{"id":35591,"date":"2021-05-05T07:23:23","date_gmt":"2021-05-05T05:23:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=35591"},"modified":"2021-05-10T15:14:07","modified_gmt":"2021-05-10T13:14:07","slug":"bergische-transfergeschichten-die-kunst-der-renaissance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/05\/05\/bergische-transfergeschichten-die-kunst-der-renaissance\/","title":{"rendered":"\u201eBergische Transfergeschichten\u201c: Die Kunst der Renaissance"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_35593\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-35593\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Transfergespraech_Rohlmann-2-1024x739.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"739\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Michael Rollmann &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">Das \u00e4sthetische Erleben steht dabei zun\u00e4chst im Vordergrund, denn das, so sagt er, sei eine ganz neue Erfahrung f\u00fcr ihn gewesen, die er aus der in Krieg und Wiederaufbau verw\u00fcsteten und fragmentierten Heimatstadt K\u00f6ln kaum kannte. \u201eKunst ferner Vergangenheit ist dort nicht als entr\u00fcckter Ausstellungsdekor in Museen, sondern als begehbarer Lebensraum zu sp\u00fcren.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28425\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">\u201eIn Italien wird in den alten Stadtzentren ganz unmittelbar in und mit Geschichte gelebt. Aus der Renaissance sind an W\u00e4nden von Kapellen und Pal\u00e4sten gro\u00dfe Bilderzyklen erhalten, die uns von allen Seiten umgeben, die uns gleichsam in eine gestaltete Kunstwelt eintreten lassen\u201c, so Rohlmann, der an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln Kunstgeschichte, Klassische Arch\u00e4ologie sowie Mittlere und Neuere Geschichte studiert hat, ein Stipendium \u00fcber den Deutschen Akademischen Austauschdienst erhielt und zwei Jahre an der Universit\u00e0 degli Studi di Firenze verbrachte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Er promoviert \u00fcber Altniederl\u00e4ndische Tafelmalerei im Florenz des 15. Jahrhunderts, in der, wie er sagt, die Welt und die Menschen neu entdeckt worden seien. \u201eDies spiegeln uns Kunstwerke der Renaissance in Bildern wider. Es ist ja nicht nur eine ideale Formenwelt der Antike, die da ,wiedergeboren\u2018 wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In Flandern wurde im fr\u00fchen 15. Jahrhundert eine neue naturalistische Maltechnik f\u00fcr kostbare, kleine \u00d6lgem\u00e4lde erfunden. Bis in winzige, feinste Details scheint die Welt mit all ihrer Stofflichkeit in Bildern eingefangen. Diese mobile Malerei auf transportablen Holztafeln eroberte ganz Europa.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Italien \u00fcbernehme in der Fr\u00fchrenaissance diesen bewunderten Ma\u00dfstab guter Malkultur als begehrten Sammlungsimport und entwickele ihn weiter. \u201eIn den Jahren um 1500 konnten die gro\u00dfen, ortsfesten Wandbilder Italien erobern und das Modemodell Flandern dauerhaft abl\u00f6sen. Um die Fresken zu sehen, musste man nach Italien reisen\u201c, erkl\u00e4rt Rohlmann, \u201eRom wurde f\u00fcr Jahrhunderte zu dem gro\u00dfen Studienziel junger K\u00fcnstler*innen auch aus dem Norden.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Die Bibliotheca Hertziana \u2013 Max-Planck-Institut f\u00fcr Kunstgeschichte<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Insgesamt zehn Jahre arbeitet der geb\u00fcrtige K\u00f6lner in verschiedenen Positionen an der Bibliotheca Hertziana \u2013 Max-Planck-Institut f\u00fcr Kunstgeschichte in Rom, einer ganz besonderen Institution im Herzen Italiens. \u201eVor mehr als einem Jahrhundert stiftete Henriette Hertz, eine kunstbegeisterte K\u00f6lner J\u00fcdin, in Rom eine deutsche Forschungsst\u00e4tte zur italienischen Kunstgeschichte\u201c, berichtet er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDie Mittel entstammten einem in der chemischen Industrie erzielten Verm\u00f6gen. Diese deutsche Forschungsf\u00f6rderung im Ausland hat sp\u00e4ter die Max-Planck-Gesellschaft \u00fcbernommen. Es ist sicher eine sp\u00e4te Folge romantischer Italiensehnsucht. Henriette Hertz hatte dazu den ehemaligen Palast eines Malers aus dem sp\u00e4ten 16. Jahrhunderts erworben, oberhalb der Spanischen Treppe.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In diesem Zeitraum habe er forschend die europ\u00e4ische Entwicklungsgeschichte der Renaissance zwischen Nord und S\u00fcd schrittweise nachvollzogen. \u201eAm Anfang stand als Dissertation die Untersuchung jenes im 15. Jahrhundert so erfolgreichen fl\u00e4mischen Kunstimports nach Italien und die Aufnahme und der Gebrauch, den diese Bilder im S\u00fcden erlebten. Dann f\u00fchrte mich der Weg \u00fcber die Erforschung der Florentiner Fr\u00fchrenaissance endlich zum Rom von Michelangelo und Raffael und seiner europ\u00e4ischen Vernetzung und Wirkung.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Habilitation \u00fcber die Sixtinische Kapelle<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">In seiner Habilitation befasst sich Rohlmann mit der Bildausstattung der Sixtinischen Kapelle unter den P\u00e4psten Sixtus IV., Julius II. und Leo X. \u00dcber die Bedeutung dieses vatikanischen Kleinods in der Kunstgeschichte sagt er: \u201eDie Sixtinische Kapelle war einst das liturgische Zentrum der Christenheit, der heiligste Ort auf Erden, wo Papst und Kurie die feierlichen Messen hielten und hochgestellte Rombesucher*innen die Majest\u00e4t des Papstes bestaunten. Man sollte sich w\u00e4hrend der heiligen Feiern in himmlische Sph\u00e4ren entr\u00fcckt f\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dazu habe der Bilderschmuck einen gro\u00dfen Anteil an dieser Inszenierung. \u201e\u00dcber mehr als ein halbes Jahrhundert haben dazu die gro\u00dfen Meister des 15. Jahrhunderts, dann Michelangelo und auch Raffael wetteifernd beigetragen. Es entstand das vielleicht folgenreichste und dichteste \u00e4sthetische Experimentierfeld der neuzeitlichen Kunstgeschichte. Wie sich Europa die n\u00e4chsten Jahrhunderte Gott und die Sch\u00f6pfung vorstellen sollte, verdanken wir Michelangelos Deckenfresken.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dort werde Geschichte in einem hohen, erhabenen Stil erz\u00e4hlt, erkl\u00e4rt Rohlmann, man lernte bis ins 19. Jahrhundert aus Raffaels Entw\u00fcrfen zu den Bildteppichen der Apostelgeschichte. \u201eNicht nur italienische Kunstgeschichte, sondern das europ\u00e4ische Bildged\u00e4chtnis erfuhr durch diesen Figurenkosmos eine entscheidende Pr\u00e4gung.\u201c<\/p>\n<h4 class=\"bodytext\">Studierende lernen Originale kennen<\/h4>\n<p class=\"bodytext\">Bei seiner Lehrt\u00e4tigkeit in Wuppertal versucht der versierte Kunstgeschichtler die Studierenden an die historischen Originale heranzuf\u00fchren. \u201eDie Lehre in der Universit\u00e4t vor unvollkommenen Reproduktionen suche ich \u2013 so oft und so gut es geht \u2013 mit Erlebnis und Erfahrung von Originalen zu verbinden\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eSeit zwanzig Jahren f\u00fchre ich Studierende \u2013 erst aus K\u00f6ln, jetzt aus Wuppertal \u2013 jedes Semester in die gro\u00dfen Sammlungen Europas, in die urspr\u00fcnglichen Kontexte der Kunstwerke von Sevilla bis Petersburg, von London bis Palermo. In und aus den heute erkennbaren Spuren versuche ich vor Ort auch die vergangenen, untergegangenen Welten der Vergangenheit sichtbar werden zu lassen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Rohlmann wei\u00df sehr wohl um die teils kostspieligen Exkursionen, die er als unbedingten Luxus definiert und f\u00fchrt weiter aus: \u201eWesentlich tiefer und intensiver sind die vor Ort gewonnenen Erkenntnisse!\u201c Vielleicht k\u00f6nne man so die Gegenwart Europas, seine Probleme und Vielgestalt besser begreifen, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gerade in Wuppertal, im Fach Kunst sp\u00fcre man dabei einen direkteren \u00e4sthetischen, unmittelbareren Zugang der Studierenden, als dies oft in der akademischen Disziplin der Kunstgeschichte der Fall sei.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Rohlmann sieht seine Aufgabe in Wuppertal in der Vorbereitung junger Menschen auf die n\u00e4chste Generation und sagt abschlie\u00dfend: \u201eDass viele der Wuppertaler Studierenden mit ihren Erfahrungen und Erkenntnissen sp\u00e4ter selbst als Lehrende in den Schulen vor die k\u00fcnftige Generation treten, dort Kreativit\u00e4t, \u00e4sthetische Bildung und sinnliche Intelligenz weitertragen m\u00fcssen und so an unser aller Zukunft mitwirken, ist f\u00fcr mich Ansporn, Verpflichtung und Lohn.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Rohlmann lehrt als au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor Allgemeine Kunstgeschichte an der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal. Fr\u00fche Italienerlebnisse pr\u00e4gen seine Begeisterung f\u00fcr die Kunst der Renaissance, von der er auch in den Bergischen Transfergeschichten berichtet.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-35591","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-14 16:08:16","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35591"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35591\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35594,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35591\/revisions\/35594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}