{"id":39376,"date":"2021-07-12T15:52:28","date_gmt":"2021-07-12T13:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=39376"},"modified":"2021-07-13T15:52:40","modified_gmt":"2021-07-13T13:52:40","slug":"transfergeschichte-mit-animationsfilmen-das-lehren-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/07\/12\/transfergeschichte-mit-animationsfilmen-das-lehren-lernen\/","title":{"rendered":"\u201eTransfergeschichte\u201c: Mit Animationsfilmen das Lehren lernen"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_39379\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-39379 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Transferstory_Prof._Hahn-Laudenberg-2-1024x834.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"834\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Katrin Hahn-Laudenberg -\u00a9 privat<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">So finden sich in der Ausbildung immer neue, hilfreiche Formate, die zuk\u00fcnftige P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen im Schuldienst unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. An einem neuen, landesweiten Projekt zum Einsatz von Animationsfilmen in der Lehramtsausbildung sozialwissenschaftlicher Lehrkr\u00e4fte ist auch die Wuppertaler Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Katrin Hahn-Laudenberg beteiligt. In den Bergischen Transfergeschichten berichtet sie dar\u00fcber.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28510\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">\u201eAngehende Sozialwissenschaftslehrkr\u00e4fte m\u00fcssen sich ja vor allem auf ihre Rolle als zuk\u00fcnftige Lehrkr\u00e4fte vorbereiten\u201c, sagt Katrin Hahn-Laudenberg, \u201eund da besteht die Aufgabe darin, zu lernen, wie man Sch\u00fcler auf ihre aktive Rolle als B\u00fcrger vorbereiten und f\u00fcr eine Mitgestaltung der Demokratie und der Gesellschaft unterst\u00fctzen kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Konkret bedeute das, dass Sch\u00fcler vor dem Hintergrund ihrer Werte und Interessenlagen reflektieren lernen und eine Position finden, aus der heraus sie als politisch und gesellschaftlich m\u00fcndige B\u00fcrger die demokratische Gesellschaft mitgestalten und politische Entscheidungen beeinflussen k\u00f6nnen. Die Hilfestellung der Lehrer bestehe dabei zun\u00e4chst darin, die Grundlagen einer Meinungsbildung zu vermitteln.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eWir gehen davon aus, dass Sch\u00fclerinnen, um ihre eigene Meinung zu entwickeln, ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis von politischen, gesellschaftlichen und sozialen Prozessen und Strukturen brauchen\u201c, erkl\u00e4rt die Wissenschaftlerin. Dann k\u00f6nne man darauf aufbauend eine Urteilsf\u00e4higkeit und Handlungsf\u00e4higkeit entwickeln.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Abstrakte Diskussionen \u00fcber den Aufbau des Bundestages oder die Funktion des Wirtschaftssystems seien da wenig hilfreich: \u201eLehrer arbeiten am besten mit ganz konkreten Fragen zu bestimmten F\u00e4llen im Unterricht, Konflikten oder realen, zuk\u00fcnftigen Anforderungssituationen.\u201c Das seien dann Situationen, in die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gegenw\u00e4rtig oder zuk\u00fcnftig kommen k\u00f6nnten. Diese w\u00fcrden im Unterricht skizziert und kontrovers diskutiert, um dann nach M\u00f6glichkeiten oder legitimen Positionen zu suchen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDas geschieht dann spielerisch. Entweder vertritt man in Kleingruppen die eigene Position oder man nimmt auch einmal eine vorgegebene, zum Beispiel die gegnerische Position ein\u201c, erl\u00e4utert sie die Vorgehensweise. Dabei sei vor allem eine vorbereitende Informationsphase wichtig.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eSch\u00fcler holen Informationen ein, bewerten, wie glaubw\u00fcrdig diese sind, damit die eigene Meinung nicht nur so daher gesagt ist, sondern sich auch auf Argumente st\u00fctzt, die ein Urteil erlauben. Dieses muss durch Sachaspekte fundiert sein, aber auch auf bewussten Wertentscheidungen beruhen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Das LArS-Projekt in NRW<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Um Unterricht kontrovers zu gestalten und Sch\u00fcler dadurch reflektierter urteilen zu lassen, gibt es ein neues Landesprojekt mit dem Titel LArS.NRW, welches angehende Akademiker durch Animationsfilme professionalisieren soll. LArS.NRW ist ein vom Ministerium f\u00fcr Kultur und Wissenschaft gef\u00f6rdertes Verbundprojekt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Projektumsetzung erfolgt dabei in enger Zusammenarbeit zwischen den Verbundpartnerinnen und ihren Teams unter der Gesamtprojektleitung der Universit\u00e4ten Dortmund sowie der Universit\u00e4t Duisburg-Essen und der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Unter dem Titel \u201eLernen mit Animationsfilmen realer Szenen sozialwissenschaftlicher Unterrichtsf\u00e4cher: ein digitales Lehr-\/Lernangebot zur Professionalisierung angehender Lehrkr\u00e4fte\u201c bietet das Projekt einen neuen, ungew\u00f6hnlichen Lernansatz.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eEs geht darum, dass wir aus einem bestehenden Pool von authentischen Unterrichtsvideos und den daraus erstellten Transkripten bestimmte Schl\u00fcsselszenen ausw\u00e4hlen und diese umwandeln in Animationsfilme, die dann wieder in bestimmte Lehr- und Lernkontexte eingesetzt werden\u201c, sagt Dr. Katrin Hahn-Laudenberg.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dabei untersuchen die beteiligten Hochschulen verschiedene Schwerpunkte wie Unterrichtseinstiege, Urteilsphasen und Critical Incidents, also kritische Ereignisse. Hinsichtlich der verschiedenen rechtlichen Fragen, die sich durch die freie, auch au\u00dferuniversit\u00e4re Ver\u00f6ffentlichung der LArS-Materialen ergeben, arbeiten sie zudem mit der Hochschul-Kooperationsgemeinschaft Digitale Hochschule NRW und dem Team hinter dem Landesportal ORCA.NRW zusammen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eAn der Uni Wuppertal sind wir f\u00fcr die \u00a0,Critical Incidents\u2018 zust\u00e4ndig\u201c, erkl\u00e4rt sie, \u201eund der erste Schritt ist, dass man im Material nach Schl\u00fcsselszenen kritischer Ereignisse sucht, also Stellen, wo der Unterricht besonders gut gelingen, aber auch kippen kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Diese aussagekr\u00e4ftigen Szenen werden dann \u00fcbertragen, in ein Storyboard umgesetzt und im Studio des Zentrums f\u00fcr Informations- und Medienverarbeitung der Bergischen Universit\u00e4t (ZIM) vertont. \u201eAuf dieser Basis wird dann die Animation erstellt. Das sind also fiktive Charaktere, die dann gezeichnet sind. In Kombination mit Ton und Bild ergibt das dann einen Animationsfilm\u201c, sagt Katrin Hahn-Laudenberg.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im st\u00e4ndigen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Filmteam spielt dabei der didaktische Aspekt eine wesentliche Rolle. \u201eWichtig ist, dass wir nachher animierte Charaktere haben, die eine reale Situation zeigen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Lehrinstitute brauchen anschauliches Material, um reale Situationen im Lehrbetrieb verst\u00e4ndlich zu machen, doch das ist nicht immer einfach. Datenschutz ist sicher nur ein Aspekt, der es gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich schwermacht, an solche frei zug\u00e4nglichen Dokumente zu kommen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eIn Bezug auf die Videos glaube ich, ist es eine gute M\u00f6glichkeit. Gerade in der Sowi-Didaktik haben wir keine vergleichbaren Materialien und vor allem keine frei zug\u00e4nglichen\u201c, best\u00e4tigt die Forscherin. Au\u00dferdem k\u00f6nne man mit Animationsfilmen auch stoffliche Inhalte auf wesentliche Punkte reduzieren, die Wahrnehmung auf bestimmte didaktische Fragestellungen lenken und so den Fokus besser ausrichten.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">LUiSA meets LArS<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Die erstellten Animationsfilme des LArS-Projekts sind aber erst der Anfang. Zusammen mit dem LArS-Team und Heike Seehagen-Marx vom Medienlabor des ZIM arbeitet Hahn-Laudenberg bereits an der Entwicklung einer Storyboard-App mit dem Namen LUiSA. LUiSA wird auch \u00fcber die Lernumgebung von LArS hinaus weiterentwickelt und Studierenden und Lehrenden in Lehramtsstudieng\u00e4ngen ein schnelles und intuitives Darstellen von Klassenraumszenen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Lehramtsstudierende sollen damit kurze comicartige Sequenzen von Bildergeschichten entwickeln k\u00f6nnen, die einen visuell gest\u00fctzten Austausch \u00fcber typische und herausfordernde Handlungssituationen im Unterricht erm\u00f6glichen und damit die Entwicklung professioneller Kompetenzen f\u00f6rdern. Dazu ein Beispiel: \u201eWenn Sie jetzt eine bestimmte Unterrichtsszene haben, also eine ,Fishbowldiskussion\u2018, wo in der Mitte einige Sch\u00fcler diskutieren und drumherum andere sitzen, die das beobachten, dann k\u00f6nnen die auch mal die Position wechseln und die Diskussion verl\u00e4uft vielleicht nicht so konstruktiv.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">aOder es gibt Sch\u00fcler*innen, die populistische \u00c4u\u00dferungen einbringen, die vielleicht problematisch sind. Dann ist da immer die Frage, wie sich die Lehrkraft verh\u00e4lt, ob und in welcher Form sie eingreift.\u201c Es gebe keine richtige L\u00f6sung, betont Hahn-Laudenberg, sondern es gebe immer Alternativen mit bestimmten Vor- und Nachteilen. An dieser Stelle kommt die neue App ins Spiel. \u201eDiese App ist so geplant, dass wir dort Szenen, die wir in LArS dargestellt haben, ver\u00e4ndern, oder aber ganz neue Situationen gestalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Animationsfilme k\u00f6nnten Anbindung finden<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Auf die Frage, wer von diesen Filmen noch profitieren k\u00f6nne, antwortet die Sozialwissenschaftlerin: \u201eGrunds\u00e4tzlich sind diese Unterrichtsszenen f\u00fcr den sozialwissenschaftlichen Unterricht in den genannten drei Modulen ausgew\u00e4hlt worden. Ich glaube, dass das Modul Unterrichtseinstiege sehr gut in benachbarte F\u00e4cher passt wie Geschichte und Geografie. Auch die Fragen von Urteilsf\u00e4higkeit w\u00e4ren in diversen F\u00e4chern nutzbar. Der Bereich ,Critical Incidents\u2018, f\u00fcr den wir verantwortlich sind, bietet sich nicht nur f\u00fcr eine einzelne F\u00e4cherperspektive an, sondern auch f\u00fcr eine allgemein bildungswissenschaftliche oder demokratiep\u00e4dagogische Perspektive. Das sind Fragen, die in ganz vielen F\u00e4chern relevant sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Arbeiten mit LArS und LUiSA im Unterricht bietet zwei unterschiedliche Herangehensweisen an, die eine neue Qualit\u00e4t in den Lehrbetrieb bringen. \u201eMan bringt praktisch eine gestaltete Unterrichtsszene in den Unterricht ein, um das mit den Studierenden zu diskutieren\u201c, erkl\u00e4rt sie, \u201eoder man l\u00e4sst die Studierenden bei der Reflexion von Praxiserfahrung eben solche Situationen selber erstellen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Animationsfilme sind ein weiterer Baustein in der Lehramtsausbildung und regen die Reflexion \u00fcber typische Unterrichtssituationen an, res\u00fcmiert Dr. Katrin Hahn-Laudenberg, ersetzen aber keine Praxiserfahrung, die angehende Lehrkr\u00e4fte nach wie vor dringend brauchen.<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Lehrer oder eine Lehrerin ist eine Person, die andere Personen auf einem Gebiet weiterbildet, auf dem sie selber einen Vorsprung an K\u00f6nnen, Wissen oder Erfahrung hat. Klingt so einfach, ist es aber nicht. Die Aufgaben von Lehrkr\u00e4ften sind weitaus umfangreicher.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-39376","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-25 12:30:54","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39376"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39380,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39376\/revisions\/39380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}