{"id":40724,"date":"2021-11-19T15:00:30","date_gmt":"2021-11-19T14:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=40724"},"modified":"2025-05-12T18:46:52","modified_gmt":"2025-05-12T16:46:52","slug":"markus-krebs-seine-comedy-karriere-ist-ein-zufallsprodukt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/11\/19\/markus-krebs-seine-comedy-karriere-ist-ein-zufallsprodukt\/","title":{"rendered":"Markus Krebs: Seine Comedy-Karriere ist ein Zufallsprodukt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_40727\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40727\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Markus-Krebs_matthias.kPhotography-0004-2-1024x762.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"762\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Markus Krebs in typischer Arbeitshaltung &#8211; \u00a9\u00a0Foto: www.matthiask.net<\/span><\/div>\n<p>Er war schon 39 Jahren alt, als der gelernte Gro\u00df- und Au\u00dfenhandelskaufmann \u00fcberhaupt zum ersten Mal auf der B\u00fchne stand. Bei einer Comedy-Nachwuchs-Veranstaltung in Dinslaken, die sein Bruder organisierte, sprang er f\u00fcr einen Bewerber ein, der nicht erschienen war.<\/p>\n<p>Der Sp\u00e4tstart per Zufall &#8211; vermutlich auch ein Grund, warum der sympathische Comedy-Star mit dem Pferdeschwanz mit beiden Beinen auf dem Boden blieb und ihm der Riesen-Erfolg nicht zu Kopf stieg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Die STADTZEITUNG hat sich mit Markus Krebs im Rahmen der Interview-Reihe &#8222;Hand aufs Herz&#8220; ausf\u00fchrlich unterhalten.<\/p>\n<p><b>DS: In den letzten 18 Monaten hatten Sie vermutlich mehr Urlaub als Ihnen lieb war. Wie haben Sie diesen genutzt?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Ich habe angefangen, ein Buch \u00fcber das Ruhrgebiet zu schreiben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Der Ruhrpott aus meiner Sicht. Man erf\u00e4hrt darin, wie ich meine Jugend verbracht habe. Wo die Unterschiede zu anderen Regionen liegen und was sich f\u00fcr mich selbst im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert hat. Da beschreibe ich viele Kindheitserinnerungen. Meine Mutter liefert auf f\u00fcnf oder sechs Seiten Rezepte von Gerichten, die nur im Ruhrgebiet gekocht werden. Dann gibt es auch ein Interview mit meinem Kollegen Torsten Str\u00e4ter, der aus einer ganz anderen Ecke des Ruhrgebiet stammt. Tatsache ist ja, dass wir Menschen aus dem Kohlenpott auch im Urlaub sofort erkannt werden. Harald Schmidt hat immer gesagt: Trainingshose an &#8211; Ruhrgebiet &#8211; Badelatschen an der Bude an &#8211; Ruhrgebiet. Ich glaube, das wird eine sch\u00f6ne, lustige Sache.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Inwieweit hat Ihnen Ihr Podcast &#8222;Comedykation&#8220;, in dem Sie Kollegen und andere Pers\u00f6nlichkeiten interviewen, dabei geholfen, in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sent und f\u00fcr Ihre Fans zumindest visuell greifbar zu bleiben?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Das war schon sehr wichtig. In Vergessenheit ger\u00e4t man heute sehr schnell. Ich habe mit diesem Podcast die M\u00f6glichkeit, auch Leute aus anderen Genres kennen zu lernen. Ich habe Markus Maria Profitlich getroffen oder auch Tom Gerhardt und Frank Rosin. Das waren richtig tolle Gespr\u00e4che. Das ist f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Chance, Kollegen und andere Pers\u00f6nlichkeiten kennen zu lernen. Und eine gro\u00dfe Fresse habe ich ja eh. Wir kommen dann schon ins Gespr\u00e4ch.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_40731\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40731\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/MarkusKrebs_matthias.kPhotography-0004-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Markus Krebs bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden &#8211; Foto: www.matthiask.net<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Legen Sie demn\u00e4chst Doppel-Schichten ein oder wie wollen Sie sonst alle Anfragen bew\u00e4ltigen?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Ich bin zur Zeit st\u00e4ndig st\u00e4ndig unterwegs. Wir K\u00fcnstler nutzen es nat\u00fcrlich aus, dass wir jetzt noch Open-Air auftreten k\u00f6nnen. Keiner weiss ja, wie es mit Corona weiter geht. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich wieder Menschen vor mir habe und nicht nur Autos.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Gibt es so etwas wie einen Zusammenhalt unter Kollegen in Coronazeiten?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Den gibt es wirklich. J\u00fcrgen von der Lippe hat mich vor einem Open-Air-Auftritt in Kiel angerufen und mir alles Gute gew\u00fcnscht. Er war einen Tag vorher dort aufgetreten und das bei sch\u00f6nem Wetter. Bei mir hat es leider f\u00fcr Erwachsene geregnet. J\u00fcrgen hat gesagt, er w\u00e4re vor seinem Auftritt bei Griechen zum Essen gewesen und das habe ihm gutes Wetter beschert. Da habe ihm gebeten, f\u00fcr mich noch einmal zum Griechen zu gehen, damit ich auch gutes Wetter f\u00fcr meine Show bekomme. Aber dann hat er sich leider doch nur ein S\u00fcppchen gekocht.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Also gibt es doch kein Konkurrenzdenken und keine Neid-Kultur in der Comedy-Szene?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Mein Eindruck ist, dass wir wegen Corona alle ein wenig enger zusammen ger\u00fcckt sind. Man taucht sich gegenseitig aus. Wo gibt es \u00fcberhaupt Auftrittsm\u00f6glichkeiten? Ich habe mich beispielsweise mit meinen Kollegen Matze Knop und Torsten Str\u00e4ter abgestimmt. Alle hatten ja auf einmal das gleiche Problem. Es gab keine Hallen, in denen man spielen durfte. Wir mussten auch den Veranstaltern entgegenkommen. Pl\u00f6tzlich sa\u00dfen alle in einem Boot.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was ist bei Ihnen pers\u00f6nlich von Corona h\u00e4ngen geblieben?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Das war auch f\u00fcr mich ein enormer Einschnitt. Man konnte nicht mehr so einfach ausgehen wie man wollte. Teilweise waren auch die Gesch\u00e4fte zu. Man hat gemerkt, wie schnell eine Hysterie entstehen kann. Auch wenn es da nur um Klopapier ging. Ich gebe auch der Regierung keine Schuld. Auch f\u00fcr die Politiker war die Pandemie absolutes Neuland. Auch sie mussten erst einmal<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>lernen, damit umzugehen, wie wir alle. Heute wird die Pandemie teilweise schon wieder zu locker gesehen, wenn ich mir die aktuelle Inzidenz-Werte in NRW anschaue. Und ehrlich gesagt, gibt es da auch ein paar Leute, bei denen ich froh bin, dass sie eine Maske tragen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_40735\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 455px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40735\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Markus-Nadine-Dilly-2-2-934x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"488\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Markus Krebs nimmt sich selbst gern auf die Schippe: &#8222;Ich bin kein Brad Pitt&#8220; &#8211; \u00a9 Nadine Dilly<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie sind seit Jahren erfolgreich: K\u00f6nnen Sie sich eigentlich noch an Ihren allerersten Auftritt erinnern?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Sehr gut sogar. Mein erster Auftritt war reiner Zufall. Mein Bruder hat 2008 den &#8222;Niederrheinischen Comedy-Preis&#8220; in der Dinslakener Kult-Kneipe &#8222;Ulcus&#8220; veranstaltet. Und ich stand an der Kasse. Dann ist ein Bewerber ausgefallen, n\u00e4mlich der Moses W. aus Essen. Mein Bruder hat dann gesagt: &#8218;Markus, spring doch ein und erz\u00e4hl ein paar Witzkes.&#8216; Ich habe das dann auch wirklich gemacht und zu meiner eigenen \u00dcberraschung das ganze Ding sogar gewonnen. Und da habe ich mir gesagt, wenn den Leuten das gef\u00e4llt, dann bleibe ich dabei. Als ich dann zwei Jahre sp\u00e4ter den RTL-&#8222;Comedy-Grand-Prix&#8220; gewonnen habe, ging die Post richtig ab. Seitdem bin ich pausenlos unterwegs. Meine Katzen siezen mich schon.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie entstehen Ihre Programme, in denen Sie auch immer neue Witze pr\u00e4sentieren?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Die Witze kommen eigentlich immer ganz zum Schlu\u00df als &#8218;Top five&#8216; oder &#8218;Top ten&#8216;. Ich bin ein guter Zuh\u00f6rer und drehe mir die Spr\u00fcche und Redewendung, die mir zu Ohren kommen so, wie ich das haben will. Ich bin ein bisschen Panne und ich denke auch so. Oftmals verdrehe ich den Sinn eines Satzes oder Begriffs einfach nur. Ein Beispiel: Aus einer 14 Tage-Reise f\u00fcr 2 Personen mache ich einfach eine 2-Tage-Reise f\u00fcr 14 Personen. Und schon lachen die Leute. Das habe ich fr\u00fcher in der Schule schon gemacht. Damals wurde ich daf\u00fcr aus der Klasse geworfen, heute verdiene ich damit mein Geld.&#8220;<\/p>\n<p><b>Ds: Wie schwer f\u00e4llt es Ihnen, immer wieder neue lustige Storys und Pointen zu finden?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Das ist unterschiedlich! Manchmal schreibe ich ein ganzes Programm innerhalb von zwei Tagen und f\u00fclle damit dann 90 Minuten. Es kommt immer darauf an, welchen Flow ich gerade habe. Ich schaue beispielsweise in meinen Garten und \u00fcberlege mir, was k\u00f6nnte jetzt in diesem Garten passieren. Dann fallen mir vielleicht 15 S\u00e4tze ein und einer davon ist ein Knaller. Das sch\u00f6ne an meinem Job ist, dass man nicht mehr mit Sorgen und schlechten Gedanken einschl\u00e4ft. Man kann sich alles sch\u00f6n reden. \u00dcber Corona mach eich keine Witze, weil daran Leute sterben. Keine Botschaft, keine Religion, keine Politik. Die Leute sollen einfach unbeschwert zwei Stunden lachen und Spa\u00df haben.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Das Thema Sex spielt ja bei Ihnen eine gro\u00dfe Rolle. Woran liegt es, dass die vielen Frauen in Ihrer Show selbst \u00fcber die schl\u00fcpfrigsten Witze herzhaft lachen, aber die Damen die Nase r\u00fcmpfen und sogar Sexismus unterstellen, wenn man dieselben Witze im privaten Kreis erz\u00e4hlt?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Vielleicht bin ich ja charmanter (lacht). Es gibt da einen Trick: Ich lege dannn die Pointe einfach einem anderen in den Mund. Wenn ein Witz oder eine Anekdote etwas h\u00e4rter ist, dann sage ich einfach: Das ist ein Typ, der hat das und das erz\u00e4hlt. Und dann war ich ja nicht der Schlimme.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Auch Ihre vermeintlichen Lebengef\u00e4hrtinnen, Freunde und Kumpel sind immer wieder Protagonisten in den lustigen Geschichten, die Sie auf der B\u00fchne erz\u00e4hlen. Wie autobiografisch sind Ihr Programme wirklich?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Die Typen, die in meinen Programmen auftauchen, existieren fast alle. Ich gebe denen nat\u00fcrlich andere Namen. Wenn ich \u00fcber meine Ex-Frau rede, dann weiss sie, dass Vieles davon wahr ist. Sie ist aber auch die beste Freundin meiner jetzigen Lebensgef\u00e4hrtin, deswegen nimmt sie mir das nicht krumm. Mir war immer wichtig, mit meinen Partnerinnen freundschaftlich auseinander zu gehen. Und es sind auch keine Kinder da. Deshalb kann ich eigentlich erz\u00e4hlen, was ich will. Was ich quasi verrate, ist ja nie verletzend. Und au\u00dferdem mache ich mich auch \u00fcber mich selbst lustig.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_40736\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 448px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40736\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/markus-Krebs-3683-credit-Nadine-Dilly-894x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"502\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Comedy-Star Markus Krebs &#8211; \u00a9 Nadine Dilly<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie thematisieren in Ihren Programmen s\u00e4mtliche menschliche Schw\u00e4chen, sowie k\u00f6rperliche und geistige Gebrechen. Sie stellten sie selbst aber nicht als Hero dar und schonen sich nicht. Haben Sie dadurch buchst\u00e4blich mehr Narrenfreiheit auf der B\u00fchne?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Ich schaue nicht von oben herab, schon allein, weil ich so aussehe wie ich aussehe. Ich bin nun einmal kein Brad Pitt, sondern eher ein Prickel Pitt. Ich habe \u00fcberhaupt keinen Grund, arrogant zu sein. Ich trage mein B\u00e4uchlein vor mir her. Fr\u00fcher hat man immer gesagt: Ein Arbeitsloser braucht ein Dach \u00fcber dem Kopf. Und es kommt auch vor, dass mir auf der B\u00fchne Versprecher unterlaufen. Das nehme ich ganz locker. Ich schreibe sie mir sogar auf und erz\u00e4hle sie beim n\u00e4chsten Auftritt auf der B\u00fchne. Ich habe einmal aus Versehen gesagt: &#8218;Meine Frau wartet hinten mit laufendem Motor und mein Auto steht auf der anderen Seite&#8216;. So etwas finde ich einfach lustig. So bin ich eben, aber das kann auch nerven.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wo ist bei Ihnen die Grenze, bei der Sie sagen, das is ein &#8222;no go&#8220; &#8211; diese Grenze \u00fcberschreite ich nicht?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;In meinen Programmen gibt es keine Politk und auch keine Religon. Da findet man sowieso keinen Konsenz. Ich bin auch kein Mitglied irgendeiner Partei. Bei der SPD finde ich das gut, bei der CDU dies und bei der FDP jenes. Ich bin da neutral wie die Schweiz. \u00dcber Religion macht man sich einfach nicht lustig. Jeder muss f\u00fcr sich seinen Glauben finden und seine pers\u00f6nliche \u00dcberzeugungen haben. Jegliche Art von Extremismus hat bei mir keinen Platz.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Cindy aus Marzahn und Atze Schr\u00f6der sind reine Kunstfiguren, Sie treten zwar unter Ihrem b\u00fcrgerlichen Namen auf, sind aber ein vollkommen anderer Mensch, wenn Sie M\u00fctze und Sonnenbrille abnehmen. Ist der Markus Krebs, der auf der B\u00fchne steht, nicht doch im weitesten Sinne eine Kunstfigur?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Nein, ich bin immer authentisch. Im Leben und auch auf der B\u00fchne. Mein B\u00fchnen-Outfit ist durch puren Zufall entstanden. Ich hatte als Kind Mumps. Und diese Infektionskrankheit ist mir auf die Augen geschlagen. Ich hatte einen sehr starken Strabismus. Auf deutsch: Ich habe mit dem rechten Auge geschielt. Und bei meinem ersten Auftritt in Dinslaken habe mir gesagt: So gehe ich nicht auf die B\u00fchne, sonst denkt die rechte Seite noch, ich rede nur mit denen. Deshalb habe ich meine Sonnenbrille aufgesetzt. Und da es November und kalt war, hatte ich eine Wollm\u00fctze mit dem Aufdruck &#8218;Ruhrpott&#8216; dabei. Die habe ich aufgesetzt. Obwohl ich gar nicht bewusst nerv\u00f6s war, hat mein rechtes Knie gezittert. Deshalb habe ich mich auf einen Barhocker gesetzt. So wie ich es heute oft tue. Also alles reiner Zufall. Da hat sich kein Typenberater Gedanken gemacht, wie man mich als Comedian am plakativsten verkaufen k\u00f6nnte.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Also sind Sie auch im Erfolg authentisch geblieben?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Ja klar. Ich war bei meinem ersten Auftritt schon 39 Jahre alt. Und mit 41 Jahren habe ich den Comedy-Grand-Prix gewonnern. Mich macht keiner mehr verr\u00fcckt. Ich habe schon einiges gesehen und viel erlebt. Anders, als wenn jemand mit gerade einmal 20 Jahren DSDS gewinnt und dann von irgendeinem Manager gesagt bekommen: &#8218;Du bist jetzt ein Star, Du musst keine Lehre mehr machen.&#8220; Und dann haben sie vielleicht einen Hit und sind nach14 Tagen schon wieder weg vom Fenster. Das ist gef\u00e4hrlich. Ich mache mein Ding und wenn ich selbst keinen Erfolg mehr auf der B\u00fchne habe, kann ich immer noch f\u00fcr andere Kollegen Sketche schreiben. Und au\u00dferdem habe ich noch andere M\u00f6glichkeiten. Das funktioniert aber nur, wenn schon etwas in seinem Leben erlebt hast. Und dieser Fundus liefert mir ich auch meine Geschichten.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wenn Sie ein neues Programm haben, gehen Sie damit auf Tournee und meistens wird es dann ja auch im Fernsehen pr\u00e4sentiert. Ist das dann im TV ein weichgesp\u00fclte Fassung ohne derbe Witze?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Mein Programm ist immer gleich, egal ob ich es in einer Halle oder im Fersehen pr\u00e4sentiere. Der einzige Unterschied: Wenn ich monatelang auf Tournee bin, fallen mir zwischendurch immer wieder mal neue, gute Gags ein. Diese baue ich dann auch in die Show ein. Das macht mir einen Riesenspass und das brauche ich auch. Ich freue mich immer total, wenn die Leute so richtig ablachen. Manche habe ja eine Lache, die m\u00fcsste man mit auf Tournee nehmen.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_40739\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 412px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40739\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pressefoto_Markus_Krebs__2018-6Manuel-Dorn-2-956x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"402\" height=\"431\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Mal gespielt ernst: Markus Krebs &#8211; \u00a9 Manuel Dorn<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Es hat sich viel getan, was Gender-Wahn und Antirassismus-Hysterie angeht. Das Gender-Sternchen ist auf dem Vormarsch. Neger, Zigeuner steht schon lange auf dem Index, Indianer darf man jetzt auch nicht mehr sagen. Wie wird sich diese neue Art der &#8222;political correctness&#8220; auf Ihr Programm auswirken?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;\u00dcberhaupt nicht! Ich darf ja sagen, was andere nicht sagen d\u00fcrfen. Das ist das Privileg eines Comedian oder eines Kaberettisten. Ich sehe in der ganzen Gender-Diskussion auch keinen Sinn. Es gibt wichtige Themen und das ist<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>kein wichtiges Thema. Die sollen etwas gegen Krankheiten wie Corona erfinden, das ist f\u00fcr mich wichtig. Solange niemand beleidigt wird oder Begriffe als Schimpfworte benutzt werden, ist das v\u00f6llig uninteressant. Nur in Deutschland wird \u00fcber ein Thema wie die Gendersprache \u00fcberhaupt diskutiert.&#8220;<\/p>\n<p>D<b>S: Wie geht es nach Corona im Konzert- und Comedy-Bereich. Weiter? Alle ausgefallenen Shows k\u00f6nnen gar nicht nachgeholt werden. Daf\u00fcr gibt es nicht genug Termine und nicht genug Publikum. Besteht nicht die Gefahr, dass jetzt der Konkurrenzkampf gr\u00f6\u00dfer wird und so macher Comedian auf der Strecke bleibt?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Die Gefahr besteht. Es ist wichtig, dass es Mix-Shows wie &#8222;Nightwash&#8220; wieder im TV gibt, in denen ich auch meine ersten Erfahrungen gesammelt habe. F\u00fcr die Comedians, die 100 &#8211; 150 Leute ziehen, muss es eine Plattform geben. Im Fernsehen existiert aktuell ausser dem &#8222;Quatsch Comedy Club&#8220; keine reine Comedy-Sendung mehr. Und der l\u00e4uft beim Bezahlsender Sky, den nicht jeder empfangen kann. Und das ist ein gro\u00dfer Fehler: Wo sonst sollen Newcomer auf sich aufmerksam machen?&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie gelten wie Hape Kerkeling als gro\u00dfer Katzen-Fan?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Stimmt! Ich habe drei Katzen Spencer, K\u00f6pi und Micky. Die d\u00fcrfen nur nicht ins Wohnzimmer, weil ich dort arbeite und weil Micky gerne mal etwas runterschmeisst. Ansonsten sind sie im ganzen Haus unterwegs. Sie haben sogar ihr eigenes Zimmer oben. Das war eigentlich einmal als G\u00e4stezimmer gedacht. Die Katzenn f\u00fchlen sich pudelwohl. Ich bin zwar viel unterwegs und habe ja auch die Kneipe &#8222;Zum Hocker&#8220; aufgemacht. Aber wenn ich nicht da bin, k\u00fcmmern sich Nachbarn liebevoll um mein Katzen-Trio. Das ist alles super organisiert. Spencer, K\u00f6pi und Micky sind total entspannt. Ich probiere manchmal auch ein Programm vor ihnen aus. Ihre Blicke sind dann echt radikal.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was macht Sie zum Katzen-Liebhaber?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Katzen haben einen eigenen Kopf und den habe ich auch. Wenn ich irgendwas nicht will, dann mache ich das auch nicht. Ich mag zwar auch Hunde. Aber das ist in meinem Beruf zu kompliziert. Sie sind ja auch nicht in jedem Hotel willkommen. Meine Katzen sind v\u00f6llig pflegeleicht und selbst\u00e4ndig. Sie kommen, wenn sie Bock darauf haben, von selbst. Ich wohne ja bei ihnen, nicht etwa sie bei mir. So sehen es jedenfalls die Katzen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Last but not least: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Wuppertal?<\/b><\/p>\n<p>Markus Krebs: &#8222;Als Fan des MSV war \u00f6fter bei Spielen des WSV. Da gab es im Stadion noch die alte Radrennbahn. Da habe ich so manchen runterpurzeln sehen, weil er eine Fahne aufh\u00e4ngen wollte. Dann f\u00e4llt mir nat\u00fcrlich der Elefant Tuffi ein, der aus der Schwebebahn geh\u00fcpft ist. Und dann sind das Haus der Jugend und die Historische Stadthalle geile Locations, da trete ich immer wieder gerne auf.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen Dank f\u00fcr das interesante, offene und unterhaltsame Gespr\u00e4ch<\/b><\/p>\n<p><b>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"autor-vita\">\n<div id=\"attachment_40729\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 342px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40729\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Markus-Krebs_matthias.kPhotography-0016-2.jpg\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"335\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Immer gut gelaunt: Markus Krebs &#8211; \u00a9 Foto: www.matthiask.net<\/span><\/div>\n<h4>VITA MARKUS KREBS<\/h4>\n<p>Markus Krebs wurde am 26.07.1970 in Duisburg-Neudorf geboren.\u00a0Er ist gelernter Gro\u00df- und Au\u00dfenhandelskaufmann und arbeitete u.a als Vize-Baumarktleiter und in der Gastromie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zur Comedy fand er erst im Alter von 39 Jahren, als er 2008 als absoluter Newcomer in Dinslaken v\u00f6llig \u00fcberraschend den &#8222;Niederrheinischen Comedy-Preis&#8220; gewann. Er war f\u00fcr einen angek\u00fcndigten Bewerber eingesprungen, der nicht erschien.<\/p>\n<p>2011 siegte Markus Krebs bei der ersten Ausgabe des RTL-Formates &#8222;Comedy Grand Prix&#8220;. Von da an ging es mit seiner Karriere steil bergauf.<\/p>\n<p>Es folgten u.a TV- und Rundfunk-Auftritte bei B\u00fclent Ceylan, WDR, &#8222;TV total&#8220;, &#8222;Cindy aus Marzahn&#8220;, &#8222;Str\u00e4ters M\u00e4nnerhaushalt&#8220;, &#8222;Tietjen&#8220;, &#8222;Hirschhausen&#8220; und &#8222;Genial daneben&#8220;.<\/p>\n<p>Seine erste Solo-Tour startete er 2012 mit dem Programm &#8222;Literatur unter Bet\u00e4ubung&#8220;. Mit &#8222;Hocker Rocker&#8220; (2014), seinem zweiten Programm, war er dann auch in \u00d6sterreich und der Schweiz unterwegs.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sein drittes Soloprogramm &#8222;Permanent Panne&#8220; (2017) wurde auch vom TV-Sender RTL ausgestrahlt. Seit Februar 2019 tourt Markus Krebs &#8211; unterbrochen von langen Corona-Zwangspause &#8211; mit &#8222;Pass auf&#8230; kenste den?!&#8220; durch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>den deutschsprachigen Raum.<\/p>\n<p>An der Seite von Dart-Profi Gary Anderson nahm Markus Krebs 2019 an der Promi-Darts-WM teil. Au\u00dferdem war er Gast in den TV-Sendungen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>&#8222;Gefragt &#8211; Gejagt&#8220; (ARD), &#8222;Grill den Henssler&#8220; (VOX) und &#8222;Wer wei\u00df denn sowas?&#8220; (ARD).<\/p>\n<p>Seit 2020 hat Markus Krebs auch seinen eigenen Podcast: &#8222;Comedykation&#8220;. In seinem Podcast, der u.a. bei YouTube oder Spotify abrufbar ist, trifft er Kollegen und andere Promis f\u00fcr ein lockeres Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Markus Krebs engagiert sich sozial und setzt sich u.a. f\u00fcr die Siftung &#8222;Rolli-Rockers-Spr\u00f6sslige e.V.&#8220; ein, die sich um kranke Kinder k\u00fcmmert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Comedian ist engagierter Anh\u00e4nger des Fu\u00dfball-Drittligisten MSV Duisburg. Er ist au\u00dferdem unter die Gastronomen gegangen und f\u00fchrt in Duisburg (Vor dem Tore &#8211; 47279 Duisburg) die Kult-Kneipe &#8222;Zum Hocker&#8220;.<\/p>\n<p>Webseiten: www.markuskrebs.com &#8211; www.zumhocker.chayns.net<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fans rennen ihm die Bude ein. Markus Krebs (51) f\u00fcllt spielend die gr\u00f6\u00dften Hallen. Wenn der Comedian mit der Ruhrpott-Wollm\u00fctze und der Sonnenbrille auf seinem Hocker Platz nimmt, sind zwei Stunden lachen und Schenkelklopfen garantiert. Doch eigentlich ist Markus Krebs ein Sp\u00e4tberufener und seine Bilderbuch-Karriere ein reines Zufalls-Produkt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-40724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-16 21:29:49","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40724"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40724\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83855,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40724\/revisions\/83855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}