{"id":39475,"date":"2021-07-16T16:00:57","date_gmt":"2021-07-16T14:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=39475"},"modified":"2021-07-17T11:36:21","modified_gmt":"2021-07-17T09:36:21","slug":"jahr100wissen-der-traktor-der-wie-eine-bulldogge-aussieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/07\/16\/jahr100wissen-der-traktor-der-wie-eine-bulldogge-aussieht\/","title":{"rendered":"&#8218;Jahr100Wissen&#8216;: Der Traktor, der wie eine Bulldogge aussieht"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_39479\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 903px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-39479\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jahr100_Wissen_Lanz_Arens28.jpg\" alt=\"\" width=\"893\" height=\"670\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Lanz Bulldog 7506 aus dem Jahr 1935 &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><b>Auf der Leipziger Landwirtschaftsausstellung 1921 stellte die Firma Heinrich Lanz Mannheim den Prototyp eines 12-PS-Roh\u00f6lschleppers mit Gl\u00fchkopfmotor vor: den Lanz HL, entwickelt von Fritz Huber. Diese Pr\u00e4sentation gilt als Geburtsstunde des Traktors. Was machte das im Aussehen an eine Bulldogge erinnernde Fahrzeug, das den Namen Lanz-Bulldog erhielt, so besonders?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Die eigent\u00fcmliche Form des freiliegenden Zylinders und des Gl\u00fchkopfes erinnerte mit seinen beiden augen\u00e4hnlichen Entl\u00fcftungsl\u00f6chern entfernt an das Aussehen des Kopfes einer Bulldogge. Diesen so entstandenen Namen behielten auch alle k\u00fcnftigen Traktoren von Lanz als Markenname. Aber die dort vorgestellte Technik revolutionierte die Landwirtschaft, da alle bisherigen Landmaschinen riesige unhandliche Unget\u00fcme (Lokomobile) waren und mit aufw\u00e4ndig erzeugtem Wasserdampf angetrieben wurden. Der Wechsel von Wasserdampf auf Verbrennungsmotoren mit einfachster, robuster Technik im handlichen Format, erleichterte und verbilligte den Landwirten die Arbeit. Dieser einzylindrige Gl\u00fchkopfmotor mit 6220 ccm Hubraum wurde auf ein Fahrgestell montiert und war somit eine selbstfahrende und lenkbare Maschine, die \u2013 einmal angeworfen \u2013 den ganzen Tag lief und sehr flexibel eingesetzt werden konnte.&#8220;<\/p>\n<p><b>Eine Besonderheit des Lanz HL \u2013 HL steht f\u00fcr Dr. Fritz Huber\/Lanz \u2013 war der sogenannte Vielstoffmotor. Was ist das?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Der selbstz\u00fcndende Gl\u00fchkopfmotor war ein Allesbrenner, der jegliche Art von brennbaren und fl\u00fcssigen Kraftstoffen (Schwer\u00f6l, Teer\u00f6l, Pflanzen\u00f6l, Fette \u2026) verbrannte und in Bewegungsenergie umsetzte. Die gro\u00dfe Schwungmasse des liegenden Zylinders mit viel Hubraum \u2013 \u201eEin Motor f\u00fcr Landwirtschaft kann nicht einzylindrig genug sein\u201c, Dr. Fritz Huber \u2013 brachte jeden brennbaren Stoff zur Selbstz\u00fcndung. Das war gerade in Zeiten der Benzin- und Dieselknappheit nach dem 1. Weltkrieg wichtig.&#8220;<\/p>\n<p><b>Der Motor des HL kam auch bei anderen Fahrzeugen wie Lokomotiven und Luftschiffen zum Einsatz. Traute man dem neuen Traktor einen langfristigen Erfolg noch nicht zu?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Im Gegenteil, dieser neue Traktor konnte schleppen, ziehen und antreiben. Das machte ihn schnell zum Universalger\u00e4t auf den Bauernh\u00f6fen. Die Gl\u00fchkopftechnik wurde verbessert und weiterentwickelt, bis sie in den 50er Jahren nicht mehr dem Stand der Technik entsprach und die Heinrich Lanz Werke 1960 von John-Deere \u00fcbernommen wurde. Bis dahin wurden ca. 220 000 Bulldogs verkauft. Der Name Heinrich Lanz steht heute noch f\u00fcr eine gro\u00dfe, unvergessene Technik. In den Anf\u00e4ngen des Gl\u00fchkopfmotors wurden nat\u00fcrlich viele Experimente f\u00fcr unterschiedliche Fahrzeuge gemacht. Der Gl\u00fckopfmotor wurde auf Schienen als Feldbahn Motorwagen benutzt. Nach dem Tod von Heinrich Lanz 1905, baute sein Bruder Dr. Karl Lanz, der die Firma weiterf\u00fchrte, in fr\u00fchen Zeiten, 1911 bis 1919, zusammen mit Prof. Johann Sch\u00fctte auch ca. 500 Luftschiffe und Bomber f\u00fcr den 2. Weltkrieg.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_39478\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 901px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-39478\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Jahr100Wissen_Hermann_Arens.jpg\" alt=\"\" width=\"891\" height=\"595\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Hermann Arens &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p><b>Der Traktor wurde sowohl mit Eisenr\u00e4dern als auch mit Hartgummireifen angeboten. Warum war das wichtig?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Zu Zeiten als es noch keine Luftbereifung gab (bis Anfang der 30er Jahre) wurde zwischen Eisenbereifung und Vollgummibereifung unterschieden. Die Eisenbereifung war f\u00fcr eine gute Traktion auf dem Acker von Vorteil und rutschte wegen der Eisenprofilierung nicht durch. Jedoch auf der Stra\u00dfe war die Fahrqualit\u00e4t sehr bescheiden und verursachte gro\u00dfe Sch\u00e4den in dem, wenn vorhandenen, Stra\u00dfenbelag. Dort passte die Vollgummibereifung wiederum besser, da der Fahrkomfort bei Stra\u00dfenschleppern besser war und andere Geschwindigkeiten erzielt werden konnten. Als Anfang der 30er der Ackerluft Bulldog auf den Markt kam, konnte man sowohl auf der Stra\u00dfe als auch auf dem Acker mit Luftreifen fahren. Um das Durchrutschen auf dem Acker zu vermeiden, konnte der Bulldog mit ausklappbaren Eisenklammern ausger\u00fcstet werden.&#8220;<\/p>\n<p><b>Sie selber besitzen einen Lanz Bulldog 7506 aus dem Jahr 1935. Wo haben Sie ihn gefunden?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Dieser Lanz geh\u00f6rt unserem Clubmitglied Eckard Himpe, der selber nicht viel damit f\u00e4hrt. Daher nehme ich ihn gerne und oft f\u00fcr Ausfahrten und Ausstellungen mit. Er erstand ihn von einem Bauern aus der ehemaligen DDR.&#8220;<\/p>\n<p><b>Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Lanz-Traktoren immer noch gebaut und sind bis heute Vorbild vieler Nachfolgetrecker. Was ist so zeitlos an diesem Modell?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Diese robuste, einfache und \u201eunkaputtbare\u201c Technik liebte der Bauer, da er vieles selbst und kosteng\u00fcnstig reparieren konnte. Jedoch barg das Anlassen des Motors in der Scheune, das 15 bis 20 Minuten in Anspruch nahm, eine enorme Brandgefahr in sich. Mit einem Brenner (spezielle L\u00f6tlampe) musste der Gl\u00fchkopf zum Gl\u00fchen gebracht werden, bevor mit dem abgenommenen Lenkrad das Schwungrad angeworfen wurde. Der Motor sollte nicht ausgemacht werden. So manch ein Hof ist dabei abgebrannt. Parallel dazu schnellte die Entwicklung anderer deutscher Traktorenbauer (zur Hochzeit der 50er Jahre gab es gut 50 verschiedene deutsche Hersteller) an Lanz vorbei und die Uhr f\u00fcr den Einzylinder-Bulldog war abgelaufen. Andere Marken wurden st\u00e4rker, g\u00fcnstiger und effektiver. Zeitlos an diesem Modell ist und bleibt der Name Lanz und das nostalgische Anwerfen des Gl\u00fchkopfes.&#8220;<\/p>\n<p><b>Welcher Trecker beeindruckt Sie besonders?<\/b><\/p>\n<p><b>Hermann Arens:<\/b>\u00a0&#8222;Mich pers\u00f6nlich beeindruckt neben der Firma Lanz besonders die Firma Fahr vom Bodensee. Ich pers\u00f6nlich besitze einen Fahr D 180 H von 1953 und eine Eichenholz-Kippkarre aus demselben Baujahr.&#8220;<\/p>\n<p><b>Uwe Blass<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reihe \u201eJahr100Wissen\u201c besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiter der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal mit Ereignissen, die 100 Jahre zur\u00fcckliegen und von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Gesellschaft waren. Hermann Arens, langj\u00e4hriger Mitarbeiter im Dezernat f\u00fcr Geb\u00e4ude-, Sicherheits- und Umweltmanagement, spricht im Interview \u00fcber die Geburtsstunde des Traktors.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-39475","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-23 17:50:53","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39475","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39475"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39475\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39483,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39475\/revisions\/39483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}