{"id":40618,"date":"2021-08-25T11:58:33","date_gmt":"2021-08-25T09:58:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=40618"},"modified":"2021-08-25T11:58:33","modified_gmt":"2021-08-25T09:58:33","slug":"der-deutschen-politik-fehlt-es-an-einer-fehlerkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/08\/25\/der-deutschen-politik-fehlt-es-an-einer-fehlerkultur\/","title":{"rendered":"Der deutschen Politik fehlt\u00a0es an einer Fehlerkultur"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_40621\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40621\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_6536-2-1024x664.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"664\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Teilnehmer beim Parlamentarischen Abend. (V.l.) Michael Wenge (IHK), Frederick K\u00fchne (AfD), Manfred Todtenhausen (FDP), Thorsten Kabitz (Moderator), Heiner Pasch (IHK-Pr\u00e4sident), Helge Lindh (SPD), Anja Liebert (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) Till S\u00f6rrensen-Siebel (Die Linke), Dario Vaupel (Wirtschaftsjunioren) und J\u00fcrgen Hardt (CDU) &#8211; \u00a9 Siegfried J\u00e4hne<\/span><\/div>\n<p>Die Absicht der IHK-Veranstaltung, direkt bei den Kandidatinnen und Kandidaten der im Bundestag vertretenden Parteien \u00fcber deren Ziele zu informierten. Thorsten Kabitz, Chefredakteur von Radio RSG, sorgte mit seiner zweist\u00fcndigen Befragung f\u00fcr einen themenreichen, kurzweiligen aber auch entspannten Abend.<\/p>\n<p>Verlief der Wahlkampf bisher eher erstaunlich ruhig, so fehlte es auch im &#8222;Plenarsaal der IHK&#8220; \u00fcber den sattsam bekannten Gegens\u00e4tzen hinaus, meist an wirklich kontroversen Themen oder gar erhellenden Hintergr\u00fcnden und Neuigkeiten.<\/p>\n<p>Der Focus lag in erster Linie bei wirtschaftlichen Themen des Kammerbezirkes. Obwohl das Podium mit dem au\u00dfenpolitischen Sprecher der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion J\u00fcrgen Hardt (58) prominent besetzt, blieben Nachfragen zu der hochaktuellen Afghanistanpolitik au\u00dfen vor.<\/p>\n<p>Nachdem das Thema Umwelt inzwischen von allen Parteien besetzt &#8211; wenn auch unterschiedlich ausgepr\u00e4gt &#8211; versuchte J\u00fcrgen Hardt (CDU) immerhin den globalen Zusammenhang zum Weltklima herzustellen. \u201eErreichbare Erfolge werden wir erst haben, wenn es uns gelingt, der gesamten Welt neue Technologien anzubieten, die alles einbeziehen\u201c. Da liege der Hebel.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>\u201eEin Leben ohne Auto denkbar\u201c<\/h4>\n<p>Unterschiedliche Positionen wurden naturgem\u00e4\u00df in der Verkehrspolitik sichtbar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>Als J\u00fcrgen Hardt seine t\u00e4gliche Reiseroute nach Berlin mit Auto oder Bahn beschrieb, beklagte er fehlende Digitalisierung in Wuppertal und ein schleppendes Tempo beim ICE.<\/p>\n<p>Das brachte ihm sogleich den Konter der Verantwortlichkeit seiner eigenen Regierungspartei ein. W\u00e4hrend Anja Liebert (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) ihr erfolgreiches Leben ohne Auto beschrieb und ein v\u00f6lliges Umdenken auch bei den Planungen neuer Verkehrswege forderte, sah Manfred Todtenhausen\u00a0(FDP) seinen erfolgreichen Weg mit neuartigem Hybridantrieb als gangbaren Weg. \u201eWarum soll ich mit einem Elektro-Auto nicht 130 kmh fahren?\u201c<\/p>\n<p>Der 25j\u00e4hrige Till S\u00f6rensen-Siebel (Die Linke) pl\u00e4dierte, obwohl selbst Pkw-Besitzer, f\u00fcr ein kostenfreies \u00d6NPV-Ticket. Der Bus m\u00fcsse Vorrang haben. Helge Lindh (SPD) zum Thema autofreie Innenstadt: \u201eEs kommt darauf an, ob die Bev\u00f6lkerung es will. Man kann nicht gegen eine \u00fcbereinstimmende Mehrheit\u00a0arbeiten\u201c. Frederick K\u00fchne (AfD) sprach sich f\u00fcr die F\u00f6rderung des Homeoffice aus, um dem Verkehrsinfarkt zu begegnen.<\/p>\n<p>In der Wirtschaftspolitik war das aktuelle Versagen der \u201eLieferketten\u201c unserer lebenswichtigen Rohstoffe Thema. Die Globalisierung habe dazu gef\u00fchrt, dass wir im Zweifel nicht mal mehr die Grundversorgung mit Klopapier garantieren k\u00f6nnen (Till S\u00f6rensen-Siebel, Die Linke).<\/p>\n<h4>Schwere Fehler der deutschen Politik<\/h4>\n<p>Wenn China mit staatlichen Monopolen Druck aus\u00fcbe, m\u00fcsse Europa rebellieren, so J\u00fcrgen Hardt (CDU). Helge Lindh warnte indes vor einer D\u00e4monisierung und pl\u00e4dierte f\u00fcr eine au\u00dfenwirtschaftliche Strategie auf Augenh\u00f6he. Anja Liebert (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) pochte auf Nachhaltigkeit\u00a0bei den Rohstoffen.<\/p>\n<p>Frederick K\u00fchne (AfD) brachte eine Freihandelszone ins Gespr\u00e4ch, an der alle wichtigen Partner einbezogen werden m\u00fcssten, bei der man auch Russland nicht ausklammern d\u00fcrfe.<\/p>\n<div id=\"attachment_40623\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40623\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_6525-2-1024x655.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"655\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der IHK-Hauptsitz in Elberfeld &#8211; \u00a9 Siegfried J\u00e4hne<\/span><\/div>\n<p>Einigkeit bestand darin, dass in der deutschen Politik zuletzt schwere Fehler begangen wurden. So in der Corona-Politik ebenso wie in der Flutkatastrophe oder<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>in Afghanistan und im Wirecard-Skandal. Das Krisenmanagement<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>habe teilweise total versagt. \u201eNach der Katastrophe ist vor der Katastrophe&#8220;, meinte Manfred Todtenhausen und forderte eine gr\u00fcndliche Aufarbeitung.<\/p>\n<p>Er \u00e4rgerte sich dar\u00fcber, dass FDP-Vorschl\u00e4ge zuletzt immer erst abgelehnt wurden, um dann von anderen Parteien doch aufgegriffen zu werden. Hier kam es erstmal zu einer leichtem Kontroverse. Helge Lindh (SPD) nannte das eine L\u00fcge, das k\u00f6nne so nicht stimmen. Lindh aber fand es als eine gro\u00dfe Schwachstelle deutscher Politik, dass Fehler nicht als solche benannt w\u00fcrden, was erst recht zum Unmut in der Bev\u00f6lkerung f\u00fchre. Lindh: \u201eEs gibt in der deutschen Politik keine Fehlerkultur!\u201c<\/p>\n<h4>Schulpolitik &#8211; ein Fall f\u00fcr den Bund<\/h4>\n<p>F\u00fcr J\u00fcrgen Hardt war es wichtig, nicht nur die Schwachstellen, sondern auch das Positive der deutschen Politik zu benennen. 300 Mrd. f\u00fcr die Pandemie sei hilfreich und der richtige Weg. Vieles habe sich im Laufe der Jahre ge\u00e4ndert, man diskutiere inzwischen viel offener, wenn auch meist hinter verschlossenen T\u00fcren\u2026.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Einigkeit bei Thorsten Kabitz Impulsfrage nach der richtigen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Schulpolitik: \u201eBundeseben\u201c war die \u00fcbereinstimmende Antwort.<\/p>\n<p>Der eklatante<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Arbeitskr\u00e4ftemangel brachte die Einwanderungspolitik auf den Plan.\u00a0Mit Blick auf fehlende Arbeitskr\u00e4fte sprach sich Fredrick K\u00fchne (AfD) gegen eine Einwanderung in unsere Sozialsysteme, aber f\u00fcr eine gesteuerte Einwanderungspolitik aus. Man m\u00fcsse allerdings auch die Integration im Blick haben und forderte ein etwa vierj\u00e4hriges duales Bildungssystem, in dem das Fach Sprache eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen m\u00fcsse.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Zeitweise kam der Eindruck auf, man bereite sich bereits auf anstehende<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Koalitionsverhandlungen vor. So kam die Frage von Thorsten Kabitz an FDP-Mann<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Todtenhausen nicht von ungef\u00e4hr, ob man lieber mit der CDU oder mit der SPD koalieren w\u00fcrde. Dazu Todtenhausen: \u201eIn puncto Wirtschaft stimmen wir mit der<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>CDU eher \u00fcberein, in Sachen Soziales eher mit der SPD.&#8220;<\/p>\n<h4>Leben mit der \u201eTodesliste\u201c<\/h4>\n<p>Immerhin konnte der geneigte Zuh\u00f6rer etwas von den doch sehr unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten der Kandidaten und ihren politischen Schwerpunkten erfahren.<\/p>\n<p>Zwei Kandidaten durften \u00fcber ihre Liebe zu Wuppertal ausf\u00fchrlich berichten<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>und taten das auch \u00fcberschw\u00e4nglich: Helge Lindh und J\u00fcrgen Hardt. Helge Lindh zeigte sich scheinbar unbeeindruckt von den auf ihn gerichteten Angriffen, die ihn unter anderem auf einer \u201eTodesliste\u201c der sogenannten Querdenker sehen. Ich bin sehr daf\u00fcr, dass jeder seine Meinung hat und sie auch \u00e4u\u00dfert. Die Frage sei, wie er das tue und sprach von \u201eNetzhorden\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Wirtschaftsjunioren sprach ihr neugew\u00e4hlter Vorsitzender Dario Vaupel die gro\u00dfen Herausforderungen der Zukunft an und appellierte an das Auditorium, den Lebensraum kommender Generationen nicht zu zerst\u00f6ren. Besonders inkonsequent sei man bereits in der ausufernden Renten-und Steuerpolitik auf Kosten kommender Generationen.<\/p>\n<p>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Wenge bedankte sich mit besten W\u00fcnschen schlu\u00dfendlich bei allen Teilnehmern, nicht ohne zu erw\u00e4hnen, dass man mit allen anwesenden aktuellen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Bundestagsabgeordneten stets sehr gut zusammengearbeitet habe. Ob der Abend eine Entscheidungshilfe f\u00fcr die Wahlentscheidung liefern konnte, muss jeder f\u00fcr sich entscheiden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp sechs Wochen vor der Bundestagswahl sollte es nach den Worten von IHK-Pr\u00e4sident Henner Pasch eine \u201eEntscheidungshilfe\u201c sein. Die Bergische Industrie- und Handelskammer hatte zusammen mit den Wirtschaftsjunioren gestern zu ihrem \u201eParlamentarischen Abend\u201c geladen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-40618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-01 04:31:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40618"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40627,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40618\/revisions\/40627"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}