{"id":50182,"date":"2022-02-15T15:57:29","date_gmt":"2022-02-15T14:57:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=50182"},"modified":"2022-02-15T15:57:29","modified_gmt":"2022-02-15T14:57:29","slug":"kirche-und-sex-apostel-paulus-riet-zur-taeglichen-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/02\/15\/kirche-und-sex-apostel-paulus-riet-zur-taeglichen-liebe\/","title":{"rendered":"Kirche und Sex: Apostel Paulus riet zur t\u00e4glichen Liebe"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_50185\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-50185\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Erlemann2.22-2-1024x682.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Kirche und Sex\u00a0&#8211; Der evangelische Prof. Dr. Kurt Erlemann &#8211; \u00a9\u00a0Foto: Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<p>In den folgenden Jahrhunderten ver\u00e4nderte die sexuelle Revolution die westliche Welt. Kirche und Gesellschaft entfernten sich in Fragen zu Sex und Gender immer weiter voneinander.Der evangelische Theologe Prof. Dr. Kurt Erlemann spricht \u00fcber Traditionen, Fehleinsch\u00e4tzungen und eine Sexualmoral, die es noch einmal zu \u00fcberpr\u00fcfen gilt.<\/p>\n<p>K\u00f6rper- und Lustfeindlichkeit bestimmten \u00fcber Jahrhunderte hinweg bis in die heutige Zeit hinein das Verh\u00e4ltnis der etablierten Kirchen zur Sexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Wuppertaler Theologe Prof. Dr. Kurt Erlemann sieht mehrere Hintergr\u00fcnde, die daf\u00fcr verantwortlich sind: \u201eDen einen Hintergrund sehe ich in der griechischen Philosophie, so weit hergeholt das auch zu sein scheint, denn in der griechischen Philosophie, vor allem im Platonismus, wurde zwischen Geist und Materie unterschieden, zwischen Seele und K\u00f6rper. Und der K\u00f6rper, die Materie, kam dabei ziemlich schlecht weg.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jegliche K\u00f6rperlichkeit wurde als schlecht angesehen. Nur der Geist und die Seele galten als h\u00f6herwertig. Das habe sich dann mit Augustin (r\u00f6mischer Bischof und Kirchenlehrer im 4.\/5. Jahrhundert), der auf dieser Grundlage dann die Erbs\u00fcndenlehre in der Kirche etablierte, in der christlichen Theologie verfestigt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_50186\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 440px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-50186\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/image002.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><span class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bergische Universit\u00e4t<\/span><\/div>\n<p>\u201eDie Erbs\u00fcndenlehre ist kein Gew\u00e4chs der Bibel\u201c, betont Erlemann, \u201esondern kommt von Augustin, der wiederum vom Platonismus beeinflusst war. So wurde dann die Ehe mehr und mehr als Fortpflanzungsinstitut betrachtet.\u201c<\/p>\n<h4>Paulus empfiehlt t\u00e4glichen Sex mit dem Partner<\/h4>\n<p>In der Bibel gibt es ein ganzes Buch, n\u00e4mlich das Hohelied Salomos, eine Sammlung von Liebesliedern, die ein Paar aneinander richtet, in dem in wundersch\u00f6nen poetischen Bildern die Freude an der erotischen Liebe zum Ausdruck gebracht wird. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob das nicht ein Widerspruch zum `Fortpflanzungsinstitut` ist?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eJa,\u201c antwortet der Theologe kurz und knapp, denn, \u201edas j\u00fcdische, alttestamentliche Menschenbild ist eben nicht das von Augustin, sondern es ist ein einheitliches, ganzheitliches Menschenbild, dass nicht zwischen einer h\u00f6herwertigen Seele und einem minderwertigen K\u00f6rper unterscheidet. Der Mensch ist ganzheitlich Mensch mit allem, was er hat, mit Geist, Sinn, Verstand und auch mit Sexualit\u00e4t.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das spiegele sich in den poetischen Bildern des Hoheliedes wider, und auch Paulus, dem man ja eine regelrechte Sexfeindlichkeit vorwerfe, erlebt Erlemann anders: \u201eDer Apostel Paulus ist gar nicht so sexfeindlich. Zwar sagt er selber von sich, er sei charismatisch begabt, so dass er Sexualit\u00e4t nicht brauche, aber er kennt auch seine Menschen und wei\u00df ganz genau, Sexualit\u00e4t ist eine wichtige Sache. So wichtig, dass er verheirateten Glaubenden empfiehlt, m\u00f6glichst jeden Tag Sex zu haben, damit nicht vielleicht irgendwann die Versuchung kommt, es mit einem anderen Partner zu probieren (1 Kor 7). Das war ihm ganz wichtig. Und da ist nicht die Rede davon, jeden Tag Kinder in die Welt zu setzen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_50189\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 333px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50189 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/51D76aLffDL._SX321_BO1204203200_.jpeg\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"499\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dieter Hornemann: &#8222;Nicht ich&#8230; Das Leben des Apostels Paulus&#8220; &#8211; Urachhaus Verlag &#8211; 120 Seiten &#8211; ISBN-10: 3825152049 &#8211; ISBN-13: 978-3825152048<\/span><\/div>\n<p>Auf die Frage, ob die erotische Liebe eine gute Gabe Gottes sei, antwortet er: \u201eWenn es eine Gabe Gottes ist, dann ist es eine gute Gabe. Wesentlich bei dieser Gabe ist meiner Ansicht nach der Respekt vor dem Partner, vor der Partnerin. Niemand darf zum Sexobjekt degradiert werden, darauf kommt es wesentlich an, und dann ist das eine gute Gabe Gottes.\u201c<\/p>\n<h4>Kein Sex ohne Fortpflanzung?<\/h4>\n<p>In der Bibel steht: \u00b4Seid fruchtbar, mehrt euch`. Aber ist das gleichbedeutend mit \u00b4kein Sex ohne Fortpflanzung`? Dr. Erlemann betont in diesem Zusammenhang den Segensgedanken, der nicht als Befehl ausgelegt werden d\u00fcrfe. \u201eEs geht um eine Verhei\u00dfung. \u00b4Ihr werdet fruchtbar sein\u00b4, ist erst einmal eine Segenszusage und die ist richtig und wichtig.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zudem m\u00fcsse man auch die Zeit bedenken, in der dieser Text entstanden sei, denn es ging damals um den Erhalt des Volkes Israel in einer fremden Umgebung. Da sei es wichtig gewesen, sich zu vermehren, denn sonst w\u00e4re das Volk in der Diaspora untergegangen.<\/p>\n<p>Respekt und Wertsch\u00e4tzung sind wesentlicher als die Frage nach der sexuellen Orientierung. Wenn die Bibel sagt \u00b4Gott schuf sie als Mann und Frau`, wird gelehrt: Es gibt zwei Geschlechter. Die m\u00fcssen miteinander Sex haben! Aber Sex zwischen zwei M\u00e4nnern \u00b4ist dem Herrn ein Gr\u00e4uel`.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eHomosexuelle Liebe ist in der Antike weit verbreitet\u201c, kontert der Theologe diese Aussage. \u201eWir kennen das aus griechischen Erz\u00e4hlungen, wo die Homophilie ein ganz verbreitetes Ph\u00e4nomen ist, und sie wird dort auch gar nicht unbedingt negativ bewertet, es war Gang und G\u00e4be. Man sieht es auch in der Geschichte von Sodom und Gomorrha. Da gibt es nichtj\u00fcdische Menschen, die homosexuell sind. Die Abwehr gegen Homophilie hat damit zu tun, dass man sich als Volk von diesen fremden Praktiken versucht zu distanzieren, um die eigene Identit\u00e4t auch in dieser Hinsicht zu bewahren.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die historischen Hintergr\u00fcnde sollte man bei biblischen Aussagen grunds\u00e4tzlich immer mitbedenken, und nicht meinen, man m\u00fcsse sie 1:1 auf heutige Zust\u00e4nde \u00fcbertragen. \u201eWesentlich in jeder Beziehung zwischen Partnern, egal welches Geschlecht sie haben, sind Respekt und Wertsch\u00e4tzung. Diese Dinge sind viel wesentlicher als die Frage, ob die sexuelle Orientierung stimmt.\u201c<\/p>\n<h5>Gleichgeschlechtlicher Sex ist S\u00fcnde<\/h5>\n<p>\u201eSex als S\u00fcnde ist sehr beliebt\u201c, sagt Dr. Erlemann, \u201ewir haben Augustin im Hintergrund und die Sexualmoral, die sich davon ableitet. Und die hat sich seit dem 4.\/5. Jahrhundert bis heute gehalten, zum Teil bis in die Gegenwart hinein.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber es gebe Ver\u00e4nderungen. Dabei m\u00fcsse man bei den offiziellen katholischen und evangelischen Stellungnahmen differenzieren. \u201eDie EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) \u00e4u\u00dfert sich etwas uneinheitlich\u201c, stellt der Wissenschaftler fest, \u201ezwar wird die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare bef\u00fcrwortet, aber ob diese Segnung nun einer kirchlichen Trauung gleichzustellen sei, das wird uneinheitlich beurteilt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es wird dem Gewissen des diensthabenden Pastors bzw. der Pastorin anheimgestellt, ob er bzw. sie solch eine Segnung vollziehen m\u00f6chte oder nicht. Hier ist jeder einzelne auch seinem Gewissen verpflichtet.\u201c In der Katholischen Kirche sehe das anders aus und die Deutsche Bischofskonferenz \u00e4u\u00dfere sich sehr zur\u00fcckhaltend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDer Vatikan sagt klar nein zu jeglichen Segnungen und beruft sich auf die \u00fcberbrachte Sexualmoral der Katholischen Kirche, auch wenn von der Basis h\u00e4ufig gewisserma\u00dfen zu Demonstrationszwecken zur Segnung homosexueller Paare aufgerufen wird.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Katholische Kirche unterscheide zwischen dem einzelnen Menschen, der eine Orientierung habe, vielleicht homosexuell sei, und der Institution der Ehe. Auf der einen Seite sei ihnen der Mensch willkommen, egal welche sexuelle Ausrichtung er hat, auf der anderen Seite werde an der Ehe als Sakrament, als von Gott geheiligtes Institut zweier Geschlechter mit dem Zweck der Fortpflanzung, nicht ger\u00fcttelt.<\/p>\n<p>Positiv festzuhalten bleibe jedoch, nach Erlemanns Meinung, dass in Deutschland zumindest ein pastorales Umdenken bereits stattgefunden hat.<\/p>\n<h4>S\u00fcnde wird nicht \u00fcber den Samenleiter weitervererbt<\/h4>\n<p>Die Verkn\u00fcpfung von Sexualit\u00e4t und Schuld im Sinne der von Augustin propagierten Erbs\u00fcndenlehre ist in Erlemanns Augen zu revidieren. \u201eDie Bibel selber l\u00e4sst nirgends erkennen, dass sozusagen die S\u00fcnde \u00fcber den Samenleiter weitervererbt w\u00fcrde\u201c, gibt er zu bedenken.<\/p>\n<div id=\"attachment_50190\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 365px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50190 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/41CAy5hK3IL._SX353_BO1204203200_.jpeg\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"499\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Margaret A. Farley: &#8222;Verdammter Sex &#8211; F\u00fcr eine neue christliche Sexualmoral&#8220; &#8211; WBG Theiss Verlag &#8211; 414 Seiten &#8211; ISBN-10: 3806231494 &#8211; ISBN-13: 978-3806231496<\/span><\/div>\n<p>\u201eWenn Paulus \u00fcber S\u00fcnde spricht und den Menschen in der Urs\u00fcnde Adams stehen sieht, meint er damit nicht die von Generation zu Generation \u00fcber den sexuellen Akt weitergetragene S\u00fcnde, sondern er stellt n\u00fcchtern fest: Jeder Mensch tappt in die Fu\u00dfstapfen Adams, indem er de facto in seinem Leben Schuld auf sich l\u00e4dt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das sei aktives Tun aus Eigenverantwortlichkeit und habe nichts mit \u00b4Erbs\u00fcnde\u00b4 zu tun. Dass auch die Sexualit\u00e4t schuldhaft missbraucht werden kann, das verurteile Paulus auch, aber hier sei keine Erbs\u00fcnde im Sinne einer genetischen Logik zu erkennen. \u201eDer Tenor biblischer Aussagen ist, dass man Sex eher mit Spiritualit\u00e4t verkn\u00fcpfen sollte, und dem schlie\u00dfe ich mich an.\u201c<\/p>\n<h4>Beim ersten Mal geht f\u00fcr viele der Himmel auf<\/h4>\n<p>Die Dimension des Sexuellen d\u00fcrfe man nicht auf die rein k\u00f6rperliche Ebene reduzieren, erkl\u00e4rt der Theologe, denn es gehe immer um zwei Menschen, die in einer ganz besonderen Art und Weise zusammenwachsen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDas ist eigentlich eine spirituelle Erfahrung, die man da machen kann. Beim ersten Mal, und nicht nur beim ersten Mal geht f\u00fcr viele der Himmel auf. Das ist eine spirituelle Erfahrung, eine fast mystische Erfahrung, wenn man wahrnimmt, dass man es hier mit einem Partner zu tun hat, mit dem man eins wird. Wenn man diese personale Dimension nicht mitdenkt und mitf\u00fchlt, dann entwertet man die ganze Sache, den Partner und sich selber auch.\u201c Und das sei nicht im Sinne des g\u00f6ttlichen Erfinders.<\/p>\n<h4>Jesus und Sex &#8211; geht das zusammen?<\/h4>\n<p>Im Neuen Testament finden sich Bibelstellen, die Jesus sowohl mit einer Frau als auch mit einem Mann sehr intim darstellen. Auf die Frage, ob man Jesus und Sex auch zusammendenken k\u00f6nne, schmunzelt der Wissenschaftler erst einmal. \u201eDiese \u00dcberlegungen sind nat\u00fcrlich sehr medientr\u00e4chtig und haben schon zu vielen Jesusfilmen gef\u00fchrt, wo Jesus dann eine intime Beziehung zu Maria Magdalena hatte oder vielleicht sogar schwul war und mit dem Lieblingsj\u00fcnger Johannes zusammen war. All das kann ich nun aus den Textstellen im Neuen Testament nicht herauslesen\u201c, stellt er unmissverst\u00e4ndlich klar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die S\u00fcnderin Maria z.B. vollziehe laut Johannes 12,3 eine Zeichenhandlung an Jesus, die einem Leichnam nach der Bestattung als Salbung zustehe, in dem prophetischen Wissen, dass eine Totensalbung sp\u00e4ter nicht mehr m\u00f6glich sein werde. Nur, weil sie als S\u00fcnderin dargestellt wird und Jesus mit Parf\u00fcm einspr\u00fcht, sei das noch keine intime Beziehung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eUnd in Johannes 13,23, da geht es um den Lieblingsj\u00fcnger, den Jesus liebhatte und der an seiner Brust lag. Da kann man nat\u00fcrlich eine besondere intime Beziehung herauslesen, aber die muss nicht sexuell oder gar homosexuell gewesen sein. Ich sage es mal so: Laut den Evangelien war Jesus ehelos, er war ein charismatischer Mensch, der eine Mission bzw. eine Vision hatte und diese unter die Menschen brachte. Der Preis f\u00fcr dieses Leben war unter anderem der Verzicht auf Sexualit\u00e4t. Jedenfalls lesen wir nirgends etwas von sexuellen Beziehungen, die Jesus gehabt h\u00e4tte. Das ist auch f\u00fcr die Bedeutung Jesu als Sohn Gottes, Erl\u00f6ser der Welt, v\u00f6llig unerheblich.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dass Jesus auf der anderen Seite ein sinnlicher und gef\u00fchlsbetonter Mensch war, das lasse sich durchaus in der Bibel erkennen. \u201eJesus trank auch Wein, er lehnte das Fasten ab, wo es nicht gepasst hat, er sprach in sehr sinnlichen Bildern vom Reich Gottes und hatte Gef\u00fchle wie Zorn und Erbarmen.\u201c<\/p>\n<h4>Auf dem Weg in eine selbstbestimmte Sexualit\u00e4t?<\/h4>\n<p>In der evangelischen Kirche stellen wir heute eine zunehmende gesellschaftliche und rechtliche Anerkennung, vor allem der homosexuellen Orientierung und Lebensform sowie die langsame \u00d6ffnung des sexualethischen Diskurses \u00fcber Homosexualit\u00e4t und Zweigeschlechtlichkeit fest. Es scheint insgesamt mehr Transparenz und Ehrlichkeit in der Auseinandersetzung und Bewertung differenter sexueller Lebensentw\u00fcrfe zu geben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eIch erlebe das durchwachsen\u201c, erkl\u00e4rt Erlemann die Situation. Das h\u00e4nge immer von den Amtstr\u00e4gerinnen und Amtstr\u00e4gern ab, die eine Segenshandlung oder Trauung unter Gleichgeschlechtlichen vollziehen sollen. \u201eIch selber habe schon ein lesbisches Paar in der Evangelischen Studierendengemeinde getraut, ich habe damit keine Probleme, weil f\u00fcr mich andere Facetten der Partnerschaft im Vordergrund stehen. Das sind gegenseitiger Respekt, Wertsch\u00e4tzung, die Liebe dieser Menschen zueinander, die sogar ein Familienleben erm\u00f6glicht und einen gesch\u00fctzten Raum schafft, in dem auch Kinder gro\u00df werden k\u00f6nnen. Das kann ich alles erleben.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Setze man also genau wie bei heterosexuellen Beziehungen auf Treue und Verantwortung, dann sei diese Liberalisierung durchaus nachvollziehbar und l\u00e4ngstens an der Zeit. Kirche habe in der Geschichte immer eher reagiert als agiert, daher beginne kirchliches Umdenken in der Regel erst dann, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erf\u00fcllt sind. Heute k\u00f6nne auch Jesus wieder ein Vorbild sein.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eWenn man sich ansieht, wie er mit M\u00e4nnern und Frauen umgegangen ist, das war schon revolution\u00e4r f\u00fcr seine Zeit. Die Art und Weise, wie er die Menschen um sich herum wertgesch\u00e4tzt hat, da war er seiner Zeit voraus. Danach wurde das Rad erst einmal wieder zur\u00fcckgedreht\u201c, sagt Dr. Kurt Erlemann. Jetzt h\u00e4tten wir eine gesellschaftliche \u00d6ffnung mit Diskussionsfreiraum, und Kirche m\u00fcsse reagieren. Die EKD jedenfalls, so erlebe er es, reagiere auf angemessene Art und Weise und besinne sich auf andere Aspekte, die in Beziehungen zwischen Menschen wichtig seien.<\/p>\n<h4>Warum tut sich die Kirche so schwer mit dem Thema Sex?<\/h4>\n<p>\u201eWarum tut sich die Kirche so schwer? Das ist mir eigentlich zu pauschal formuliert\u201c, entgegnet Dr. Erlemann. \u201eEs gibt nicht die Kirche. Es gibt unterschiedliche Kirchen, es gibt unterschiedliche Amtstr\u00e4gerinnen und Amtstr\u00e4ger, die sich aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden damit schwertun oder eben nicht. Da sind pers\u00f6nliche Befindlichkeiten im Spiel, Vorurteile, Klischees, religi\u00f6se Pr\u00e4gungen von Kindheit an und nat\u00fcrlich \u00fcber tausend Jahre Pr\u00e4gung einer Sexualmoral, die sich nicht in ein paar Jahren r\u00fcckg\u00e4ngig machen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus pl\u00e4diert der erfahrene Theologe auch f\u00fcr kritische Zur\u00fcckhaltung in einer digitalen Welt, die das Thema Sexualit\u00e4t schnell entstellt. Man d\u00fcrfe nie vergessen, res\u00fcmiert er, dass man es immer mit Menschen zu tun hat und es daher nicht verkehrt ist, zur\u00fcckhaltend zu sein. \u201eMan sieht, dass der Bereich Sexualit\u00e4t in den Medien sehr oft verhunzt wird. Sexualit\u00e4t ist ein sehr sensibler Bereich, und das gilt es zu betonen.\u201c<\/p>\n<p><b>Text Uwe Blass<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber Dr. Kurt Erlemann<\/h4>\n<p>Kurt Erlemann studierte Evangelische Theologie in M\u00fcnchen, Z\u00fcrich und Heidelberg. Er promovierte 1986 und arbeitete anschlie\u00dfend als Vikar der Badischen Landeskirche sowie als Schulpfarrer.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach seiner Habilitation \u00fcbernahm er Lehrstuhlvertretungen in Hamburg und Koblenz. Seit 1996 leitet er den Lehrstuhl f\u00fcr Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um das Jahr 1700 begann die Entwicklung der Aufkl\u00e4rung und ermutigte die Menschen, durch rationales Denken, Autorit\u00e4ten in Frage zu stellen und alle den Fortschritt behindernden Strukturen, einschlie\u00dflich der kirchlichen Lehre zu Sex und Ehe, zu \u00fcberwinden. \u00dcber das Thema &#8222;Sexualmoral der etablierten Kirchen&#8220; hat sich Uwe Blass in der Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; mit Prof. Dr.Kurt Erlemann unterhalten\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-50182","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-09 05:41:06","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50182"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50191,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50182\/revisions\/50191"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}