{"id":3859,"date":"2016-02-10T11:37:54","date_gmt":"2016-02-10T10:37:54","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/02\/10\/hand-aufs-herz-interview-mit-birgitta-radermacher\/"},"modified":"2025-02-26T12:50:09","modified_gmt":"2025-02-26T11:50:09","slug":"hand-aufs-herz-interview-mit-birgitta-radermacher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/02\/10\/hand-aufs-herz-interview-mit-birgitta-radermacher\/","title":{"rendered":"Birgitta Radermacher war Anw\u00e4ltin f\u00fcr Scheidungsrecht"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45413\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45413\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Birgitta-Radermacher01-2-1024x702.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"702\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Polizeipr\u00e4sidentin Brigitta Rademacher &#8211; \u00a9 Polizei Wuppertal \/ Andreas Fischer<\/span><\/div>\n<p>Und Birgitta Radermacher \u00a0ist nach eigenen Worten im Bergischen Dreieck angekommen. Mit diesem Kompliment an Wuppertal &amp; Co. kokettiert sie nicht, das nimmt ihr jeder ab.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Wo haben Sie Rosenmontag verbracht \u2013 in Wuppertal oder K\u00f6ln?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDas war mein freier Tag, keine Frage, da war ich in K\u00f6ln.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Haben Sie als Anw\u00e4ltin f\u00fcr Scheidungsrecht mehr Frauen oder M\u00e4nner vertreten?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eSowohl als auch, das war das Spannende an diesem Job. So sieht man die Dinge aus beiden Blickwinkeln. Es gab keinen geschlechterspezifischen Schwerpunkt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Sie sind Chefin von 1.640 Polizistinnen, Polizisten und Zivilangestellten. Wie viele Ihrer Untergebenen kennen Sie pers\u00f6nlich?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher (lacht): \u201eIch kenne gar keinen einzigen Untergebenen, denn ich habe ja keinen Untergebenen, sondern Mitarbeiter. Mehr als 150 davon kenne ich namentlich. Ich habe eine sogenannte \u201eaktuelle Stunde\u201c eingef\u00fchrt und fahre alle sechs Wochen in eine der vier gro\u00dfen Polizei-Liegenschaften in Wuppertal, Remscheid und Solingen. Und da vor Ort komme ich ja auch mit den Mitarbeitern direkt ins Gespr\u00e4ch und lerne sie kennen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Bei Ihrer Amtseinf\u00fchrung 2010 haben Sie gesagt: \u201eIch bin mir sicher, dass ich mit den Menschen in Wuppertal sehr gut auskommen werde.\u201c Wie f\u00e4llt in diesem Punkt Ihre Zwischenbilanz aus?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDie f\u00e4llt sehr gut aus. Ich bin hier in Wuppertal wirklich angekommen. Ich bin ja erst im \u201ezarten Alter\u201c von 52 Jahren raus aus K\u00f6ln und beruflich in Siegen gelandet. Und das war eine gro\u00dfe Umstellung f\u00fcr mich. Den Spruch \u201eNix gesagt ist genug gelobt\u201c, den kannte ich aus K\u00f6ln nicht. Die Menschen in Siegen pflegten einen mir fremden Umgang und sind von Haus aus reservierter. Sicher hatten die Leute auch Probleme mit meiner lockeren Art. Hier in Wuppertal kam ich ja dann ein St\u00fcck weit zur\u00fcck ins Rheinland. Die Menschen sind sehr offen. Au\u00dferdem hat mir der \u201aRotary Club Wuppertal Bergisch\u00b4 das Ankommen in der Gesellschaft der Stadt sehr erleichtert.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Also haben Wuppertaler und K\u00f6lner Gemeinsamkeiten?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDurchaus! Was mich allerdings am Anfang gewundert hat war, dass ich immer zu h\u00f6ren bekam, dass Wuppertal keine so sch\u00f6ne Stadt sei und es allenfalls auf den H\u00f6hen ein paar attraktive Stellen g\u00e4be. Solche Reden waren mir als K\u00f6lnerin v\u00f6llig fremd. Wir K\u00f6lner finden unsere Stadt toll und lieben sie bedingungslos, vielleicht sogar grundlos. Dabei gibt es in Wuppertal, Remscheid und Solingen viele sch\u00f6ne Seiten. Alle drei St\u00e4dte haben ihren ganz besonderen Charme.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Hat man es in Ihrem Amt als Frau eigentlich schwerer oder leichter?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eFrauen und M\u00e4nnern haben sicherlich unterschiedliche F\u00fchrungsstile. Ich bin eine Teamplayerin. Ich habe gerne Leute um mich herum, die eine eigene Meinung haben. Ich gebe aber zu, dass es schon sehr angenehm ist, wenn man irgendwann nach einer intensiven Diskussion mit seinen F\u00fchrungskr\u00e4ften sagen kann: \u201eSo, jetzt entscheide ich und wir gehen jetzt links herum.\u201c Diese Art von F\u00fchrungsstil ist \u2013 wie mir versichert wurde \u2013 im Wuppertaler Polizeipr\u00e4sidium neu. Das hat aber nichts damit zu tun, ob der Vorgesetzte eine Frau oder ein Mann ist, sondern damit, dass der rein direktive F\u00fchrungsstil heute nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ist. Kommunikation macht 80 Prozent der F\u00fchrung aus.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Was w\u00fcrden Sie als Ihre gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke bezeichnen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDen Vertrauensvorschuss, den ich gebe. Ich glaube bedingungslos an das Gute im Menschen. Ich bin zum Gl\u00fcck auch nur selten entt\u00e4uscht worden. Und dann w\u00fcrde ich noch meine Neugierde als St\u00e4rke bezeichnen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Und jetzt muss ich Sie nat\u00fcrlich auch fragen, was Ihre gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che ist?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che ist sicherlich, dass mich einige Themen sehr schnell langweilen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Sie sind gelernte Juristin und wurden praktisch ins kalte Wasser geworfen. Hatten Sie nie Zweifel, ob Sie die gro\u00dfe Aufgabe als Newcomerin \u00fcberhaupt w\u00fcrden bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eIch hatte keine Zweifel, diese Aufgabe bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Das bedeutet nicht, dass ich keinen Respekt vor diesem Amt und den damit verbundenen Pflichten hatte und ich wusste auch, dass ich viel lernen musste. Mein j\u00fcngster Sohn hat mir ganz bewusst ein Lesezeichen geschenkt, auf dem folgender Spruch von Pippi Langstrumpf zu lesen ist: \u201eDas habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich mir v\u00f6llig sicher, dass ich es schaffe\u201c. Dieser Satz ist mir aus der Seele gesprochen. Aber auch mein gro\u00dfes Vertrauen hat mir geholfen. Intuitiv wusste ich: Man w\u00fcrde mich nicht gegen die Wand laufen lassen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Sind Ihnen eigentlich alle \u201ePolizei-K\u00fcrzel\u201c gel\u00e4ufig?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Rademacher: \u201eIch musste ja praktisch eine ganz neue Sprache lernen und habe am Anfang gedacht, die vielen Dienstgrade lernst Du nie. Einen Teil der K\u00fcrzel habe ich auswendig gelernt, der andere Teil ergab sich zwangsl\u00e4ufig im Tagesgesch\u00e4ft. Heute beherrsche ich sie alle.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Im Mai 2015 sind Sie zur Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Polizeipr\u00e4sidenten in Deutschland gew\u00e4hlt worden. Empfinden Sie das als so eine Art \u201eRitterschlag\u201c?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eRitterschlag ist ein gro\u00dfes Wort. Aber ich habe mich schon gefreut, dass ich angesprochen worden bin und dass man mir das zutraut. Es ist ein Ehrenamt und somit ein Job, um den sich nicht so schrecklich viele Leute rei\u00dfen. Es ist dennoch eine tolle und spannende Aufgabe. Man bekommt unmittelbaren Kontakt zu den anderen Polizeipr\u00e4sidenten oder auch zum Beispiel zum BKA-Chef Holger M\u00fcnch. Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich zweimal im Jahr. Im Mai 2015 haben wir \u00fcberlegt, welches Thema wir f\u00fcr die Tagung im kommenden Mai festlegen sollten, da habe ich vorgeschlagen \u201eFl\u00fcchtlinge und Asylanten\u201c, ohne zu wissen, wie aktuell dieses Thema jetzt sein w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Sehen Sie die Fl\u00fcchtlingsproblematik nach den Ereignissen in Ihrer Heimatstadt K\u00f6ln jetzt eigentlich mit anderen Augen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eNein. Der Umfang, die Intensit\u00e4t und die Massivit\u00e4t, mit der die sexuellen \u00dcbergriffe in K\u00f6ln zu Tage getreten sind, waren nach meiner Auffassung nicht vorhersehbar. Mir ist schon bewusst, dass ein solches Handeln durchaus bei einigen muslimischen M\u00e4nnern m\u00f6glich ist, weil sie ein anderes Frauenbild in den K\u00f6pfen haben. Hieran m\u00fcssen diese Menschen arbeiten, wenn sie bei uns leben wollen. Ich kann die Position unserer Bundeskanzlerin gut verstehen, es kann nur eine europ\u00e4ische L\u00f6sung der Fl\u00fcchtlingsfrage geben. Es ergibt keinen Sinn, wenn wir Deutschen die Grenzen dicht machen. Unsere Gesetze reichen nach meiner \u00dcberzeugung auch aus.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Welche Ma\u00dfnahmen halten Sie denn f\u00fcr n\u00f6tig?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eWir brauchen schnellere Verfahren und konsequentere Abschiebung. Wenn ich auf die Seite der Polizei schaue, dann m\u00f6chte ich aber auch, dass die B\u00fcrger und auch die Presse akzeptieren und respektieren, dass im gesetzlichen Rahmen polizeiliche Gewalt ausge\u00fcbt werden muss. Wenn n\u00e4mlich jemand nicht abgeschoben werden will, dann steigt er nicht freudestrahlend ins Flugzeug. In solchen F\u00e4llen sind manchmal drei Polizisten erforderlich. Dann wird gebissen, getreten, gespuckt und geschimpft. So mancher schl\u00e4gt dann auch mal absichtlich mit der Stirn auf den Boden, nur um hinterher zu behaupten, die Verletzung habe ihm die Polizei zugef\u00fcgt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Wie nehmen Sie denn Kritikern den Wind aus den Segeln?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eWir sind der bewaffnete Teil der Verwaltung und als solcher m\u00fcssen wir auch im Rahmen der Gesetze die M\u00f6glichkeit haben, zu agieren. Bei meinen Vortr\u00e4gen h\u00f6re ich schon mal den Vorwurf: \u201aDrei Polizisten sind auf einen Demonstranten losgegangen\u2018. Dann entgegne ich: \u201aWir sind doch hier nicht im Wilden Westen, wo es hei\u00dft: Mann gegen Mann. Das ist doch kein Duell. Ich setze doch nicht nur einen Beamten ein, wenn es darum geht, einen Randalierer festzunehmen. Das ist nicht nur f\u00fcr meine Beamten eine Form von Eigensicherung, sondern f\u00fcr den B\u00fcrger auch\u2018.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Es gibt aber auch die menschliche Komponente. Verzweifelte M\u00fctter und V\u00e4ter, die abgeschoben werden, bittere Tr\u00e4nen vergie\u00dfen, ohne aggressiv zu werden. Menschen, mit denen Ihre Beamten Mitleid haben. Wie werden Sie mit der psychischen Belastung fertig?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDas ist nur eines von vielen Beispielen. Es gibt den Polizisten, der bei einem schwer verletzten Unfallopfer erste Hilfe leisten muss. Sie k\u00f6nnen sich selber ausmalen, wie ein Mensch aussieht, \u00fcber den ein LKW gefahren ist oder ein Toter im Drogenmilieu, der erst nach Tagen gefunden wurde. Solche Situationen m\u00fcssen die Beamten psychisch verarbeiten. Wir haben daf\u00fcr hausinterne Sozialansprechpartner (SAP\u2019s), es gibt die Krisen-Interventionsteams, die vom Land zur Verf\u00fcgung gestellt werden, wir haben Polizeiseelsorger, einen \u00e4rztlichen Dienst und speziell geschulte F\u00fchrungskr\u00e4fte.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Haben Sie eigentlich Mitleid mit Ihrem K\u00f6lner Kollegen, der wegen der Ausschreitungen auf der Domplatte seinen Hut nehmen musste?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eIch sch\u00e4tze Wolfgang Albers menschlich sehr. Wie er in der Beh\u00f6rde agiert hat, kann ich nicht einsch\u00e4tzen. Mir hat der Fall vor Augen gef\u00fchrt, dass wir tats\u00e4chlich politische Beamte sind und dass wir, obwohl auf unserer Urkunde steht, Beamter auf Lebenszeit, durchaus vom Dienst enthoben werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Was k\u00f6nnen Sie als Polizeipr\u00e4sidentin aus Ihrer Sicht tun, dass es in Wuppertal nicht zu solchen Ausschreitungen und \u00dcbergriffen kommt?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Rademacher: \u201eWir haben zun\u00e4chst weder in Wuppertal, noch in Remscheid oder Solingen solche Ballungszentren wie den Bereich Bahnhofsvorplatz und die Domplatte in K\u00f6ln. Zudem haben wir intern die Ereignisse in K\u00f6ln besprochen und aufgearbeitet. Ab wann fordere ich Hilfe aus anderen Bezirken an, ab wann informiere ich die n\u00e4chst h\u00f6here F\u00fchrungsebene? Wir haben die Stufen heruntergesetzt und w\u00fcrden jetzt schneller den h\u00f6here n Dienst in Anspruch nehmen, der dann weitreichende Entscheidungen treffen kann.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Wie zu lesen ist, bewaffnen sich immer mehr Frauen mit Pfefferspray. Halten Sie das f\u00fcr eine sinnvolle Verteidigungsstrategie?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eNein. Ich habe mit zwei Frauen gesprochen, die gro\u00dfe Probleme hatten, die Spraydosen im Ernstfall in ihrer Handtasche zu finden. Einzelne Frauen m\u00f6gen sich sicherer f\u00fchlen, wenn sie das Pfefferspray in den H\u00e4nden halten und die Handhabung vorher auch schon einmal ge\u00fcbt haben. Mein Ding w\u00e4re das nicht. Zumal unsachgem\u00e4\u00dfer Einsatz des Sprays die Aggressivit\u00e4t des Angreifers m\u00f6glicherweise sogar steigert, was nicht in meinem Sinne sein kann. Ich w\u00fcrde eher daran denken, eine Art Schrill-Alarm zu besorgen, der auf Knopfdruck \u201alosl\u00e4rmt\u2018, wenn mir zum Beispiel die Handtasche entrissen wird.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: M\u00fcssen Ihrer Meinung nach die Sicherheits-Konzepte \u2013 was Volksfeste angeht \u2013 generell \u00fcberdacht werden?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDas haben wir eigentlich schon nach der Loveparade in Duisburg gemacht. Es ist erst einmal die Sache der Veranstalter, f\u00fcr Sicherheit zu sorgen. Aber wir sitzen als Polizei mit am Tisch, bringen unsere Meinung, Bedenken und Vorschl\u00e4ge mit ein. Nat\u00fcrlich schauen wir genau hin, ob wir jetzt nach den Vorkommnissen in K\u00f6ln unsere Sicherheitskonzepte noch weiter optimieren und anpassen k\u00f6nnen. Das machen die anderen St\u00e4dte auch. Die Frage ist auch, wann f\u00fchlt man sich sicher? Dann, wenn bei einem Volksfest eine Hundertschaft der Polizei mit im Festzelt sitzt &#8211; mit Helm und Schusswaffe? Das glaube ich nicht. Es w\u00fcrde sicher mehr bringen, wenn da zwei Bezirksbeamte in Uniform ansprechbar w\u00e4ren. Die Gleichung \u201amehr Polizei gleich mehr Sicherheit\u2018 geht meiner Meinung nach nicht ohne Weiteres auf.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: In Wuppertal ist die Bereitschaft, Fl\u00fcchtlingen zu helfen und sie zu integrieren im Gegensatz zu anderen St\u00e4dten nach wie vor sehr gro\u00df. Worauf f\u00fchren Sie das zur\u00fcck?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eVielleicht liegt es daran, dass nicht wenige Wuppertaler selbst einen Migrationshintergrund haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass es hier immer schon eine Multikulti-Gesellschaft gegeben hat, beispielsweise durch die Gastarbeiter. Ich glaube auch gar nicht, dass die Fl\u00fcchtlinge an sich ein Problem darstellen, sondern eher die Menge und der Zeitdruck. Die Menschen haben einfach nicht gen\u00fcgend Zeit, aufeinander zuzugehen und sich aufeinander einzustellen. Ein Beispiel: So, wie es f\u00fcr mich unvorstellbar ist, in einer Burka herumzulaufen, ist es f\u00fcr bestimmte Frauen genauso unvorstellbar, sich ohne Burka in der \u00d6ffentlichkeit zu bewegen. Ich bin mir sicher, dass der Zeitfaktor bei der Integration eine sehr gro\u00dfe Rolle spielt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Mit welchen Argumenten w\u00fcrden Sie einer jungen Frau den Beruf der Polizistin schmackhaft machen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eIch habe ja immer gedacht, dass Jura ein Studium ist, mit dem man ein breites Feld beackern kann. Das Gleiche kann ich vom Beruf der Polizistin sagen. Die Aufgabe ist spannend und Frauen haben hier eine gro\u00dfe Bandbreite an M\u00f6glichkeiten. Sie k\u00f6nnen sich um die Verkehrserziehung in Kinderg\u00e4rten k\u00fcmmern, Brandermittlerin werden, als Streifenbeamtin nah am B\u00fcrger sein oder Wirtschaftskriminalit\u00e4t bek\u00e4mpfen. Wer in diesem Spektrum nichts findet, was ihm Freude macht, der ist selber schuld. Wir bieten bei uns ein Mentoren-Programm an, um Frauen auf F\u00fchrungspositionen vorzubereiten. Au\u00dferdem gibt es eine Vielzahl an speziellen Angeboten, um Frauen den Spagat zwischen Beruf und Familie zu erleichtern. Ich habe gro\u00dfes Interesse, die jungen Frauen an die Beh\u00f6rde zu binden.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Warum Sind Sie eigentlich wieder zur\u00fcck nach K\u00f6ln gezogen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eDas hat ganz private Gr\u00fcnde. Meine Schwester hat vor 23 Jahren eine Wohnung auf einen bestehenden Bungalow gebaut. Ich habe schon damals gesagt: \u201aWenn Du die Wohnung jemals verkaufen willst, dann sage Bescheid\u2018. Und so war es. Die Wohnung liegt nur 40 Meter von dem Haus entfernt, in dem ich geboren wurde. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: In Ihrer Freizeit fahren Sie Motorrad. Gibt es da so etwas wie eine Lieblingsstrecke?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eNein, das l\u00e4sst mein Orientierungssinn einfach nicht zu. Und ich habe kein Navi an meinem Motorrad. Ich bin immer froh, wenn mich Freunde und Kollegen mit auf Tour nehmen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Sind Sie eigentlich schon einmal geblitzt worden?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eMit dem Motorrad noch nicht, aber mit dem Auto. Aber zum Gl\u00fcck immer im 15-Euro-Bereich.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Was machen Sie denn besonders gern, wenn Sie nicht hinter Ihrem Schreibtisch oder auf Ihrem \u201ehei\u00dfen Ofen\u201c sitzen?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eIch koche sehr gerne, auch f\u00fcr mehrere Personen, denn ich habe gerne Besuch. Und ich lese viel, zeitweise sogar zwei B\u00fccher zeitgleich.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Diese Frage kann ich Ihnen leider nicht ersparen: H\u00e4tte Sie das Amt der Polizeipr\u00e4sidentin in Ihrer Heimatstadt K\u00f6ln denn gereizt?<\/span><\/p>\n<p>Birgitta Radermacher: \u201eEhrlich gesagt, gereizt h\u00e4tte es mich, weil K\u00f6ln meine Stadt ist, meine Heimatstadt. Nur deshalb und nicht, weil mich eine gr\u00f6\u00dfere Polizeibeh\u00f6rde interessiert. Im \u00dcbrigen ist diese Funktion mit J\u00fcrgen Mathies hervorragend besetzt. Aber ich bleibe gerne hier und alles ist gut.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">SZ: Vielen Dank f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch!<\/span><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie liebt die Stadt K\u00f6ln, den Karneval und den Dom. Sie ist eine Teamplayerin und setzt auf Konsens. Doch als erfahrene Anw\u00e4ltin f\u00fcr Scheidungsrecht kann sie auch mit Konflikten umgehen. Birgitta Radermacher (59), seit 2010 Polizeipr\u00e4sidentin in Wuppertal, Remscheid und Solingen, hat viel Humor, eine klare Meinung und jede Menge Visionen.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":3858,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[141,2069,39],"class_list":["post-3859","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik","tag-birgitta-radermacher","tag-hand-aufs-herz","tag-interview"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-06-22 04:22:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3859"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45450,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3859\/revisions\/45450"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3859"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3859"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3859"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}