{"id":40122,"date":"2021-08-08T08:22:05","date_gmt":"2021-08-08T06:22:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=40122"},"modified":"2021-08-15T08:25:27","modified_gmt":"2021-08-15T06:25:27","slug":"edelmetalle-haben-eine-grosse-bedeutung-in-der-medizin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/08\/08\/edelmetalle-haben-eine-grosse-bedeutung-in-der-medizin\/","title":{"rendered":"\u201eEdelmetalle haben eine gro\u00dfe Bedeutung in der Medizin\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_40124\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-40124 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Transferstory_Prof._Fabian_Mohr-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Fabian Mohr &#8211; \u00a9 Foto Sebastian Jarych<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">In den Bergischen Transfergeschichten spricht er unter anderem \u00fcber Goldchemie, Silberbrandsalbe und zuk\u00fcnftige Therapieverfahren zur Behandlung von Tumoren und Gewebever\u00e4nderungen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28631\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">Prof. Mohr, dessen wissenschaftliche Laufbahn zun\u00e4chst die Stationen Australien, Kanada, USA und Spanien umfasst, ist seit 2014 Professor f\u00fcr Anorganische Chemie in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Naturwissenschaften. \u201eWir sind ja als Wissenschaftler neugierige Menschen, die Systeme verstehen wollen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Und bei Gold und Silber sei es besonders interessant, wenn Metallatome dieser beiden Systeme sehr nah aneinander k\u00e4men, denn dann entst\u00fcnden erstaunliche Effekte wie Lichterscheinungen oder eine ungew\u00f6hnliche Reaktivit\u00e4t. \u201eDie zweite Forschungsrichtung ist durchaus mehr anwendungsorientiert. Da geht es konkret darum, neue Medikamente zu entdecken.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gold und Silber w\u00fcrden schon lange bei verschiedenen Krebskrankheiten angewandt und auch so exotische Tropenkrankheiten wie Malaria lie\u00dfen sich damit durch ihre antibiotische Wirkung behandeln.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Thema der resistenten Bakterien, die gegen herk\u00f6mmliche Antibiotika resistent sind und die Arbeit in Krankenh\u00e4usern erschweren, fordern den Wissenschaftler heraus. \u201eDa ist es wichtig, neue Strukturen, neue Strukturmotive zu entwickeln, um diese resistenten Keime dann irgendwie t\u00f6ten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Ein Buch \u00fcber die wichtigsten Aspekte der Goldchemie<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Vor einigen Jahren erschien das Buch \u201eGold Chemistry\u201c, in dem Mohr als Herausgeber einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Aspekte der Goldchemie sowie aktuelle und zuk\u00fcnftige Anwendungen von Goldverbindungen in einer Vielzahl von Bereichen pr\u00e4sentiert. Ein Teil dieses Buches besch\u00e4ftigt sich dabei insbesondere mit den Anwendungsm\u00f6glichkeiten von Goldverbindungen als potenzielles Mittel gegen Arthritis, Tumore und HI-Viren in der Medizin.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eGold und Silber als Medikamente haben tats\u00e4chlich schon eine sehr, sehr lange Tradition\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eIm alten China hat man Goldpulver zum Wunddesinfizieren verwendet. Im europ\u00e4ischen Mittelalter kam als Allheilmittel das sogenannte Trinkgold (Aurum Potabile) auf den Markt, das, je nachdem wo man es erwarb, mal mehr oder auch mal gar kein Gold enthielt.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gold in Form eines Medikaments gegen Arthrose gebe es bereits seit den 70er Jahren und die antibakterielle Wirkung von Silber sei schon den alten R\u00f6mern bekannt gewesen. Auch heute nutze man diese Eigenschaft und verwende bei gro\u00dffl\u00e4chigen Verbrennungen verschiedene Silbersalze, um die Gefahr der Infektion zu reduzieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eSilberbrandsalbe haben viele Menschen zu Hause im Erste-Hilfe-Kasten. Von der Weltgesundheitsorganisation gibt es sogar eine Liste der sogenannten Essential Medicines, in der diese Silberverbindung, das Silbersulfadiazin, tats\u00e4chlich aufgenommen wurde.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In der Medizin nutzt man h\u00e4ufig sogenanntes kolloides Gold oder Silber. Dazu Mohr: \u201eEine kolloidale L\u00f6sung oder ein Kolloid selber muss man sich vorstellen, als eine Dispersion von ganz feinen Partikeln in einer Fl\u00fcssigkeit.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In den USA wurde fr\u00fcher kolloidales Gold erfolgreich zur Behandlung von Suchterkrankungen und Depressionen eingesetzt, da es aktivierend und harmonisierend auf das Dr\u00fcsensystem und die Lebensenergie wirkt und das Nervensystem beruhigt. Silberkolloid hingegen nutzte man mit Erfolg zur Bek\u00e4mpfung aller Arten von Erregern wie Pilzen und Bakterien.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Edelmetallanteile sind so fein, dass man auch von Nanosilber oder Nanogold spricht, weil ihr Anteil nur ein Milliardstel betr\u00e4gt. Die L\u00f6sungen sind meist transparent, f\u00fcr das Auge also nicht wahrnehmbar.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kolloidale sichtbare Formen gibt es aber auch, wei\u00df der Fachmann: \u201eMan kennt das vielleicht aus Rubinglas zu Hause. Rubinglas ist n\u00e4mlich nichts anderes als eine Dispersion von kolloidalem Gold, also feine Goldpartikel in einem Glas. Das gibt eine rote Farbe. Und je nachdem wie gro\u00df die Partikel sind, kann man dort von Hellrosa bis Dunkellila dieses Farbspektrum erzeugen. Das ist eine ganz charakteristische Eigenschaft von kleinen Teilchen, die Nanometergr\u00f6\u00dfenordnung haben.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Antibakterielle Wirkung von Silber<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Zwar sei die antibakterielle Wirkung von Silber schon lange bekannt, doch Mohr wei\u00df, dass auf diesem Gebiet immer noch viel geforscht wird. Ein wegweisendes Beispiel k\u00f6nnte in Zukunft die antibakterielle Beschichtung von Glastouchscreens sein. \u201eInnovative Forschungen besch\u00e4ftigten sich mit der Beschichtung durch Silbernanoteilchen\u201c, sagt er. \u201eDas Glas ist dann immer noch transparent, hat aber eine selbstdesinfizierende Oberfl\u00e4che.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Einsatzorte dieser neuen M\u00f6glichkeiten w\u00e4ren u. a. Geldautomaten, die sich durch die neue Beschichtung immer wieder selbstdesinfizierten. Und auch in der Werbung seien Stoffe mit Silberanteil immer wieder mal bei Shampoos oder Bekleidung ein Thema.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die keimt\u00f6tende Wirkung des Silbers zur Konservierung des Trinkwassers wurde auch schon zu Zeiten der alten R\u00f6mer praktiziert. \u201eDas Wasser, was in einem silbernen Krug aufbewahrt wurde, war keimfreier, als Wasser, was in Blech- oder Holzgef\u00e4\u00dfen lagerte. Und tats\u00e4chlich hat man in H\u00e4usern von reichen R\u00f6mern Silbergef\u00e4\u00dfe gefunden, wo Trinkwasser \u00fcber eine trockene Zeit gelagert wurde und dort frischer blieb.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Doch die Anwendung dieser Edelmetalle kann kostspielig sein. Ein Kilo Gold kostet heute umgerechnet 48.000 Euro, Silber ist im Kilopreis von ca. 700 Euro dagegen ein glattes Schn\u00e4ppchen. Auf die nutzbare Menge gesehen, gebe es jedoch heute Alternativen. \u201eDenn\u201c, so sagt Mohr, \u201eim Vergleich zu anderen Substanzen, die besonders im Pflanzenschutz gro\u00dffl\u00e4chig eingesetzt werden, sind die Kosten einfach viel zu hoch. Da gibt es andere Mittel, die wirtschaftlicher sind.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Goldtherapie<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">In den 1930er Jahren behandelte der franz\u00f6sische Arzt Jacques Forestier Patienten mit rheumatoider Arthritis erfolgreich mit Goldverbindungen. Die Goldtherapie war bis Ende der 1980er-Jahre bei starkem Rheuma das Mittel der Wahl. \u201eDas ist tats\u00e4chlich eines der am l\u00e4ngsten in Benutzung gewesenen goldbasierten Medikamente\u201c, erkl\u00e4rt Mohr, \u201evor allem das Auranofin, was unter anderem unter dem Namen Ridaura verkauft wurde, war sehr wirksam gegen Gelenkschmerzen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Aber Nebenwirkungen, vor allem im Magen-Darm-Bereich, bei langfristiger Einnahme f\u00fchrten zur Absetzung dieses Medikamentes. \u201eEs gibt aber wieder neue Studien, die zeigen, dass dieselbe Substanz auch gegen das HI-Virus aktiv ist.\u201c Forschungen in Brasilien, wo Aids nach wie vor stark vertreten ist, zeigten, dass diese Goldverbindungen helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auch Krebskrankheiten sind mit diesem Pr\u00e4parat zu behandeln. \u201eGanz neue Studien belegen gar eine Wirksamkeit gegen Covidviren\u201c, berichtet Mohr. Er mutma\u00dft: \u201eVielleicht wird dieses Medikament gegen eine andere Krankheit irgendwann wieder aus der Schublade geholt.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b><\/b>\u201eEdelmetalle, und nicht nur Gold und Silber, haben eine gro\u00dfe Bedeutung in der Medizin\u201c, sagt Mohr. \u201ePlatin wird auch in der Krebstherapie eingesetzt. Ein Platinmedikament hat viele Menschen von Krebs wirklich geheilt und da erhoffe man sich auch in Zukunft noch weitere Entwicklungen. Insbesondere von den Goldnanoteilchen verspricht man sich viel.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein zuk\u00fcnftiger Weg sei u. a. die Photodynamische Therapie, ein Verfahren zur Behandlung von Tumoren und Gewebever\u00e4nderungen in der Kombination von Licht mit einer lichtaktivierbaren Substanz.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eSolche Goldnanoteilchen, wenn sie mit Licht einer bestimmten Energie in Ber\u00fchrung kommen, entwickeln lokale W\u00e4rme. Das m\u00f6chte man ausnutzen, indem man zum Beispiel Krebspatienten diese nicht toxischen goldenen Nanoteilchen verabreicht und dann gezielt durch einen Lichtstrahl bestimmte Energie einzelner Organe oder Organteile ansteuern kann. Dort werden die Nanoteilchen hei\u00df, durch die Hitze werden die Krebszellen abget\u00f6tet und es kommt zu einem Heilungsprozess.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Fabian Mohrs Fazit ist dementsprechend klar: \u201eEs wird sich in diesem Bereich sicherlich in den n\u00e4chsten Jahren einiges tun und ich denke, dass Metalle in der Medizin immer mehr eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen werden, als sie das jetzt schon tun.\u201c<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Periodensystem der chemischen Elemente sind sie mit den Ordnungszahlen 47 und 79 gekennzeichnet: Silber und Gold. Wie vielf\u00e4ltig einsetzbar die beiden Edelmetalle sind, das wei\u00df Prof. Dr. Fabian Mohr, der in der Anorganischen Chemie der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal an ihrer medizinischen Wirkung forscht.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-40122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-22 12:39:15","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40122"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40125,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40122\/revisions\/40125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}