{"id":41262,"date":"2021-09-11T09:54:51","date_gmt":"2021-09-11T07:54:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=41262"},"modified":"2021-09-17T14:51:52","modified_gmt":"2021-09-17T12:51:52","slug":"transfergeschichten-gesunde-baeume-brauchen-pilze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/09\/11\/transfergeschichten-gesunde-baeume-brauchen-pilze\/","title":{"rendered":"\u201eTransfergeschichten\u201c: Gesunde B\u00e4ume brauchen Pilze"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_41265\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41265 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Transfergeschichte_Dr._Moelleken-1024x771.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"771\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Wissenschaftlerin Dr. Helga M\u00f6lleken &#8211; @ Foto UniService Transfer<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">An der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal besch\u00e4ftigt sich Chemikerin Dr. Helga M\u00f6lleken mit Heilpilzen als Nahrungserg\u00e4nzungsmittel sowie der Beschaffenheit von Waldb\u00f6den. In den Bergischen Transfergeschichten berichtet sie dar\u00fcber.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28677\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">Ihre Liebhaber und Sammler sieht man in diesen Wochen wieder h\u00e4ufig durch die Geh\u00f6lze streifen, ausgestattet mit wetterfester Kleidung, einem Bergischen Z\u00f6ppken \u2013 dem klassischen Solinger K\u00fcchenmesser \u2013 und dem handtuchausgelegten Weidenk\u00f6rbchen, in das die oft m\u00fchevoll gefundenen Sporensch\u00e4tze hineingelegt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eIm September beginnt die eigentliche Pilzsaison\u201c, beginnt Helga M\u00f6lleken, \u201eobwohl es auch einige Pilze, wie etwa den Bovist, bereits im August zu finden gibt. Auch verschiedene Champignonarten, wie der Wiesenchampignon, Waldchampignon oder der Anis-Champignon zeigen sich bereits ab dem Sp\u00e4tsommer.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In Wuppertaler W\u00e4ldern k\u00f6nne man dann Maronen oder Herbsttrompeten antreffen. Aufpassen m\u00fcsse man beim Schopftintling, den man nur im ganz jungen Zustand als hervorragenden Speisepilz nutzen k\u00f6nne, wenn sein Hut noch geschlossen sei, der bei l\u00e4ngerer Verwahrung jedoch tintig zerflie\u00dfe.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eAber man findet auch schon Steinpilze sowie Pfifferlinge, Hallimasch und Stockschw\u00e4mmchen\u201c, wei\u00df die Wissenschaftlerin.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Pilze wachsen oft nur im Laub- oder Tannenwald. Dazu M\u00f6lleken: \u201eViele B\u00e4ume zeigen nur mithilfe von Pilzen, den Mykorrhiza-Pilzen<b>, <\/b>gesundes Wachstum. Mit ihren Hyphen (Pilzf\u00e4den) unterst\u00fctzen sie die Feinwurzeln der B\u00e4ume\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDer Pilz spinnt sein Myzel, ein Flechtwerk von Pilzf\u00e4den, das sogenannte Mykorrhiza, um die Wurzelspitzen des spezifischen Baumes herum. Mit diesen feinen Pilzf\u00e4den k\u00f6nnen Pilze das Bodenwasser besser nutzen und auch aus dem Substrat zus\u00e4tzliche N\u00e4hrstoffe und Mineralien aufnehmen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die feinen Ver\u00e4stelungen des Myzels k\u00f6nnten diese N\u00e4hrstoffe wesentlich besser als die gr\u00f6beren Baumwurzeln aufnehmen und an den Baum weitergeben. Im Gegenzug versorge der Baum den Pilz mit Kohlehydraten, die dieser nicht selbst aufbauen kann.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Nicht alle Pilze lassen sich z\u00fcchten<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">\u201ePilze unterteilt man in Bezug auf ihre N\u00e4hrstoffaufnahme in verschiedene Gruppen\u201c, erkl\u00e4rt die Chemikerin. Saprobionten, Parasiten und Symbionten nenne man sie, die verschiedene Lebensr\u00e4ume erschlie\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDie Saprobionten zersetzen totes organisches Material wie zum Beispiel Laub und Totholz. Au\u00dferdem zersetzen diese Pilze nicht nur Pflanzen, sondern jegliche Art von Lebewesen wie tote Tiere und andere Pilze.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_41266\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41266 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/208-01-1024x681.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">In herbstlichen W\u00e4ldern gibt es demn\u00e4chst wieder jede Menge Pilze &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext\">Champignons und Austernpilze seien dagegen wenig w\u00e4hlerisch und w\u00fcchsen im Wald auf abgestorbenen Bl\u00e4ttern bzw. Totholz ebenso wie im Keller auf Strohballen oder Pferdemist. Diese Pilze lie\u00dfen sich daher relativ leicht kultivieren und seien ein wichtiger Nahrungsfaktor.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anders sieht es da bei den bekannten Waldbewohnern aus, deren Lebenswelt man nicht k\u00fcnstlich herstellen kann. \u201eDas Z\u00fcchten von Pfifferlingen und Steinpilzen z. B. ist bis dato noch nicht gelungen\u201c, erkl\u00e4rt sie, \u201eda diese Pilze zu den Mykorrhiza-Pilzen geh\u00f6ren und in Symbiose mit B\u00e4umen leben.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Obwohl Fachleute den Pilzen durch ihren hohen Vitamin B2-, B3- und D-Anteil eine h\u00f6here Bedeutung im Vergleich zu Obst und Gem\u00fcse zusprechen, sieht M\u00f6lleken ihre Nutzung als Nahrungsmittel kritisch.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eVitamine sind essenzielle N\u00e4hrstoffe f\u00fcr unseren K\u00f6rper und m\u00fcssen, bis auf Vitamin D, \u00fcber unsere Nahrung aufgenommen werden. Ich glaube, dass eine ausgewogene und vielf\u00e4ltige Ern\u00e4hrung f\u00fcr die Gesundheit entscheidend ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In Bezug auf Pilze sei beispielsweise die Situation in Bayern nach wie vor problematisch. \u201eNach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 sind dort immer noch Waldpilze radioaktiv, also mit Radioc\u00e4sium belastet.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Und um verstehen zu k\u00f6nnen, was das bedeute, f\u00e4hrt sie fort: \u201eDer Verzehr von 200 g Pilzen mit 3000 Becquerel C\u00e4sium-137 pro Kilogramm hat eine Belastung von 0,008 Millisievert zur Folge. Dies entspricht der Strahlenbelastung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dar\u00fcber hinaus f\u00e4nden sich ebenso Schadstoffe aus Industrie und Haushalten in den Pilzfruchtk\u00f6rpern. \u201eEinige Pilze lagern sogar Schwermetalle wie Cadmium oder Quecksilber ein.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Heilpilzforschung \u2013 eine noch junge Wissenschaft<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Einige Pilze sind nicht nur sehr schmackhaft, ihnen werden auch heilende Wirkungen zugesprochen. Ein hiesiges Beispiel ist der Riesenbovist, im Volksmund auch Beamtenkotelett genannt, den man in Scheiben wie ein Schnitzel braten kann. Er kann \u00fcber sieben Billionen Sporen produzieren und enth\u00e4lt auch das Antikrebsmittel Calvacin. Aber wie wirkungsvoll sind Heilpilze eigentlich?<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eHeilpilze werden in China in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bereits seit ca. 5.000 Jahren verwendet\u201c, wei\u00df M\u00f6lleken. \u201eDie moderne Forschung zu Heilpilzen begann dagegen in Tokyo\/Japan erst ca. 1936 mit dem prim\u00e4ren Ziel, Methoden und Erfahrungen der traditionellen Verwendung zu sammeln und kritisch zu analysieren. Aus \u00e4lteren Publikationen ist bekannt, dass das Mucoprotein Calvicin als Naturheilmittel bei verschiedenen Erkrankungen wie Blutungen oder Durchfall genutzt wird. Seit ungef\u00e4hr Anfang 2000 gibt es Studien zur Wirkung von Calvicin auf Krebszellkulturen, wie zum Beispiel Lungen- oder Brustkrebs, wobei das Zellwachstum gehemmt wurde.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dazu seien aber noch detailliertere Studien notwendig, erkl\u00e4rt die Wissenschaftlerin.\u00a0Klar sei: \u201eIn vielen asiatischen L\u00e4ndern werden Pilze seit langem zur Gesunderhaltung und Heilung verwendet. Auch in Europa finden sie immer gr\u00f6\u00dfere Verbreitung als wertvolle Nahrungsmittel und in der therapeutischen Anwendung.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_41267\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41267 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/20201012_155854-01-1024x684.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vorsicht: Wundersch\u00f6n, aber hochgiftig: Ein Fliegenpilz &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext\">Ein Beispiel seien sogenannte beta-Glucane in den Pilzzellw\u00e4nden, die sich auch in Gerste und Hafer f\u00e4nden. \u201eDie sind seit vielen Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen und belegen, dass sie den Blutzucker regulierend unterst\u00fctzen, das S\u00e4ttigungsgef\u00fchl verbessern, die Darmgesundheit positiv beeinflussen, das Immunsystem aktivieren und\u00a0den Cholesterinspiegel im Blut senken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u00c4hnlich wie das im Bovist befindliche Calvicin geh\u00f6ren beta-Glucane zu den Immunregulatoren, wei\u00df M\u00f6lleken. \u201eAuch sie werden in der TCM bei der Behandlung von Krebs, Geschw\u00fcren, Infektionen, Strahlenbelastungen und Traumata effektiv eingesetzt. Aber auch hier bedarf es noch intensiver Forschung in der Humanmedizin.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nach ihrer Pensionierung im n\u00e4chsten Jahr wird sich M\u00f6lleken an einem geplanten Forschungsvorhaben beteiligen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein ganz besonderer Pilz, der Riesenhallimasch, hat es sogar zu einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde gebracht. \u201eDer Riesenhallimasch in Oregon ist ein Pilz von gigantischem Ausma\u00df, der sich \u00fcber neun Quadratkilometer, was einer Fl\u00e4che von 1.200 Fu\u00dfballfeldern entspricht, erstreckt\u201c, sagt M\u00f6lleken.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDas Alter dieses Hallimaschs wird auf ca. 2400 Jahre gesch\u00e4tzt und damit z\u00e4hlt er zu den \u00e4ltesten Lebewesen der Welt.\u201c<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie wachsen getarnt oder leuchtend in unseren W\u00e4ldern, auf offenen Wiesen oder blutrot am Wegesrand. Man kann sie in Gourmet-Gerichten verarbeiten, als Heilmittel einsetzen oder t\u00f6dliche Gifte aus ihnen produzieren. Die Rede ist von Pilzen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-41262","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 17:04:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41262"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41262\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41313,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41262\/revisions\/41313"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}