{"id":3563,"date":"2016-01-22T09:33:52","date_gmt":"2016-01-22T08:33:52","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/01\/22\/alzheimerkrankheit-buchbesprechung-mit-annegret-bock-zur-pandemie-des-21-jahrhunderts\/"},"modified":"2016-01-22T09:33:52","modified_gmt":"2016-01-22T08:33:52","slug":"alzheimerkrankheit-buchbesprechung-mit-annegret-bock-zur-pandemie-des-21-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/01\/22\/alzheimerkrankheit-buchbesprechung-mit-annegret-bock-zur-pandemie-des-21-jahrhunderts\/","title":{"rendered":"Alzheimerkrankheit: Buchbesprechung mit Annegret Bock zur Pandemie des 21. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-3562\" src=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/5f1edc5f0d6d6465a30b267802485710.jpg\" alt=\" \u00a9 mickyso \/ Fotolia.com\" width=\"770\" height=\"513\" \/><\/p>\n<p>Am Anfang stehen oft ungel\u00f6ste seelische Probleme &#8230;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<p>Die Erinnerungsf\u00e4higkeit zu verlieren, ist vielleicht eine der schlimmsten Formen menschlichen Leids, weil sie uns der F\u00e4higkeit beraubt, Gl\u00fcck zu empfinden. Die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer, einer Unterform der Demenz, zu erkranken, liegt heute bei \u00fcber 50 Prozent. Diese schockierende Prognose besch\u00e4ftigt eine Vielzahl von Menschen, so auch die Wuppertaler STADTZEITUNGS-Leserin Annegret Bock (74). Ihr ist es ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis, von ihren Erfahrungen zu berichten, die sie im Umgang mit dieser Krankheit gemacht hat. Annegret Bock \u2013 sie l\u00e4sst Wuppertals Originale Mina Knallenfalls und Zuckerfritz bei den \u201aPlattkaller-Abenden\u2018 mit Lore Duwe im \u201eKontakthof\u201c lebendig werden.<\/p>\n<p>Sie hat in der eigenen Familie Erfahrungen mit der Krankheit gemacht. Ihr Mann Heinz Bock war einer die Richter im Bartsch-Prozess. Annegret Bock ist davon \u00fcberzeugt, dass diese Herausforderungen und Belastungen mit ausl\u00f6senden Charakter hatten und glaubt, hier erste Anzeichen von Alzheimer erkannt zu haben. Erfahrungen sammelte sie zudem als \u201eRosa Dame\u201c, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin im Betreuungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, in der neurologischen Station der Wuppertaler Helios Kliniken. \u201eEs gibt eine Alzheimer-L\u00fcge\u201c sagt sie in Anspielung auf den gleichnamigen Spiegel-Bestseller von Dr. med. Michael Nehls, der sich auf Aussagen f\u00fchrender Mediziner und Forscher st\u00fctzt. Ihre pers\u00f6nlichen Erlebnisse und daraus resultierenden Anregungen f\u00fchren uns zu dieser reflektierenden Buchbesprechung. Die Thesen richten sich zum Teil gegen vorherrschende Meinungen, stellen die Theorie eines zwingenden genetischen Schicksals in Frage und sprechen sogar von einer vermeidbaren Krankheit.<\/p>\n<p>Die L\u00fcge bestehe darin, dass die Krankheit nur zu oft als Begleiterscheinung der steigenden Lebenserwartung dargestellt werde. Dahinter verberge sich ein milliardenschweres Interesse der Pharma-Industrie, die Heilung oder mindestens Besserung verspricht. Nicht aber Medikamente k\u00f6nnten etwas bewirken, sondern nur eine gesunde Lebensf\u00fchrung mit gezielter Vorbeugung, so Annegret Bock. Und in der Tat kommen alle seri\u00f6sen wissenschaftlichen Forschungen zum gleichen Ergebnis: Die Alzheimer-Krankheit kann derzeit nicht geheilt werden. Die positive Wirkung der derzeit zur Demenzbehandlung zugelassenen Medikamente auf bestehende Symptome ist relativ gering, sie k\u00f6nnen das Voranschreiten der Erkrankung nicht stoppen. Dennoch bestehe Hoffnung, Einfluss auf die Entwicklung nehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit f\u00fcr die Forscher besteht darin, dass die Krankheit schleichend beginnt. Vorsichtigen Sch\u00e4tzungen zufolge beginnt der Alzheimer-Prozess schon 10 bis 15 Jahre vor den ersten klinischen Zeichen, m\u00f6glicherweise aber auch schon viel fr\u00fcher, insbesondere dann, wenn genetische Defekte die Ursache sind. Am Anfang stehen leichte St\u00f6rungen der Erinnerungsf\u00e4higkeit, die nicht zwangsl\u00e4ufig in eine Alzheimer Erkrankung m\u00fcnden. Allerdings entwickelt sich das Vollbild der Erkrankung (Pers\u00f6nlichkeits-Ver\u00e4nderung, Desinteresse, Verlust der Erinnerung, Pflegebed\u00fcrftigkeit etc.) in 80 Prozent aller F\u00e4lle innerhalb der folgenden sieben Jahre. Derzeit setzt man in der Fr\u00fcherkennung auf sogenannte Biomarker, mit denen Ver\u00e4nderungen in der R\u00fcckenmarksfl\u00fcssigkeit nachgewiesen werden k\u00f6nnen. Die Hoffnung ist indessen, fr\u00fchzeitig in den Krankheitsprozess eingreifen zu k\u00f6nnen, denn sobald die Krankheit ausgebrochen ist, werde sehr wahrscheinlich auch kein Medikament der Zukunft in der Lage sein, den entstandenen Hirnschaden zu reparieren, wie eine gro\u00dfe US-Studie belegt. Aber was bedeutet in diesem Falle \u201aeingreifen\u2018? \u201eMan mu\u00df seinen Lebensstil grundlegend \u00fcberdenken\u201c, so Annegret Bock.<\/p>\n<p>Sie sieht es so: Unsere moderne Lebensweise befriedigt immer weniger unsere nat\u00fcrlichen menschlichen Bed\u00fcrfnisse, unser Organismus leidet unter einer Vielzahl von teils unerkannten M\u00e4ngeln. Die heute \u00e4ltesten und ges\u00fcndesten Menschen leben auf einer weit im S\u00fcden Japans gelegenen Inselgruppe namens Okinawa. \u201eAlzheimer\u201c ist hier ein Fremdwort. Die Wahrscheinlichkeit, den 100. Geburtstag zu erleben, ist hier 34 Mal so gro\u00df wie in Deutschland. Fachleute sind davon \u00fcberzeugt, dass die richtige Balance der sechs essenziellen Bereiche menschlicher Bed\u00fcrfnisse das Alzheimer Risiko erheblich tangieren: Lebenszweck, Sinn, Umfeld, Bewegung, Ern\u00e4hrung, Zeit und das \u201eSelbst\u201c.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, wer seinen Lebenszweck allein auf Reichtum, Macht und Ruhm ausrichte, wird scheitern. Stichwort: Man lebt nur, um zu arbeiten, satt zu arbeiten um zu leben.<br \/>Das Demenzrisiko erh\u00f6ht sich, wenn wir unsere nat\u00fcrlichen, genetisch bedingten Eigeninteressen v\u00f6llig den gesellschaftlichen Vorgaben &#8211; opfern. Statt Isolation brauchen wir den sozialen Input mit unserem Umfeld. Annegret Bock: \u201eIch kenne Menschen, die alles verdr\u00e4ngt haben, Probleme nur in sich hineingefressen und sich nur \u00fcber ihren Beruf und ihrer Aufgabe definiert haben, mit fatalen Ergebnissen.\u201c<\/p>\n<p>Wer sich mehr in seiner Welt bewegt, stimuliert sein Gehirn umso effektiver, je mehr unterschiedliche Erfahrungen er dabei sammelt. Anders gesagt: Neugier zahlt sich aus, und zwar im \u201ahippocampalen Hirnwachstum\u2018, der Region, die als zentrale Schaltstelle des Ged\u00e4chtnisses gilt. Sie bestimmt dar\u00fcber, welche Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitged\u00e4chtnis \u00fcberf\u00fchrt werden. Das Sinnproblem schlie\u00dflich sei ein \u201eZeitproblem\u201c. Um \u00fcberhaupt einen Sinn im Leben zu erfahren, ben\u00f6tigen wir Zeit f\u00fcrs Reflektieren. F\u00fcr Alzheimer bedeute das, dass die Krankheit sich entwickelt, wenn wir uns keine Zeit f\u00fcr die wesentlichen essentiellen Dinge des Lebens nehmen. Auch bei \u201eStress\u201c leide das Erinnerungsverm\u00f6gen. Ungel\u00f6ste seelische Probleme bleiben nicht ohne Folgen, das beweist eine gro\u00dfe US-Studie. Traumatische Ereignisse, wie etwa der fr\u00fche Verlust eines Elternteils, haben einen messbaren Effekt auf die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken. Annegret Bocks Mann war damals Richter im Bartsch-Prozess. \u201eDer Bartsch-Prozess hat meinen damals 32 Jahre alten Mann tiefgreifend besch\u00e4ftigt und aus meiner Sicht war das der Beginn einer Wesensver\u00e4nderung. Hier h\u00e4tten Gespr\u00e4che sicher etwas gebracht. Aber er war ja auch von Amts wegen an die Schweigepflicht gebunden\u201c, sagt Annegret Bock.<\/p>\n<p>Der Umstand, dass die Alzheimer Erkrankung selten isoliert, sondern meistens mit anderen Kulturkrankheiten auftritt, weist auf gemeinsame Ursachen hin. Selbst der anerkannte Altersforscher Konrad Bayreuther, der Alzheimer als unvermeidbar ansieht: \u201eRisikofaktoren f\u00fcr Herzinfarkte und Hirnschlag sowie Alzheimer Demenz \u00fcberlappen sich nahezu zu 100 Prozent. Wenn wir etwas gegen Alzheimer tun, dann tun wir auch etwas f\u00fcr unser Herz und sch\u00fctzen uns vor Diabetes\u201c. Dies schlie\u00dft k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4ten ebenso ein wie die richtige Ern\u00e4hrung. Mit dem Eintritt ins Rentenalter steige die Verlockung zum Nichtstun und m\u00fcnde nicht selten in Passivit\u00e4t und damit in eine aktive Gehirn-Zerst\u00f6rung. Die Washington Post berichtete von einer Studie \u00fcber in der Freizeit aktive Senioren, deren Alzheimer Risiko und andere Formen der Demenz sich im Vergleich zu denen auf ein Viertel reduzierte, die ihren Verstand nicht trainierten. Keine Frage: Geistige Aktivit\u00e4t mobilisiert die kognitive Reserve. Annegret Bocks Empfehlung aus eigener Erfahrung ist: \u201eProbleme nicht verdr\u00e4ngen, dar\u00fcber sprechen, nicht einigeln und einfach mal \u00fcber den Tellerrand hinausschauen\u201c. Sie selbst pflegt mit ihrem inzwischen in einem Seniorenheim lebenden Ex-Ehemann eine freundschaftliche Beziehung.<\/p>\n<p><em>Text: Siegfried J\u00e4hne<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang stehen oft ungel\u00f6ste seelische Probleme &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":3561,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1897,1893,1895,1894,1896,1898],"class_list":["post-3563","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","tag-21-jahrhundert","tag-alzheimerkrankheit","tag-annegret-bock","tag-buchbesprechung","tag-pandemie","tag-seelische-probleme"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-15 07:52:55","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3563"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3563\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}