{"id":37365,"date":"2018-06-28T12:54:34","date_gmt":"2018-06-28T10:54:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=37365"},"modified":"2025-05-12T19:07:39","modified_gmt":"2025-05-12T17:07:39","slug":"tony-cragg-ein-weltbuerger-der-sich-in-wuppertal-zuhause-fuehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2018\/06\/28\/tony-cragg-ein-weltbuerger-der-sich-in-wuppertal-zuhause-fuehlt\/","title":{"rendered":"Tony Cragg: Ein Weltb\u00fcrger, der sich in Wuppertal zuhause f\u00fchlt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_54965\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54965\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_7568_a-2-1024x736.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"736\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der weltber\u00fchmte Bildhauer Tony Cragg &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p>Der STADTZEITUNG hat der bescheidene Weltstar, dessen Skulpturen ber\u00fchmte Pl\u00e4tze und Geb\u00e4ude auf der ganzen Welt schm\u00fccken, ein offenes, umfassendes Interview gegeben<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Wie schafft man es, u\u0308ber einen so langen Zeitraum so erfolgreich zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg (lacht): \u201eBin ich das? Ich wei\u00df es nicht. Die Frage kann ich nicht so einfach beantworten. Ich hatte einfach schon als junger Mann ein gro\u00dfes Interesse daran, meinen Weg zu gehen und mich im Atelier mit Materialien zu bescha\u0308ftigen. Das fasziniert mich heute noch. Was dann am Ende dabei herauskommt, gibt mir die Energie, die Motivation, aber auch die Information und das Wissen, um weiter zu machen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Ich lerne sta\u0308ndig dazu. Ich hatte das gro\u00dfe Privileg, dass ich inzwischen schon 50 Jahre lang meine Arbeit machen und mich immer weiter entwickeln durfte. Ich finde es auch sehr positiv, dass mich Menschen auf diesem Weg begleiten. Vielleicht ist das mein Erfolg. Eine andere Erfolgsstrategie habe ich jedenfalls nicht. Ich bin keiner, der viel in der O\u0308ffentlichkeit auftritt, ich gehe nur selten auf Vernis- sagen. Ich mache einfach nur meine Arbeit.\u201c<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Haben Sie auch schon einmal eine Schaffens- krise erlebt, in der Ihre Kreativita\u0308t blockiert war?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eJa, das das a\u0308u\u00dfert sich darin, dass ich nicht alles schaffen kann, was ich eigentlich schaffen will. Es gibt Momente, da fehlt mir einfach die Zeit. In einem Arbeitsprozess, der sich oft u\u0308ber Tage, Wochen oder sogar Monate hinzieht, geht man so vieles in Gedanken durch: Es gibt Tausende von Entscheidungen; macht man es so oder anders. Und am Ende, wenn man die Arbeit fertig gestellt hat, dann stellt man sich im Nachhinein die Frage: Was wa\u0308re gewesen, wenn ich in in eine andere Richtung gegangen wa\u0308re? Denn jede einzelne Entscheidung hat Auswirkungen auf das Endprodukt. Was am Ende u\u0308brig bleibt, ist die fertige Arbeit und das Potential und die Vision, daraus drei, vier oder noch mehr neue Arbei- ten zu entwickeln. Und damit bin ich dann u\u0308berfordert. Ich kann unmo\u0308glich all die Wege nachgehen, die sich dann o\u0308ffnen. Das empfinde ich manchmal als so eine Art Schaffenskrise.\u201c<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Haben Sie auch schon Mal ein Kunstwerk vor Vollendung zersto\u0308rt?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eGanz oft &#8211; und das muss auch so sein! Ich habe vorher eine genaue Vorstellung, in welche Richtung ich bei der Arbeit an einer Zeichnung oder einer Skulptur gehen soll. Sonst wu\u0308rde ich gar nicht wissen, welches Material und welches Werkzeug ich brauche. Aber wenn ich ganz frei an eine Arbeit herangehe, bin ich, fast immer, nach wenigen Zu\u0308gen und Bewegungen an einem Punkt gelandet, den ich vorher gar nicht voraussehen konnte. Das ist wie beim Schachspielen. Ich kann vielleicht sechs oder sieben Zu\u0308ge vorausschauen. Aber irgendwann stehe dann vor einer ganz neuen Situation. Und dann gibt es keine Garantie, dass die Endstation einer Arbeit interes- sant ist. Einige Arbeiten entwickele ich nicht weiter. Sie bleiben einfach unvollendet.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Sie sind als Bildhauer ein Welt-Star. Fu\u0308hlen Sie sich auch als ein solcher?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eAus meiner Perspektive ganz sicher nicht! Ich verbringe den Gro\u00dfteil meines Lebens in meinem Atelier, oder befasse mich mit Installationen und Aus- stellungen. Ich meide das Publikum nicht, aber ich bin froh, wenn ich in Ruhe gelassen werde und einfach nur arbeiten kann.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_29061\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 911px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-29061\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2e01f7fe394ca42ac7bf4f5ad2b96d85.jpeg\" alt=\"\" width=\"901\" height=\"613\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Opernhaus mit der Tony-Cragg-Skulptur im Vordergrund &#8211; \u00a9 Wuppertaler B\u00fchnen<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wer sich fu\u0308r Kunst und Kultur interessiert, der kennt Sie. Wie erkla\u0308ren Sie den Leuten in New York, Los Angeles oder Melbourne, wo ihr beru\u0308hmter Skulpturenpark Waldfrieden liegt?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg (lacht): \u201eDas ist nicht immer leicht. Man muss ja sogar auch so manchem Bayern noch erkla\u0308ren, wo Wuppertal liegt. Ich bin aus rein familia\u0308ren Gru\u0308n- den nach Wuppertal gekommen. Das war eher Zufall. Aber ich freue mich riesig, dass ich hier gelandet bin. Einen anderen Verlauf meines Lebens kann ich mir auch nach so vielen Jahren, die ich hier wohne, gar nicht mehr vorstellen. Hier im Rhein-Ruhr-Gebiet gibt es so viele Museen und Konzerthallen. Ich kenne eigentlich nirgendwo auf der Welt eine Region, die ein solches Potential und eine solche Kulturgeschichte besitzt. Ich beschreibe es im Ausland immer so, dass Wuppertal einen pra\u0308chtige Entwicklung durchmacht und ein wich- tiger Teil eines gro\u00dfen Gebildes, einer gro\u00dfen Region ist.\u201c<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Aus der ganzen Welt kommen Menschen nach Wuppertal, um Ihren Skulpturenpark zu bestaunen, dagegen haben viele Wuppertaler Bu\u0308rger noch nie einen Fu\u00df in Ihren Park gesetzt. A\u0308rgert Sie das?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p>Tony Cragg: \u201eEs a\u0308rgert mich u\u0308berhaupt nicht. Es ist aber bedauerlich fu\u0308r die Leute, die noch nie hier im Park waren. Auch wenn wir den Eindruck haben, dass die Kunst in der Gesellschaft einen immer gro\u0308\u00dferen Stellen- wert bekommt, wird es immer Menschen geben, die sich vielleicht fu\u0308rs Auto-Sammeln interessieren &#8211; oder auch gar keine Interessen haben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Liverpool ist nicht nur ihre, sondern auch die Heimat der \u201eBeatles\u201c. Sind Sie eigentlich auch ein- mal mit den beru\u0308hmten Musikern in Beru\u0308hrung gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: Nein, u\u0308berhaupt nicht. Die Beatles stammen aus einer anderen Generation und ich wurde lediglich in Liverpool geboren, bin aber dort nicht aufgewachsen. Die Stadt Liverpool war dennoch sehr gro\u00dfzu\u0308gig zu mir. Ich hatte eine meiner gro\u0308\u00dfte Ausstellungen dort, in der Tate-Gallery. Und ich habe au\u00dferdem ein Doktorat von der Universita\u0308t Liverpool.\u201c<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>DS: Sie haben ja auch ein Anwesen in Schweden und besitzen dort eine Schafherde. Tanken Sie dort Kraft und Kreativita\u0308t wieder auf ?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eJa ich habe ein zweites Zuhause auf einer Insel an der Westku\u0308ste von Schweden. Ich besitze aber keine eigene Schafherde. Wir leben da allerdings in einem Naturschutzgebiet, in dem es auch Schafe gibt. Ich liebe die tolle Landschaft und die Menschen dort. Und fu\u0308r mich ist es willkommene Abwechslung. Ich arbeite dort unter ganz anderen Bedingungen, wie ich sie hier in meinem Wuppertaler Atelier habe.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie schaffen Sie es, einfach einmal abzuschalten?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eNur wenn ich schlafe. Man redet bei Ku\u0308nst- lern auch von Arbeit. Aber ich empfinde das, was ich mit Leidenschaft gerne tue, gar nicht als Arbeit. Wenn ich morgens wach werde, hat mein erster Gedanke meist etwas mit einer meiner Skulpturen zu tun. Ich nutze dann jede Gelegenheit, physisch an dem Werk weiter zu arbeiten.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_34905\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-34905\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/BA9I5888-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tony Cragg bei einer Ausstellungs-Einf\u00fchrung &#8211; \u00a9 Ralf Silberkuhl<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Sie stellen in Ihrem Skulpturenpark ja auch Werke von anderen Ku\u0308nstlern wie etwa Henry Moore oder Markus Lu\u0308pertz aus. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Ku\u0308nstler und Ihre Werke aus?<\/strong><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 21\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Tony Cragg: \u201eDas sind alles gro\u00dfe Ku\u0308nstler und die faszi- nieren mich. Ich habe nicht den Stein der Weisheit. Jeder dieser Ku\u0308nstler hat seine ganz individuelle Sicht auf die Welt und vermittelt uns von ihr ein neues Bild. Fu\u0308r mich ist es spannend, praktisch durch ihr Gehirn, ihre Augen und aus ihrem Blickwinkel als Individuum und Ku\u0308nstler die Welt zu betrachten. Das ist ein wahnsinniges Privileg. Ich liebe die Bildhauerei im Allgemeinen. Sie hat ein irresPotential. Von Hubert Kiecol bis Markus Lu\u0308pertz, von John Chamberlain bis Henry Moore. Es gibt scheinbar riesige Unterschiede, aber sie alle zeigen uns mit ihren Werken etwas u\u0308ber unsere Realita\u0308t. Die Bildhauerei ist ein wahnsinniges Feld, es hat eine riesige Spannweite von Damien Hirst bis Georg Baselitz. In zehn Jahren haben wir im Skulpturenpark inzwischen rund 40 Ku\u0308nstler ausgestellt. Und wir machen natu\u0308rlich weiter.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sozusagen Ihr Lebenswerk ist ja u\u0308ber viele Monate im Von der Heidt-Museum ausgestellt gewesen. Wie sehr haben Sie dieses Heimspiel genossen?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eIch war sehr glu\u0308cklich u\u0308ber die Einladung, dort auszustellen. Ich habe lange daru\u0308ber nachgedacht, wie ich eine Ausstellung gestalten ko\u0308nnte, die im Grunde genommen in einem Museum fu\u0308r Malerei stattfinden sollte. Das hatte natu\u0308rlich Auswirkungen. Es war eigent- lich nur ein kleiner Ausschnitt meines Lebenswerkes. Alles musste durch ein relativ kleines Fenster ins Museum transportiert werden. Es gibt dort gro\u00dfartige Ra\u0308ume. Und ich wollte natu\u0308rlich, dass meine Arbeiten darin zur Gel- tung kamen. Am Ende war ich sehr zufrieden. Ich bin ein gro\u00dfer Bewunderer unseres Museums und seines Direktor Dr. Gerhard Finckh. Er ist einfach genial bei der Auswahl und Umsetzung der Ausstellungen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Die Stadt Wuppertal hat imagema\u0308ssig sehr von Ihnen als weltweit anerkanntem Ku\u0308nstler und von der Strahlkraft ihres Skulpturenparks profitiert. Inwieweit haben Sie denn von Ihrer Wahlheimat profitiert?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eUnd wie. Ich lebe hier, meine Kinder sind hier aufgewachsen. Ich gehe jeden Tag in den scho\u0308nen Wa\u0308ldern wandern. Ich finde die Stadt an sich inspirierend. Es gibt die Spannbreite zwischen Gru\u0308nderzeit-Archi- tektur, Industriegeschichte, Modernita\u0308t, bis hin zu sozial schwachen Vierteln. Wuppertal ist nicht nur physisch, sondern auch wegen der Lebensqualita\u0308t und dem Kultur- angebot eine interessante Stadt. Wuppertal hat in einemausgepra\u0308gten, a\u0308sthetischen Sinn immer von Innovatio- nen und Erfindungen gelebt. Deswegen haben wir ein so tolles Museum, deswegen entstand hier eine Kunst- und Kulturszene mit Ku\u0308nstlern wie zum Beispiel Pina Bausch. Ich habe hier ein sehr scho\u0308nes Leben und bin dafu\u0308r sehr dankbar.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ganz Wuppertal ist &#8211; wenn man so will &#8211; ein Tony Cragg Skulpturenpark. An vielen markanten Pla\u0308t- zen stehen ihre Werke. Gibt es irgendeine Location, wo Sie gerne noch eine Skulptur von Ihnen sehen wu\u0308rden?<\/strong><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 20\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 21\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<div class=\"page\" title=\"Page 21\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Tony Cragg: \u201eDas ist natu\u0308rlich etwas u\u0308bertrieben. Man findet genau sechs Skulpturen von mir in der Stadt. Es gibt aber auf der anderen Seite in Wuppertal auch rund 200.000 Autos. Ich bin damit zufrieden. Ich fa\u0308nde es aber scho\u0308n, wenn es mehr Skulpturen von anderen Ku\u0308nst- lern in der Stadt ga\u0308be. Ich mo\u0308chte nicht der Einzige sein, der hier seine Arbeiten o\u0308ffentlich ausstellt. Aber Bildhauereien sind ganz allgemein eine Seltenheit im Stadtbild.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Bei gesellschaftlichen Ereignissen sieht man Sie selten, warum machen Sie sich da so rar?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eIch mache mich gar nicht rar, ich habe ein- fach nur etwas anderes zu tun.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Ku\u0308nstler, der ju\u0308ngeren Generation bewundern Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eEs gibt ein gro\u00dfes Spektrum an jungen Ku\u0308nstlern. Aber ju\u0308ngere Genration ist relativ. Ich bin 69, hinter mir gibt es acht ju\u0308ngere Generationen. Ich habe immer gedacht zum Beispiel, dass Andreas Gurski ein junger Ku\u0308nstler wa\u0308re, aber mittlerweile ist er auch schon ein reifer Kollege geworden.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben ja der erfolgreichen von Gerald Hacke kreierten Musik-Reihe \u201eTonleiter\u201c in Ihrem Skulpturenpark eine Plattform gegeben. Was fas- ziniert Sie so sehr an zeitgeno\u0308ssischer, klassischer Musik?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eWir ko\u0308nnen im Park nicht den Rahmen fu\u0308r klassische Konzerte bieten. Dafu\u0308r gibt es ada\u0308quate Konzerthallen. Deshalb pra\u0308sentieren wir moderne, zeit- geno\u0308ssische Musik. Und das finde ich sehr spannend. Die Musik stammt aus unserer Zeit. Die Klassiker ko\u0308nnen wir genie\u00dfen, aber sie sind aus der Vergangenheit und fu\u0308r uns irgendwie vertraut. Zeitgeno\u0308ssische Musik zielt auf die a\u0308sthetischen Nerven, sie ist insgesamt komplexer, die Strukturen sind komplizierter, ausdruckssta\u0308rker. Manchmal ist es schwer, sie auf Anhieb zu begreifen. Man muss einige Sequenzen teilweise mehrfach ho\u0308ren, um bestimmte Strukturen zu erfassen. Was ich aber wirklich ganz toll finde an der zeitgeno\u0308ssischen Musik: Sie ist eine Parallele zur Bildhauerei.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_28150\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-28150\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/90bf545a4662c997467cd9c0647bd59a-scaled-1-1024x657.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"657\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Tony Cragg-Skulptur vor der Junias Uni &#8211; @ Junior Uni<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Jetzt sind wir aber auf ihre Erkla\u0308rung gespannt&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eIch stelle mir vor, ein Mensch nimmt eine Note und stellt sie in den Raum, dann nimmt er eine andere Note und baut damit eine neue Struktur, die noch einmal im Raum wiederholt werden kann. Genauso schaffe ich meine Skulptur. Ich habe eine Fla\u0308che, auf der gar nichts steht, ich nehme ein Material und baue damit Stu\u0308ck fu\u0308r Stu\u0308ck etwas auf, bis irgendetwas entsteht, das vorher nicht da war. Das ist ein kreativer Akt. Ich liebe zeitgeno\u0308ssische Musik sehr. Was ich allerdings nicht kann, ist Musik ho\u0308ren und dabei arbeiten.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ko\u0308nnte irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem Sie sagen: So jetzt reicht es, jetzt setze ich mich zur Ruhe?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eDaru\u0308ber denke ich gar nicht nach. Ich wu\u0308sste auch gar nicht, welche Umsta\u0308nde eintreten mu\u0308ss- ten, um fu\u0308r mich eine solchen Entscheidung zu fa\u0308llen. Vielleicht wird das eines Tage so sein, aber ich kann es mir eigentlich gar nicht vorstellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Ihr Skulpturenpark ist ein Garten Eden der Kunst-Genres. Zusa\u0308tzlich zu Ihren Werken gibt es auch Skulpturen, Gema\u0308lde und Installationen anderer Ku\u0308nstler, es gibt Tanz, Jazz, zeitgeno\u0308ssische Musik, Weltmusik. Haben Sie sich das in Ihrer Phan- tasie so ausgemalt?<\/strong><\/p>\n<p>Tony Cragg: \u201eNein! Ich habe mir das ganz anders vor- gestellt. Ich musste da erst einmal meine Erfahrungen machen. Fu\u0308r mich ist alles in Fluss, eine Entwicklung und ich bin gespannt, wie es weiter geht. Es wird immer in der Zukunft kulturelle Entwicklungen geben, die wir alle heute nicht voraussehen ko\u0308nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Vielen Dank fu\u0308r das sehr spannende Gespra\u0308ch.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview fu\u0308hrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<h4>VITA Tony Cragg<\/h4>\n<p>Sir Tony Cragg, eigentlich Anthony Douglas Cragg, wurde am 09. April 1949 in Liverpool als Sohn eines Elektro- ingenieurs in der Luftfahrtindustrie geboren.<br \/>\nTonyw Cragg arbeitete nach dem Abitur zuna\u0308chst als Praktikant bei einem biochemischen Forschungsunter- nehmen, bevor er sich der Kunst widmete. Er nahm sein Studium am Gloucestershire College of Art and Design auf, besuchte anschlie\u00dfend die Malklasse der damaligen Wimbledon School of Art, bevor er 1973 an das Royal College of Art in London wechselte.<\/p>\n<p>Wa\u0308hrend seines Studiums verlagerte sich Tony Craggs Interesse vom Malerischen zum Plastischen. Seine Bekanntschaft mit dem Konzeptku\u0308nstler Richard Long beeinflusste sein Schaffen. 1977 zog Tony Cragg nach Wuppertal.<\/p>\n<p>Ab 1979 lehrte er an der Kunstakademie Du\u0308sseldorf, ab 1988 als Professor. Im Jahr 2001 wurde Tony Cragg Pro- fessor fu\u0308r Bildhauerei an der Hochschule der Ku\u0308nste in Berlin. Seit 1994 ist er Mitglied an der Royal Academy of Arts in London und seit 2002 Mitglied der Akademie der Ku\u0308nste in Berlin. Au\u00dferdem wurde er im selben Jahr in den Stand eines Commander of the British Empire (CBE) erhoben.<\/p>\n<p>Cragg war Prorektor und ab 2009 Rektor der Kunst- akademie Du\u0308sseldorf als Nachfolger von er Markus Lu\u0308pertz. Am 1. August 2013 gab er das Amt an Rita McBride ab.<\/p>\n<p>2006 erwarb der Bildhauer in Wuppertal einen 15 Hektar gro\u00dfen verwilderten Park mit der denkmalgeschu\u0308tzten Villa Waldfrieden, dem ehemaligen Wohnsitz von Kurt Herberts, um hier den Skulpturenpark Waldfrieden auf- zubauen. Dieser wurde im September 2008 ero\u0308ffnet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.skulpturenpark-waldfrieden.de\">http:\/\/www.skulpturenpark-waldfrieden.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 21\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der weltweit anerkannte Bildhauer Tony Cragg ist der- zeit sicher der ber\u00fchmteste Sohn der Stadt Wuppertal. Kunst-Freunde von allen Erdteilen besuchen seinen Skulpturenpark \u201eWaldfrieden\u201c, ein atmendes, lebendiges Open-Air-Museum, in dem Kunst und Natur eine ein- malige Symbiose eingehen. Der geb\u00fcrtige Liverpooler ist eigentlich ein Weltb\u00fcrger, aber er f\u00fchlt sich l\u00e4ngst in Wuppertal, seiner Wahlheimat, zuhause. <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-37365","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-28 08:24:53","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37365","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37365"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37365\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83886,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37365\/revisions\/83886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37365"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37365"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37365"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}