{"id":41431,"date":"2021-09-15T09:20:20","date_gmt":"2021-09-15T07:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=41431"},"modified":"2021-09-23T08:35:25","modified_gmt":"2021-09-23T06:35:25","slug":"torschuss-auf-knopfdruck-warum-tipp-kick-bis-heute-fasziniert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/09\/15\/torschuss-auf-knopfdruck-warum-tipp-kick-bis-heute-fasziniert\/","title":{"rendered":"Torschuss auf K(n)opfdruck \u2013 warum Tipp-Kick bis heute fasziniert"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_41433\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-41433\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Jahr100Wissen_Prof._Balz_Tipp-Kick-2-1024x739.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"739\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Eckart Balz &#8211; \u00a9\u00a0Foto UniService Transfer<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">Bei &#8222;Tipp-Kick&#8220; \u00a0geht es darum, mit einer Figur, deren Fu\u00df sich auf Knopfdruck am Kopf bewegen l\u00e4sst, einen zweifarbigen Fu\u00dfball in ein Tor zu schie\u00dfen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28692\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\"><b>Der M\u00f6belfabrikant Carl Mayer meldete das Spiel Tipp-Kick am 15. September 1921 zum Patent an. Um welches Spiel handelte es sich dabei?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Dr. Eckhard Balz:<\/strong> &#8222;Tipp-Kick ist ein echter Klassiker. Ich habe auch eigene Spielerfahrungen damit. Das ist \u00fcber Generationen hinweg ein Familienspiel, das ich fr\u00fcher mit meinem Bruder und auch mit unseren Kindern gespielt habe. An der Uni Bielefeld, wo ich gearbeitet habe, war es sogar in der Sportwissenschaft ein Kultspiel, das auf Exkursionen immer zum Einsatz kam. Aus sportp\u00e4dagogischer Sicht w\u00fcrde ich sagen, es ist so etwas wie Fu\u00dfball im Kleinen: Hier wird der gro\u00dfe Fu\u00dfballsport nachempfunden und zwar im Format eines Gesellschaftsspiels.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Der Exportkaufmann Edwin Mieg erwarb die Rechte 1924 und machte einen Verkaufsschlager daraus. Ein zweiter Boom setzte dann nach der gewonnenen WM 1954 ein, nach der der Torwart des Spiels in Anlehnung an \u201eden Fu\u00dfballgott\u201c Anton \u201eToni\u201c Turek den Namen \u201eTurek\u201c erhielt. Der Ball in diesem Spiel ist aber nicht rund. Warum?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Dr. Eckhard Balz: &#8222;<\/b>Ja (lacht), der Ball im Fu\u00dfballsport ist rund, weil rollend um ihn gek\u00e4mpft wird und zwar einmal rein k\u00f6rperlich in Zweik\u00e4mpfen, aber auch taktisch mit dem besseren System. Das ist nat\u00fcrlich bei einem nachgeahmten Spiel, wo in diesem Fall Bleifiguren aufeinandertreffen, schwer m\u00f6glich. Deswegen ist als erg\u00e4nzende Idee dieser zw\u00f6lfeckige Ball dazugekommen, mit dem man eine andere L\u00f6sung gefunden hat. Es ist ein halbierter Ball, der auf der einen Seite schwarz und auf der anderen Seite wei\u00df ist, und durch die jeweilige Art, wie er rollt und liegen bleibt, entscheidet, wer am Zug ist. Das wird nicht \u00fcber den Zweikampf oder \u00fcber eine Mannschaftstaktik entschieden, sondern \u00fcber den Zufall. Und das macht es interessant.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">So r\u00fcckt beim Tipp-Kick etwas in den Vordergrund, was beim normalen Fu\u00dfballsport nicht eine so gro\u00dfe Bedeutung hat, n\u00e4mlich der Faktor Zufall, Gl\u00fcck oder Pech. Nat\u00fcrlich habe ich den im Fu\u00dfballsport auch, wenn der Ball unter die Latte geht oder auf die Linie springt und nicht reingeht, das ist nicht steuerbar. Aber hier ist \u00fcber das Rollen des Balls, wenn ich ihn in eine gute Position schie\u00dfe, und er dann doch nicht auf meiner Farbe zu liegen kommt, ein Zufallsfaktor dabei, den ich nie planen kann. Dadurch gewinnt das \u00dcberraschungsmoment an Bedeutung. Das ist etwas, was Menschen immer fasziniert hat, und daher wird das Spiel auch bis heute gekauft.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_41435\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 427px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-41435\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/1098netztormitpublikum1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"417\" height=\"278\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das legend\u00e4re Tipp-Kick-Spiel &#8211; \u00a9 Tipp Kick<\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext\"><b>Die Figuren wurden im Laufe der Jahre zu pr\u00e4zisen Kickern entwickelt.<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Dr. Eckhard Balz: &#8222;<\/b>Es ist interessant zu sehen, wie sich die heutigen Spielfiguren, nicht nur vom Material, Blech\/Blei, sondern auch von der Art und Weise, wie der Fu\u00df geformt ist, weiterentwickelt haben. Das kennen wir ja in allen Bereichen des Sports, Ausdifferenzierungsprozesse, und die findet man auch beim Tipp-Kick. Da ist der Fu\u00df nicht rund, sondern so fein glatt, da kann man dann besser mit lupfen. Zudem ist er stabiler, sodass man auch noch strammer damit schie\u00dfen kann. Es wird immer nur eine Figur benutzt, aber die kann man auch austauschen, je nachdem, welcher Schuss ansteht. Die Schusstechniken sind mittlerweile fantastisch ausgefeilt und f\u00fchren dann auch manchmal zu spektakul\u00e4ren Torerfolgen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Tipp-Kick wird nach dem Vorbild des originalen Fu\u00dfballs in Ligen gespielt. Seit 1959 werden alle zwei Jahre Deutsche Einzelmeisterschaften veranstaltet und seit der Frauenfu\u00dfball-WM 2011 gibt es auch weibliche Figuren. Was ist so faszinierend an diesem Fingerfu\u00dfball?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Dr. Eckhard Balz: &#8222;<\/b>Insgesamt wird Sport als ein Faszinosum unserer Zeit bezeichnet, und wir in der Sportwissenschaft halten ihn f\u00fcr einen gesellschaftlich wichtigen Teilbereich. Das Faszinierende besteht sicherlich darin, dass anders als im gesellschaftlichen Leben das psychisch Beanspruchende etwas in den Hintergrund r\u00fcckt und das physisch Beanspruchende in den Vordergrund. Man kann sich austoben, spielen, sozusagen die allt\u00e4glichen Belange vergessen und ganz im Spiel aufgehen. Das kann man hier im Kleinen beim Tipp-Kick auch. Es ist das verkleinerte Abbild des gro\u00dfen Fu\u00dfballsports, wo man alles herum vergisst und nur noch im Spiel aufgeht. Wenn das nicht so w\u00e4re, dann h\u00e4tten sich nicht mittlerweile 40 Vereine, eine Bundesliga und ein deutscher Tipp-Kick-Verband gegr\u00fcndet. Durch Vereins- und Verbandswesen ist dieses Gesellschaftsspiel entsprechend strukturiert und organisiert worden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wir nutzen es im \u00dcbrigen auch f\u00fcr die Spielvermittlung in der Universit\u00e4t. Wir haben ein Spiel entwickelt, dass wir Blite-Ball nennen, also Black- &amp; White-Ball, ein gr\u00f6\u00dferer Schaumstoffball, der genauso aussieht wie der Tipp-Kick-Ball, nur die Gr\u00f6\u00dfe von einem Fu\u00dfball hat. Gerade in heterogenen Gruppen kann man auch mit Blick auf den Master of Education f\u00fcr die Schule eben nicht einfach nur Fu\u00dfball spielen lassen, sondern muss das Fu\u00dfballspiel so ver\u00e4ndern, dass m\u00f6glichst viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler teilhaben k\u00f6nnen. Da wird auch ggf. nicht mehr auf ein Tor, sondern \u00fcber eine Grundlinie gespielt und es darf nur derjenige weiterspielen, dessen Farbe nach oben zeigt. Dadurch haben wir Tipp-Kick sozusagen re-adaptiert und wieder zur\u00fcck in die Halle gebracht. Es kann wieder in Bewegung \u00fcbersetzt und selber nachgespielt werden und das ist durchaus sinnvoll auch im Schulkontext.&#8220;<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reihe \u201eJahr100Wissen\u201c besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftler der Bergischen Universit\u00e4t mit Ereignissen, die 100 Jahre zur\u00fcckliegen und von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Gesellschaft waren. Ein \u201eJahr100Wissen\u201c-Interview mit Sportwissenschaftler Prof. Dr. Eckart Balz \u00fcber das generationen\u00fcbergreifende Gesellschaftsspiel \u201eTipp-Kick\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-41431","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 17:09:47","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41431"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41436,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41431\/revisions\/41436"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}