{"id":37632,"date":"2021-05-19T08:32:39","date_gmt":"2021-05-19T06:32:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=37632"},"modified":"2021-05-25T13:44:20","modified_gmt":"2021-05-25T11:44:20","slug":"bergische-transfergeschichten-ehevorbereitungen-im-hause-engels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/05\/19\/bergische-transfergeschichten-ehevorbereitungen-im-hause-engels\/","title":{"rendered":"\u201eTransfergeschichten\u201c: Ehevorbereitungen im Hause Engels"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_37633\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37633\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Prof._Lukas-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Wolfgang Lukas &#8211; \u00a9 Friederike von Heyden<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">In den Bergischen Transfergeschichten berichtet der Wuppertaler Editionsphilologe und Kulturwissenschaftler au\u00dferdem \u00fcber eine Medieninstallation im Wuppertaler Engelshaus, die die Besucher*innen mit auf eine Zeitreise zu den Ehevorbereitungen von Vater und Gro\u00dfvater Engels nimmt.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28444\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">Hintergrund der Projekte sind die ca. 350 Familienbriefe, die sich seit den 80er Jahren im Stadtarchiv befinden und die der ehemalige Leiter des Historischen Zentrums der Stadt Wuppertal (heute das Museum Industriekultur Wuppertal), Michael Knieriem, in Engelskirchen entdeckt hatte: eine Familienkorrespondenz der Eltern und Gro\u00dfeltern Friedrich Engels\u2018, aus dem Zeitraum 1791 bis 1858.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Neben der Online-Edition hat Lukas, in Kooperation mit Prof. Dr. Kristian Wolf, ma\u00dfgeblich zu der im neu restaurierten Engelsmuseum vorbereiteten Familienausstellung beigetragen. \u201eDie Besucher*innen erwartet eine Medieninstallation, die Text, Bild und Ton kombiniert\u201c, verr\u00e4t er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nun w\u00fcrden 350 Briefe auch interessierte Besucher*innen hemmungslos \u00fcberfordern, sodass der Literaturwissenschaftler eine Auswahl vorgenommen hat. \u201eEs sind genau 18 Briefe, die wir nach Themen geordnet haben. Ich nenne mal die Bereiche Religion, Liebe\/Erotik, Politik und die Gesch\u00e4ftsbeziehungen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Besonders stolz ist Lukas auf die Museumsinstallation. \u201eAuf einem gro\u00dfen Touchscreen, stehen die 18 Briefe zur Auswahl. Es gibt eine Zeitleiste, und ich bekomme meine gew\u00fcnschten Informationen nach Personen oder Themen angeboten.\u201c Ein Clou dieser Pr\u00e4sentation sei zweifelsohne die akustische Umsetzung der Beispielbriefe.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eWir haben alle Briefe von dem Schauspieler Olaf Reitz und der Schauspielerin Caroline Keufen von den Wuppertaler B\u00fchnen einlesen lassen. Man nimmt sich Kopfh\u00f6rer und es laufen die Originalbriefe im Faksimile \u00fcber eine Projektionsfl\u00e4che am Fenster. Ich sehe nur die alte Schrift, die sogenannte Deutsche Kurrent, und es ist so synchronisiert, dass ich die Zeile, die gerade gesprochen wird, auf der Leinwand sehe. Das ist wunderbar, diese alte Handschrift und die professionelle Stimme dazu\u201c, erkl\u00e4rt er begeistert.<\/p>\n<div id=\"attachment_32202\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 610px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-32202\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/csm_1861_0d35b8fde6.jpeg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"399\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Engelshaus &#8211; \u00a9 MIK Wuppertal<\/span><\/div>\n<p class=\"bodytext\">Auf dem Touchscreen gebe es drei Ansichten: das Faksimile, also die Kopie des Originals, eine wissenschaftliche Wiedergabe (diplomatische Transkription) sowie, als dritte Version, eine Lesefassung in einer leicht modernisierten Form, jedoch nicht an der neuen Rechtschreibung orientiert. \u201eWir m\u00f6chten damit gerne die kulturhistorisch Interessierten als auch die philologisch im engeren Sinne Interessierten ansprechen, die ihr Wissen vor Ort vertiefen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Eheanbahnungen im Wandel<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Aber was ist an dieser Familienkorrespondenz eigentlich so spannend? Neben den verschiedenen Themen f\u00e4llt ein historischer Aspekt besonders ins Auge: Der Wandel der Eheanbahnungen im Hause Engels.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDas ist f\u00fcr mich einer der spannendsten Punkte an diesem Briefwechsel, weil wir den Briefwechsel zwischen Gro\u00dfvater und Gro\u00dfmutter sowie Vater und Mutter haben. Der ist zwar etwas einseitig, aber dieser Braut- und Ehebriefwechsel beginnt zu dem Zeitpunkt 1791, als sich der Gro\u00dfvater Johann Caspar Engels eine zweite Frau sucht, weil seine erste Frau, Johanna Konstantia, fr\u00fch gestorben ist\u201c, erkl\u00e4rt Lukas.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Da beginne der Briefwechsel und gehe dann weiter bis in die Zeit der ersten Ehejahre. \u201eCa. 30 Jahre sp\u00e4ter, um 1820 herum, kommt dann der Sohn, also Friedrich Engels Vater, und macht dasselbe. Aber dasselbe ist total anders!\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Eheplanungen im 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhundert hatten noch klare Vorgaben, vor allem im Adel und in den l\u00e4ndlichen Schichten, aber auch noch im B\u00fcrgertum. \u201eDer Adel dachte in Kategorien von Allianzen und Genealogien. Die Bauern hatten \u00f6konomische Aspekte der Versorgung im Blick, man brauchte eine t\u00fcchtige B\u00e4uerin auf dem Hof. Also Liebe war nicht die erste Voraussetzung\u201c, sagt Lukas.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Wandel in den Eheanbahnungen sei zwischen den Briefen des Gro\u00dfvaters und denen des Vaters von Friedrich Engels sehr sch\u00f6n nachvollziehbar, denn Letzterer habe sich tats\u00e4chlich in seine sp\u00e4tere Frau, Elisabeth Franziska Mauritia van Haar, genannt Elise, verliebt. Um seine beginnende Liebesgeschichte nicht zu gef\u00e4hrden, musste sich Friedrich Engels Senior jedoch mit den damaligen Konventionen arrangieren, sodass einige seiner Briefe nicht direkt verschickt werden konnten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eMan muss sich vorstellen, Briefverkehr, das war immer ein Ereignis. Wenn der Postbote einen Brief brachte, war es sehr \u00fcblich, dass der ,en famille\u2018 verlesen wurde. Also man musste schon, wenn man etwas schreiben wollte, das nicht von der ganzen Familie gelesen werden sollte, es heimlich zustellen lassen.\u201c Das seien die ersten Zeichen einer wachsenden Intimit\u00e4t, betont Lukas und es sei nachgewiesen, dass eben solche Briefe \u00fcber eine Hausangestellte, einen Freund oder eine Schwester \u00fcberbracht wurden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Engels\u2019 Vorsicht ist bemerkenswert, und auch sp\u00e4ter legt er noch Wert auf briefliche Intimit\u00e4t. \u201eDa droht er auch mal seiner Frau und schreibt, wenn ich erfahre, dass du meine Briefe irgendjemand anderem zeigst, dann schreibe ich dir nie wieder solche Intima.\u201c\u00a0 Hier wird eine modernere Liebeskonzeption deutlich, wie sie vor allem von der romantischen Literatur um und nach 1800 propagiert wurde und die in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts zum Modell der sogenannten Liebesehe f\u00fchrt.<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Die Online-Edition<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Die Korrespondenz der Familie Engels soll durch die Aufarbeitung f\u00fcr die Online-Edition nun einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich gemacht werden. \u201eWir haben alle Originale in der Hand gehabt\u201c, sagt Wolfgang Lukas und lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Museum Industriekultur Wuppertal und dem Stadtarchiv. In mehreren Masterseminaren des Studiengangs Editions- und Dokumentwissenschaft hat der Wissenschaftler mit seinen Studierenden die Briefe regelrecht autopsiert und nach Wasserzeichen, Textabst\u00e4nden und Schrifterkennung geforscht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Neben dem schriftlichen Erfassen kam dann auch die digitale Umsetzung dazu. Lukas fand einen Studenten des Masters Druck- und Medientechnologie, der die medientechnologische Aufarbeitung \u00fcbernahm. F\u00fcr die inhaltliche Sichtbarkeit bedurfte es weiterer Spezialist*innen aus dem Bereich der Informatik sowie des Medien-\/Interfacedesigns. Unter Leitung von Prof. Lukas und Prof. Wolf arbeiten derzeit sieben (z. T. ehemalige) Studierende aus vier verschiedenen Fakult\u00e4ten der Bergischen Universit\u00e4t an den beiden Projekten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Man darf gespannt sein, sowohl auf die baldige Wiederer\u00f6ffnung des Engelshauses als auch auf die Freischaltung der umfassenden Online-Edition, die unter der Adresse <a class=\"external-link-new-window\" href=\"http:\/\/www.familie-engels-briefe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.familie-engels-briefe.de<\/a> abrufbar sein wird. Und das Ende ist nach wie vor offen, denn im Stadtarchiv warten noch weitere Korrespondenzen aus dem Umfeld der Familie Engels auf ihre Sichtung, die die Familienstruktur einer Bergischen Dynastie in Zukunft noch vervollst\u00e4ndigen kann.<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"align-right\">Prof. Dr. Wolfgang Lukas<br \/>\n<span class=\"sub_caption\">Foto Friederike von Heyden<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie war das mit der Liebe bei den Engels? Das verraten private Briefe, die Prof. Dr. Wolfgang Lukas von der Bergischen Universit\u00e4t nun einem interessierten Publikum durch eine neue Online-Edition zug\u00e4nglich machen will.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-37632","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-08 13:23:12","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37632"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":37660,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37632\/revisions\/37660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}