bedeutung dieser Grablegen besch\u00e4ftigt, die die Nachwelt immer noch vor viele Fragen stellen.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Grabmalen mutet ziemlich morbide an, ist aber f\u00fcr den Historiker Arne Karsten eine sehr naheliegende Besch\u00e4ftigung, denn, so sagt er, die Anf\u00e4nge der Menschheitsgeschichte seien eigentlich mit Grabmalen markiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seine Studierenden antworteten auf seine Frage nach prominenten Gr\u00e4bern dann auch prompt mit den \u00e4gyptischen Pyramiden. \u201eDie \u00e4gyptischen Pyramiden sind nichts Anderes als Grabm\u00e4ler\u201c, sagt Karsten, \u201esie sind Erinnerungszeichen an Herrscher, die schon lange, lange tot sind.\u201c<\/p>\n<h4>Das Projekt \u201eRequiem\u201c<\/h4>\n<p>Karsten hatte bereits zwei Jahre in Rom gelebt und stand vor dem Ende seiner Dissertation. Seine Forschungen \u00fcber die Kunstf\u00f6rderung der P\u00e4pste und ihrer Verwandten im 17. Jahrhundert hatten dazu gef\u00fchrt, dass er sich in Roms Kirchen schon gut auskannte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51109\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-51109 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/image002.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Vor allem die F\u00fclle an Gr\u00e4bern fiel ihm immer wieder ins Auge. \u201eIch war sehr beeindruckt von der Vielzahl der Grablegen aller Art f\u00fcr die verschiedensten Leute in den verschiedensten Formaten und Ausstattungen.\u201c Von der einfachen Bodenplatte bis zu Meisterwerken der Bildenden Kunst, er\u00f6ffnete sich ihm in der enormen Menge an Kunstwerken ein neuer Forschungsansatz, der sich f\u00fcr den Normalb\u00fcrger auf den simplen Satz reduzieren l\u00e4sst: Warum gibt es in Rom so viele Grabmale?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Mit seinem Kollegen Philipp Zitzlsperger, heute Professor f\u00fcr Kunstgeschichte an der Universit\u00e4t Innsbruck, wollte er die Kunstwerke als sozialgeschichtliche und mentalit\u00e4tsgeschichtliche Dokumente untersuchen. So entstand das Projekt \u201eRequiem \u2013 Die r\u00f6mischen Papst- und Kardinalsgr\u00e4ber der fr\u00fchen Neuzeit\u201c, dass er am Institut f\u00fcr Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin begann und seit 2009 in Wuppertal federf\u00fchrend fortf\u00fchrt.<\/p>\n<h4>Warum gibt es in Rom so viele Grabmale?<\/h4>\n<p>Die Vielzahl der Grabmale in Rom lasse sich nicht aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden erkl\u00e4ren, sagt Karsten. \u201eDas Christentum ist eine jenseitsorientierte Erl\u00f6sungsreligion. Das Eigentliche kommt nach dem Tod. Seelenheil oder ewige Verdammnis folgen auf das Leben im Diesseits, als ewiges Leben im Jenseits. Und f\u00fcr dieses ewige Leben sind Triumphzeichen, pr\u00e4chtige Grabm\u00e4ler eher kontraproduktiv, das ist innerweltliche Eitelkeit. Das ist Ruhmsucht, das sind alles Dinge, die das Christentum, theologisch gesehen, ablehnt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51111\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-51111\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/st-peters-basilica-g376c7b121_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"434\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Petersdom in Rom &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>So h\u00e4tten auch Theologen im Laufe der Geschichte die Grabmale ausnahmslos kritisiert. Eine einfache Bodenplatte sei vielleicht noch erlaubt, jedoch das Aufstellen glanzvoller B\u00fcsten der Verstorbenen, Tugendallegorien oder gar Inschriften, die die Leistungen in dieser Welt verk\u00fcndeten, geh\u00f6ren eindeutig nicht in den Bereich der Theologie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Suche nach einer Erkl\u00e4rung ging also weiter und fand sich schlie\u00dflich in der Bedeutung des Grabmals f\u00fcr die Nachwelt. \u201eIndem man durch die Erinnerung an einen ber\u00fchmten Vorfahren den eigenen Status der Familie etabliert und der Nachwelt vor Augen f\u00fchrt: Seht, schon unser Vorfahre, Papst X, oder Kardinal Y hat in den und den Jahren gelebt und Gro\u00dfes vollbracht\u201c, erkl\u00e4rt Karsten, \u201edaher sind wir, seine Nachfahren auch berechtigt, in der r\u00f6mischen Aristokratie unsere Rolle zu spielen.\u201c<\/p>\n<h4>Die Grabmalgeschichte von 1420 bis 1798<\/h4>\n<p>Das Projekt \u201eRequiem\u201c untersucht die r\u00f6mischen Papst- und Kardinalsgrabm\u00e4ler im Zeitraum zwischen 1420 und 1798. Die Begrenzung auf eben diese Jahre hat mit der Kirchengeschichte zu tun.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201e1417 endet das gro\u00dfe abendl\u00e4ndische Schisma, dass dazu gef\u00fchrt hat, dass es zeitweilig sogar mehrere P\u00e4pste gab. Dem voran ging eine Zeit des babylonischen Exils der Kirche, als die P\u00e4pste in Avignon residierten. 1420 kehrte mit Martin V., (Papst von 1417-1431) das Papsttum endg\u00fcltig nach Rom zur\u00fcck und etablierte dann auch dauerhaft seine weltliche Herrschaft im Kirchenstaat bis 1798, als der Kirchenstaat als Folge der Franz\u00f6sischen Revolution zeitweise unterging.\u201c<\/p>\n<h4>Die Fragestellung des Wissenschaftlers bestimmt die Antworten<\/h4>\n<p>Das interdisziplin\u00e4re Arbeiten an einem Projekt bringt viele Wissenschaftler zusammen, die durch ihre fachspezifischen Fragen immer neue Geheimnisse enth\u00fcllen. Karsten berichtet \u00fcber Kunsthistoriker, die sich fragen, woher bestimmte Figuren kommen, ob es Darstellungstraditionen gebe, welche kunsthistorischen Entwicklungen zu beobachten seien und welche K\u00fcnstler beteiligt oder nach welchen Vorbildern sie gearbeitet h\u00e4tten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51112\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-51112\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/apostle-g3f1f02e2b_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"434\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Skulpturen am und auf dem Petersdom &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Die Sozialhistoriker wiederum besch\u00e4ftigen sich mit den Familien. Wie einflussreich waren sie? In welchen Kirchen haben sie Grabmale erbauen lassen? \u201eOder wir fragen mentalit\u00e4tsgeschichtlich nach den Inschriften\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eDa werden ja die Taten der Verstorbenen geschildert. Was sind das f\u00fcr Taten? Wird Fr\u00f6mmigkeit erw\u00e4hnt, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, Armenf\u00fcrsorge? Oder sind es berufliche Karriereschritte?\u201c Letzteres finde man h\u00e4ufig, wei\u00df der Wissenschaftler. \u201eWenn der Onkel z.B. p\u00e4pstlicher Botschafter in Paris war oder Legat in Bologna und damit Chef der p\u00e4pstlichen Verwaltung in der zweitwichtigsten Stadt des Kirchenstaates\u201c, erkl\u00e4rt er, dann h\u00e4tten diese Karriereschritte am Ende oft dazu gef\u00fchrt, dass er Kardinal oder gar Papst geworden sei, und das wiederum erh\u00f6he das Prestige der Nachfahren.<\/p>\n<h4>Der gr\u00f6\u00dfte Massenmord an den Toten der europ\u00e4ischen Geschichte<\/h4>\n<p>Der Petersdom, so wie wir ihn heute kennen, entstand zwischen 1506 und 1612. Sein Vorg\u00e4ngerbau, Alt-St. Peter, 324 n. Chr. durch Konstantin den Gro\u00dfen \u00fcber dem vermuteten Grab des heiligen Petrus erbaut, wurde unter Papst Julius II. abgerissen und mit ihm \u00fcber 150 Gr\u00e4ber von P\u00e4psten und Kardin\u00e4len.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dieser massive Zerst\u00f6rungsakt lie\u00dfe sich geradezu als Massenmord an den Toten bezeichnen. \u201eDas haben die Zeitgenossen auch massiv kritisiert\u201c, erkl\u00e4rt Karsten, \u201edie alte Peterskirche, die zur\u00fcckgeht bis in die konstantinische Epoche, war ein Eldorado von hunderten von Grabmalen aus dem Mittelalter, zur\u00fcckreichend bis in die fr\u00fchen Zeiten des Christentums. Mit der alten Kirche wurden nicht alle, aber die allermeisten dieser alten Erinnerungsmonumente abgerissen. Das war ein Akt gro\u00dfer Piet\u00e4tlosigkeit.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_51113\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 661px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-51113\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/architecture-gc07f2e4ec_1920-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"651\" height=\"651\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Im Innern des Petersdom befinden sich viele Papst-Grabm\u00e4ler &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Zwar g\u00e4be es heute vereinzelte Grabfragmente in den Grotten des Vatikans, aber letztendlich habe nur ein Papstgrab `\u00fcberlebt\u00b4. Durch die Intervention der einflussreichen Familie Papst Innozenz VIII. wurde seine Grablege nicht zerst\u00f6rt und in den neuen Petersdom \u00fcberf\u00fchrt. Vereinzelte Papstgr\u00e4ber finde man noch in umliegenden Kirchen, weil sich die Kirchenoberh\u00e4upter mit diesen verbunden f\u00fchlten. \u201eSeit der Fertigstellung des neuen Petersdoms liegen seit dem 17. Jahrhundert die meisten P\u00e4pste dort.\u201c<\/p>\n<h4>Kardinalstestamente regeln die Grablege<\/h4>\n<p>Einige Gr\u00e4ber sind sehr schlicht, andere wiederum monumental gestaltet. Das liege zum einen am letzten Willen der Verstorbenen oder manchmal auch ganz einfach an den finanziellen M\u00f6glichkeiten, wei\u00df der Forscher.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eIm Rahmen des Requiem-Projektes haben wir in Rom erhaltene Kardinalstestamente, die seit 1626 erhalten sind, einsehen k\u00f6nnen. Und die beginnen immer mit der Formel \u2026sobald ich meine Seele Gott zur\u00fcckgegeben habe, soll nach meinem Tod folgendes geschehen\u2026\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wird dann die Totenzeremonie mit der Bestattung des K\u00f6rpers beschrieben und der Wunsch nach einem pomp\u00f6sen Grab oder einer schlichten Grabplatte geschildert.<\/p>\n<p>Es gebe aber auch F\u00e4lle, in denen sich die Familie \u00fcber den Wunsch des Toten hinwegsetze. \u201eEs gibt einen Papstneffen, Antonio Barberini (1607 \u2013 1671)\u201c, berichtet Karsten. \u201eDer m\u00f6chte eine Grabplatte, auf der nur ein Wort stehen soll: Peccator (ein S\u00fcnder). Das hinderte seine Nachfahren aber nicht daran, rund hundert Jahre sp\u00e4ter in ihrem Landgut im S\u00fcden von Rom in einer Dorfkirche eine riesige Grabkapelle zu errichten, in die er umgebettet wird und mit der ganzen Kunst der Zeit mit B\u00fcste etc. das Familienprestige \u00fcber den Wunsch des einzelnen gestellt wird. Da wird die gro\u00dfe, traditionsreiche Familie gezeigt und Onkel Antonio wird gewisserma\u00dfen posthum gekidnappt.\u201c<\/p>\n<h4>Moralvorstellungen ver\u00e4ndern oder beseitigen Grabmale<\/h4>\n<p>An einzelnen Grabmalen hat es immer mal wieder Ver\u00e4nderungen gegeben. So war eine der Figuren des Grabes von Alexander VII. urspr\u00fcnglich nackt. Es handele sich dabei um die Veritasfigur, die noch in den 1670er Jahren nach Berninis Pl\u00e4nen ausgef\u00fchrt wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDoch schon wenige Jahre sp\u00e4ter forderte der strenger denkende Papst Innozenz XI. Bernini auf, der Figur ein Bronzegewand anzulegen.\u201c<\/p>\n<p>Wie sich langfristig Moralvorstellungen in Rom \u00e4ndern konnten, zeigt auch das Beispiel der Grablege der M\u00e4tresse des Borgiapapstes Alexander VI. (1492 &#8211; 1503), Vanozza de` Cattanei. Die vierfache Mutter der Papstkinder Lucretia, Juan, Cesare und Jofr\u00e9, hatte bis ins 17. Jahrhundert in der prominenten Kirche Santa Maria del Popolo eine Grabplatte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDa stand auch drauf, dass sie die Geliebte des Kardinals war und alle wussten, dass das Papst Alexander VI. war. Sp\u00e4ter wurde diese Grabplatte im Auftrag von Clemens VIII. abgetragen. Fragmente haben sich erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Wie im alten \u00c4gypten begannen die Grabarbeiten schon zu Lebzeiten der P\u00e4pste.\u00a0Ber\u00fchmte Bildhauer wie Gian Lorenzo Bernini (1598 \u2013 1680) schufen kolossale Gr\u00e4ber wie das von Urban VIII. oder Alexander VII. Damit wurden sie schon zu Lebzeiten der P\u00e4pste beauftragt und schufen neben handwerklichen Kostbarkeiten auch regelrechte Grabkonzepte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDas war eine neue Idee\u201c, sagt Karsten. \u201eEs ist die Frage, wie sich das Grabmal zu dem umgebenden Raum verh\u00e4lt. Da gibt es brillante L\u00f6sungen, und Bernini ist ein wirklicher Virtuose. Wenn ein Grabmal dann auch \u00fcber das physisch Sichtbare Botschaften vermittelt, also Informationen \u00fcber das Wesen, die Ziele und auch die Politik des Verstorbenen verr\u00e4t, werden Grabm\u00e4ler zu hochkomplexen Bedeutungstr\u00e4gern.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Besonders verklausulierte Botschaften machten die Erinnerungsbauten zu geistreichen, k\u00fcnstlerischen Werken.<\/p>\n<h4>Das beeindruckende Freigrabmal im Petersdom<\/h4>\n<p>Die Frage nach dem Lieblingsgrab hat Karsten schon oft gestellt bekommen und nicht immer gibt er die gleiche Antwort. \u201eIm Moment\u201c, sagt er, \u201ew\u00e4re mein Favorit das Grabmal von Papst Alexander VII. von Bernini im Petersdom, weil der K\u00fcnstler dort auf der H\u00f6he seiner Fertigkeiten, der Vermittlung subtiler Bildbotschaften ist.\u201c Das Faszinierende an diesem Monument ist der Bau eines Freigrabmales, dass es eigentlich im Petersdom nicht geben darf. Freigrabmale sind freistehende Monumente, um die der Betrachter herumgehen kann. Einige P\u00e4pste h\u00e4tten versucht, eine solche Grablege f\u00fcr sich durchzusetzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eFrei im Raum, so liegen K\u00f6nige\u201c, sagt Karsten und das sei auch ein wesentlicher Grund, warum der alte Petersdom abgerissen wurde. \u201eJulius II., der mit diesem Neubau beginnt, der m\u00f6chte ein riesiges Grabmal von Michelangelo haben, das eben buchst\u00e4blich den Rahmen sprengt. Er scheitert damit, und einige Nachfolger auch.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Der Tod kommt aus dem Licht<\/h4>\n<p>Der Grund: wenn einer der P\u00e4pste damit anf\u00e4ngt, sich ein solches Riesending zu bauen, ist die Amtsgleichheit in Frage gestellt. Was macht Bernini? Er h\u00e4lt sich, formal gesehen an das Dekorum, wahrt die Form und nimmt eine Nische. Aber in der Nische baut er im Zentrum einen Sockel und um den Sockel herum perspektivisch vier Figuren, so dass keiner etwas sagen kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber dadurch, dass an vier Seiten diese Frauenfiguren auftauchen, ist es eben doch ein Freigrabmal geworden. Das ist Geist und Witz. Er spielt mit den Sehgewohnheiten.\u201c Der Clou an diesem Bauwerk ist zudem eine mittig nach hinten gesetzte T\u00fcr. Wenn man diese \u00f6ffnet, erstrahlt glei\u00dfendes Tageslicht durch das Grabmal. \u201eDer Tod kommt aus dem Licht. Das ist sehr beeindruckend.\u201c<\/p>\n<p>Grabmale wie das von Alexander VII. haben zu allen Zeiten die Menschen beeindruckt. Kirchenf\u00fcrsten wussten schon damals, wie man Wissen auch in der Bildhauerei \u00fcberzeugend einsetzt. Papst Julius II., der f\u00fcr den Neubau des Petersdoms verantwortlich war, formulierte es so: \u201eWissenschaftliche Kenntnisse sind f\u00fcr den B\u00fcrgerstand Silber, f\u00fcr den Adel Gold und f\u00fcr die F\u00fcrsten Edelsteine.\u201c<\/p>\n<p><b>Uwe Blass<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber PD Dr. Arne Karsten<\/h4>\n<p>PD Dr. Arne Karsten (*1969) studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie in G\u00f6ttingen, Rom und Berlin. Von 2001 bis 2009 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin. Seit dem Wintersemester 2009 lehrt er als Junior-Professor, seit der Habilitation 2016 als Privatdozent f\u00fcr Geschichte der Neuzeit an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer heute den Petersdom in Rom besucht, kann sich der Faszination des Geb\u00e4udes mit seiner monumentalen Ausstattung kaum entziehen. Neben Kunstwerken aus mehr als 500 Jahren finden sich auch zahlreiche Papstgrabmale, die sich als Erinnerungszeichen im gesamten Geb\u00e4ude verteilen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-51105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-15 18:59:55","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51105"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51105\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51114,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51105\/revisions\/51114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}