{"id":42382,"date":"2021-10-16T10:13:54","date_gmt":"2021-10-16T08:13:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=42382"},"modified":"2021-10-16T10:13:54","modified_gmt":"2021-10-16T08:13:54","slug":"studium-generale-studieren-mit-blick-ueber-den-tellerrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/10\/16\/studium-generale-studieren-mit-blick-ueber-den-tellerrand\/","title":{"rendered":"Studium generale: Studieren mit Blick \u00fcber den Tellerrand"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_42387\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-42387\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Casale_4-2-1024x697.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"697\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Rita Casale &#8211; \u00a9 UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p>\u201eIn der Geschichte der Universit\u00e4t, gab es seit dem Mittelalter keine Phase, wo es das Studium generale nicht gab\u201c, sagt sie. \u201eIm Mittelalter war es sogar f\u00fcr alle verpflichtend.\u201c Jeder Studiosus, der irgendwann einmal in die qualifizierenden Fakult\u00e4ten Theologie, Jura oder Medizin wollte, musste das Studium generale voranstellen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Wilhelm von Humboldts Gr\u00fcndung der Berliner Universit\u00e4t 1809 wird es in Anlehnung eines Textes von Immanuel Kant (Der Streit der Fakult\u00e4ten) als das Studium des Streites der Fakult\u00e4ten verstanden. Dazu Dr. Rita Casale: \u201eDie Studierenden sollten in der Lage sein, das Verh\u00e4ltnis der Fakult\u00e4ten zu verstehen. Das Studium generale sollte bef\u00e4higen, den inneren Zusammenhang der Fakult\u00e4ten zu begreifen.\u201c<\/p>\n<h4>Zur\u00fcck zum Mittelalter<\/h4>\n<p>Bei ihren Untersuchungen fiel der Wissenschaftlerin auf, dass wir uns heute eher wieder auf der mittelalterlichen Vorstellung eines Studium generale befinden, denn es werde wieder eher als eine Orientierungshilfe zur Vorbereitung eines \u201erichtigen\u201c Studiums verstanden. \u201eAn der Bergischen Universit\u00e4t wird das im Optionalbereich angeboten\u201c, erkl\u00e4rt sie, \u201edas bedeutet, es hat einen Vertiefungscharakter\u201c.<\/p>\n<p>In Kooperation mit dem Zentrum f\u00fcr Weiterbildung unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Molzberger und mit Dr. Catrin Dingler hat Dr. Rita Casale ein Format entwickelt, dass sie unter dem Label &#8218;Die Universit\u00e4t geht in die Stadt&#8216; fasst.<\/p>\n<p>Mit Veranstaltungen in Caf\u00e9s oder am Mirker Bahnhof hat dieses Angebot auch bei der Zivilgesellschaft eine gro\u00dfe Resonanz erfahren, so dass sie wei\u00df, dass Bedarf da ist. Diesen Bedarf w\u00fcrde sie auch gerne in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4tstransferstelle ausbauen und ein Konzept entwickeln, welches all diese Veranstaltungen zusammenfasst.<\/p>\n<h4>Die Grenze eines Fachs \u00fcberwinden<\/h4>\n<p>Ihre eigene Vorstellung eines Studium generale sieht allerdings anders aus.\u00a0\u201eMein Verst\u00e4ndnis dabei ist, und das w\u00fcrde ich auch gerne in Wuppertal implementieren, eines, dass nach der fachlichen Ausbildung stattfindet. Das hei\u00dft, das Studium generale entsteht aus dem Bewusstsein der Grenze eines Faches.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man in seinem eigenen Fach merke, dass man bei bestimmten Fragen an eine Grenze gelange, m\u00fcsse man nach Kooperationen suchen. \u201eDas ist Interdisziplinarit\u00e4t auf einem ganz anderen Niveau. Das w\u00fcrde auch eine st\u00e4rkere Kooperation in der Forschung erlauben\u201c, sagt sie bestimmt.<\/p>\n<h4>Phasen der Universit\u00e4tsgeschichte steuern das Angebot<\/h4>\n<p>Dass sich das Studium generale an der Zeit und den bestehenden Bed\u00fcrfnissen orientiert, konnte Casale in ihren Untersuchungen auch an den ver\u00e4nderten Veranstaltungsangeboten feststellen. \u201eWir haben vier Phasen der gegenw\u00e4rtigen Universit\u00e4tsgeschichte unterschieden, in denen sich auch die Formate des Studium generale ver\u00e4ndert haben\u201c, erkl\u00e4rt sie. In die Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg bis 1964 finde eine Restauration des Alten statt. Man kn\u00fcpfe direkt an die Tradition vor dem Nationalsozialismus an.<\/p>\n<p>Dann folge die Zeit des Ausbaus und der Demokratisierung der Universit\u00e4ten von 1964 bis 1977, in der auch die wichtige Phase der Gr\u00fcndung der Volluniversit\u00e4t stattfinde. 1977 bis 1993 setze man sich mit der Massenuniversit\u00e4t auseinander. Die Zeit schlie\u00dflich nach der Bolognareform 1993 bis heute besch\u00e4ftige sich mit der Reaktion auf die Herausforderungen der Massenuniversit\u00e4t. \u201eIn diesen vier Phasen ver\u00e4ndern sich die Veranstaltungen.\u201c<\/p>\n<h4>Die Vormachtstellung einiger F\u00e4cher<\/h4>\n<p>Das liege zum einen an den neuen Themen, die behandelt w\u00fcrden, aber auch an der Vormachtstellung einiger F\u00e4cher. Man m\u00fcsse nachvollziehen, wer in den jeweiligen Phasen f\u00fcr das Angebot des Studium generale verantwortlich war. Nach 1945 wurden beispielsweise die Rechtsgeschichte und auch die Wissenschaftsgeschichte neu erarbeitet und anders als fr\u00fcher angeboten.<\/p>\n<p>\u201eDann hat die Soziologie eine gro\u00dfe Bedeutung gehabt\u201c, f\u00e4hrt sie fort, \u201eund dann gibt es eine Phase f\u00fcr die Psychologie und die Wirtschaft.\u201c 2022 wird Casale in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen Gabriele Molzberger, Catrin Dingler und Elena Tertel dazu eine Monographie verfassen und einen Sammelband herausgeben (Vandenhoeck &amp; Ruprecht | B\u00f6hlau), in denen man die Entwicklung noch einmal nachvollziehen kann.<\/p>\n<h4>Neue Wege f\u00fcr neue Themen<\/h4>\n<p>Das Studium generale entfaltet sich dabei stetig weiter und orientiert sich auch an gegenw\u00e4rtigen Bedarfen. \u201eHeute sind die Naturwissenschaften das wichtigste Thema der jungen Generation\u201c, sagt die Wissenschaftlerin. Nach ihrer Vorstellung m\u00fcssen f\u00fcr diese neuen Themen R\u00e4ume und Formate entwickelt werden, in welchen interdisziplin\u00e4re, also fach\u00fcbergreifende Gespr\u00e4che m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedweder Fakult\u00e4ten sollten ihre Expertisen einbringen d\u00fcrfen und mit Studierenden und interessierten Vertretern der Zivilgesellschaft gemeinsam an neuen Formaten f\u00fcr die Zukunft arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber Dr. Rita Casale<\/h4>\n<p>Prof. Dr. Rita Casale studierte Philosophie und Geschichte in Bari, Paris und Freiburg im Breisgau. Nach beruflichen Stationen u.a. in Frankfurt am Main, Z\u00fcrich und Fribourg kam sie 2009 an die Bergische Universit\u00e4t und lehrt dort in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Human- und Sozialwissenschaften Allgemeine Erziehungswissenschaft\/Theorie der Bildung.<\/p>\n<p>Sie hat verschiedene B\u00e4nde zu p\u00e4dagogischer Historiographie, zu feministischer Theorie und Geschichte herausgegeben und zahlreiche Schriften zum politischen und p\u00e4dagogischen Denken in der Moderne sowie zur zeitgen\u00f6ssischen Philosophie verfasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Studium generale werden heute alle nicht obligatorischen, \u00f6ffentlichen Lehrveranstaltungen einer Hochschule bezeichnet, die eine umfassende Allgemeinbildung f\u00f6rdern. Das war jedoch nicht immer so. Die Wuppertaler Erziehungswissenschaftlerin und Philosophin Prof. Dr. Rita Casale besch\u00e4ftigt sich seit langem mit diesem Hochschulangebot, dessen transformierender Idee sowie der gesellschaftlichen Funktion der Universit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-42382","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-27 11:33:59","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42382"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42382\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42389,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42382\/revisions\/42389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}