{"id":38135,"date":"2021-06-02T14:40:10","date_gmt":"2021-06-02T12:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=38135"},"modified":"2021-06-04T14:40:24","modified_gmt":"2021-06-04T12:40:24","slug":"bergische-transfergeschichten-erfolgreich-vernetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/06\/02\/bergische-transfergeschichten-erfolgreich-vernetzt\/","title":{"rendered":"\u201eBergische Transfergeschichten\u201c: Erfolgreich vernetzt"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_38137\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-38137\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Transferstory_Prof._Bela_Gipp-1024x680.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"680\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Bela Gipp &#8211; \u00a9\u00a0Foto UniService Transfer<\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext\">Prof. Dr.-Ing. Bela Gipp ist Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Data &amp; Knowledge Engineering in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik der Bergischen Universit\u00e4t. Was genau dahintersteckt und in welchen Bereichen sich die Anwendung noch einsetzen l\u00e4sst, das verr\u00e4t der Wissenschaftler in den Bergischen Transfergeschichten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Begeisterung und Begabung auf dem Gebiet der Informationstechnik war dem geb\u00fcrtigen Berliner eigentlich so gar nicht in die Wiege gelegt worden. \u201eVielleicht liegt es daran, dass ich Waldorfsch\u00fcler war\u201c, lacht er, \u201eund als Waldorfsch\u00fcler hat man ja eigentlich keinen Zugang zur Technik, d. h., wenn man die Technik nicht so direkt bekommt, dann ist es manchmal einfacher, sie teilweise selber zu entwickeln.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sei sein damaliges Interesse an Modellhubschraubern gewesen. \u201eDen habe ich zwar nicht bekommen, aber meine Eltern haben gesagt, wenn du dir selber einen bauen m\u00f6chtest, sind wir bereit, dich zu unterst\u00fctzen.\u201c Gipp legte sofort los, erh\u00e4lt die n\u00f6tigen Komponenten in Form von Motor und Co. und bastelt, gemeinsam mit einem Freund, sein eigenes Flugobjekt aus Holz.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Durch dieses Hobby, hat der Wissenschaftler dann auch seinen Beruf gefunden und sagt: \u201eIch glaube, es ist immer die beste M\u00f6glichkeit, wenn man sein Hobby zum Beruf macht.\u201c Drei Mal gewinnt er im Landeswettbewerb Jugend forscht, u. a. mit der Entwicklung eines W\u00e4rmebildhubschraubers zur Bergung von Lawinenopfern.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Da war er gerade einmal 17 Jahre alt. Eine Firma stellte ihm dazu ein Ger\u00e4t im Wert von 50.000 Mark zur Verf\u00fcgung. \u201eIch war schon sehr nerv\u00f6s, als ich das Paket bei der Post abgeholt habe\u201c, sagt er r\u00fcckblickend.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28453\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<h4 class=\"bodytext\">Aufenthalt im Silicon Valley &amp; Tokio<b><br \/>\n<\/b><\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Gipp studiert an der Otto-von-Guericke-Universit\u00e4t in Magdeburg und bekommt 2009 ein vierj\u00e4hriges Forschungsstipendium an der University of California in Berkeley. Die N\u00e4he zum Silicon Valley beschreibt er als eine \u201eunglaublich spannende Zeit\u201c, die er nicht missen wolle. \u201eEs war eine tolle M\u00f6glichkeit, mit den bekanntesten Firmen und auch den bekanntesten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Welt, inklusive Nobelpreistr\u00e4gern zusammen zu kommen\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Denn die UC Berkeley sei im Bereich der Informatik eine der bekanntesten Universit\u00e4ten weltweit. \u201eWir hatten da ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Google und haben gesehen, dass die Dinge, die wir erforschen, auch direkt von Google umgesetzt wurden. Es war toll zu sehen, dass man da an etwas mitarbeitet, was von Millionen Menschen genutzt wird.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Generell sei die Kontaktaufnahme auch zu gro\u00dfen Playern viel einfacher und unb\u00fcrokratischer als in Deutschland, und das vereinfache Vieles. Gipp lernt junge Start-up-Gr\u00fcnder kennen, die heute Milliardenunternehmen f\u00fchren. \u201eWir haben uns nach der Arbeit mit anderen Gr\u00fcnder, die heute sehr erfolgreich sind, auf ein Bier getroffen. Da hat man sich gegenseitig Tipps gegeben und geholfen\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auch die universit\u00e4ren Freizeitangebote nimmt Gipp dort gerne wahr, denn da finden die erfolgreichen Vernetzungen statt, und das, stellt er klar, gebe es nur dort. \u201eWir k\u00f6nnen heute diese Kontakte, die wir damals aufgebaut haben, auch f\u00fcr die Studierenden nutzen, denn diese Kontakte sind noch da.\u201c So konnten schon mehrere seiner Studierenden bei der Wikipedia in San Francisco ihre Abschlussarbeit zu Ende schreiben.<\/p>\n<h4>Kontaktaufnahme zu gro\u00dfen Player in den USA einfacher<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">\u201eUnd jetzt sind auch Funktionen, wie das Visualisieren von Formeln, in der Wikipedia von unseren Studierenden mitentwickelt worden. Das wird jetzt weltweit von der Wikipedia genutzt\u201c, sagt er stolz. \u201eGute Ideen in erfolgreiche Unternehmen zu \u00fcberf\u00fchren, macht mir immer noch gro\u00dfe Freude. Deshalb unterst\u00fctze ich regelm\u00e4\u00dfig Studierende und Doktoranden bei der Gr\u00fcndung von Startups.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nach seiner Zeit im Silicon Valley zog es Gipp nach Tokio, um an Japans bedeutendstem Forschungsinstitut f\u00fcr Informatik zu forschen. Auch die dort geschlossenen Kontakte kommen seinen Studierenden regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Forschungspraktika und Abschlussarbeiten zugute. \u201eMittlerweile haben ca. 20 Studierende Forschungsaufenthalte in Tokio absolviert\u201c, res\u00fcmiert Gipp.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Seit 2018 ist Gipp Inhaber des Lehrstuhls Data &amp; Knowledge Engineering in Wuppertal. \u201eWir besch\u00e4ftigen uns in erster Linie mit dem Thema Data Science. Das ist ja heute dieser Modebegriff f\u00fcr Dinge wie K\u00fcnstliche Intelligenz oder auch die Verarbeitung, Analyse und Visualisierung von gro\u00dfen Datenmengen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Verfahren f\u00fcr die K\u00fcnstliche Intelligenz. Dann arbeite ich auch im Bereich Information Retrieval.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Information Retrieval kennen viele auch aus den Anwendungen bei Google, denn es gehe darum, Informationen \u00fcber eine Suchmaschine aus der \u00fcbergro\u00dfen Datenmenge herauszufiltern. Und als ob das nicht schon genug w\u00e4re, besch\u00e4ftigt sich sein Lehrstuhl auch noch mit der sogenannten Blockchaintechnologie, einer zukunftsweisenden Technologie, die bereits sehr erfolgreich in der Kryptow\u00e4hrung genutzt wird.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Blockchain basierter Zeitstempel<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Das Thema Blockchain kurz zusammenzufassen, ist selbst f\u00fcr den versierten Wissenschaftler nicht leicht, zumal er dar\u00fcber in der Regel ca. 90 Minuten referiert. Er versucht es dennoch: \u201eEine Blockchain erlaubt es, Daten weltweit verteilt zu speichern mittels einer Datenstruktur, die man nicht manipulieren kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Und diese Unver\u00e4nderbarkeit sei der besondere Clou dabei. \u201eBei einer normalen Datenbank kann man Daten ver\u00e4ndern\u201c, sagt Gipp. \u201eEine Blockchain hat den entscheidenden Unterschied, dass sie nicht nur an einem Ort ist, sondern eine weltweit verteilte Datenstruktur ist. Jeder, der m\u00f6chte, kann sich an so einer Blockchain beteiligen, wie das z. B. bei der Kryptow\u00e4hrung Bitcoin der Fall ist. Das erm\u00f6glicht nun ein dezentrales System, das daf\u00fcr sorgt, dass die Daten nicht manipuliert werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auf dieser Basis entwickelte der Wissenschaftler auch die App OriginStamp. Dieser webbasierte Dienst nutzt die Bitcoin-Blockchain. Nutzer k\u00f6nnen damit anonym einen manipulationssicheren Zeitstempel f\u00fcr beliebige digitale Inhalte erstellen. Und da kommen wir wieder zum anf\u00e4nglichen Beispiel des Ferienhauses: Der fotografische Eintrag mit Zeitstempel ist dann sofort abruf- und \u00fcberpr\u00fcfbar. Besonders angenehm f\u00fcr Verbraucher ist die kostenfreie Nutzung dieser Technik.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eMan kann gerichtstauglich beweisen, dass die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt schon vorhanden sind\u201c, und das sei vor allem f\u00fcr gro\u00dfe, verantwortungsvolle Unternehmen ein Vorteil, erkl\u00e4rt Gipp. So nutzten u. a. auch Pharmaunternehmen diese Software bei der Medikamentenherstellung, wenn sie beweisen wollen, dass in ihrer Produktion alles korrekt ablaufe.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auch internationale Medien, wie der britische Nachrichten- und Medienanbieter Guardian, setzen auf den Zeitstempel, sagt Gipp. \u201eSie timestampen Aufnahmen aus Krisengebieten, um beweisen zu k\u00f6nnen, dass dieses Foto tats\u00e4chlich so aufgenommen und nicht nachtr\u00e4glich manipuliert wurde.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">OriginStamp im Lehrbetrieb<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Der Nutzen f\u00fcr Studierende in Coronazeiten liege in der M\u00f6glichkeit, durch diese Technik beweisen zu k\u00f6nnen, dass z. B. die Abschlussarbeit zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits fertiggestellt war, auch wenn man nicht in der Lage war, sie im Sekretariat abzugeben. \u201eIn der Wissenschaft wird diese Technologie schon viel benutzt\u201c, sagt Gipp,<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eMan timestamped ein wissenschaftliches Paper damit man, wenn man das irgendwo einreicht, auch beweisen kann, dass man die oder der Erste mit der entsprechenden Idee war, die in dem Paper beschrieben ist. Man kann auf diese Art und Weise auch Forschungsideen absichern. Bei wissenschaftlichen Studien kann das interessant sein, damit nicht nachtr\u00e4glich Studien manipuliert werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re, wenn man mit einer App zweifelsfrei beweisen k\u00f6nnte, dass der Schaden am gebuchten Ferienhaus oder der Kratzer des Mietwagens nicht durch einen selbst entstanden ist, sondern schon vor der Buchung vorhanden war? Eine solche neue Technologie dazu hat der Wuppertaler Informatiker Prof. Dr.-Ing. Bela Gipp entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-38135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 01:11:31","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38135"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38140,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38135\/revisions\/38140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}