{"id":40222,"date":"2021-08-18T14:18:57","date_gmt":"2021-08-18T12:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=40222"},"modified":"2023-04-17T10:22:32","modified_gmt":"2023-04-17T08:22:32","slug":"helge-lindh-attacken-tun-weh-aber-ich-beuge-mich-ihnen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/08\/18\/helge-lindh-attacken-tun-weh-aber-ich-beuge-mich-ihnen-nicht\/","title":{"rendered":"Helge Lindh: Attacken tun weh, aber ich beuge mich Ihnen nicht"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_40233\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-40233\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Helge_Lindh_0633-2-1024x770.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"770\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh &#8211; der Politiker, der aus dem Rahmen f\u00e4llt &#8211; \u00a9 Christoph Busse<\/span><\/div>\n<p>Der geb\u00fcrtige Wuppertaler, der am 26. September auf seine Wiederwahl als SPD-Bundestagsabgeordneter hofft, ist ein Politiker, der auf die Menschen zugeht, sich f\u00fcr ihre Sorgen interessiert und der auch mit anpackt, wenn er das Gef\u00fchl hat, helfen zu m\u00fcssen. So bei der Flutkatastrophe im Juli.<\/p>\n<p>Aber auch Helge Lindh hat hautnah erlebt, dass Volksn\u00e4he ihre Schattenseiten hat. Dann n\u00e4mlich, wenn irgendwelche Zeitgenossen anonym im Internet K\u00fcbel weise H\u00e4me aussch\u00fctten, w\u00fcste Beschimpfungen &#8222;auskotzen&#8220; und die gute Tat oder das Zupacken in einer Notsituation als blo\u00dfe Selbstdarstellung oder sogar als Fake diffamieren wollen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die STADTZEITUNG hat sich mit Helge Lindh \u00fcber die Themen Volksn\u00e4he, t\u00e4gliche Arbeit als Politiker, die Bundestagswahl 2021 und vieles mehr unterhalten. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>DS:<\/b><b> <\/b><b>Die Parteien &#8211; mit Ausnahme der AfD &#8211; haben gelobt, einen fairen Bundestagswahlkampf zu f\u00fchren. Ist ihnen das aus Ihrer Sicht bisher auch gelungen?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die Frage ist eher, ob ihnen gelungen ist, \u00fcberhaupt Wahlkampf zu f\u00fchren. Alles in allem ist es fair, auch gegen manche Unkenrufe. In der Vergangenheit ging es zum Teil viel h\u00e4rter zur Sache. Polemik und guter Streit geh\u00f6ren dazu. Windelweiches Gef\u00e4llig-Sein oder die Methode &#8218;Von allem ein bisschen&#8216; oder reiner Moralismus ohne Praxis oder reines Weiter-So, all das ist nicht der Anfang, sondern das Ende von Politik. Ebenso wenig sind in die Herabw\u00fcrdigung der Person gehende Attacken Glanz, umso mehr jedoch Elend einer verarmten politischen Kultur. Ich w\u00fcnsche mir auch stattdessen eine noch klarere Profilierung der Spitzenkandidaturen mit Benennung der F\u00e4higkeiten, Unf\u00e4higkeiten und Leistungen. Die AfD und ihre rechtspopulistischen Resonanzr\u00e4ume wie auch manche reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte dar\u00fcber hinaus haben indes Unfairness, Niedertracht, Missgunst, Neid und Herabw\u00fcrdigung zur Methode gemacht.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: <\/b><b>Welche Lehren haben Sie aus Ihrem ersten Bundestagswahlkampf vor vier Jahren gezogen?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich bleibe mir treu. Das ist ein Prinzip, aber ich kann auch gar nichts anders. Somit kein Grund, darauf stolz zu sein. Meine Mobilnummer hatte ich vor der Wahl, ich habe sie damals im Wahlkampf plakatiert, ich hatte sie nach der Wahl und ich habe sie immer noch. Da zu sein und sich mit allen Konsequenzen zu stellen und dem Leben, das allzu oft Menschen belastet und bedr\u00fcckt, manchmal auch begeistert,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>auszusetzen, das ist mindestens so wichtig, wie f\u00fcr sinnvolle Gesetze und Ma\u00dfnahmenpakete zu k\u00e4mpfen. Ich halte nichts davon, zwischen Wahlkampf und allt\u00e4glicher politischer Arbeit fundamental zu unterscheiden oder sich gar deswegen zu verwandeln. Wahlkampf ist nicht Show oder Lifestyle, sondern fordert eine Art von Bekenntnis und Aufrichtigkeit.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_26466\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 940px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26466\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Lindh_Sea-Watch_IV_III.jpeg\" alt=\"\" width=\"930\" height=\"619\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh bei der Schiffstaufe in Kiel vor der &#8222;Sea-Watch 4&#8220; &#8211; \u00a9 B\u00fcro Helge Lindh<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Ihr aus dem Bundestag scheidender Parteifreund Sigmar Gabriel hat k\u00fcrzlich in einer Talk-Show erkl\u00e4rt, dass es nicht gut f\u00fcr die Politik sei, dass viele der heutigen Politiker-Generation direkt von der Schulbank oder der Uni in eine Polit-Karriere starten, ohne jemals einen normalen Beruf ausge\u00fcbt zu haben. Wie stehen Sie dazu?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;In einer restlos \u00fcberf\u00fcllten Veranstaltung in der CityKirche Elberfeld Ende August 2019 hat Sigmar Gabriel \u00fcber mich gesagt: \u201eHelge Lindh ist ein Politiker, von dem Sie nie den Satz h\u00f6ren werden: \u201aDas nehme ich mal mit.\u2018 Er hat eine klare Meinung, macht auch in der Fraktion den Mund auf, gef\u00e4llt nicht jedem, ist unbequem, verzichtet auf Allgemeinpl\u00e4tze und k\u00fcmmert sich ernsthaft.\u201c Die Beschreibung gefiel mir und ist Ansporn. Denn das ist aus meiner Sicht das Entscheidende. Sich auf Menschen, Probleme, Tr\u00e4ume in ganz unterschiedlichen Welten ganz praktisch einzulassen und die politische Wohlf\u00fchllandschaft zu verlassen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Das h\u00f6rt sich sehr sch\u00f6n an, aber wie meinen Sie das genau?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Aus meiner Sicht ist es dabei sekund\u00e4r, welchen beruflichen Hintergrund und welche Vita man hat. Ich sehe das sehr undogmatisch. Meine Eltern hatten beide nicht die M\u00f6glichkeit einer akademischen Ausbildung, ich selbst wurde universit\u00e4r sozialisiert und komme aus der Welt des Textes und der wissenschaftlichen Recherche. Aber ich verstehe Gabriels Sorge. Wir brauchen mehr Vielfalt und den Reichtum von Lebenserfahrung in der Politik. Geradlinige rein politiktrunkene Lebenswege von der Jugend und dortigen Gremien bis hin ins Parlament oder Ministerium ohne Br\u00fcche bergen die Gefahr des genormten Berufspolitikers, der nur noch seine eigene Sprache spricht.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Andere Politiker delegieren gern im Hintergrund, Sie aber pr\u00e4sentieren sich<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0als\u00a0<\/span>volksnaher, pragmatischer Politiker, der wie bei der j\u00fcngsten Flutkatastrophe sofort die Stiefel anzieht und mit anpackt. Was treibt Sie dabei an?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich habe als Mensch und als politisches Wesen es immer schon so gehandhabt, vor dem Bundestagsmandat und w\u00e4hrend des Bundestagsmandates. Ende 2014 \/ Anfang 2015 gr\u00fcndete ich noch Monate vor der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise die Initiative \u201eIn unserer Mitte\u201c, weil ich die Entwicklung in Sachen Flucht beobachtet und konkreten Handlungsbedarfs sah. Es geht \u00fcbrigens ums Anpacken und nicht um den sichtbaren Stiefel. Ein Gro\u00dfteil meiner Arbeit im Wahlkreis ist K\u00fcmmern, sehr viele Einzelf\u00e4lle eingeschlossen. Zu allen m\u00f6glichen Themen und Lebenslagen. Die Frage, ob es eine bundespolitische Relevanz gibt, stellt sich nicht. Ich bin Abgeordneter, direkt gew\u00e4hlt. Punkt. Ich sehe das nicht als Leistung oder Besonderheit, sondern als Pflicht und Auftrag. Zudem erf\u00fcllt mich das Anpacken mehr, als die Teilnahme an Sitzungen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS:<\/b><b> <\/b><b>Jeder, der Sie pers\u00f6nlich kennt, kauft Ihnen ab, dass Ihre handfeste Soforthilfe bei der Flutkatastrophe ernst gemeint und keine Selbstdarstellung in einem laufenden Wahlkampf war. Und dennoch gab es in den sozialen Medien auch H\u00e4me und abf\u00e4llige, beleidigende Kommentare. Wie gehen Sie damit um?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die H\u00e4me war choreografiert und beruhte auf der Absicht, gezielt eine digitale Hetzjagd loszutreten. Man suchte und sucht geradezu, wie man mich angreifen kann. Um die Katastrophe und die Opfer ging es den Meistern der H\u00e4me \u00fcberhaupt nicht. Der Umstand, dass ich den Betroffenen ganz praktisch und kontinuierlich beizustehen versuche, interessiert die digitale Meute nicht. Wahrheit st\u00f6rt nur. Ein im Sinne der hypernerv\u00f6sen Social Media und ihrer Bildwelten ungl\u00fcckliches, unvorteilhaftes Foto, auf dem ich eben keine Stiefel trug, sondern wie h\u00e4ufig wei\u00dfe Sneakers, war beispielsweise ein gefundenes Fressen. Solche Attacken der Abf\u00e4lligkeit versucht man zu ignorieren, doch sie \u00e4rgern einen schon, da mit Unwahrheiten und Blo\u00dfstellung gearbeitet wird. Dem will ich mich nicht beugen, geschweige denn mich rechtfertigen. Dennoch bleibt festzustellen: Ich bin in einer privilegierten Position, f\u00fcr die ich jeden Tag dankbar sein muss. Kein Grund zu jammern. Diejenigen, die es wirklich getroffen hat und die Aufmerksamkeit aufgrund des Verlust von ihren Liebsten oder ihrer Existenz oder ihres Hab und Guts verdienen, sind die Flutopfer.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_37977\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 915px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-37977\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/8e630b88-fda3-4d81-9445-4565a327df7d-2.jpg\" alt=\"\" width=\"905\" height=\"669\" \/><span class=\"wp-caption-text\">MdB Helge Lindh (2.v.r.) setzt sich seit Jahren f\u00fcr Ali Polat ein, der von Jugendlichen zum Pflegefall gepr\u00fcgelt wurde &#8211; \u00a9 Rosi Gundelbacher<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie weh tut es, so mi\u00dfverstanden zu werden?<\/strong><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Es tut teilweise weh, manchmal ist es so durchschaubar oder absurd, dass man unwillk\u00fcrlich lachen muss, manchmal wird man zornig ob der Boshaftigkeit, manchmal durchaus auch verletzt, wenn man etwa k\u00f6rperlich auf eine sehr unsch\u00f6ne Weise herabgew\u00fcrdigt wird. Aber es gibt keinen Grund f\u00fcr Larmoyanz, welche am Ende einen nur noch blockiert. Ich habe schon viele extrem aggressive Hatestorms erlebt, bedauerlicherweise ist es fast schon Routine, an die man sich aber nicht gew\u00f6hnen darf.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wer steckt Ihrer Meinung nach hinter den Attacken?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Aktuell l\u00e4sst sich rekonstruieren, wie ein ma\u00dfgeblicher Impuls von der Plattform \u201eTichys Einblick\u201c ausging, ca. 200 Social-Media-Accounts befeuerten dann gezielt die \u201eSchwarmintelligenz\u201c der Hasser und Hetzer. Wir haben es hier durchaus mit konzertierten Aktionen zu tun. Zuf\u00e4llig und naturw\u00fcchsig ist es eben nicht. Fortw\u00e4hrend \u00fcberlege ich, wie man noch kl\u00fcger offensiv mit dieser Hasskultur im Netz, die auch auf die Stra\u00dfe \u00fcberschwappt, umgehen kann. Die Muster sind zu analysieren, offenzulegen und zu benennen. Die Zeit der Ohnmacht muss vorbei sein. Wir brauchen im analogen wie im digitalen Alltag Information statt Desinformation, Argumentation statt Gebr\u00fcll.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Gibt es so etwas wie eine ganz gro\u00dfe Koalition unter Politikern, wenn es um schwere Beleidigungen und unfaire, willk\u00fcrliche Diffamierungen geht?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Diese ganz gro\u00dfe Koalition gibt es im Gro\u00dfen und Ganzen. Wir stehen zusammen, wenn es um die Verteidigung der Demokratie geht. \u00dcber weltanschauliche Lager hinweg zeigt sich in Bundestagsdebatten im Regelfall ein Schulterschluss, zumindest auf der Ebene des politischen Konsenses gegen Hasskultur und f\u00fcr das Grundgesetz. Dazu geh\u00f6rt manche Glanzstunde, in der endlich sichtbar wird, was in der Demokratie auf dem Spiel steht. Auch mancher gelegentliche Tiefpunkt, wenn kleinkarierte und taktische parteipolitische Gel\u00e4ndegewinne ausgerechnet diese Koalition f\u00fcr Menschenrechte und Spielregeln des Anstands unterlaufen. Was b\u00f6se Diffamierungen und Beleidigungen angeht, erf\u00e4hrt man immer wieder pers\u00f6nlichen Zuspruch, ausdr\u00fccklich auch aus den Reihen anderer Fraktionen. Allerdings k\u00f6nnten wir alle darin noch besser werden, sehr oft ist es doch Einzelk\u00e4mpfertum in den politischen \u00dcberlebensk\u00e4mpfen. Noch mehr Solidarit\u00e4t und vor allem auch verl\u00e4ssliche Strukturen, Ansprechpartner, Routinen der Unterst\u00fctzung t\u00e4ten uns gut. Das gilt erst recht auch f\u00fcr Betroffene au\u00dferhalb des politischen Betriebs.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Haben Sie eine Schmerzgrenze, an der Sie sagen, ich ziehe mich jetzt in mein Schneckenhaus zur\u00fcck und mache so Politik wie nicht wenige Ihrer Kolleginnen und Kollegen, die hinter ihrem Schreibtisch sitzen und ohne direkten Kontakt zu ihren W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern nur noch Pressemitteilungen per E-mail verschicken?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Die Beschr\u00e4nkung auf Schreibtisch, Pressemitteilung und Gremium ist nicht mein Verst\u00e4ndnis von Politik. Wo bleibt da die Neugier aufs Leben? B\u00fcrgern\u00e4he ist kein Zugest\u00e4ndnis und kein Akt der Gnade, B\u00fcrgern\u00e4he ist die Essenz von Politik. Ich kann gar nicht anders, ich bek\u00e4me sonst Magengeschw\u00fcre. Man muss doch die Stra\u00dfe sp\u00fcren. In welchem sonstigen Beruf hat man die Chance, eine solche Vielfalt der gesellschaftlichen Wirklichkeit kennenzulernen und zu beeinflussen? Anfangs- und Endpunkt von Politik ist der Mensch, das ist kein Pathos, das ist Fakt. Allzu oft \u00fcbersch\u00e4tzen wir selbst die Bedeutung von Politikerinnen und Politikern im Bewusstsein der Bev\u00f6lkerung, allzu oft untersch\u00e4tzen wir hingegen den Einfluss von politischen Entscheidungen auf Lebenswege, im Guten wie im B\u00f6sen.&#8220;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_19995\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 911px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19995\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/e2d0b8f33170fd51ed7b81462db8d787.jpg\" alt=\"Foto: SPD Wuppertal\" width=\"901\" height=\"448\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh unterh\u00e4lt sich mit einer pflegebed\u00fcrftigen Wuppertalerin &#8211; \u00a9 SPD Wuppertal<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Sie wollen also Ihren politischen Weg offensiv und volksnah wie bisher weitergehen, in dem Wissen, dass Sie Kritikern oder sogar Hassern nicht ausweichen k\u00f6nnen<\/b>?<\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich wehre mich dagegen, Politik light zu machen und mir eine Schmerzensgrenze verordnen zu lassen. Das hie\u00dfe Kapitulation. Damit w\u00e4re meine Freiheit als Abgeordneter beendet, und ich betriebe aus Selbstschutz nur noch Politik in der Komfortzone. Es w\u00e4re vermessen zu behaupten, es g\u00e4be niemals einen Punkt, an dem man sagt \u201eIch kann nicht mehr\u201c. Aber dann w\u00e4re es konsequent, Schluss zu machen. Arbeit im Schongang oder Konfliktvermeidung, um Schmerzen auszuweichen, k\u00e4me einer Selbstaufgabe gleich. Politik hei\u00dft f\u00fcr mich: Ich stelle mich!&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Welche Themen wollen Sie als Bundestagsabgeordneter f\u00fcr Wuppertal anpacken, wenn Sie wiedergew\u00e4hlt werden?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Ich bin willens, guten Mutes und voller Energie, die n\u00e4chste Legislatur f\u00fcr Wuppertal zu bestreiten. Dieses Selbstbewusstsein erw\u00e4chst daraus, dass ich eins bin mit dem, was ich tue und tun darf. Diese M\u00f6glichkeit haben mir die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler geschenkt, mit diesem Geschenk muss man verantwortungsbewusst umgehen und ohne kurzen Atem, sondern mit einer langfristigen Perspektive f\u00fcr die Stadt. Ich gehe aber von gar nichts aus, denn neben Mut, Entschlossenheit, Selbstbewusstsein ist die wesentliche Kardinaltugend Demut. Inhaltlich will und werde ich das fortschreiben, was ich begonnen habe, Lobbyist f\u00fcr Wuppertal, besser: f\u00fcr die Wuppertalerinnen und Wuppertaler zu sein, im Gro\u00dfen wie im Kleinen, vom Einzelfall \u00fcber das Projekt bis zur Gesetzgebung. Armutsbek\u00e4mpfung, Strukturwandel, innere Sicherheit, Arbeit der Zukunft, Digitalit\u00e4t mit all ihren Folgen und der fundamental wichtige Klimaschutz m\u00fcssen zusammen gedacht werden: Wir m\u00fcssen diese Fragen in dem Wuppertal, wie es nun einmal ist, kreativ angehen. Solar Decathlon, Sozialer Arbeitsmarkt, moderne Integrationspolitik auf Basis der Menschw\u00fcrde aller und die Innovationskraft von Automotive im Bergischen gehen da Hand in Hand, wenn man will \u2013 und ich will. Vom Toelleturm bis nach Oberbarmen. Nicht Entweder-oder, sondern Sowohl-als-auch. Die gro\u00dfe Verunsicherung in der Mitte der Gesellschaft kann nicht ausgesessen werden, das Versprechen \u201eAufstieg durch Leistung\u201c ist br\u00fcchig geworden und gilt heutzutage nur f\u00fcr einige. Diese gesellschaftlichen Br\u00fcche, Risse und Wunden sind Grund weder f\u00fcr Schweigen noch f\u00fcr Lamento, aber Grund genug, auf der Basis in diese Wunden reinzugehen und eine sozial moderne Gesellschaft zu bauen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Und wo will der MdB Helge Lindh in der Bundespolitik seine Spuren hinterlassen?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Es ist noch viel in meinen Berliner Arbeitsfeldern, insbesondere Innenpolitik, aber auch Kultur und Medien, zu tun. Kompromisslos werde ich weiter den Feinden der Demokratie die Stirn bieten m\u00fcssen, klar und un\u00fcberh\u00f6rbar in meinen Reden im Plenum des Bundestages, egal was es an \u00c4rger f\u00fcr mich kosten mag. Das und nur das ist alternativlos. Innenpolitik und damit die Frage der Sicherheit vor Ort m\u00fcssen raus aus dem Muff, statt ideologisierter Debatten oder Aktionismus ist pragmatische Kriminalpolitik im B\u00fcndnis mit der Bev\u00f6lkerung angesagt. Daran arbeite ich seit geraumer Zeit. Besonders wichtig ist mir indes eine neue Form von Politik und Beteiligung, die ich seit 2017 immer wieder erprobt und verstetigt habe. Als Sprecher habe ich im Bundestag federf\u00fchrend einen Beschluss zu B\u00fcrgerr\u00e4ten in meiner Fraktion erwirkt. Unl\u00e4ngst habe ich einen B\u00fcrgerbeirat initiiert, der mich in der kommenden Legislatur im Falle der Wiederwahl begleiten soll. Gemeinsam werden wir relevante, kontroverse Fragen f\u00fcr Wuppertal und f\u00fcr die ganze Republik mit gepflegter Streitkultur beraten und Ideen, Konzepte, Ma\u00dfnahmen &#8218;ausbaldowern&#8216;.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Diese Frage kann man Ihnen nicht ersparen: Wie geht die Bundestagswahl aus?<\/b><\/p>\n<p>Helge Lindh: &#8222;Tipps mag ich nicht. Vielleicht ist es Aberglaube, vielleicht aber auch das Gef\u00fchl, damit den Souver\u00e4n, also die W\u00e4hlerschaft, zu bevormunden. Ich m\u00f6chte das Direktmandat wieder gewinnen. Die Menschen wissen, was sie an mir haben und dass ich meinem Auftrag in Wuppertal und Berlin mit unmissverst\u00e4ndlicher Hartn\u00e4ckigkeit und offenem Visier, mit Lust zum Machen, Denken und Klartext nachgehe. Das biete ich an. Hinsichtlich Kanzlerschaft ist das Rennen offen. Olaf Scholz meinte es ernst, als er erkl\u00e4rte, er wolle Kanzler werden \u2013 und nicht nur werden, sondern vor allem sein und das Amt erf\u00fcllen, ohne Brimborium.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen Dank f\u00fcr das offene, interessante Gespr\u00e4ch<\/b><\/p>\n<p><b>Das Interview f\u00fchrte PETER PIONKE<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_40236\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 614px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40236\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Helge_Lindh_0123-2-1024x876.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"517\" \/><span class=\"wp-caption-text\">MdB Helge Lindh &#8211; \u00a9 Christoph Busse<\/span><\/div>\n<h4>VITA Helge Lindh<\/h4>\n<p>Helge Frederik Lindh wurde am 06.12.1976 im &#8222;Kapellchen&#8220; (St. Josef-Krankenhaus geboren).\u00a0Seine Mutter, die aus einer th\u00fcringischen Famalie stammt, kam als Fl\u00fcchtlingskind im Paderborner Stadtteil Sennelager zur Welt. Sein Vater war Finne, der nach Deutschland gekommen war, um hier zur arbeiten.<\/p>\n<p>Nach dem Besuch der Angelo-Roncalli-Grundschule und der st\u00e4dtischen Katholischen Grundschule Reichsgrafenstra\u00dfe machte Helge Lindh auf dem Wilhelm-D\u00f6rpfeld-Gymnasium sein Abitur.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend studierte er an der Universit\u00e4t L\u00fcneburg Angewandte Kulturwissenschaften, an der Universit\u00e4t Bielefeld Germanistik, Geschichte und<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Soziologie sowie zuletzt an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf\u00a0Neuere Deutsche Philologie, Germanistische Sprachwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte einschl. Landesgeschichte und Soziologie.<\/p>\n<p>Helge Lindh machte die Abschl\u00fcsse: Magister Artium (M.A.) Neuere Deutsche Philologie (HF), Germanistische Sprachwissenschaft (NF), Neuere und Neueste Geschichte einschl. Landesgeschichte (NF).<\/p>\n<p>Nach seinen Studien war er von 2012 bis 2017 f\u00fcr die SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Bialas, Josef Neumann und Dietmar Bell als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landtag NRW t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Helge Lindt ist seit 1999 Mitglied der SPD. Von 2010 &#8211; 2012 war er stellv. Vorsitzender der Jusos Wuppertal<\/p>\n<p>Seit 2012 amtiert er als Beauftragter Politische Bildung im Vorstand SPD Wuppertal &#8211; 2014 und 2016 wurde er in der Funktion wiedergew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Helge Lindt ist Mitglied in diversen kommunalen Aussch\u00fcssen und Kommissionen &#8211; u.a.\u00a0Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Wuppertal\u00a0und Mitglied der SGK-NRW-Projektgruppe \u201eFl\u00fcchtlinge und Zuwanderung\u201c.<\/p>\n<p>Der Politiker ist u.a. Mitglied in Vereinen, Verb\u00e4nden oder Organisationen wie AWO &#8211; IG Metall &#8211; Fl\u00fcchtlingshilfe Wuppertal-West e.V.\u00a0&#8211; F\u00f6rderverein Historisches Zentrum Wuppertal &#8211; Initiative Internationales Tanzzentrum Pina Bausch Wuppertal \u2013 Verein der Freunde und F\u00f6rderer &#8211; Sozialistische Jugend Deutschland \u2013 Die Falken &#8211; Thomas Mann Gesellschaft D\u00fcsseldorf &#8211; Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft &#8211; Initiative IN UNSERER MITTE &#8211; Friedrich-Spee-Akademie &#8211; Bergischer Geschichtsverein e.V.<\/p>\n<p>2017 wurde SPD-Politiker Helge Lindh f\u00fcr den Wahlkreis Wuppertal I in den 19. Deutschen Bundestag gew\u00e4hlt. Er tritt am 26.09.2021 zur Wiederwahl an.<\/p>\n<div id=\"attachment_30143\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30143\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/20190502_202311.jpg-HELGE-lINDH-1024x716.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"716\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Helge Lindh mit der Wuppertaler K\u00fcnstlerin Lore Duwe &#8211; \u00a9 Foto: B\u00fcro Helge Lindh<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten von Social Media brauchen Politiker ein dickes Fell und gro\u00dfe Nehmerqualit\u00e4ten. Besonders, wenn sie ganz bewusst so volksnah unterwegs sind wie Helge Lindh (44), der kein Politiker von der Stange ist und sogar seine Handynummer auf sein Wahlplakat drucken lie\u00df, als Zeichen daf\u00fcr, (fast) immer und \u00fcberall f\u00fcr seine W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler und f\u00fcr die B\u00fcrger, die er vertritt, erreichbar zu sein.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-40222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-21 16:55:46","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40222"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40243,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40222\/revisions\/40243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}