{"id":44816,"date":"2022-01-07T17:08:30","date_gmt":"2022-01-07T16:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=44816"},"modified":"2022-01-18T10:17:16","modified_gmt":"2022-01-18T09:17:16","slug":"schaf-dolly-hat-den-begriff-des-klonens-mystifiziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2022\/01\/07\/schaf-dolly-hat-den-begriff-des-klonens-mystifiziert\/","title":{"rendered":"Schaf Dolly hat den Begriff des Klonens mystifiziert"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_44819\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-44819\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Simon5-2-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Martin Simon, Molekular- und Zellbiologe der Bergischen Universit\u00e4t &#8211; \u00a9\u00a0UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>Die gesamte wissenschaftliche Welt blickte am 05. Juli 1996 erstaunt nach Schottland, als in Edinburgh die Geburt eines Schafes verk\u00fcndet wurde. Ungew\u00f6hnlich daran waren die Umst\u00e4nde, denn das Tier mit dem Namen Dolly war das erste aus einer ausdifferenzierten somatischen Zelle geklonte S\u00e4ugetier.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDas war ein gro\u00dfes Ereignis\u201c, wei\u00df der Wuppertaler Molekular- und Zellbiologe Martin Simon, \u201ees war sowohl handwerklich als auch wissenschaftlich eine Meisterleistung, hat aber den Klonbegriff auch mystifiziert\u201c. Viele ethisch sinnvoll und notwendige Diskussionen wurden darauf initiiert, interessanterweise oft analog zur Science-Fiction-Literatur, die das Thema schon oft aufgearbeitet und kritisch diskutiert hat.<\/p>\n<h4>Kerntransfer ist tricky<\/h4>\n<p>Die Wissenschaft sei sehr \u00fcberrascht gewesen, wei\u00df Martin Simon, denn der Vorgang war eine Kombination aus einer gelungenen Kernextraktion, aber auch einer Kerntransplantation. \u201eEs wurde eine adulte, somatische Zelle in eine fremde Eizelle eingef\u00fchrt, d.h. es gab keine Genmanipulation.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Diese Differenzierung sei wichtig, denn am Genom wurde nicht manipuliert, die Forscher h\u00e4tten weder Gene dazu gepackt, entfernt oder ver\u00e4ndert. Man habe einen intakten Zellkern einer Zelle eines erwachsenen Schafs in eine Eizelle \u00fcberf\u00fchrt; dabei fand eine Re-programmierung des Zellkerns statt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-44822\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Logo-Transfergeschichten.jpg\" alt=\"\" width=\"430\" height=\"138\" \/><\/p>\n<p>Eine besondere Fingerfertigkeit sei das damals gewesen, denn heute habe man spezielle Mikromanipulatoren mit Joysticksteuerung, die eine extrem d\u00fcnne Nadel auf den Nanometer pr\u00e4zise positionieren k\u00f6nnten. Diese Nadeln seien zudem optimiert, so dass die Zellkerne nicht besch\u00e4digt werden.\u00a0<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In dieser Pr\u00e4zision gab es das 1996 noch nicht und man d\u00fcrfe auch nicht die mehreren hundert Fehlversuche vergessen, die dem Dollyerfolg vorausgegangen waren. \u201eWir sehen nur das Ergebnis dessen, was funktioniert hat\u201c, sagt Simon, \u201eaber dieser Kerntransfer ist tricky. Auch das Einpflanzen von Embryonen in eine sogenannte Leihmutter ist kompliziert. Das ist selbst heute noch nicht zu 100% effizient, da w\u00e4chst auch nur ein geringer Prozentsatz von ca. 25 Prozent der Embryonen tats\u00e4chlich an.\u201c<\/p>\n<h4>Eineiige Zwillinge \u2013 ein nat\u00fcrlicher Klon<\/h4>\n<p>Nat\u00fcrliche Klone gebe es jedoch auch schon seit Menschengedenken, und das seien eineiige Zwillinge. \u201eBeim eineiigen Zwilling reden wir von dem, was einen Klon ausmacht!\u201c Der Klonbegriff in Bezug auf den S\u00e4uger sei durch die Science-Fiktion-Literatur irregef\u00fchrt worden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eBei einem genetisch identischen Organismus &#8211; und den hat ganz nat\u00fcrlich jeder eineiige Zwilling &#8211; wird mit dieser Mystifizierung die gesamte Epigenetik vergessen. Genetisch identisch hei\u00dft nicht ph\u00e4notypisch oder auch identisch vom Wesen und Aussehen. Wir haben ja seit den ersten Genomprojekten vom Menschen, die um 2000 herum ver\u00f6ffentlicht worden sind, auch gelernt, dass die Genetik nicht alles ist.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es gebe auch Informationsweitergaben au\u00dferhalb der DNA, erkl\u00e4rt Martin Simon, die uns auch sehr stark beeinflussten. Deswegen seien auch eineiige Zwillinge unterschiedlich. \u201eDer eine Zwilling wird vielleicht korpulenter, der andere l\u00e4uft jeden Tag seine acht Kilometer und bleibt schlank. Und schon haben wir einen Unterschied.\u201c Im Laufe des Lebens akkumulieren sich diese Unterschiede.<\/p>\n<h4><strong>Identische Klone gibt es nicht<\/strong><\/h4>\n<p>Auch das Wunderschaf sei streng genommen kein identischer Klon gewesen, denn unsere Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zellen, werden ausschlie\u00dflich m\u00fctterlicherseits vererbt. \u201eUnsere Mitochondrien haben ihr eigenes Genom. D.h. transferiere ich, wie es bei Dolly gemacht wurde, einen Zellkern in eine Eizelle von einem anderen Organismus, dann transferiere ich den chromosomalen Kernhaushalt, aber die Mitochondrien werden rein m\u00fctterlicherseits vererbt und sind demnach die Mitochondrien des Spenderorganismus. In dem Falle kann man nicht von einer genetischen Gleichheit sprechen, denn strenggenommen ist nur der Kern identisch.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die epigenetischen Unterschiede m\u00fcsse man aber mitber\u00fccksichtigen. \u201eAuch unsere Zellen erfahren w\u00e4hrend des Alterns genetische Ver\u00e4nderungen\u201c, sagt der Wissenschaftler. Wir alle sammeln im Laufe unseres Lebens kleine genetische Ver\u00e4nderungen in unseren K\u00f6rperzellen, sowohl durch Fehler beim Kopieren der DNA bei den normalen Zellteilungen, als auch durch die Umwelt indiziert, z.B. durch UV-Strahlung.\u00a0<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Normal sei auch, \u201edass von den Chromosomenenden sich die sogenannten Telomere bei jeder einzelnen Zellteilung ein bisschen verk\u00fcrzen. Das ist auch mit den Zellen der Dollymutter passiert. Die Telomere waren also deutlich k\u00fcrzer als bei einer frisch befruchteten Eizelle. Das hat auch den Altersunterschied ausgemacht. Das Klonschaf Dolly war durch die Leihmutter gerade geboren, aber seine Zellen waren auf dem zellul\u00e4ren Stand eines sechs bis sieben Jahre alten Schafs, n\u00e4mlich der Spenderin. Man kann also genetisch identische Individuen herstellen, aber man darf nicht erwarten, dass sie identisch zu ihren Spendern sind.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Hinzu komme beim Menschen noch die Tatsache, dass man weder das Wesen, noch die Erfahrung weitergeben k\u00f6nne und es nahezu unm\u00f6glich sei, diesen Alterseffekt aus den somatischen Zellen zu eliminieren.<\/p>\n<h4>Kein Klonkrieger in Sicht<\/h4>\n<p>Ebenso unm\u00f6glich sei es zurzeit adulte Klone zu kreieren, sagt Simon, denn \u201eselbst, wenn wir bei mir eine somatische Zelle entnehmen w\u00fcrden, w\u00fcrde das bedeuten, dass sie in eine menschliche Eizelle transferiert werden m\u00fcsste und die w\u00fcrde das dann in eine Leihmutter \u00fcbertragen. Am Ende w\u00e4re es dann aber ein kleines Kind. Ich h\u00e4tte keinen identischen Klon.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Von den Science-Fiktion-Vorstellungen der Star Wars Saga, in der erwachsene Klonkrieger erschaffen werden, die mit F\u00e4higkeiten ausgestattet sind, die man dann nicht mehr trainieren muss, seien wir nach Martin Simons Meinung weit entfernt.<\/p>\n<h4>Haus- und Nutztierklonen<\/h4>\n<p>Forscher haben nach Dolly weitere S\u00e4ugetiere wie M\u00e4use, Ziegen, Rinder, Schweine, Katzen, Hunde, Pferde oder auch Affen zu Forschungszwecken geklont. Nicht alle Ergebnisse waren zufriedenstellend, ethisch fraglich oder wurden aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden durchgef\u00fchrt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eEin gutes Beispiel sind die Katzen\u201c, erz\u00e4hlt Martin Simon, \u201ebei denen ist das sehr spannend, denn es gibt ein epigenetisches Ph\u00e4nomen. Bei weiblichen S\u00e4ugetieren wird ein X-Chromosom stillgelegt. Bei uns wird die Geschlechtsdefinition \u00fcber das XY-System festgelegt.\u00a0Die weiblichen S\u00e4ugetiere haben aber zwei X-Chromosomen, von denen eines still im Kern liegt\u201c, erkl\u00e4rt er.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eBei den Katzen ist es nun so, dass bei einem X-Chromosom die Fellfarbe definiert ist. Und diese Chromosominaktivierung passiert zuf\u00e4llig. Das ist nicht gesteuert und das geschieht auch w\u00e4hrend der embryonalen Phase, wenn sich aus dem Zellhaufen nach und nach der Embryo bildet. Und wenn nun das eine X-Chromosom f\u00fcr eine graue Fellfarbe kodiert und das andere X-Chromosom f\u00fcr eine rote Fellfarbe steht und dies alles zuf\u00e4llig passiert, k\u00f6nnen sie auch eine genetisch identische Katze generieren, die aber sp\u00e4ter total anders aussieht. Daher ist die Industrie des Katzenklonens auch tats\u00e4chlich nicht erfolgreich gewesen, weil die Menschen kein Geld f\u00fcr eine graue Katze bezahlen, wenn sie eine rote Katze haben wollten.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_44823\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 315px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-44823 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/51djXNMpEkL._SX303_BO1204203200_.jpeg\" alt=\"\" width=\"305\" height=\"499\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Wuppertaler Autor Ernst Peter Fischer schrieb das Buch &#8222;GENial&#8220; &#8211; was Klonschaf Dolly den Erbsen verdankt&#8220; &#8211; F.A. Herbig &#8211; Verlagsbuchhandlung &#8211; ISBN-10: 3776626844 &#8211; ISBN-13: 978-3776626841<\/span><\/div>\n<p>Deutlich mehr Arbeit wird in das Klonen von starken Bullen investiert, da sie gro\u00dfe Samenmengen f\u00fcr die Industrie generieren k\u00f6nnen. Und auch mit Rennpferden habe man es probiert, jedoch seien auch beim Tier die psychischen Charakteristika nicht \u00fcbertragbar. Bei all diesen Vorg\u00e4ngen, die sicher auch als Grenz\u00fcberschreitung gewertet werden k\u00f6nnten, gehe es h\u00e4ufig um den zu erwartenden Nutzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der zuverl\u00e4ssige Zuchtbulle sei ein Verkaufsargument, erkl\u00e4rt Martin Simon, denn er liefere immer die gleiche Samenqualit\u00e4t, beim Hundeklonen millionenschwerer Popstars sieht er dagegen keine Notwendigkeit.<\/p>\n<h4>Ein Mammut f\u00fcr den st\u00e4dtischen Zoo?<\/h4>\n<p>Durch das Abschmelzen des Permafrosts kommen in Russland immer mehr \u00b4frische Mammuts` ans Tageslicht. Auch da gibt es Bestrebungen, Zellen dieses ausgestorbenen Tieres mittels der CRISPR-Methode in heutige Elefanten zu verpflanzen und austragen zu lassen. Darf die Wissenschaft so in die Evolution eingreifen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ein solches Tier w\u00fcrde nach Meinung des Wissenschaftlers doch nur in einem Zoo landen und als Sensationsobjekt dienen. \u201eDas \u00d6kosystem des Mammuts existiert faktisch nicht mehr und es w\u00e4re, selbst wenn sich noch intakte Zellen finden lie\u00dfen, ein sehr fragw\u00fcrdiges Unterfangen\u201c, gibt er zu bedenken. Au\u00dferdem reichten ein oder zwei Individuen nicht, um mit diesem Genpool eine komplette Population aufzubauen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie \u00dcberlegung macht mehr Sinn in Bezug auf die vielen Spezies, die wir im Augenblick eliminieren. Denn vielleicht kann es irgendwann unter Umst\u00e4nden notwendig sein, ein renaturiertes \u00d6kosystem wieder neu zu besiedeln, mit einer Spezies, die dementsprechend angepasst ist. Sinnvoller w\u00e4re es allerdings zurzeit, gar nicht auf diese Option zur\u00fcckgreifen zu m\u00fcssen indem man den Artenschutz intensiviert und die Zerst\u00f6rung der \u00d6kosysteme stoppt, anstatt \u00fcber artifizielle \u00d6kosysteme \u00e0 la Jurassic Park nachzudenken.\u201c<\/p>\n<h4>Reproduktives Klonen versus Therapeutisches Klonen<\/h4>\n<p>\u201eWenn wir zum menschlichen Klonen kommen, m\u00fcssen wir das Reproduktive und das Therapeutische Klonen unterscheiden\u201c, sagt Martin Simon. \u201eDas Reproduktive w\u00e4re, wenn man einen neuen Menschen erschaffen w\u00fcrde, d.h. das Procedere des somatischen Kerntransfers vom Klonschaf Dolly zu \u00fcbertragen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Neben der ethischen Fragw\u00fcrdigkeit k\u00e4me die Unmenge an n\u00f6tigen Eizellen dazu.\u00a0 Dieser Ansatz werde vom deutschen Grundgesetz ganz klar ausgeschlossen. Dazu m\u00fcsse man das Therapeutische Klonen unterscheiden.\u00a0<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eIn der klassischen Variante wird ebenso ein somatischer Zellkern in eine Eizelle \u00fcbertragen. Der entstehende Embryo wird allerdings nicht in eine Leihmutter transplantiert, sondern es werden embryonale Stammzellen entnommen, welche dann mit verschiedenen Wachstumsfaktoren zu spezifischen Zellen\/Geweben differenziert werden sollen. Auch dieses Verfahren ist vom deutschen Grundgesetz her verboten, da es embryonale Stammzellen involviert.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wenn die Epigenetik besser verstanden w\u00e4re, k\u00f6nne aber auch der ethisch kritische Schritt der embryonalen Stammzellen umgangen werden.<\/p>\n<p>\u201eDas Ziel w\u00e4re die induzierte Re-programmierung einer somatischen K\u00f6rperzelle, aus welcher man dann einzelnen Zelltypen oder Gewebe in der Kulturschale nachwachsen lassen k\u00f6nnte. Die einzelnen Faktoren, wie z.B. Wachstumsfaktoren, die dazu notwendig sind, sind noch nicht genug verstanden, um dies durchzuf\u00fchren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es ist ebenso beim somatischen Kerntransfer noch nicht richtig verstanden, wie die Eizelle den transplantierten Zellkern re-programmiert.\u201c Als volllegitime Arbeit im medizinischen Sinne dieser Art des Therapeutischen Klonens nennt Simon z.B. die Transplantation neuer Nervenzellen in ein durchtrenntes R\u00fcckenmark, um diese Verbindung wiederherzustellen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Reprogrammierung von somatischen Zellen zu Stammzellen, um neue Zellen ohne eine embryonale Zwischenstufe zu differenzieren, w\u00e4re f\u00fcr den Wissenschaftler eine M\u00f6glichkeit, nach der eine Organtransplantation mit eigenem Gewebe erm\u00f6glicht w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Landwirtschaft arbeitet permanent mit Klonen<\/h4>\n<p>Es ist dem Laien vielleicht nicht so richtig bewusst, aber das Arbeiten mit Klonen geh\u00f6rt in der Landwirtschaft schon lange dazu. \u201eZ. B. das ganze normale Vermehren von Stecklingen\u201c, erkl\u00e4rt Simon, \u201edas sind genetisch identische Organismen, oder Pflanzenteile. Die Winzer machen das standardm\u00e4\u00dfig, d.h. meist ist der komplette Weinberg Klon eines individuellen Rebstocks. Er wird \u00fcber Stecklinge vermehrt. Und auch beim Auslegen von Kartoffeln reden wir vom Klonen\u201c, wei\u00df der Fachmann.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse differenzieren, was Natur gemacht und was Menschen gemacht sei, betont Simon. \u201eDie Natur arbeitet permanent mit Klonen. Jeder Einzeller, jedes Bakterium mache eine schnelle mitotische Teilung, funktioniere also klonal, weil es ihre Vermehrungsstrategie sei. Anders sei es da bei den Vielzellern, also auch uns Menschen, gelagert, die sich sexuell reproduzieren und dadurch permanent genetisch neu kombinieren.<\/p>\n<p>\u201eDas Reproduktive Klonen bei Dolly hat das Thema noch einmal in Schwung gebracht, es hat die Grundlagenforschung angesto\u00dfen\u201c, res\u00fcmiert Martin Simon, \u201eaber Dinge \u00e4ndern sich. Man hat fr\u00fcher alles durch die Genetik zu erkl\u00e4ren versucht und dabei die Epigenetik komplett untersch\u00e4tzt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Neue Epigenetikprogramme untersuchen heute au\u00dferhalb der DNA die Unterschiede der verschiedenen Zellen, um die Frage zu kl\u00e4ren, welche Faktoren die Aktivit\u00e4t eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle festlegen.<\/p>\n<p>\u201eKlonen stellt einen au\u00dferordentlichen Test f\u00fcr die menschliche Zur\u00fcckhaltung und Weisheit, aber auch die institutionelle Entwicklung dar. Dies wird in vieler Hinsicht die Moral des 21. Jahrhunderts pr\u00e4gen\u201c, sagt Glenn McPhee, Leiter des Zentrums f\u00fcr Bioethik an der Universit\u00e4t von Pennsylvania. Es bleibt zu hoffen, dass wir diesen Test bestehen.<\/p>\n<p><b>Uwe Blass<\/b><\/p>\n<h4>\u00dcber Prof. Martin Simon<\/h4>\n<p>Martin Simon studierte bis 2005 an der TU Kaiserslautern und wurde dann 2012 Juniorprofessor an der Universit\u00e4t des Saarlandes. Seit 2018 leitet er die Fachgruppe Molekulare Zellbiologie und Mikrobiologie in der Fakult\u00e4t Mathematik und Naturwissenschaften an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber das Klon-Schaf Dolly<\/h4>\n<p>Das Klon-Schaf Dolly kam am 05. Juli 1996 im Roslin-Institut in Midlothian (Schottland) zur Welt. Es war das erste aus einer ausdifferzierten somatischen Zelle geklonte S\u00e4ugetier.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ungefragte Namenspatin war &#8211; so Wikipedia &#8211; war Dolly Parton. Die Wissenschaftler sollen die Countrys\u00e4ngerin aufgrund ihrer \u00fcppigen Oberweite f\u00fcr die Namengebung ausgesucht haben. Offensichtlich wollten sie damit auf die Herkunft der Spenderzellen aus einem Schafseuter anspielen.<\/p>\n<p>Dolly wurde nur sechs Jahre alt. Am 14. Februar 2003 musste sie infolge einer schweren Lungenkrankheit eingeschl\u00e4fert werden. Ausl\u00f6ser war das Jaagsiekte-Schafs-Retrovirus. Dolly zeigte zu diesem Zeitpunkt Alterserscheinungen wie etwa Arthritis.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Schafe haben eine nat\u00fcrliche Lebenserwartung von durchschnittlich zehn bis maximal 20 Jahren. Daher wird diskutiert, ob es sich bei den fr\u00fchen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Altern\">Alterserscheinungen<\/a> um Folgen des Klonens handelt, denn die implantierten Zellkerne stammten aus einem erwachsenen Tier und waren daher schon \u00e4lter.<\/p>\n<p>Dolly ist ausgestopft im Royal Museum in Edinburgh (Schottland) zu sehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 25 Jahren wurde im Roslin-Institut bei Edinburgh in Schottland das erste S\u00e4ugetier geklont, ein Schaf, dass mit dem Namen \u201eDolly\u201c weltber\u00fchmt wurde. Ein f\u00fcr unm\u00f6glich gehaltener Vorgang wurde Realit\u00e4t. Der Wuppertaler Molekular- und Zellbiologe Martin Simon spricht in der Reihe &#8222;Transfergeschichten&#8220; \u00fcber die Chancen und Risiken des Duplizierens, dass in der Landwirtschaft schon Jahrhunderte praktiziert wird.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-44816","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-22 20:59:58","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44816","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44816"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":44824,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44816\/revisions\/44824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}