{"id":41792,"date":"2021-09-26T09:36:40","date_gmt":"2021-09-26T07:36:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=41792"},"modified":"2021-09-29T13:44:57","modified_gmt":"2021-09-29T11:44:57","slug":"bergische-transfergeschichten-familienleben-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/09\/26\/bergische-transfergeschichten-familienleben-verstehen\/","title":{"rendered":"\u201eBergische Transfergeschichten\u201c: Familienleben verstehen"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_41795\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-41795\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Transferstory_Prof._Bredemeier-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Christian Bredemeier &#8211; \u00a9\u00a0Foto Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">Das perfekte Rezept daf\u00fcr gibt es nicht, aber Erkenntnisse aus dem Bereich der Familien\u00f6konomie helfen dabei, ein Verst\u00e4ndnis von der Aufgabenverteilung und ihren Auswirkungen auf das Zusammenleben zu bekommen. Womit sich die Familien\u00f6konomie au\u00dferdem besch\u00e4ftigt, das erkl\u00e4rt Prof. Dr. Christian Bredemeier, der an der Bergischen Universit\u00e4t an seinem Lehrstuhl f\u00fcr Applied Economics dazu forscht, in den Bergischen Transfergeschichten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eFamilien\u00f6konomie hei\u00dft, Familienleben zu verstehen und dabei Denkweisen und Konzepte zu verwenden, die uns auch in anderen Bereichen au\u00dferhalb der Familie helfen, wirtschaftliches Handeln von Menschen zu verstehen\u201c, sagt der Wissenschaftler.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28714\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">\u201eDie Familie ist eine Gruppe von Individuen, die miteinander interagieren, ihre eigenen Interessen, Vorlieben und Abneigungen sowie M\u00f6glichkeiten und Grenzen haben\u201c, erkl\u00e4rt der \u00d6konom, \u201eund manchmal dadurch auch in Konflikte geraten.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In der Familien\u00f6konomie gehe es oft um ganz konkrete Lebensentscheidungen wie Arbeitsplatzwechsel, Umz\u00fcge oder das Thema Kinder in Verbindung mit m\u00f6glichen Karriereunterbrechungen. \u201eEs geht auch um die Bildung von Familien, von Haushalten. Das Zusammenkommen in der Partnerschaft, das Zusammenziehen und die eventuelle Heirat sowie auch die Aufl\u00f6sung von Familien, also Trennung und Scheidung.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die \u00f6konomischen Konzepte, die dabei benutzt werden, werden in anderen Bereichen bereits erfolgreich eingesetzt. Eine klug entwickelte Arbeitsteilung beispielsweise sei bei vielen Unternehmen der Schl\u00fcssel zum Erfolg.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Konstellationen haben sich ge\u00e4ndert<b><br \/>\n<\/b><\/h4>\n<p class=\"bodytext\">\u201eEs ist immer wieder faszinierend, wieviel sich verstehen l\u00e4sst\u201c, f\u00fchrt der 39-J\u00e4hrige aus, \u201ewenn man ganz n\u00fcchtern \u00f6konomische Rahmenbedingungen betrachtet, denen Familien und ihre einzelnen Mitglieder ausgesetzt sind, auch ohne auf schwer zu messende und quantifizierende Faktoren zur\u00fcckzugreifen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Normen und Rollenbilder seien aber ebenso von gro\u00dfem Belang, konstatiert der Wissenschaftler. Wenn man die Rolle der Familie f\u00fcr ganz \u00f6konomische Fragestellungen verstehe, k\u00f6nne man auch staatliche Systeme vern\u00fcnftig gestalten und w\u00fcrde das, was in der Familie geschehe, sinnvoll erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eEin Beispiel ist die Ausgestaltung sozialer Sicherungssysteme\u201c, sagt Bredemeier, \u201edenn da spielen Familien eine Rolle und bilden das erste Auffangnetz f\u00fcr Menschen.\u201c Auch f\u00fcr die Gestaltung des Steuer- und Transfersystems und des Arbeitsrechts sei es wichtig zu verstehen, wie famili\u00e4re Prozesse funktionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Familienkonstellationen haben sich ge\u00e4ndert. Die Eheschlie\u00dfung ist keine notwendige Grundlage mehr, aus Trennungen entstehen neue Stief- oder Patchworkfamilien, neue Wohn- und Hausgemeinschaften, sogar zusammen mit \u00e4lteren Mitgliedern der Gro\u00dfelterngeneration. Alleinerziehende sind Standard.<\/p>\n<h4>Eine sich ver\u00e4ndernde Familienwelt<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Dazu Bredemeier: \u201eMit jeder neuen Familienform ergibt sich die Herausforderung, zu verstehen, warum sie sich bildet und was das f\u00fcr die Menschen bedeutet, die in ihr leben.\u201c In einer sich ver\u00e4ndernden Familienwelt f\u00fchre A nicht mehr zwangsl\u00e4ufig zu B, wie es die klassische Familiensituation vorgebe. \u201eWir sind nicht starr auf das klassische Vater-Mutter-Kinder-Bild angepasst. Wir verstehen Familie als eine Gruppe von Individuen, die nicht auf eine Form der Familie festgelegt sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dass beide Eltern mit etwa gleicher Stundenzahl arbeiten gehen und sich gemeinsam um Haushalt und Kinder k\u00fcmmern, ist eine Wunschvorstellung vieler Paare, die Nachwuchs planen. Doch meist bleibt auch heute noch die Frau nach der Schwangerschaft zu Hause und hat gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Den L\u00f6wenanteil der Hausarbeit \u00fcbernehmen nach wie vor die Frauen. Das erweckt oft den Eindruck, als ob Geschlechtergleichheit nur im Kopf stattfindet. \u201eIch denke, der Wunsch nach fairer Aufteilung der Aufgaben h\u00e4lt da vermutlich den Konfrontationen mit den Herausforderungen nach der Geburt der Kinder nicht immer Stand\u201c, erkl\u00e4rt der \u00d6konom.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auf der anderen Seite \u201egab es in den letzten Jahren auch sehr gute Studien, die nachweisen, dass es immer noch Geschlechterbilder, Stereotype und Rollenbilder gibt und dass Familien viel auf sich nehmen, um diesen Rollenbildern, die sie selbst oder andere von ihnen haben, zu entsprechen\u201c, wei\u00df Bredemeier.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Die Dimensionen der Eheschlie\u00dfung<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">\u201eEine Eheschlie\u00dfung macht das Zusammenleben aus \u00f6konomischer Sicht verbindlicher und auch das Beenden schwerer\u201c, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, und das habe eine Reihe von Auswirkungen f\u00fcr das Zusammenleben als Paar, vor allem, wenn es um langfristige Investitionen gehe.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eLohnt es sich z. B. ein Haus zu kaufen, wenn der Partner jederzeit gehen k\u00f6nnte? Lohnt es sich, f\u00fcr die Familie auf die Karriere zu verzichten, wenn man am Ende vielleicht allein dasteht? Ist man bereit, dem Partner, dessen Karriere gerade stockt, oder der gerade seinen Arbeitsplatz verloren hat, auszuhalten, wenn man nicht sicher ist, dass der Partner in der umgekehrten Situation einen selber vielleicht verl\u00e4sst? Das sind alles Fragen, die sich in der Entscheidungssituation des Einzelnen in der Beziehung stellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Es gebe viele empirische Daten zu den Auswirkungen der einseitigen Scheidung und die in den westlichen L\u00e4ndern ge\u00e4nderte Rechtslage habe Einfluss sowohl auf die Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen, das Ausma\u00df an h\u00e4uslicher Gewalt, als auch auf Kinderentwicklung und das Sparverhalten. \u201eDie Entscheidung Trauschein ja oder nein hat eine \u00e4hnliche Dimension.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Menschen suchen sich heute oft Partner mit \u00e4hnlicher Bildung und \u00e4hnlichem sozialem Hintergrund. Die Wissenschaft spricht von assortativer Paarbildung. Dieser Trend wird mit daf\u00fcr verantwortlich gemacht, dass die wirtschaftliche Ungleichheit von Haushalten innerhalb vieler L\u00e4nder w\u00e4chst.<\/p>\n<h4>Assortative Paarbildung<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDass mit der assortativen Paarbildung ist richtig\u201c, best\u00e4tigt Bredemeier. \u201eEs kommen Leute zusammen, die sich \u00e4hnlich sind. Wir sehen, dass vor allem Bildungsstand und Einkommen mehr und mehr eine Rolle spielen. Wenn ein gutverdienender Mensch auch noch einen gutverdienenden Partner dazubekommt, verst\u00e4rkt das nat\u00fcrlich den Unterschied im Einkommen, verglichen mit Leuten, die einen geringeren Bildungsstand haben und weniger verdienen. Es macht den Unterschied zwischen den Haushalten gr\u00f6\u00dfer.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Frage nach Ungleichheit werde in der \u00d6konomie schon sehr lange diskutiert. Grunds\u00e4tzlich gebe es verschiedene Politikma\u00dfnahmen, die daf\u00fcr sorgen sollen, dass Menschen ohne hohen Bildungsabschluss ein ausk\u00f6mmliches Einkommen h\u00e4tten. Man k\u00f6nne etwa Vorteile f\u00fcr Geringverdiener im Steuer- und Sozialsystem ausbauen, erkl\u00e4rt der Fachmann, aber dazu m\u00fcsse auch der politische Wille da sein.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Neue, familien\u00f6konomische Konzepte<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Die sozialen Normen haben sich ver\u00e4ndert. Gleichgeschlechtliche Beziehungen, au\u00dferehelicher Sex und auch verheiratete Frauen am Arbeitsplatz sind heute gesellschaftlich anerkannt. Daf\u00fcr mussten auch neue Konzepte in der Familien\u00f6konomie her. \u201eSex ist wahrscheinlich nur die Spitze dessen, was mal irgendwann f\u00fcr die Ehe reserviert war, heute aber auch selbstverst\u00e4ndlich au\u00dferhalb der Ehe existiert\u201c, sagt Bredemeier, auch banale Dinge h\u00e4tten eine \u00e4hnliche Vergangenheit.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eBestimmte T\u00e4tigkeiten in der Hausarbeit mussten fr\u00fcher einfach von Familienmitgliedern gemacht werden. Heute k\u00f6nnen wir das selbstverst\u00e4ndlich an Dienstleister oder an Maschinen abtreten. Diese Prozesse haben wir ganz gut verstanden.\u201c Eines der Kernthemen der Familien\u00f6konomik sei die Beteiligung von Frauen am Arbeitsleben, die wir heute als normal empfinden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als \u201eNew normal\u201c beschreibt der Forscher das Zeitalter der Familien mit Doppelverdienenden, das auch zu neuen Schlussfolgerungen f\u00fchrt. Ebenso seien gleichgeschlechtliche Beziehungen ein spannendes Feld f\u00fcr die Wissenschaft. \u201eSolche Beziehungen erm\u00f6glichen uns Rollenverteilungen in Situationen zu studieren und zu beobachten, wo Geschlecht im biologischen Sinne keine Rolle spielt. Viele Kolleginnen und Kollegen sind schon gespannt, denn wenn es die Ehe f\u00fcr alle einige Jahre gegeben hat und wir eine ausreichende Datenlage haben, werden uns diese Daten helfen, famili\u00e4re Prozesse noch besser zu verstehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgaben gibt es in einer Familie zuhauf: vom Saugen, Putzen, Kochen, Sp\u00fclen, Einkaufen, \u00fcber die Haustierf\u00fctterung, Gartenarbeit und M\u00fcllentsorgung bis zur Kindergeburtstagsplanung, dem Autowerkstattbesuch oder der zu veranlassenden \u00dcberweisung \u2013 bei allem stellt sich die Frage: \u201eWer macht\u2018s?\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-41792","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-21 23:43:00","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41792"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41800,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41792\/revisions\/41800"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}