{"id":35027,"date":"2021-04-16T08:15:53","date_gmt":"2021-04-16T06:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=35027"},"modified":"2021-04-17T09:55:19","modified_gmt":"2021-04-17T07:55:19","slug":"design-ist-mehr-als-das-was-man-auf-den-ersten-blick-sieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/04\/16\/design-ist-mehr-als-das-was-man-auf-den-ersten-blick-sieht\/","title":{"rendered":"Design ist mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_35030\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-35030\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Transferstory_Fineder3a-2-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Martina Fineder &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">In den Bergischen Transfergeschichten spricht die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Martina Fineder \u00fcber\u00a0die interdisziplin\u00e4ren Aufgaben des Gestaltens.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28387\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\">Die Designtheorie ist eine noch relativ junge Wissenschaft, die sich erst Anfang des vorigen Jahrhunderts entwickelte. Sie besch\u00e4ftigt sich mit Methoden, Strategien, aber auch Forschung und Analyse zum Begriff Design, ebenso wie mit Konsum- und Lebensstilfragen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eIn Wuppertal besch\u00e4ftigen wir uns mit Fragen des gesellschaftlichen Wandels und schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Fragen sozial und \u00f6kologisch ausgerichteter Design- und Konsumforschung sowie Formen kreativer Arbeit\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Martina Fineder. \u201eDas machen wir sowohl aus geschichtlicher als auch aus aktueller Perspektive.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein besonderes Augenmerk richtet die Wissenschaftlerin mit ihren Studierenden dabei auf die Wahrnehmung des Wandels und bei Aspekten wie der Beschleunigung des Lebenstempos oder Umweltver\u00e4nderungen sowie Digitalisierung, komme dann noch der spannende Blick aus der Mehrgenerationenperspektive dazu, \u201eweil diese Erfahrungen nicht nur kulturell, sondern sehr biografisch gepr\u00e4gt sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Wien \u2013 Weimar \u2013 Wuppertal<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Drei W-St\u00e4dte markieren Fineders beruflichen Lebensweg. In Wien arbeitet die promovierte Design- und Kulturwissenschaftlerin an der Universit\u00e4t f\u00fcr angewandte Kunst, an der Technischen Universit\u00e4t, zuletzt an der Akademie der bildenden K\u00fcnste. Zwei Jahre lehrt sie zudem als Gastprofessorin f\u00fcr Theorie und Geschichte des Designs an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Gestaltung der Bauhaus-Universit\u00e4t in Weimar. 2019 findet sie ihre berufliche Heimat in Wuppertal.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eIch komme aus der kultur- und sozialwissenschaftlich gepr\u00e4gten Ecke der Disziplin, die sich hier in Wuppertal gut mit der technisch und wirtschaftlichen Ausrichtung durch die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen aus der Designpraxis und Innovationsstrategie verbinden l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein Thema, mit dem sich die Wissenschaftlerin schon l\u00e4nger besch\u00e4ftigt, sind die ungeahnten neuen M\u00f6glichkeiten der Gemeinwohl-Logiken, den sogenannten Commons, die Design- und Innovationsstrategien bieten. Dabei gehe es sowohl um die Entwicklung neuer Formen des Gestaltens, als auch des Produzierens und Konsumierens.<\/p>\n<p><strong>Mehr Teilhabe und Mitbestimmung erlauben<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eHier ist ein Zugang gefragt, der die Gestaltung unserer Lebens- und Arbeitswelten als gesellschaftlich offene Prozesse begreift, die mehr Teilhabe und Mitbestimmung erlauben. Design kann hier Anleitungen, Methoden und Tools liefern, um sinnvolle Erg\u00e4nzungen und Alternativen f\u00fcr die aktuell dominierenden Produktions- und Wirtschafsformen zu bieten. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir aber ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr entwickeln, dass uns das alle angeht\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eIn einem von mir mitgebrachten Projekt aus Wien haben wir uns l\u00e4nger die verschiedenen Formen des Teilens von Wissen und Produktionsmitteln angeschaut und daraus Muster f\u00fcr k\u00fcnftige Design-Commons entwickelt. Aktuell geht sie gemeinsam mit Kolleg*innen in einem Projekt mit Masterstudierenden Gemeinwohlaspekten im Design nach.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Unter dem Titel \u201eDesign for Good\u201c versuche die Arbeitsgruppe auf Initiative des Kollegen Prof. Gert Trauernicht, Design und Wohlt\u00e4tigkeit auf sozial und wirtschaftlich sinnvolle Weise zu verschr\u00e4nken. Im kommenden Semester steht eine Lehr- und Forschungskooperation mit der Bundeskunsthalle Bonn auf dem Programm, welche sich mit neuen Beteiligungsformen und analog-digitalen Hybriderlebnissen zwischen Museum und Zuhause befasst.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Design und Zusammensein<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im letzten Jahr brachte Martina Fineder zusammen mit Johannes Lang das interdisziplin\u00e4re Buch \u201eZwischenmenschliches Design\u201c heraus. Ausgehend von einer Designgeschichte, die sich mit der st\u00e4ndigen Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen auseinandersetze, gehen die Herausgeber*innen darin der Frage nach, wie Dinge bewusst oder unbewusst unser zwischenmenschliches Zusammensein mitgestalten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Zentrum von Praxis wie Theorie stehen als soziale Aspekte des Designs verst\u00e4rkt die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen etwa durch technisch-funktionale Erleichterungen. \u201eHaushaltsgestaltung ist hier ein gutes Beispiel. Lange wurde aus guten Gr\u00fcnden wesentlich daran gearbeitet, dass die Arbeit dort ergonomischer wird, das hei\u00dft, physisch wie psychisch besser handhabbar gestaltet wird\u201c, z\u00e4hlt sie auf. \u201eDie sozialen Beziehungen im Haushalt standen dabei nicht im Fokus.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ebenso trifft das auf den Bereich der Medizin zu. Hier fragen einige Beitr\u00e4ge im Buch ganz konkret nach der Rolle der Dinge in Arzt-Patienten-Beziehungen oder nach der Wirkung der Dinge auf das Miteinander in Pflegesituationen. Zu beobachten ist, dass das Abtasten, Fragen und das Patienten Anschauen vorwiegend einer evidenzbasierten Arzt-Patienten-Beziehung gewichen ist, wenn Messger\u00e4te eingebunden sind, die auch aus Zeit- und Sicherheitsgr\u00fcnden st\u00e4rker betrachtet werden, weil man sich auf diese Daten besser verlassen kann.<\/p>\n<p><strong>Menschen m\u00fcssen st\u00e4rker informiert werden<\/strong><\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eAktuell zeigt sich: Die Menschen m\u00fcssen wieder st\u00e4rker informiert, befragt und einbezogen werden\u201c, erl\u00e4utert Fineder. \u201eDeshalb werden zum Beispiel Entscheidungshilfen gestaltet, die Patient*innen, aber auch Angeh\u00f6rige wieder in gemeinsame Therapieentscheidungsprozesse einbinden.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ein anderer zwischenmenschlicher Designaspekt behandelt die Gestaltung von Lernr\u00e4umen, die gemeinsames Nachdenken und Kooperation f\u00f6rdern oder auch st\u00f6ren k\u00f6nnen. Hier stellt sich die Frage: \u201eK\u00f6nnen wir uns \u00fcberhaupt in unseren R\u00e4umlichkeiten begegnen? Was kann die gestaltete Umgebung zur F\u00f6rderung interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit beitragen? Welche Art von Hierarchien gestalten wir durch unsere Lernumgebungen mit und wollen wir diese \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Jetzt, da Corona immer noch verhindert, dass man sich in R\u00e4umlichkeiten begegnen kann, m\u00fcssen auch Arbeitsbedingungen angepasst werden. Thematisch habe sich die Lehre weniger stark ver\u00e4ndert, sagt die Designwissenschaftlerin, methodisch habe man andere Formate genutzt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eWir haben zum Beispiel verst\u00e4rkt auf Gruppenarbeiten gesetzt, in denen zwar jede*r ihre\/seine individuelle Aufgabe hat, die Studierenden aber bei Vorbereitungen auf Seminare zusammenarbeiten.\u201c Mit einem konkreten Projekt f\u00fcr Masterstudierende, das sich mit der Frage einer r\u00e4umlich getrennten Zusammenarbeit besch\u00e4ftigt, haben wir zudem thematisch direkt auf die Pandemie reagiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Frage, wie kollaborative, kreative Arbeit am zufriedenstellendsten erlebt wird, wenn man sich nicht physisch treffen k\u00f6nne, stand dabei im Zentrum. Als ein wesentliches Ergebnis zeigt sich, dass technische Funktionalit\u00e4t und Perfektion (wie \u00dcbertragungsqualit\u00e4t) nur Teilaspekte einer gelingenden Online-Kommunikation ausmachen. Vielmehr ginge es darum, Bed\u00fcrfnisse nach sozialer N\u00e4he als entscheidende Aspekte in die Gestaltung von digitalen Meetingkulturen einzubeziehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Designerausbildung ist sehr interdisziplin\u00e4r<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Design leistet einen entscheidenden Beitrag zum Unternehmenserfolg. \u201eSchauen wir uns einfach Apple an, das ist ja ein vielzitiertes Beispiel, ohne Design nicht denkbar\u201c, erkl\u00e4rt sie.\u201c Aber das sei auch nur das, was man auf den ersten Blick sehe, sagt die Wissenschaftlerin, es sei oft aber viel interessanter, wo Design gemeinhin nicht gesehen werde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDaher ist es wichtig, dass Designer*innen fr\u00fchzeitig in Prozesse eingebunden werden, um neue Ausrichtungen, um neue Konsum-, Produktions-, oder Kommunikationsstrategien oder Verfahrensweisen zu entwickeln, denn das wird in Zukunft nicht nur wesentlich zum Erfolg von Firmen beitragen, sondern auch wesentlich zum Gemeinwohl beitragen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u201eDesigner*innen bekommen hierf\u00fcr eine sehr interdisziplin\u00e4re Ausbildung. Sie k\u00f6nnen soziale und \u00f6kologische Fragestellungen mit marktwirtschaftlichen Aspekten und technischen Anforderungen zusammenf\u00fchren und Entwicklungsprozesse entsprechend gestalten und moderieren und, wenn n\u00f6tig, Tradiertes entsprechend in Frage stellen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das besondere Alleinstellungsmerkmal der Abteilung Industrial Design an der Bergischen Universit\u00e4t, formuliert Fineder am Ende so: \u201eDas besonders Tolle an unserer Abteilung ist f\u00fcr mich, die zuvor selten erlebte Verschr\u00e4nkung zwischen Praxis, Theorie und Forschung. Da gibt es ein hohes gegenseitiges Interesse.\u201c Dieses Interesse k\u00f6nnte die Wirtschaft noch aufmerksamer nutzen.<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGestaltung beginnt schon beim Mitdenken von Entwicklungsprozessen und hat einen wesentlichen Einfluss auf alles, was wir am Ende in der Hand haben, auch darauf, wie wir es wieder loswerden k\u00f6nnen, wenn wir es nicht mehr wollen\u201c, sagt die Design- und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Martina Fineder, die seit 2019 den Lehrstuhl f\u00fcr Designtheorie und Designforschung an der Bergischen Universit\u00e4t innehat.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-35027","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-13 08:40:07","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35027","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35027"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35027\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35032,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35027\/revisions\/35032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35027"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35027"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35027"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}