{"id":37933,"date":"2021-05-31T11:11:28","date_gmt":"2021-05-31T09:11:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=37933"},"modified":"2021-05-31T11:11:28","modified_gmt":"2021-05-31T09:11:28","slug":"hajo-jahn-wird-80-sein-einsatz-fuer-die-meinungsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/05\/31\/hajo-jahn-wird-80-sein-einsatz-fuer-die-meinungsfreiheit\/","title":{"rendered":"Hajo Jahn wird 80: Sein Einsatz  f\u00fcr die Meinungsfreiheit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_37939\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 919px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-37939\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/c6b276563aeea1c333f74a71794f6a96-2.jpg\" alt=\"\" width=\"909\" height=\"591\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der bekannte Wuppertaler TV- und Rundfunk-Journalist Hajo Jahn &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Der Wuppertaler Journalist Siegfried J\u00e4hne, langj\u00e4hriger Autor der STADTZEITUNG, wirft einen Blick zur\u00fcck auf die erfolgreiche Karriere und das Schaffen von Hajo Jahn &#8211; innerhalb und au\u00dferhalb des WDR.<\/p>\n<h4>Journalist Hajo Jahn hat viele \u201eKinder\u201c, die richtig Karriere machten<\/h4>\n<p>Die in Wuppertal geborene Else Lasker-Sch\u00fcler ist nach Expertenmeinungen die ber\u00fchmteste und zugleich auch unbekannteste Dichterin Deutschlands. Letzteres zu \u00e4ndern, hat sich der Wuppertaler Journalist Hajo Jahn zu einer seiner Aufgaben gemacht. F\u00fcr ihn ist die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ein Wert, dem er sich sein ganzes Leben lang verpflichtet f\u00fchlt.<\/p>\n<p>\u201eZu unserer Gegenwart geh\u00f6ren in vielen L\u00e4ndern noch immer oder schon wieder Unterdr\u00fcckung der Meinungsfreiheit und Verfolgung von K\u00fcnstlern, Publizisten und anderen Intellektuellen\u201c schreibt Hajo Jahn in seinem neuen Buch \u201eDer blaue Reiter ist gefallen\u201c.<\/p>\n<p>Hajo Jahn, geboren am 31.05.1941 in Berlin, ist heute Vorsitzender der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Als Rundfunk- sowie Fernsehmoderator und -reporter arbeitete Jahn von 1970 bis 2000 als WDR-Studioleiter in Wuppertal. Jahn organisiert seit 1993 die Else-Lasker-Sch\u00fcler-Foren mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Zeitzeugen in Schulen, zu literarischem und politischem Austausch, so in Wuppertal\/Solingen, Jerusalem, Breslau, Prag, Z\u00fcrich, Catania oder Wien als Beispiele f\u00fcr die Arbeit eines aktiven Zentrums der verfolgten K\u00fcnste.<\/p>\n<div id=\"attachment_22281\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 817px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-22281\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/637b9e34cf468151adebf3e7657a56c5.jpg\" alt=\"\" width=\"807\" height=\"555\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Portr\u00e4t von Else Lasker Sch\u00fcler &#8211; gemalt von Lene Schneider-Kainer<\/span><\/div>\n<p>\u201eDies tue ich, um eine zeitgem\u00e4\u00dfe Erinnerungskultur und Erinnerungsp\u00e4dagogik jenseits eingefahrener Gedenkrituale zu schaffen\u201c, sagte er uns.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hajo Jahn hat die Katastrophe des 20. Jahrhunderts mit der Vertreibung der K\u00fcnstler und Intellektuellen begonnen. Wie eine Metapher daf\u00fcr sei das Schicksal der stadtbekannten Exzentrikerin Else Lasker-Sch\u00fcler im Berlin der Jahrhundertwende, wo sie ber\u00fchmt wurde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sie war bedeutende deutsch-j\u00fcdische Dichterin und galt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur, trat aber auch als Zeichnerin hervor. 1909 erschien ihr erstes dramatische Werk<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>&#8222;Die Wupper&#8220;, mit dem sie ihrer Kindheit und Jugend in Elberfeld ein anr\u00fchrendes und vielstimmiges Denkmal setzte.<\/p>\n<p>Geboren 1869 in Elberfeld, von den Nazis gleich zweimal verjagt, starb sie 1945 in Jerusalem. Jahns eigene Geschichte hat viel zu tun mit Vertreibung. Seine Familie floh 1945 aus Frankfurt an der Oder nach Berlin, eine Flucht, die er als als Vierj\u00e4hriger erlebte. 1953 dann nach dem DDR-Volksaufstand erneut eine Flucht seiner Eltern, diesmal aus Ost-Berlin nach Hamburg.<\/p>\n<p>Von da kam es zu einer \u00dcbersiedlung ins Ruhrgebiet, wo er zun\u00e4chst als \u201eKoffertr\u00e4ger\u201c, sp\u00e4ter dann als Chemielaborant im Bergbau seinen Lebensunterhalt verdiente. Als 18j\u00e4hriger bekam er, der Volkssch\u00fcler und ehemalige Bergmann, schlie\u00dflich ein Volontariat bei der Westf\u00e4lischen Rundschau, das in eine journalistische Festanstellung m\u00fcndete.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seine Erfahrungen aus dem Bergbau kamen ihm bei seiner ersten Reportage f\u00fcr den WDR in der Region Hagen\/Witten zugute, an der er Untertage anl\u00e4sslich eines Besuchs des in Barmen geb\u00fcrtigen damaligen NRW-Wirtschaftsministers Gerhard Kienbaum beteiligt war. Hier entstanden erste Kontakte nach Wuppertal. Jahn wurde WDR-Studio-Leiter in der Elberfelder Morianstra\u00dfe, einem Zwei-Mann-Betrieb.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Politisch gewollt war die Dezentralisierung und damit die Lokalisierung beim Westdeutschen Rundfunk, was beim WDR zum Aufbau von lokalen WDR-Studios in NRW f\u00fchrte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Am Elberfelder Dr. Tigges-Weg entstand \u201eRadio Bergisch Land\u201c, der Vorl\u00e4ufer der heutigen Lokalzeit (die jetzt von der Friedrich-Ebert-Stra\u00dfe aus sendet). Dass der auf dem Nachbargrundst\u00fcck wohnende, damalige NRW- Ministerpr\u00e4sident und sp\u00e4tere Bundespr\u00e4sident Johannes Rau quasi im Morgenmantel in das neue Studio kommen konnte, sollte kein Nachteil sein.<\/p>\n<h4>Hajo Jahn\u2019s Kinder\u2026<\/h4>\n<p>Radio Bergsch Land wurde in der damaligen Zeit der erfolgreichste Regional-Sender seiner Art. Das von Jahn entwickelte Konzept verband wie kein anderes regionale, Identit\u00e4t stiftende<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Elemente. Das bergische Heimatlied als \u201eJingle&#8220;, also kurze einpr\u00e4gsame Erkennungsmelodie, die \u201eWupperwelle\u201c als Nachrichtenblock oder die Dr\u00f6ppelmina als Symbolfigur geh\u00f6rten dazu.<\/p>\n<p>Gastmoderatoren wie Intendant Fritz Pleitgen selbst, Max Schautzer, der neben vielen ARD Sendungen, wie ARD-Wunschkonzert, Fernsehlotterie, Pleiten, Pech und Pannen sowie<\/p>\n<p>f\u00fcr die ARD den Eurovision Song Contest 1991 in Rom konzipierte und moderierte oder Manfred Erdenberger, eine der prominentesten Stimmen des Senders, kamen gerne und h\u00e4ufig als Gastmoderatoren in das kleine Studio am Dr.-Tigges-Weg. Auch ein Grund daf\u00fcr, dass das Wuppertaler Modell den jungen und talentierten Journalisten-Nachwuchs anzog, der unter Hajo Jahns Leitung journalistische Erfahrungen sammelte und heranreifte.<\/p>\n<p>Durch \u201eseine Schule\u201c gegangen sind unter anderen Horst Kl\u00e4user (u.a. USA-Korrespondent), Matthias Wegner (Kinderfunk, LILIPUZ<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>und B\u00c4RENBUDE)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ulrike R\u00f6mer (WDR 5 Morgenecho) Edda Damm\u00fcller (Nachrichten-Redakteurin WDR 2), Peter Kunz ( vormals Leiter des ZDF-Studios Singapur) und Jochen Rausch, der heutige Programmchef der Breitenprogramme 1 Live, WDR 2 und WDR 4<\/p>\n<p>zudem stellvertretender H\u00f6rfunkdirektor des WDR ist. Das wohl prominenteste \u201eJahn-Kind\u201c aber d\u00fcrfte der Solinger J\u00f6rg Sch\u00f6nenborn sein, der von der Uni zun\u00e4chst als Freier Mitarbeiter ans Mikrofon am Katernberg kam. Heute ist er \u201eWDR -Fernsehdirektor\u201c, besonders bekannt durch seine Auftritte in den ARD-Wahlstudios als \u201eWahlmoderator\u201c und im \u201eARD-Presseclub\u201c.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nenborn hatte seinen medialen Durchbruch in seiner Zeit als H\u00f6rfunkredakteur im WDR-Studio Wuppertal. F\u00fcr seine Berichterstattung vom Brandanschlag in Solingen wurde er 1993\/94 mit dem Telestar-F\u00f6rderpreis und dem Axel-Springer-Preis f\u00fcr Fernsehjournalismus ausgezeichnet. Aktuell berichtet Sch\u00f6nenborn f\u00fcr die ARD aus Washington von den US-Wahlen<\/p>\n<h4>M\u00fcssen \u201eKino im Kopf\u201c machen<\/h4>\n<p>An Auszeichnungen fehlt es auch Hajo Jahn nicht: F\u00fcr seine Verdienste wurden ihm 2003 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2006 der Rheinlandtaler und 2010 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Als die von ihm gef\u00fchrte<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft und das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland 1994 in D\u00fcsseldorf die Stiftung &#8222;Verbrannte und verbannte Dichter\/K\u00fcnstler &#8211; f\u00fcr ein Zentrum der verfolgten K\u00fcnste&#8220; ins Leben riefen, fand Jahn schnell Mitstreiter.<\/p>\n<p>Namhafte Autoren wie G\u00fcnter Grass, Siegfried Lenz, Johannes Mario Simmel oder Wolf Biermann und viele andere unterzeichneten den Gr\u00fcndungsaufruf. Mit Salman Rushdie unterschrieb auch der damals wohl bekannteste verfolgte Dichter. &#8222;Das hat gezeigt&#8220;, glaubt Jahn, &#8222;wie aktuell das Thema Verfolgung immer noch ist.&#8220;<\/p>\n<p>Der lang gehegte Traum des Hajo Jahn von einem \u201eZentrum f\u00fcr verfolgte K\u00fcnste\u201c wurde 2015 indes nicht in Wuppertal, sondern in Solingen realisiert, geht aber auf seine Initiative zur\u00fcck.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&#8222;Das Zentrum besteht offiziell, aber es lebt noch nicht&#8220; , \u00e4u\u00dferte er sich zuletzt gewohnt kritisch. Jahns Zentrums-Idee ist ambitioniert und politisch. Er w\u00fcnscht sich ein lebendiges, international vernetztes Haus. Wenn es tats\u00e4chlich nach au\u00dfen Wirkung entfalten soll, braucht das Zentrum mehr Mitarbeiter&#8220;, so Jahn. W\u00fcnschen w\u00fcrde er sich ad-hoc-Veranstaltungen, etwa<\/p>\n<p>eine kurzfristig machbare Veranstaltung nach den brutalen Mord am Pariser Geschichtslehrer Samuel Paty<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>mit Diskussionen und Workshops f\u00fcr Jugendliche \u00fcber Meinungsfreiheit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>&#8222;Um Jugendliche in Internet-Zeiten f\u00fcr die Freiheit und Kunst zu begeistern&#8220;, sagt Jahn, &#8222;muss man schon mehr machen, als nur Museum.&#8220; An Bildern k\u00f6nne man sich sattsehen. B\u00fccher setzten mit der Zeit Staub an. &#8222;Deshalb m\u00fcssen wir hier &#8218;Kino im Kopf&#8216; machen&#8220;.<\/p>\n<p>Hajo Jahn wird sich weiter f\u00fcr seine Ziele einsetzen. Zum Beispiel als Herausgeber der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Almanach-Ausgaben mit Sarah Kirsch und J\u00fcrgen Serke. Die Gesellschaft m\u00fcsse wachsam sein, davon ist Jahn heute mehr denn je \u00fcberzeugt und sieht besonders bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien noch einen guten Handlungsbedarf.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>\u201eDa gibt es ungenutzte journalistische Freir\u00e4ume. Hier ist f\u00fcr ein geb\u00fchrenfinanziertes und damit unabh\u00e4ngiges Medium deutlich mehr drin, meint er. \u201eElse Lasker-Sch\u00fcler hat gelebt wie niemand vor und niemand nach ihr. Sie hat sich nicht angepasst, hat keinen der Kompromisse geschlossen, aus denen unser Leben besteht, hat nie und nirgends auf ihr \u201aIch\u2018 verzichtet, auf ihre ganz eigene Sicht der Welt.\u201c<\/p>\n<p>So Jakob Hessing 2009 in einer Biografie \u00fcber die Dichterin, die 2009 in der Literarischen Welt ver\u00f6ffentlicht wurde und auch heute noch wie eine Aufforderung erscheint.<\/p>\n<p><strong>Text: Siegfried J\u00e4hne<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_34133\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 901px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-34133\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/da47881ccc3962658a2567f9216356f4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"891\" height=\"597\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Von der Heydt-Museum &#8211; \u00a9 Paul Coon<\/span><\/div>\n<h4>Rezension: Das Buch &#8222;Das Lied der Emigranten&#8220; von Hajo Jahn<\/h4>\n<p>Der Berg der Wahrheit, Zufluchtsort nicht nur<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>f\u00fcr den Sinn suchenden Eduard von der Heydt.<\/p>\n<p>Wuppertal und<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>das schweizerische Ancona verbindet etwas, was hierzulande in Vergessenheit geraten ist. Ascona, im Schweizer Kanton Tessin gelegen, ist nicht zuletzt bekannt durch seinen \u201eWahrheitsberg\u201c, den \u201eMonte Verit\u00e0\u201c. Der<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>321 m hoch gelegene H\u00fcgel<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>ist -besser war- ein magischer Ort, ein bekannter Treffpunkt von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lebensreform\">Lebensreformern<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pazifismus\">Pazifisten<\/a>, K\u00fcnstlern, Schriftstellern sowie Anh\u00e4ngern unterschiedlicher alternativer Bewegungen, so auch Revolution\u00e4ren.<\/p>\n<p>Zu diesen \u201eSinnsuchern\u201c des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts geh\u00f6rte auch der geb\u00fcrtige<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Elberfelder Eduard von der Heydt. Mehr noch, ihm geh\u00f6rte sogar zeitweise der \u201eBerg der Wahrheit\u201c. Die Wuppertaler Bankier- und Kaufmannsfamilie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Von_der_Heydt_(Familie)\">von der Heydt<\/a> hat bekanntlich zahlreiche Spuren in unserer Stadt hinterlassen.<\/p>\n<p>Der Name des &#8222;Von der Heydt-Museums&#8220; geht zur\u00fcck auf seinen wichtigsten Stifter, den Bankier August von der Heydt (1851-1929) und seinen Sohn Eduard (1882-1964). Sie \u00fcberlie\u00dfen dem Museum im Laufe von mehreren Jahrzehnten rund 300 Gem\u00e4lde und Skulpturen deutscher und franz\u00f6sischer K\u00fcnstler des 19. Jahrhunderts.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span><\/p>\n<p>Ein bisher weithin unbekanntes Gesicht des Kunstliebhabers Eduard von der Heydt zeigt der Wuppertaler Journalist und Vorsitzende der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft Hajo Jahn in seinem jetzt auf der Leipziger Buchmesse vorgestelltem Buch \u201eDas Lied der Emigranten\u201c auf, das im Peter Hammer Verlag erschienen ist und f\u00fcr 20 \u20ac erworben werden kann. Jahn und seine Gesellschaft bem\u00fchen sich um eine zeitgem\u00e4\u00dfe Erinnerungskultur.<\/p>\n<p>Zwischen Kunst und Kommerz war das Spektrum jener Zuz\u00fcgler angesiedelt, dass sich in Ancona niederliess. Eine f\u00fcr den damaligen gesellschaftlichen Zwiespalt typische Aussage: \u201e Das heutige Leben basiert auf Egoismus, Luxus, L\u00fcge und Heuchelei\u201c, so schrieb ein damals erst 24j\u00e4hriger Zivilisationsm\u00fcder.<\/p>\n<p>Eine besondere \u201eAbrechnung\u201c mit dem damaligen Zeitgeist, wie sie auch von Hermann Hesse in \u201eDer Weltverbesserer\u201c formulierte wurde. Der Schriftsteller Hesse hatte in Ancona versucht, vom Alkohol loszukommen. Dichter, Maler, Philosophen und Revoluzzer wie Ernst Bloch, aber auch Gerhard Hauptmann, Else Lasker Sch\u00fcler und Paul Klee logierten in so genannten &#8222;Licht-Luft-H\u00fctten&#8220; aus Holz, die mitten in die Wildnis des fr\u00fcheren Weinbergs gebaut wurden, sie wollten in der Natur \u201eentgiften\u201c.<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt hat Ascona wohl aber der Bankier Eduard von der Heydt. Er erwarb das vom Bankrott bedrohte \u201eMonte Verit\u00e0\u201c und lie\u00df hier 1929 ein Hotel bauen. Hajo Jahns Einlassungen zu Eduard von der Heydt sind in dem Buch eher zur\u00fcckhaltend. An anderer Stelle erf\u00e4hrt man \u00fcber die Bewunderung, die von der Heydt mit seiner weltumspannenden Kunstkollektion und seiner Idee, die Sch\u00f6nheit zu pflegen, erfuhr.<\/p>\n<p>Anderseits wurde das Wirken des Bankiers auch stark kritisiert, mit ihm habe das Geld auf dem Berg der Wahrheit Einzug gehalten. Der Kunstsammler Eduard von der Heydt habe gar einen faustdicken Pakt mit den Nazis gehabt, schrieb Hajo Jahn anl\u00e4\u00dflich des 22. Lasker-Sch\u00fcler-Forums, das im letzten Oktober in Ancona stattfand und zur Grundlagen seines hier rezitierten Werkes wurde.<\/p>\n<p>Das Buch widmet sich dem magischen Ort Ancona, der als R\u00fcckzugsort verstanden wurde,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>um die Idee vom Neuen Menschen abseits vom Kapitalismus und Kommunismus neu zu erfinden. Beschrieben werden die Rebellen, und Revolution\u00e4re, aber auch die zahlreichen K\u00fcnstler und ihre Werke. Nat\u00fcrlich steht<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>bei Jahn hier einmal mehr die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>in<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Elberfeld geborene J\u00fcdin Else Lasker Sch\u00fcler (1869-1945) im Mittelpunkt der Betrachtung, die im ersten Drittel des letzten Jahrhundert Weltgeltung erlangte und mit Franz Kafka in einem Atemzug gennant wurde. In ihrem Schweizer Exil schrieb die das Gedicht \u201eDas Lied der Emigranten\u201c, das dem Buch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span>den Titel gab.<\/p>\n<p>Erstmals wird auch das Leben ihres Sohnes Paul beschrieben, der Sch\u00fcler an der ber\u00fchmt ber\u00fcchtigten Odenwaldschule war.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Galt Else Lasker Sch\u00fcler bisher eher als \u201eHelikoptermutter\u201c, erf\u00e4hrt der Leser jetzt auch einiges \u00fcber die Mutterliebe, die der uneheliche Sohn von ihr erfahren habe<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>sowie \u00fcber dessen vergeblichen Kampf gegen die Tuberkulose, dem selbst das milde Klima im Tessin keine Heilung bringen konnte.<\/p>\n<p>Dass Buch schreibt aber auch \u00fcber eine gef\u00e4hrliche Altersl\u00fcge der Dichterin, die dabei aufgefallen war, als sich um 22 Jahre j\u00fcnger zu machen versuchte. Tats\u00e4chlich habe sie immer j\u00fcnger ausgesehen und litt unter dem \u00c4lterwerden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ihr erster Mann Berthold war in Berlin angehalten worden, weil sie aussah wie eine 12j\u00e4hrige und er in den Verdacht geraten war, ein Verh\u00e4ltnis mit einer Unm\u00fcndigen zu haben.<\/p>\n<p>Die Rede aber ist in dem Buch auch von der Wuppertaler Ausdruckt\u00e4nzerin Charlotte Bara und der Elberfelder Frauenrechtlerin Helene St\u00f6cker. Und man erf\u00e4hrt, dass der ber\u00fchmte Satz aus der Hymde der Proletarier\u201eAlle R\u00e4der stehen still, wenn dein starker Arm es will\u201c, von Georg Herwegh stammt, angeregt durch den Wortf\u00fchrer der fr\u00fcheren Arbeiterbewegung Ferdinand Lassale, der in Ronsdorf<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>wirkte und nach dem hier inzwischen eine Strasse sowie trotz heftiger Proteste eine Grundschule benannt wurde.<\/p>\n<p>Alle gemeinsam verbindet eine<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Vergangenheit in Ascona und Wuppertal, die hier aufgezeigt wird. Insgesamt eine lesenswerte Lekt\u00fcre f\u00fcr alle Geschichtsinteressierten, die f\u00fcr 20 Euro zu erwerben ist. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der bekannte Fernseh- und Rundfunk-Moderator Hajo Jahn wir am heutigen Montag (31.05.) 80 Jahre alt! Der geb\u00fcrtige Berliner ist Vorsitzender der Else-Lasker-Sch\u00fcler-Gesellschaft.\u00a0Als Rundfunk- sowie Fernseh-Moderator und -Reporter arbeitete Hajo Jahn von 1970 bis 2000 als WDR-Studioleiter in Wuppertal. L\u00e4ngst hat er sich auch als Buch-Autor einen Namen geschaffen. Wir gratulieren Hajo Jahn zum 80. Geburtstag.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-37933","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 19:26:34","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37933","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37933"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37933\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37943,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37933\/revisions\/37943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}