{"id":50575,"date":"2022-03-08T15:38:22","date_gmt":"2022-03-08T14:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=50575"},"modified":"2022-03-08T15:38:22","modified_gmt":"2022-03-08T14:38:22","slug":"klimawandel-denn-sie-tun-nicht-was-sie-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/03\/08\/klimawandel-denn-sie-tun-nicht-was-sie-wissen\/","title":{"rendered":"Klimawandel: \u201eDenn sie tun nicht, was sie wissen\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_50582\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1013px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-50582\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Wiesen1-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"1003\" height=\"806\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Peter Wiesen &#8211; \u00a9 Malte Reuter<\/span><\/div>\n<p>Globale Umweltver\u00e4nderungen und deren Folgen k\u00f6nnen den Fortbestand der Menschheit gef\u00e4hrden, das k\u00f6nnen wir jeden Tag \u00fcber die Medien erfahren. Prof. Dr. Peter Wiesen, Atmosph\u00e4renchemiker und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des neuen Interdisziplin\u00e4ren Zentrums f\u00fcr Atmosph\u00e4re und Umwelt (IZAU) an der Bergischen Universit\u00e4t spricht im Transfergespr\u00e4ch \u00fcber die M\u00f6glichkeiten, wie Politik wissenschaftliches Know-how umsetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201eMir gef\u00e4llt in diesem Zusammenhang das Wort des Klimakampfes nicht\u201c, sagt er direkt zu Beginn, \u201edenn man k\u00e4mpft ja nicht gegen das Klima, sondern man versucht dagegen anzugehen, dass sich das Klima weiter so massiv \u00e4ndert, wie wir das im Moment beobachten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich glaube auch nicht, dass die Wissenschaft wenig Geh\u00f6r findet\u201c, betont er, denn der IPCC (Das Intergovernmental Panel of Climate Change ist ein zwischenstaatlicher Ausschuss f\u00fcr Klimaver\u00e4nderungen, im Deutschen auch als Weltklimarat bezeichnet -Anm. d. Red.-) sei ja im Sommer letzten Jahres mit einem gro\u00dfen, neuen Bericht herausgekommen, um den Sachstand zum Klimawandel deutlich darzulegen.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, das Problem ist, dass vielen, vor allem jungen Leuten die Entscheidungsprozesse in unserer Gesellschaft viel zu langsam sind. Nun ist Ungeduld sicher etwas, was Jugend charakterisiert, aber demokratische Prozesse sind leider Gottes eben oftmals etwas schleppend. Es gibt viele Interessen abzuw\u00e4gen, um das Kind letztendlich nicht mit dem Bade auszusch\u00fctten&#8220;, so Prof. Dr. Peter Wiesen.<\/p>\n<p><strong>Das Klima \u00e4ndert sich seit Ewigkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Die Wettervorhersage im Fernsehen war fr\u00fcher ein nettes Beiwerk, damit der Zuschauer wusste, ob er einen Schirm oder Sonnencreme f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag bereithalten sollte. Unsere TV-Meteorologen entwickeln sich heute mehr und mehr zu politischen Klimaaktivisten und weisen verst\u00e4rkt auf Extremwetterkatastrophen hin, die aber bereits seit den 80er Jahren bekannt sind. \u201eDer Hinweis auf die Extremwetterereignisse ist sicherlich ein wichtiger Punkt und auch Aufgabe der Meteorologen\u201c, entgegnet Wiesen.<\/p>\n<p>Aber in der Wettervorhersage zu viel \u00fcbers Klima zu sagen, sei auch nicht der Weg, sagt der Fachmann, denn Wetter sei allt\u00e4glich und das Klima untersuche das Wetter \u00fcber einen drei\u00dfigj\u00e4hrigen Zeitraum. Nat\u00fcrlich wei\u00df auch Wiesen, dass es immer Leute geben wird, die konsequent die Ver\u00e4nderungen, die man in der Atmosph\u00e4re beobachten kann, leugnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_50587\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 760px;\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/climate-change-2063240_1280.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50587\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/climate-change-2063240_1280-1024x693.webp\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"508\" \/><\/a><span class=\"wp-caption-text\">Klimawandel &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<p>Prof. Dr. Peter Wiesen: \u201eWor\u00fcber man trefflich streiten kann ist sicherlich nicht, ob sich das Klima \u00e4ndert, weil es sich seit Ewigkeiten \u00e4ndert, denn es gibt kein konstantes Klima, aber die Frage, die man vielleicht an der ein oder anderen Stelle noch intensiver diskutieren m\u00fcsste, ist, wieviel von dem, was man sieht an der Klimaver\u00e4nderung, tats\u00e4chlich durch den Menschen verursacht worden ist. Da gehen die Meinungen auseinander. Wer die sichtbare \u00c4nderung des Klimas leugnet, der tut das wahrscheinlich gegen besseres Wissen oder weil er irgendwelche anderen Interessen im Kopf hat.\u201c<\/p>\n<h4>Wissenschaftliche Szenarien berechnen zunehmende Kosten durch Extremwetter<\/h4>\n<p>Auch Wuppertal war im letzten Jahr vom Extremwetter betroffen. Zwar wird relativ schnell aufger\u00e4umt und finanzielle Zusch\u00fcsse werden bewilligt, doch die Frage ist: Was kostet uns die Klimakrise, wenn wir nicht endlich handeln? \u201eIch bin kein \u00d6konom und das ist sehr schwierig abzusch\u00e4tzen\u201c, sagt der Wissenschaftler. Man wisse nat\u00fcrlich auch nicht genau, in welche Richtung sich das Klima bis zum Ende dieses Jahrhunderts entwickeln werde.<\/p>\n<p>\u201eDas, was man in der Wissenschaft macht, das sind Szenarien. Es werden Modelle erstellt, in denen man sich \u00fcberlegt, was w\u00fcrde unter verschiedenen Rahmenbedingungen bis zum Ende des Jahrhunderts passieren? Wie viel davon dann tats\u00e4chlich eintritt, das wei\u00df nat\u00fcrlich keiner so genau. Die Unsicherheiten, die man da hat, sind vergleichsweise gro\u00df&#8220;, weiss Prof. Dr. Peter Wiesen.<\/p>\n<p>Trotzdem sehe man \u00fcber die letzten Jahrzehnte eine deutliche Zunahme der Kosten, wei\u00df Wiesen, die solche Extremwetterereignisse verursachen. Gro\u00dfe Versicherer machten daf\u00fcr bei Hurrikans in der Karibik beispielsweise auch die Bebauung verantwortlich, die vor allem an den K\u00fcsten immer gr\u00f6\u00dfer geworden sei. Dadurch entst\u00fcnden mehr Sch\u00e4den, die dann im Wiederaufbau dementsprechend h\u00f6here Kosten verursachten.<\/p>\n<h4>Ein tolles Beispiel f\u00fcr eine gelungene Umweltpolitik: Das Ruhrgebiet<\/h4>\n<p>Einer der Forschungsschwerpunkte im Interdisziplin\u00e4ren Zentrum f\u00fcr Atmosph\u00e4re und Umwelt ist das Ruhrgebiet, das mittlerweile auf \u00fcber 50 Jahre Luftqualit\u00e4tsforschung und Steuerungspolitik zur\u00fcckblicken kann. Aber wie funktioniert eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik?<\/p>\n<p>\u201eDas Ruhrgebiet ist ein tolles Beispiel daf\u00fcr, was man durch eine konsequente Umweltpolitik erreichen kann\u201c, schw\u00e4rmt Wiesen zun\u00e4chst. \u201e1963, w\u00e4hrend des Bundestagswahlkampfes hat Willy Brandt mal in der Beethovenhalle in Bonn bei einer Rede gesagt: `Der Himmel \u00fcber der Ruhr muss wieder blau werden! \u00b4 Das ist er heute wieder Gott sei Dank und das w\u00e4re er wahrscheinlich nicht, wenn man nicht dem ein oder anderen mit Hilfe von Gesetzen ein wenig auf die F\u00fc\u00dfe getreten w\u00e4re. Man hat in diesen\u00a0 Jahren damals eine Menge Fehler gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re die sogenannte Hochschornsteinpolitik der 60er und 70er Jahre. In dieser Zeit baute man Schornsteine m\u00f6glichst hoch, um den Dreck, den man verursachte, zu verteilen, da man dachte, die L\u00f6sung f\u00fcr das Verschmutzungsproblem sei das Verd\u00fcnnen auf eine gro\u00dfe Fl\u00e4che. Heute wei\u00df man, dass das Unsinn ist.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_50584\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-50584\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/image002-1.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>Die Erkenntnisse aus jener Zeit wurden vern\u00fcnftig in die Politik transportiert, sagt Wiesen und das geschehe auch heute zum Teil auf relativ kurzen Wegen zwischen den Forschenden und der Politik. Ein Beispiel daf\u00fcr sei die Abwendung des drohenden Dieselfahrverbotes gewesen, in dessen Entscheidungsprozess seine Arbeitsgruppe involviert war.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber die Stadt Wuppertal waren wir dann auch bei der Gerichtsverhandlung vor dem OVG (Oberverwaltungsgericht) in M\u00fcnster dabei, wo wir dann diese Fahrverbote abwenden konnten zugunsten eines vern\u00fcnftigen Vergleichs, den man damals abschlie\u00dfen konnte.\u201c Kurze Wege seien m\u00f6glich und es gebe u.a. auch enge Kontakte z.B. nach Dessau zum Umweltbundesamt.<\/p>\n<h4>Komplexe Probleme bed\u00fcrfen einfacher Gesetzgebungen<\/h4>\n<p>Ver\u00e4nderungsprozesse herbeizuf\u00fchren, scheint ein Kampf gegen Windm\u00fchlen zu sein. \u201eDen Eindruck k\u00f6nnte man manchmal haben\u201c, sagt der Fachmann, widerspricht aber sofort, denn der Erkenntnisgewinn jeder Ma\u00dfnahme sei perse etwas Sinnvolles. Die Komplexit\u00e4t der Prozesse, als auch die Verzahnung zwischen den Umweltkompartimenten, also Boden, Wasser und Luft, sei extrem kompliziert und sehr schwer zu vermitteln. \u201eZu mir hat einmal jemand aus dem Umweltbundesamt gesagt: \u00b4Die Probleme m\u00f6gen zwar komplex sein, aber die Gesetzgebung muss einfach sein. Das ist manchmal das Problem.\u201c<\/p>\n<p>Ob Coronaleugner oder Klimawandelleugner, statt zu handeln, setzt Politik immer noch auf Aufkl\u00e4rung und Gespr\u00e4che. Das sei auch richtig, ist sich Wiesen sicher, denn es k\u00f6nne bereits jetzt schon einiges durch Gesetzgebungen in die richtige Richtung geschoben werden. \u201eClaus Leggewie, ein Kollege aus einer anderen Fachrichtung in Essen, der hat mal in einem Buch, dass er zusammen mit Harald Welzer geschrieben hat, den sch\u00f6nen Satz geschrieben: \u00b4Denn sie tun nicht, was sie wissen`, in Abwandlung eines Bibelzitates. Wir wissen eigentlich relativ viel \u00fcber bestimmte Dinge der globalen Umweltver\u00e4nderungen, aber es ist ein typisch menschliches Verhalten, zun\u00e4chst einmal solche Dinge sehr langsam anzugehen. Man darf nicht vergessen, auch der Klimawandel ist ein langsames Ph\u00e4nomen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn beispielsweise einige Jahre um Weihnachten herum kein Schnee falle, komme es einem so vor, als ob das schon immer so gewesen w\u00e4re, denn man gew\u00f6hne sich daran. Andersherum glaube man eben auch, dass in unserer Kindheit vielleicht immer um Weihnachten herum Schnee gelegen h\u00e4tte. Bei schnell voranschreitenden Ver\u00e4nderungen, wie dem Ozonloch der 80er Jahre, einem Problem, welches urpl\u00f6tzlich auftrat, habe man sich schnell zusammengefunden, sagt Wiesen, und \u00fcber das Montrealprotokoll versucht, dem Fortschreiten des Ozonabbaus Einhalt zu gebieten. Beim Klimawandel k\u00e4men die Ver\u00e4nderungen jedoch sehr langsam. \u201eDas ist das Gef\u00e4hrliche daran, denn eigentlich liegen schon Rezepte auf dem Tisch, die man dann konsequent umsetzen m\u00fcsste.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_50588\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 760px;\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/co2-4767388_1280.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50588\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/co2-4767388_1280-1024x442.webp\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"324\" \/><\/a><span class=\"wp-caption-text\">Klimawandel &#8211; \u00a9 Pixabay<\/span><\/div>\n<h4>Ist der Klimawandel kein medientr\u00e4chtiges Thema?<\/h4>\n<p>Eine Initiative, die im Fernsehen die von der ARD nur f\u00fcr einen sehr kleinen Teil des Publikums relevante \u00bbB\u00f6rse vor acht\u00ab durch eine wirklich f\u00fcr alle essenzielle Sendung namens \u00bbKlima vor acht\u00ab ersetzen wollte, fand bei den Fernsehmachern kein Geh\u00f6r. Wissenschaftler und Klimaprofis sind fassungslos \u00fcber die Unt\u00e4tigkeit der Politik und der \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zum Klimawandel. Das Problem dabei sieht Wiesen in erster Linie in der Vermittlung des komplexen Themas.<\/p>\n<p>Es gebe auch in den \u00f6ffentlich-rechtlichen eine ganze Menge zu diesem Thema. \u201eIch glaube, wenn man sich m\u00fcht, findet man in den Medien eine Menge \u00fcber Klimawandel.\u201c Die Vielzahl an Beitr\u00e4gen im Internet kritisch zu hinterfragen, falle allerdings auch ihm als Fachmann manchmal schwer. Es sei schon viel Information da, aber man d\u00fcrfe auch nicht jedes Gewitter und jeden Starkregen direkt zu einer gro\u00dfen Katastrophe stilisieren, denn, so betont er, \u201enicht alles, was an Extremwetterereignissen geschieht, h\u00e4ngt unmittelbar mit dem Klimawandel zusammen.<\/p>\n<h4>Uniarbeitsgruppe an millionenschwerem Forschungsprojekt beteiligt<\/h4>\n<p>Deutschland bekommt eine neue Infrastruktur zur Erforschung von Feinstaubpartikeln, Wolken und Spurengasen. Verteilt auf elf Forschungseinrichtungen wird dieser deutsche Beitrag zur EU-Forschungsinfrastruktur ACTRIS (Aerosol, Clouds and Trace Gases Research Infrastructure) k\u00fcnftig bessere Vorhersagen f\u00fcr Luftqualit\u00e4t, Wetter und Klima erm\u00f6glichen. Auch Wiesen ist an diesem millionenschweren Gro\u00dfprojekt beteiligt und untersucht Aerosole, also Feinstaubpartikel, auf deren Einfluss auf Luftqualit\u00e4t und das Klima.<\/p>\n<p>\u201eIch bin erst einmal sehr froh, dass meine Arbeitsgruppe an dieser neuen Forschungsinfrastruktur aktiv beteiligt ist, weil das eine langfristige Perspektive f\u00fcr die Atmosph\u00e4renforschung in Deutschland er\u00f6ffnet.\u201c Kleinste Feinstaubpartikel verhalten sich wie Gase. Das k\u00f6nne jeder Zuhause in einem kleinen Experiment mit einer Orangenschale herausfinden.<\/p>\n<p>\u201eSie nehmen eine Orangenschale und dr\u00fccken einmal darauf. Wenn sie Ozon in der Luft haben, dann sehen sie, wie aus diesem Duft der Orangenschalen -das sind Terpene- sich mit Ozon sogenannte sekund\u00e4re, organische Aerosole bilden. Das sind ganz feine Partikel, die teilweise so klein sind, dass sie sich tats\u00e4chlich wie ein Gas verhalten. Und das ist das Problem, denn die haben einen gro\u00dfen Einfluss auf die Gesundheit. Im Bezug auf die Luftqualit\u00e4t spielen sie eine Rolle, weil die beim Einatmen je nachdem wie gro\u00df die sind, verschieden tief in unseren Atmungstrakt gelangen k\u00f6nnen. Je kleiner die sind, umso tiefer dringen sie ein. Wenn die Aerosolpartikel sehr klein sind, dann gelangen die bis in die Lungenbl\u00e4schen und von dort aus sogar bis in den Blutkreislauf.<\/p>\n<p>Man wei\u00df, dass die, ab einer bestimmten Konzentration beispielsweise Entz\u00fcndungen im Herz oder sonst wo hervorrufen k\u00f6nnen. Deshalb gibt es da auch sehr strenge Grenzwerte. Die WHO hat erst im September neue Luftqualit\u00e4tsrichtlinien vorgeschlagen.\u201c Im Bereich der Luftqualit\u00e4t gehe es im Wesentlichen um Gesundheit. \u201eEs gibt einen ganzen Strau\u00df von m\u00f6glichen sogenannten kardiovaskul\u00e4ren Erkrankungen, die daraus resultieren k\u00f6nnen. Schwierig ist vor allem die Bewertung, welche Konzentration tolerierbar ist, oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>In Bezug auf das Klima spielten Partikel eine Rolle, weil sie die sogenannte R\u00fcckstrahlungseffizienz des Sonnenlichts der Atmosph\u00e4re ver\u00e4nderten, erkl\u00e4rt der Forscher, und damit auch die W\u00e4rmebilanz der Atmosph\u00e4re beeinflussten. Dabei gehe es nicht um Sonnenenergie, denn davon g\u00e4be es mehr als genug. \u201eDas Problem ist, wie wir uns die Energie zunutze machen.\u201c<\/p>\n<h4>Ein generelles Problem demokratischer Prozesse<\/h4>\n<p>Professor Wiesen, der selber Kinder hat und stetig mitverfolgt, wie langsam die amtlichen M\u00fchlen mahlen, wei\u00df um die komplizierten Entscheidungsprozesse in politischen Gremien und sagt: \u201eMan kann sich wirklich fragen, ob jeder zu allem seine Meinung \u00e4u\u00dfern muss, oder ob man das an der ein oder anderen Stelle nicht etwas straffen kann. Das ist ein generelles Problem demokratischer Prozesse. Sie sind im Vergleich zu autokratischen Systemen sehr langsam.\u201c<\/p>\n<p>Und um nicht falsch verstanden zu werden, f\u00fcgt er abschlie\u00dfend noch hinzu: \u201eIch bin froh, dass wir in einer Demokratie, so wie wir sie in Deutschland haben, leben k\u00f6nnen, und ich glaube, dass meine Kinder auch dar\u00fcber gl\u00fccklich sind. Man sollte bei all den Problemen, die auf uns zukommen, oder die wir haben, nicht vergessen, wie verdammt gut es uns heute geht im Vergleich zu Menschen, die vor 50 oder 100 Jahren gelebt haben.\u201c<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Schriftsteller Antoine de Saint-Exup\u00e9ry sagte: Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern m\u00f6glich machen. Die Wissenschaft arbeitet stetig daran.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber Prof. Dr. Peter Wiesen<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Peter Wiesen ist Atmosph\u00e4renchemiker in der Physikalischen und Theoretischen Chemie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Naturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t. Unter seiner Leitung nimmt das 2021 gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Atmosph\u00e4ren- und Umweltforschung am ATMO-ACCESS-Projekt der europ\u00e4ischen Kommission sowie an der europ\u00e4ischen Forschungsinfrastruktur ACTRIS teil, dessen deutscher Beitrag vom TROPOS- Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Leipzig\u00a0 koordiniert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimawandel, Klimakrise, Klimakampf. Die Ver\u00e4nderungen auf unserer Welt nehmen stetig zu und die Menschen bekommen es hautnah zu sp\u00fcren. Die Jugend begehrt auf und setzt mit den Fridays-for-Future-Demos deutliche Zeichen. Wissenschaftler weltweit sind sich seit Jahren der Konsequenzen dieser \u00c4nderungen bewusst. Doch Ma\u00dfnahmen durch die Politik lassen auf sich warten.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-50575","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-06 11:40:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50575","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50575"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50575\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50589,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50575\/revisions\/50589"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50575"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50575"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50575"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}