{"id":42221,"date":"2021-10-11T09:40:52","date_gmt":"2021-10-11T07:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=42221"},"modified":"2021-10-11T09:48:06","modified_gmt":"2021-10-11T07:48:06","slug":"dantons-tod-die-revolution-ist-noch-nicht-beendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/10\/11\/dantons-tod-die-revolution-ist-noch-nicht-beendet\/","title":{"rendered":"Dantons Tod: \u201eDie Revolution ist noch nicht beendet\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_42223\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-42223\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DantonsTod_SchSpW_UweSchinkel_09-2-1024x785.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"785\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Thomas Braus in &#8222;Dantons Tod&#8220; &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>An diesem Wochenende war im Opernhaus Premiere. Georg B\u00fcchners (17.10.1813 &#8211; 19.02.1837) Drama aus dem Jahre 1835 ist\u00a0ein Klassiker der deutschen Literatur. Es zeigt, dass die Revolution gegen das absolutistische System des K\u00f6nigs und des Adels mit Terror und Gewalt ein anderes System hervorgebracht hat \u2013 das der Tyrannei.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck spielt im Jahre 1794 vor dem Hintergrund der Franz\u00f6sischen Revolution. Man strebte eine radikalere Ver\u00e4nderung der Gesellschaft an und forderte die Einf\u00fchrung der Republik. Hauptprotagonisten waren Robespierre und Danton. Stefan Walz machte den Conf\u00e9rencier und stiegt mit dem vielsagenden politisch gemeinten Ratschlag in das Geschehen ein: \u201eWer einen Frosch kochen will, darf es nicht mit kochendem<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Wasser machen, sondern muss ihn allm\u00e4hlich erhitzen, dann merkt er es nicht\u201c.<\/p>\n<p>Das Drama erz\u00e4hlt von Danton, einer selbstsicheren Pers\u00f6nlichkeit die im Gegensatz zu Robespierre eigentlich eine gewaltlose Republik schaffen will, letzten Endes allerdings selbst zur Opfergabe wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_42225\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-42225\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DantonsTod_SchSpW_UweSchinkel_05-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Annou Reiners in &#8222;Dantons Tod&#8220; &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Dargestellt wird der Konflikt zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen, die sich im Verlauf der Revolution immer mehr verfeindet hatten. Der eigentliche Handlungsrahmen des Dramas umfasst einen H\u00f6hepunkt der so genannten Schreckensherrschaft\u00a0in welche die Revolution gem\u00fcndet war.<\/p>\n<h4>Freispruch oder Tod<\/h4>\n<p>Freispruch oder Tod waren die einzigen Urteilsm\u00f6glichkeiten. Die Gesamtzahl der w\u00e4hrend der Schreckensherrschaft Hingerichteten wird auf 40.000 Menschen gesch\u00e4tzt. Das alles vor dem Hintergrund innerer und \u00e4u\u00dferer Bedrohungen, gravierende wirtschaftliche Probleme, Hungersn\u00f6te und<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Aufst\u00e4nde sowie innere Zerstrittenheit der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, die die Lage der Republik in Frankreich versch\u00e4rften.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zum Verst\u00e4ndnis des Dramas und der Wuppertaler Interpretation von Anna-Elisabeth Frick ist eine grobe Kenntnis \u00fcber den Verlauf der Revolution\u00a0unverzichtbar. Der Zuschauer wird n\u00e4mlich unvermittelt mit dem Thema \u201eArtenschutz\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>in die Gegenwart entf\u00fchrt. Die Wahrheit sei \u201eWir m\u00fcssen die Welt retten, jetzt, oder alle gehen unter\u201c.<\/p>\n<p>Schon 2046 seien die Meere leer gefischt, so die Botschaft. Die Revolution sei noch nicht beendet, so dass <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>br\u00fcckenbauende Postulat, wir br\u00e4uchten Tugenden wie Moral statt Hass, Umweltschutz d\u00fcrfe nicht zum Marketing verkommen. Robespierre, gespielt von Julia Meier, verf\u00e4ngt sich in Monologen wie: \u201eDer Schrecken ist ein Ausfluss der Tugend, er ist nichts anders als die schnelle, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Und Danton, gespielt von Annou Reiners, kommt zu dem Ergebnis: &#8222;Wir haben nicht die Revolution, sondern die Revolution hat uns gemacht.\u201c Und auch dieser Satz durfte im Wuppertaler Opernhaus nicht fehlen: \u201eDie Revolution ist wie ein Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_42226\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-42226\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/DantonsTod_SchSpW_UweSchinkel_01-3-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Julia Meier in &#8222;Dantons Tod&#8220; &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen \/ Uwe Schinkel<\/span><\/div>\n<p>Im Zentrum der aktuellen Darstellungen steht der Mensch als Ganzes, der aus allen Schrecken der Vergangenheit nichts gelernt zu haben scheint. Der sterbendes Danton l\u00e4\u00dft Geschichtsbilder von der franz\u00f6sischen Revolution, bis zu den Weltkriegen, die Atombomben von Hiroshima, dem 11. September 2001 bis Korea,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Afghanistan und Syrien mit der Erw\u00e4hnung von vielen Millionen Todesopfern beispielhaft aufblitzen.<\/p>\n<p>Die kunstvolle Darstellung des Todeskampfes, gespielt von Thomas Braus ist allein das Eintrittsgeld wert.<\/p>\n<p>Georg B\u00fcchners eigenes Fazit: \u201cAm Volk zeigt sich, dass die Revolution ihre Ziele noch nicht erreicht hat. Das Volk lebt noch immer im Elend und die Unterschiede zwischen den St\u00e4nden sind nicht aufgehoben. Weil das Volk so sehr leidet, ist es anf\u00e4llig f\u00fcr Hass und Feindbilder.\u201c<\/p>\n<p>Georg B\u00fcchner starb 1837 bereits mit 23 Jahren und geh\u00f6rt mit seinen Werken zu den bedeutesten deutschen Dramatikern und Erz\u00e4hlern. Er meinte in Dantons Tod: \u201eJeder muss sich geltend machen und seine Natur durchsetzen k\u00f6nnen. Jeder muss in seiner Art genie\u00dfen k\u00f6nnen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Jeder handelt seiner Natur gem\u00e4\u00df &#8211; das hei\u00dft, er tut, was ihm wohl tut.\u201c<\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Dantons Tod&#8220; einmal ganz anders. Georg B\u00fcchners Drama bietet sich f\u00fcr Interpretationen in verschiedenen Zeitebenen einfach an. Das Schauspiel Wuppertal hat hiervon reichlich Gebrauch gemacht und in seiner Inszenierung von Anna-Elisabeth Frick jetzt ein Werk pr\u00e4sentiert, das Bez\u00fcge des Dramas in die aktuelle Zeit verlagert.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-42221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 17:20:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=42221"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":42228,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/42221\/revisions\/42228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=42221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=42221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=42221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}