{"id":34686,"date":"2021-07-25T08:20:35","date_gmt":"2021-07-25T06:20:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=34686"},"modified":"2021-07-25T08:47:58","modified_gmt":"2021-07-25T06:47:58","slug":"geschichte-ohne-happy-end-aj-lebt-wieder-auf-der-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/07\/25\/geschichte-ohne-happy-end-aj-lebt-wieder-auf-der-strasse\/","title":{"rendered":"Geschichte ohne Happy End: AJ lebt wieder auf der Strasse"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_39641\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 997px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-39641\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/21-07-18_AJ_14-2.jpeg\" alt=\"\" width=\"987\" height=\"730\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein trauriges Bild: AJ lebt wieder auf der Strasse und bettelt um Geld &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Es hatte alles so verhei\u00dfungsvoll begonnen: Ein Praktikumsplatz, eine Wohnung, ein warmes Bett, ein eigenes Bad, ein Fernseher. Daf\u00fcr ist AJ aus Wuppertal weggezogen. Damit ging einher, dass die Jobcenterleistungen aus Wuppertal eingestellt wurden und alles in Schwelm neu beantragt werden musste.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bis heute \u2013 also seit Ende Mai \u2013 ist die Leistung nicht bewilligt. Immer wieder werden neue Unterlagen angefordert. Es ist schwieriger als in Wuppertal.<\/p>\n<p>Im Praktikum hatte AJ leichtere T\u00e4tigkeiten zu erledigen. Doch schon nach wenigen Tagen hatte er Blut im Urin und immer wieder R\u00fcckenschmerzen. Leider waren seine Schilderungen und sein Verhalten nicht sonderlich glaubw\u00fcrdig und seine Art zu kommunizieren wenig hilfreich.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>So waren seine Beschwerden immer wieder schlagartig verschwunden und seine Mitteilungen an den Arbeitgeber kamen, wenn \u00fcberhaupt, viel zu sp\u00e4t. Sein Handy hatte er zudem verloren, weswegen er sich nicht mehr ohne weiteres melden konnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dennoch durfte er sein Praktikum weiter machen. Doch dann erschien er eines Tages nicht mehr und war nicht mehr in seiner Wohnung anzutreffen. Tage sp\u00e4ter erhielt ich aus Wuppertal einen Anruf von AJ. Er sei auf dem Weg in ein Krankenhaus, um seine R\u00fcckenbeschwerden behandeln zu lassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Auch das Dach \u00fcber dem Kopf verloren<\/h4>\n<p>Doch auch diese Geschichte entpuppte sich nicht glaubw\u00fcrdig. Denn ohne Krankenversicherung ist es kaum m\u00f6glich, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ behauptete, als ich uhn dann doch noch einmal in seiner Wohnung antraf, er sei in einem Krankenhaus aufgenommen worden und man habe eine R\u00f6ntgen-Aufnahme von seinem R\u00fccken gemacht. Er habe die Klinik verlassen, um etwas Kleidung zu holen und um sich etwas zu essen zu besorgen, da die Mahlzeiten dort zu karg seien. Umgehend habe ich ihn zur\u00fcck in die Klinik gefahren. Doch dort war er nicht registriert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Stattdessen hie\u00df es in der Notaufnahme, dass er ohne Krankenversicherung einen Vorschuss von \u20ac 100 leisten m\u00fcsse.\u00a0Ich habe AJ dann f\u00fcr einige Tage aus den Augen verloren. Er wurde zwar in der Elberfelder Fu\u00dfg\u00e4ngerzone gesichtet, doch als ich dort eintraf, war er nicht da. Einige Tage sp\u00e4ter hatte er seinen Praktikumsplatz endg\u00fcltig verloren. Auch die damit verbundene Wohnung war nun weg.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn der Vermieter wollte so schnell wie m\u00f6glich die Schl\u00fcssel zur\u00fcck, zumal AJ es wiederholt vers\u00e4umt hatte, die Terrassent\u00fcr in Abwesenheit geschlossen zu halten. Doch AJ war verschwunden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als ich dann auf Verdacht durch die Elberfelder Fu\u00dfg\u00e4ngerzone ging, um ihn anzutreffen, kam er mir irgendwann entgegen. Er war Pfandflaschen sammeln. Auf seine Situation angesprochen, schien er recht gleichg\u00fcltig und leer. Ihn plagen noch immer R\u00fcckenschmerzen, erkl\u00e4rte er.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Wohnungsschl\u00fcssel h\u00e4ndigte er mir anstandslos aus. Er \u00fcbernachte inzwischen wieder auf der Stra\u00dfe und k\u00f6nne seine Sachen bei einem Bekannten im Keller unterbringen.<\/p>\n<h4>AJ in den M\u00fchlen der B\u00fcrokratie<\/h4>\n<p>So steht es nun um AJ: Er hat alles gehabt und alles wieder verloren. Und wie finde, sehr leichtfertig verloren. Sicherlich ist die extrem schleppende B\u00fcrokratie des Jobcenters nicht dienlich gewesen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber AJ hat sich nicht an die einfachsten Regeln gehalten, die in einem geregelten Leben nun einmal einzuhalten sind. Nun bleibt nur zu hoffen, dass ihm endlich die Jobcenterleistungen f\u00fcr Juni gew\u00e4hrt werden. Denn mit der R\u00fcckkehr nach Wuppertal hei\u00dft es nun wieder: Alles auf Null, alles wieder von vorne beantragen. Ein finsterer, trostloser Kreislauf.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Dank geht an alle, die sich in den letzten Wochen nach AJ\u2019s Befinden erkundigt haben, an die vielen, die ihm mit Sach- und Geldspenden das \u00dcberleben erm\u00f6glicht haben. Ganz besonders danke ich seinem Praktikumsgeber, der AJ so lange und so geduldig unterst\u00fctzte, um ihm die Chance zu geben, den den Weg zur\u00fcck in ein geregeltes Leben zu gehen. Eine Chance, die AJ letztendlich nicht genutzt hat.<\/p>\n<p>AJ hatte letzte Woche Geburtstag. Er sa\u00df in der Elberfelder Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, vor ihm ein Pappbecher &#8211; er bettelt wieder so wie fr\u00fcher. Doch er ist schweigsam geworden. Sein einziger Wunsch derzeit ist es, endlich in ein Krankenhaus zu kommen. Ich w\u00fcnsche ihm alles Gute und baldige Genesung.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ganz sicher ben\u00f6tigt AJ mehr als nur \u00e4rztliche Hilfe. Der Weg aus der Obdachlosigkeit heraus in ein geregeltes Leben ist allem Anschein nach \u00e4u\u00dferst steil und steinig.<\/p>\n<p>Inzwischen ist der \u201eBescheid \u00fcber die Versagung von Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)\u201c eingegangen. Es fehlen schlicht Unterlagen von einigen Stellen, die trotz der Dringlichkeit, keine Notwendigkeit sehen, AJ Anfragen zu beantworten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es sei, so das Jobcenter Schwelm, zumutbar gewesen, fristgerecht die Unterlagen beizubringen. Ich frage mich, in welcher Welt wir leben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Allen Stellen ist bekannt gemacht worden, dass AJ Fristen einzuhalten hat und dass es um Jobcenterleistungen geht. Aber offensichtlich ist niemand wirklich daran interessiert, Obdachlosen Leistungen zu gew\u00e4hren, die ihnen zustehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich zumindest habe den Glauben an unseren Sozialstaat verloren!<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_37958\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1030px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-37958 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-25_AJ_4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1020\" height=\"730\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gut gelaunt: AJ (l.) und sein Chef Thomas Lange &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<h4>AJ: Es ist gar nicht so einfach, ein normales Leben zu beginnen<\/h4>\n<p>Es ist Dienstag, der 25.05.2021. Ich bin mit AJ um 7 Uhr morgens an seinem Schlafplatz in Wuppertal-Elberfeld verabredet. Doch ich bin bereits um viertel vor sieben dort, weil ich AJ mit der Videokamera \u00fcberraschen will. Leise baue ich alles auf. Noch h\u00f6re ich nichts von AJ. Dann stelle ich fest, dass er seinen Schlafplatz l\u00e4ngst verlassen hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Minuten vergehen und ich beginne mir ab sieben Uhr Sorgen zu machen. Wo k\u00f6nnte er stecken? Dann gegen viertel nach sieben, taucht er v\u00f6llig verschwitzt auf. Er habe Magenprobleme und sei bereits um drei Uhr in der Nacht wach geworden. Hastig zieht er seine neue Arbeitshose an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dann tritt er vor die Kamera und sagt nachdenklich: \u201eTja, heute ist der Tag, an dem ich mein so genanntes freilebendes zu Hause verlasse. Und ich muss sagen, die Monate, die ich hier war, waren angenehm, waren nicht schlecht. Aber heute geht der Tag des Lebens wieder los, mit Arbeiten, mit allem Drum und Dran. Und da freue ich mich schon drauf. \u2013 Das war mein Leben in der Wildnis.\u201c<\/p>\n<h4>Ern\u00fcchterung nach der Begeisterung<\/h4>\n<p>Gemeinsam fahren wir nach Sprockh\u00f6vel zum Steinbruch. Wir kommen \u00fcberp\u00fcnktlich an und sind froh, dass Langes schon da sind. Es ist f\u00fcr beide Parteien ein spannender Moment, doch beide sind zuversichtlich.<\/p>\n<p>Und dann wird ihm seine heutige Arbeit erkl\u00e4rt. Er soll 5 kg Basaltgranulat abwiegen, in Beuteln verschwei\u00dfen und etikettieren. Voller Elan und mit Begeisterung macht sich AJ an sein Tagewerk. \u201eWer gut ist, schafft es am Tag, den Bigpack leer zu machen,\u201c sagt Thomas Lange. Mal schauen, wie weit AJ kommt. Ich verabschiede mich und verspreche, um 16 Uhr zur\u00fcck zu kommen.<\/p>\n<p>Als ich AJ wieder antreffe, ist sein Elan und seine Begeisterung einer Ern\u00fcchterung gewichen. Nach acht Stunden Arbeit schmerzt ihm der R\u00fccken und er ist richtig fertig. \u201eTu mir den Gefallen und bring mich f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage zur\u00fcck nach Elberfeld. Ich muss nachdenken. Das hier geht mir alles zu schnell. Ich habe mich \u00fcbersch\u00e4tzt. Ich habe drei\u00dfig Jahre nicht richtig gearbeitet,\u201c vertraut er sich mir an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_37961\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 859px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37961\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-25_AJ_6-1-849x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"849\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ bei der Arbeit: Er f\u00fcllt Basaltgranulat in 5-Kilo-S\u00e4cke &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Ich erfahre, dass ihm angeraten worden ist, Pausen einzulegen und sich nicht zu \u00fcberfordern. Er solle auf seinen R\u00fccken achten. AJ ist richtig nachdenklich, unruhig und fix und fertig. Zum Gl\u00fcck nimmt er meinen Rat an, sich zun\u00e4chst seine vor\u00fcbergehende Unterkunft anzuschauen. Es ist eine wunderbare Wohnung, zwar v\u00f6llig leer, aber warm und trocken.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ f\u00e4llt die Ruhe auf. Eine gro\u00dfe Matratze wird noch herbei geschafft, damit er nicht so hart liegen muss. Auf die Frage, ob er noch etwas brauche, bittet er um einen Fernseher, da er ohne Ger\u00e4uschkulisse kaum einschlafen k\u00f6nne, immerhin habe er 14 Monate an einer gut befahrenen Stra\u00dfe gelebt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Er hat Gl\u00fcck und erh\u00e4lt einen ausrangierten Fernseher. Meine Frau hat AJ ihr altes Smartphone \u00fcberlassen. Nun ist er telefonisch erreichbar und kann auch selbst telefonieren.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen. Ich erhalte eine SMS und erfahre, dass AJ nicht zur Arbeit gegangen, sondern nach Wuppertal gefahren ist. Er wolle seine Medikamente und noch einige Sachen abholen und sich bei der Diakonie melden.<\/p>\n<h4>AJ f\u00fchlt sich \u00fcberfordert<\/h4>\n<p>Ich bitte ihn, so schnell wie m\u00f6glich zur Arbeit zu fahren, da er an der Steins\u00e4ge angelernt werden soll. Dann ein Anruf vom Steinbruch. AJ habe sich erst nach \u00fcber einer Stunde nach Arbeitsbeginn per SMS gemeldet. Darauf rufe ich AJ an und ermahne ihn eindringlich, binnen einer Stunde auf der Arbeit zu erscheinen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ sagt es mir zu. Doch es kommt anders. Er meldet sich gegen 15 Uhr, zwei Stunden vor Feierabend und meint, dass er heute nicht mehr \u201erausr\u00fccke\u201c. Ich mache mich sofort auf den Weg und hole ihn zu Hause ab und fahre mit ihm zum Steinbruch.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Unterwegs erl\u00e4utere ich ihm, dass er fr\u00fcher und klarer kommunizieren m\u00fcsse. Einfach von der Arbeit wegzubleiben gehe nicht. Am Steinbruch angekommen, treffen wir sichtlich entt\u00e4uschte und \u00e4u\u00dferst nachdenkliche Arbeitgeber an.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sie reden ihm eindringlich zu, sich k\u00fcnftig wesentlich fr\u00fcher zu melden und Klartext zu reden. Morgen solle er p\u00fcnktlich erscheinen. Ich bin sehr dankbar, dass AJ so glimpflich davon gekommen ist, ist es doch \u00fcberhaupt nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass jemand so sozial und einf\u00fchlsam reagiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Sogar Busgeld hat er erhalten. Zur\u00fcck in seiner Unterkunft, richte ich AJ den Wecker an seinem Smartphone ein und zeige ihm die n\u00e4chste Bushaltestelle. Ich bitte ihn nachdr\u00fccklich, seine Chance des Lebens zu nutzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_37962\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 971px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37962\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-27_AJ_6-2.jpg\" alt=\"\" width=\"961\" height=\"570\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ in seiner neuen, trockenen Unterkunft &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Der dritte Tag. AJ meldet sich telefonisch und berichtet, dass er p\u00fcnktlich die Bushaltestelle erreicht und fr\u00fchzeitig beim Steinbruch angekommen sei. Nach R\u00fccksprache habe er f\u00fcr den Rest der Woche sechs Arbeitsstunden ausgehandelt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Den Nachmittag verbringt er erneut in Elberfeld. Er hatte einem Junky 20 Euro geliehen, die er nun zur\u00fcck holen wolle. Abends erfahre ich, dass er sein Geld nicht zur\u00fcck erhalten hat, da der Junky nicht erschienen sei. Zw\u00f6lf Euro Fahrtkosten hat er ausgegeben, f\u00fcr nichts.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Und sein Vierfahrtenticket hat er auch verloren. Ich bin entsetzt und kann mich nur schwer zur\u00fcckhalten, um meinem Unmut nicht freien Lauf zu lassen. Also reden wir miteinander, so ruhig wie es geht. Es gelingt uns und AJ begreift, dass er viel besser auf die wesentlichen Dinge seines neuen Lebens achten muss: Busticket, Lebensmittel, Getr\u00e4nke.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ich ihm die drei Tugenden, die von ihm erwartet werden, noch einmal eingesch\u00e4rft: Ehrlichkeit, P\u00fcnktlichkeit und Flei\u00df.<\/p>\n<p>AJ tut sich schwer mit dem rasanten Wechsel, den sein Leben erfahren hat. Er sp\u00fcrt, dass er noch lange nicht am Ziel ist, es aber vor Augen hat. Er sagt: \u201eIch freue mich auf die Arbeit morgen fr\u00fch.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h4>Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer<\/h4>\n<p>Ich entgegne ihm: \u201eEine Schwalbe macht noch keinen Sommer.\u201c Doch ich bleibe hoffnungsvoll, dass er es schaffen kann. Er wird aber noch eine ganze Weile Begleitung brauchen.<\/p>\n<p>Wir verabreden uns zum Telefonat morgen fr\u00fch und dann zu einem ersten Interview zu seiner Lebensgeschichte am Samstagvormittag.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 29.05.2021<\/strong>. Wie besprochen, besuche ich AJ. Er hat sich den Kopf rasiert und den Bart gestutzt. So f\u00fchle er sich pudelwohl und es steht ihm. Ich berichte ihm vom gestrigen Telefonat mit dem Jobcenter. Durch seinen Einzug in eine Wohnung, die nicht in Wuppertal ist, ist nun ein anderes Jobcenter zust\u00e4ndig.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass alle Antr\u00e4ge f\u00fcr Jobcenterleistungen neu gestellt werden m\u00fcssen und bis zur Bewilligung vier bis sechs Wochen vergehen k\u00f6nnen. Daran h\u00e4ngt sehr viel: Eine eigene dauerhafte Wohnung, das Sozialticket und die Jobcenter-Unterst\u00fctzung f\u00fcr seinen Arbeitgeber.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich habe erwartet, dass AJ frustriert reagiert, doch er nimmt es gefasst auf. Am gestrigen Freitag habe ich von einer Bekannten einen Umschlag f\u00fcr AJ erhalten. Darin ein sehr liebevoller, handschriftlicher Brief mit mutmachenden Worten und genug Geld, dass AJ mal wenigstens eine Woche leben kann.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_37963\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-37963 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-29_AJ_3-2-1024x613.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"613\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ: Neues Leben, neues Outfit &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Er ist \u00fcberrascht und nachdenklich erfreut, dass ihm von v\u00f6llig unbekannter Seite derart geholfen wird. Wir fahren umgehend einkaufen, da AJ weder Brot, noch Bustickets hat. Er bemerkt, dass er unbedingt lernen muss, hauszuhalten. Daf\u00fcr habe ich ihm ein Haushaltsbuch erstellt und AJ tr\u00e4gt fortan alle Einnahmen und Ausgaben darin ein.<\/p>\n<p>Den weiteren Vormittag verbringen wir mit den ersten Aufnahmen seiner Lebensgeschichte. Er hat nur \u00fcber seinen Werdegang berichtet &#8211; eine bewegende und traurige Geschichte. Nach einer Stunde beenden wir die Aufnahme. Demn\u00e4chst setzen wir sie fort.<\/p>\n<p>AJ freut sich sehr, dass er ein sonniges Wochenende in einer sehr ruhigen Gegend verbringen darf. Es ist ein v\u00f6llig neues Lebensgef\u00fchl f\u00fcr ihn. Und er freut sich auf die kommende Woche. Denn die Arbeit macht ihm wirklich \u201erichtig Spa\u00df\u201c.<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Obdachloser AJ: Sein letzter Tag auf der Stra\u00dfe<\/h4>\n<div id=\"attachment_37693\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37693\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-24_AJ_13-2-1024x842.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"842\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ schl\u00e4gt ab heute ein neues Buch auf &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>&#8222;Es ist Pfingstmontag. Den dritten Tag in Folge besuche ich AJ. Die letzten beiden Tage haben wir mit Videoaufnahmen verbracht (danke Peter Pionke f\u00fcr die Anregung). Dabei haben wir verschiedene Stellen angelaufen, die in den letzten vier Monaten im Leben von AJ bedeutsam gewesen sind. Heute nun AJ\u2019s letzter Tag auf der Stra\u00dfe.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Denn ab Dienstag (25.05.) wird AJ arbeiten und anderweitig untergebracht sein. Wir genehmigen uns einen Kakao bzw. Kaffee und halten R\u00fcckschau. Was sich doch in den letzten vier Monaten getan hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Angefangen von regelm\u00e4\u00dfigen Berichten in der STADTZEITUNG Wuppertal, \u00fcber materielle Zuwendungen hier und da, Rat und Hilfe von Bekannten, anwaltlichem Beistand, Zusammenarbeit mit Sozialarbeiterinnen, bis schlie\u00dflich einer Arbeitsstelle. Und das alles, weil AJ Ende Januar \u201eJa\u201c zu einem Portrait gesagt hatte. Wir beide sind erstaunt und zutiefst dankbar.<\/p>\n<p>Neben AJ liegen einige Traktate mit christlichen Inhalten. Als Theologe erwecken sie mein Interesse, doch schnell bin ich von der aufdringlichen und suggestiven Schreibart entt\u00e4uscht. Auch AJ nimmt eines davon in die Hand und liest es sich durch, meint aber, dass es ihm nichts gebe. Und doch kommen wir ins Gespr\u00e4ch. Denn AJ ist religi\u00f6s interessiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_37694\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37694\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-24_AJ_7-2-1024x828.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"828\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ &#8222;geniesst&#8220; f\u00f6rmlich seinen letzten Tag auf der Platte &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Wir haben uns eine Pizza bestellt und unterhalten uns weiter, w\u00e4hrend wir sie auf der Stra\u00dfe verzehren. Im Fernsehen habe er sich schon so manche Dokumentation \u00fcber diverse Religionen und Kulturen angesehen. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs merke ich allerdings, dass er noch nicht wei\u00df, was alle Religionen gemeinsam haben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Mensch stehe in der Pflicht, durch gute Leistungen seinen strafenden Gott zu bes\u00e4nftigen, damit er in den Himmel kommen k\u00f6nne, erkl\u00e4re ich ihm. Ganz gleich, ob es Almosen, Nettigkeiten oder das Einhalten von Fastenzeiten sind, stets gehe es um Werke, die erwartet werden, damit sich die Lebensbilanz wenigstens ausgewogen darstelle, besser noch zu Gunsten des Menschen, damit er in den ersehnten Himmel gelange.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dagegen sei die Richtung im christlichen Glauben andersherum: Gott kommt zum Menschen und bietet ihm den Himmel an. Jesus Christus steht f\u00fcr den liebenden Gott, der es kaum erwarten kann, jeden Menschen zu sich aufzunehmen. Es ist ein Geschenk, das ohne vorherige Leistung angeboten wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ gr\u00fcbelt und versteht nicht so richtig. Also frage ich ihn, wie er es finden w\u00fcrde, wenn ich ein Geschenk von ihm bezahlen wollte. Jetzt ist AJ erst recht irritiert und meint: \u201eDas w\u00fcrde ich ohne wenn und aber ablehnen, weil es ja ein Geschenk f\u00fcr dich ist. Daf\u00fcr will ich nichts haben.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich begreift AJ den entscheidenden Unterschied und sagt: \u201eEin Geschenk nehme ich dankend an oder lehne es direkt ab. Aber eine Gegenleistung ist unh\u00f6flich und beleidigend.\u201c<\/p>\n<p>Heute wird AJ die letzte Nacht auf der Stra\u00dfe verbringen. Seine Unterkunft, die er bislang als \u201eSommerresidenz\u201c behalten wollte, will er \u201eIce\u201c, einem Junky, \u00fcberlassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ bricht seine Zelte in Elberfeld ab und beginnt Dienstagmorgen um 7:00 Uhr ein neues Buch. Er kann diesen Moment kaum abwarten. Wir verabschieden uns.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich habe versprochen, ihn morgens p\u00fcnktlich an seinem Schlafplatz abzuholen. Und treffe dann hoffentlich auf einen gut gelaunten, bestens<\/p>\n<p>ausgeschlafenen AJ. Seine Sachen habe ich bereits am Pfingstmontag in mein Auto gepackt, damit wir morgens ohne viel Aufwand los kommen.<\/p>\n<p>Hiermit endet die Chronik \u00fcber einen Obdachlosen aus Wuppertal-Elberfeld. Ab morgen beginnt AJ ein neues Buch und eine neue Chronik. Und es bleibt spannend. Er hat zwar jetzt erst einmal eine Unterkunft, muss sich auf Dauer aber doch noch eine Wohnung suchen.<\/p>\n<p>Und er hat noch etliche Beh\u00f6rdeng\u00e4nge vor sich, ganz zu schweigen vom neuen Lebensrhythmus., den er erst noch finden muss. Zudem m\u00f6chte er seine bewegte Lebensgeschichte schriftlich festhalten. Wir bleiben also in Kontakt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>AJ freut sich auf seine erste Schicht im Steinbruch<\/h4>\n<div id=\"attachment_37645\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37645\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-21_AJ_5-2-1024x754.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"754\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ (l.) lernt eine Kollegin und einen Kollegen kennen und wird seinem neuen Chef Thomas Lange (r.) eingewiesen &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>&#8222;AJ hat Arbeit!\u00a0Es ist Freitagmittag (21.05.). Wir fahren nach Sprockh\u00f6vel zum Steinbruch Lange. AJ ist die Anspannung abzusp\u00fcren. Wind weht \u00fcber das staubige Gel\u00e4nde und l\u00e4sst uns unsere Augen zukneifen. Wir werden freundlich von der Familie Lange empfangen und erhalten erst einmal einen Kaffee.<\/p>\n<p>Thomas Lange bietet AJ direkt das Du an, weil alle auf dem Hof per Du sind. Dann zeigt er uns den Steinbruch und erz\u00e4hlt AJ ausf\u00fchrlich, was es mit dem Gel\u00e4nde auf sich hat. \u201eHier entsteht der Kohlefl\u00f6z des Ruhrgebiets,\u201c berichtet er und AJ h\u00f6rt ihm aufmerksam zu. Neben den unfassbar vielf\u00e4ltigen Gesteinsarten erh\u00e4lt AJ Einblick in die mannigfaltigen Arbeitsbereiche in diesem Steinbruch.<\/p>\n<p>Gestein brechen, transportieren, sortieren, s\u00e4gen und polieren, sind nur einige T\u00e4tigkeiten. Hier werden Pizzasteine hergestellt, Futterstationen f\u00fcr Hunde und nat\u00fcrlich Steinplatten f\u00fcr alle m\u00f6glichen Bereiche im und am Haus. \u201eBei uns muss jeder alles k\u00f6nnen,\u201c sagt Thomas Lange.<\/p>\n<div id=\"attachment_37647\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37647\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/21-05-21_AJ_15-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Thomas Lange zeigt AJ seinen neuen Arbeitsplatz im Steinbruch &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Thomas Lange hat mit seinem Betrieb schon so manchem Hilfsbed\u00fcrftigen geholfen und kennt sich mit dem schwierigen Weg aus der Arbeitslosigkeit heraus aus. \u201eJeder soll eine Chance bekommen. Und bevor ich versuche, die Welt zu retten, schaue ich, wo ich vor meiner Haust\u00fcr helfen kann,\u201c sagt er und schaut AJ dabei freundlich an.<\/p>\n<p>Von ihm erwartet er Arbeitswillen und die Tugenden Ehrlichkeit, P\u00fcnktlichkeit und Flei\u00df. \u201eWenn du kannst und willst, kannst Du am Dienstag um 8 Uhr anfangen,\u201c offeriert er ihm.<\/p>\n<p>AJ ist sprachlos und bekommt kaum ein \u201eJa\u201c heraus. Selbst eine Unterkunft wird ihm in Aussicht gestellt. Doch hierzu muss erst das Jobcenter angesprochen werden. Das werde ich am Dienstag erledigen. Zudem ben\u00f6tigt er noch Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe. Beides besorgen wir auf dem R\u00fcckweg nach Wuppertal.<\/p>\n<p>Nun steht AJ ein langes Wochenende bevor. Hoffentlich sein letztes Wochenende auf der Stra\u00dfe! Seinen Schlafplatz unter der Br\u00fccke will er einem obdachlosen Kumpel \u00fcbergeben. Eine gute Tat als neues altes Mitglied der Gesellschaft.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<h4>AJ schwebt auf Wolke 7 &#8211; er hat endlich einen Job<\/h4>\n<div id=\"attachment_37641\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1016px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37641\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/186518940_2430165463782573_1697880295400872316_n-2-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1006\" height=\"664\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ ist \u00fcbergl\u00fccklich: Er hat einen Job und wahrscheinlich auch eine Unterkunft &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Taro Kataoka berichtet: &#8222;AJ schwebt auf Wolke sieben. Es ist Donnerstagabend (20.05.). Ich erhalte einen Anruf von Thomas Lange (<a href=\"http:\/\/www.splittprofi.de\/?fbclid=IwAR1n4OEaf0QwCP5KsX-ou8MsU7ceWtKlYEnvZQ2RQYEl6wt6ly_P_VKbNT8\">www.splittprofi.de<\/a>), den ich im Unternehmernetzwerk <a href=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.fair-dienen.net%2F%3Ffbclid%3DIwAR2WH0B7OUixlR_3Tg8JBj6F3UN8ccak9YMzw8qaDW1cY8mrOVu2GwIu0QE&amp;h=AT2uN9Cn7d23IKHXJgr2tD7jANJnCB6XHATTL4bbAsbjEor9_EtOZWkzAqylHtUaFCB42YokTLc3YwFjxyimTFzku1ImoyN6lXX4avzxBqcrcl2CbI7aPFSBdde8OGxQNESHuGVkF-OcnRERdjhRVYwFUw&amp;__tn__=-UK-R&amp;c%5B0%5D=AT1mC6m6nlfd2mG6plwDH7cQqDbZ1w756P6g5VcKe83y2xtIKDubhnOhIP152NqJVv19esGJXSiB6y5_NzTK4BJJYXftb3v5uFCI07T3hnQJLgXBoR9SR5aAr8COCP0-WXo4AKTb9Ud6sr_sNI1MeKqJsCRA8qfC8HxS17ihX1PFsEC0TTdpPA4\">www.fair-dienen.net<\/a> kennen gelernt hatte. Er hat die Geschichte um AJ von Anfang mitverfolgt und ihm sofort Arbeit angeboten, wenn er kann und will.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jetzt bekommt er von Thomas Lange die Chance, schon am n\u00e4chsten Tag bei ihm anzufangen. Ich berichte ihm, dass AJ noch keine Wohnung hat und wohl kaum jeden Morgen von der Stra\u00dfe aus zur Arbeit gehen k\u00f6nne.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Doch Thomas Lange hat auch f\u00fcr diese Problem eine L\u00f6sung. Sein Vorschlag: Er w\u00fcrde versuchen, AJ in einer nahe am Steinbruch gelegenen Monteursunterkunft unterzubringen und er wolle sich auch an den Kosten beteiligen.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle dies meiner Frau. Sie bekommt bei der Nachricht feuchte Augen &#8211; es sind Freudentr\u00e4nen. Ich will mich sofort zu AJ aufmachen, um ihm die frohe Botschaft zu \u00fcberbringen. Meine Frau gibt mir eine Schachtel Schokolade f\u00fcr AJ mit, auf der &#8222;Gl\u00fcckwunsch&#8220; steht.<\/p>\n<div id=\"attachment_37642\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 922px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37642\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/188020504_2435382733260846_2243003084508558783_n-2-2.jpg\" alt=\"\" width=\"912\" height=\"808\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein s\u00fc\u00dfer Gl\u00fcckwunsch f\u00fcr AJ &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Ich finde AJ an seinem Schlafplatz. Als ich ihm all das berichte, ist er sprachlos vor Gl\u00fcck. &#8222;Ich habe Arbeit! Ich darf endlich wieder arbeiten,&#8220; sagt er und reckt seine Arme in den Himmel.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&#8222;Das ist die beste und sch\u00f6nste Nachricht, die ich nach dem Tod meiner Mutter, der mich tief getroffen hat, erhalten habe,&#8220; sagt er und strahlt \u00fcber das ganze Gesicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Er freut sich und findet kaum Worte, umarmt mich und bittet mich gleichzeitig, ihn zu boxen, damit er sp\u00fcrt, dass alles wahr ist.<\/p>\n<p>AJ und ich werden gemeinsam nach Sprockh\u00f6vel fahren, damit er sich bei Thomas Lange vorstellen kann.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<h4>Mit dem ersten Geld vom Amt hat AJ seine Schulden beglichen<\/h4>\n<div id=\"attachment_37609\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37609\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/176308955_2407790102686776_1138628511925758121_n-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"678\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Hat jetzt gut lachen: AJ (l.) mit dem Foto-Designer Taro Kataoka, seinem zuverl\u00e4ssigen Unterst\u00fctzer &#8211; \u00a9 Ina Felgenhauer<\/span><\/div>\n<p>&#8222;Etappensieg! AJ geht jetzt regelm\u00e4ssig zur Bank und schaut nach, was sich auf seinem neu er\u00f6ffneten Konto tut. Sein Guthaben betrug bisher gerade eben so viel, dass die Kontof\u00fchrungsgeb\u00fchren gedeckt waren. Doch diese wurden zum Gl\u00fcck f\u00fcr ihn schon seit Wochen nicht abgebucht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jetzt hat sich etwas getan, womit er wirklich nicht rechnete. Er traute seinen Augen kaum. Das Jobcenter hatte ihm Leistungen ausgezahlt. Das Geld war da, noch bevor er \u00fcberhaupt einen Bescheid erhalten hatte. AJ konnte sein Gl\u00fcck kaum fassen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Stolz hob er einen kleinen Geldbetrag ab. Aber er wollte sich davon nicht etwa irgendetwas kaufen, auch wenn es ihn nach harten, entbehrungsreichen Zeiten verst\u00e4ndlicherweise gereizt hat.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Er nutzte das Geld &#8211; sein Geld &#8211; um damit zahlreiche Kleinstschulden zu begleichen. Immer wieder hatte er sich hier und da kleine Betr\u00e4ge geliehen, um \u00fcberhaupt \u00fcber die Runden zu kommen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Seit gestern ist er &#8222;schuldenfrei&#8220;. Voller Gl\u00fcck und Zufriedenheit zeigte AJ mir die aktuellen Kontoausz\u00fcge. Er bat mich, diese f\u00fcr ihn abzuheften. Diesen Gefallen tue ich ihm nat\u00fcrlich sehr gerne.<\/p>\n<p>Ich freue mich aufrichtig mit ihm und bin sehr dankbar f\u00fcr die rasche Auszahlung. Danke, Jobcenter Wuppertal.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nun hoffe ich, dass AJ zu haushalten wei\u00df, denn der Monat ist noch lang. Aber ich bin mir ganz sicher, dass er das schaffen wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Jetzt kann AJ sich intensiv um eine Unterkunft k\u00fcmmern. Er hat den Kopf deutlich freier. Er wird nur noch solange an seinem Stammplatz anzutreffen sein, bis er eine Arbeit und eine Unterkunft gefunden hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<h4>AJ blickt mit guter Laune und viel Humor in die Zukunft<\/h4>\n<div id=\"attachment_37397\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1016px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37397\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/186518940_2430165463782573_1697880295400872316_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1006\" height=\"908\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ als &#8222;Fotomodel&#8220; in der Wupper &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Taro Kataoka berichtet von seinem n\u00e4chsten Treffen mit AJ: &#8222;Ich treffe heute einen bestens gelaunten AJ an. &#8222;Du musst einfach heute Fotos von mir an der Wupper machen,&#8220; sagt er l\u00e4chelnd. In den letzten Tagen sei er von einer Gruppe Passanten angesprochen worden, die seine Geschichte verfolgen w\u00fcrden. Sie seien sehr gespannt, wie es weiter geht.<\/p>\n<p>Also sind wir ans Islandufer gegangen, wo Gesteinsbrocken bis mitten in die Wupper hineinragen. AJ hat konkrete Vorstellungen, wie seine Fotos aussehen sollen. Und so haben wir die trockene Stunde f\u00fcr ein Fotoshooting genutzt und zahlreiche Bilder gemacht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es ist so erfrischend gewesen, einen so gut gelaunten AJ zu sehen, der voller Lebenslust und Lebensfreude steckt. Mir war warm ums Herz.<\/p>\n<div id=\"attachment_37398\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 957px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-37398\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/186534285_2430165573782562_6407891591808427092_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"947\" height=\"951\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ freut sich \u00fcber Kekse, die ihm geschenkt wurden &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Eine Passantin hat ihn heute mit Keksen versorgt. &#8222;Die schraub&#8216; ich mir heute Abend beim Fernsehen rein,&#8220; erkl\u00e4rt er mit bierernster Mine. Ich stutze, weil ich mich frage, wo und wie er denn fernsehen will. &#8222;Ich halte mir Bilder vor meine Lampe und wechsel die hin und her. Das ist mein Fernsehen,&#8220; sagt er und f\u00e4ngt lauthals an zu lachen.<\/p>\n<p>Inzwischen setzt Regen ein. Aber das tut seiner Laune keinen Abbruch. Selbst die geringe Einnahme st\u00f6rt ihn nicht. &#8222;Ich bin der Kupferk\u00f6nig von Wuppertal,&#8220; sagt er schmunzelnd \u00fcber die paar Cent, die er heute erhalten hat.<\/p>\n<p>Seine Kaubeschwerden haben sich Dank einer unkomplizierten Hilfe eines Arztes (er hat Antibiotikum erhalten) erledigt und die Schwellung ist verschwunden.<\/p>\n<p>Ich freue mich mit ihm und bin sehr froh, dass AJ seine Situation mit so viel Geduld und Humor meistert.&#8220;<\/p>\n<p><b>Taro Kataoka<\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<div dir=\"auto\">\n<div id=\"attachment_35656\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-35656 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/183842452_2424698354329284_4868936777667270787_n-2-1024x833.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"833\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ freut sich \u00fcber ein leckeres Eis &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<h4>Warum werden Obdachlosen wie AJ so viele Steine in den Weg gelegt?<\/h4>\n<\/div>\n<p>&#8222;Es sind \u00fcber 25\u00b0Celsius in Wuppertal-Elberfeld. AJ sitzt an seinem Stammplatz, sieht mich kommen und winkt begeistert mit einem Briefumschlag. Die kostenfreie Schufa-Auskunft ist eingegangen. Endlich! Einiges Eintragungen haben sich dort angesammelt. Was die Auskunft konkret besagt, m\u00fcssen wir erfragen.<\/p>\n<div dir=\"auto\">\n<p>AJ hat sich inzwischen entschieden, die erst beste Unterkunft anzunehmen, die ihm von der Diakonie angeboten wird. Ganz egal wo. Denn er will endlich ein Dach \u00fcber den Kopf und weg von der Stra\u00dfe. Sein gro\u00dfes Ziel: Einen festen Job.<\/p>\n<p>Sogar von seinem Vorhaben, seinen jetzigen Schlafplatz quasi als &#8222;Zweitresidenz&#8220; zu behalten, hat er inzwischen Abstand genommen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich will endlich ein neues Buch aufschlagen&#8220;, sagt er im Brustton der \u00dcberzeugung. Wirklich bewundernswert, schlagen doch andere Obdachlose lediglich eine Seite um oder ein neues Kapitel auf. Und es bleibt letztlich bei den guten Vors\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Auf meine Frage, ob er einen Kaffee m\u00f6ge, antwortet er erstmalig mit: &#8222;Nein, aber ein Eis w\u00fcrde ich nehmen.&#8220; Und so hat es heute ein ordentliches H\u00f6rnchen mit leckerem Eis gegeben.<\/p>\n<p>Morgen hat AJ einen Beratungstermin bei der Diakonie. Vielleicht bekommt er ja endlich eine Zusage f\u00fcr ein eigenes Zimmer. Ich w\u00fcnsche es ihm so sehr!&#8220;<\/p>\n<h4>AJ geht durch H\u00f6hen und Tiefen<\/h4>\n<p>Ein absolutes Highlight: AJ ist gegen COVID-19 geimpft. Voller Stolz zeigt er mir seine Impfkarte: &#8222;Ich habe etwas, was du nicht hast!&#8220;, sagt er und strahlt dabei bis \u00fcber beide Ohren.<\/p>\n<p>Wir sind gemeinsam zur Diakonie gegangen, weil dort Post vom Jobcenter f\u00fcr ihn angekommen ist. Erwartet hat er eigentlich die Bewilligung von Jobcenter-Leistungen. Doch zu seinem gro\u00dfen Entsetzen hat er den kompletten Antrag, den er l\u00e4ngst mit Hilfe eines Anwalts eingereicht hatte, erneut erhalten.<\/p>\n<p>Die Beraterin der Diakonie war ganz sch\u00f6n erstaunt, als ich ihr die E-Mail zeigte, die der Anwalt versandt hatte. Sofort griff sie zum Telefon und hakte energisch nach. Nein, die Unterlagen seien nicht elektronisch eingegangen, hei\u00dft es. AJ wurde langsam unruhig, konnte sich aber zur\u00fcckhalten. Gut, dass ich dabei war.<\/p>\n<p>Dann endlich, wohl nach intensiverer Suche, fand die Jobcenter-Fachkraft die vermisste E-Mail. Aber es w\u00e4re nicht alles Notwendige dabei. Eine Anlage, die Auskunft \u00fcber die Einkommensverh\u00e4ltnisse Auskunft g\u00e4be, w\u00fcrde noch fehlen. Also haben wir eilig die Anlage ausgef\u00fcllt, indem wir \u00fcberall ein &#8222;.\/.&#8220; f\u00fcr &#8222;null Einnahmen&#8220; eintragen haben.<\/p>\n<p>Und immer wieder bekr\u00e4ftigte die Beraterin der Diakonie gegen\u00fcber der Jobcenter-Fachkraft, dass AJ obdachlos sei, ohne Arbeit. Es hatte wirklich den Anschein, als w\u00fcrde Jobcenter alles daran setzen, um AJ die Leistungsgew\u00e4hrung so schwer wie m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p>Eine Mitgliedsbescheinigung von einer Krankenkasse fehle auch noch, hiess es. AJ solle doch zu einer Kasse gehen und sich dort um eine B\u00fcrgerversicherung k\u00fcmmern. Also machten wir uns auf den Weg zu einer gro\u00dfen Krankenkasse. Deren T\u00fcren waren aber geschlossen, nur eine Telefonnummer mit einem Hinweis auf eine notwendige Terminvereinbarung konnten wir hier finden.<\/p>\n<p>Unser Anruf ergab dann Erstaunliches: AJ w\u00fcrde \u00fcberhaupt keine B\u00fcrgerversicherung ben\u00f6tigen, da er mit der Bewilligung von Jobcenter-Leistungen \u00fcber das Jobcenter automatisch krankenversichert w\u00fcrde. Die Beitr\u00e4ge einer B\u00fcrgerversicherung m\u00fcsste er dagegen aus eigener Tasche zahlen.<\/p>\n<p>AJ war au\u00dfer sich vor Wut und machte seinem \u00c4rger Luft: &#8222;So ist das immer. Ich habe drei Antr\u00e4ge eingereicht, immer ist irgendetwas. Nie wird mir geholfen.&#8220;<\/p>\n<p>Ich kann ihn so gut verstehen, f\u00fchle ich mich selbst inzwischen geg\u00e4ngelt. Man k\u00f6nnte auf die Idee kommen, dass die Stadt keinerlei Interesse daran hat, Obdachlosen zu helfen und ihnen eine Perspektive zu bieten.<\/p>\n<p>Dabei hat AJ Aussicht auf Arbeit und w\u00fcrde so gerne seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Doch das Jobcenter verkennt die Chance, wenigstens einem wie AJ zu helfen. Immerhin w\u00fcrde er, wenn er einen Job h\u00e4tte, dann auch Sozialabgaben zahlen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich hoffe sehr, dass dieses Drama bald ein Ende hat. So oder so, wir werden dran bleiben, bis AJ endlich zu seinem Recht kommt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Taro Kataoka<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<h4 dir=\"auto\">AJ freut sich \u00fcber selbstlose professionelle Anwalts-Hilfe<\/h4>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div id=\"attachment_35495\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-35495\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/182000923_2419969758135477_3855540120311175408_n-2-1024x700.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"700\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Professionelle Unterst\u00fctzung erf\u00e4hrt AJ (r.) ehrenamtlich von Rechtsanwalt Georg Pothmann. Eine unbezahlbare Hilfe &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<p>Taro Kataoka berichtet: &#8222;Letzte Woche hatte ich mal wieder ein virtuelles Treffen vom Unternehmernetzwerk <a href=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=http%3A%2F%2Ffair-dienen.net%2F%3Ffbclid%3DIwAR0DrYBFv6FAUIBDi_g5WsUWk-GNHyS6gHZpSGPIBzKg9mvsGjVVs2aa7kI&amp;h=AT1xsDELB5KV996XIpTC4gcgTEjTsgkFEb8739i6c-yHo0-WIBmfVwBjKWn12rl3_rQHQlcpVz1DS2eibImqsGCxu7TY-lqHkc-GA5tVlMCL1F4pRBr0V7lfdf04gbH3soP6RvLt1TCrf2v5maqm65F8AQ&amp;__tn__=-UK-R&amp;c%5B0%5D=AT1wSUAXWNPgDOqu5etvmTu4myAr33zB-0TbP79Op8CKmj1abJmTTns0TtGiZzgYiCa1FbjyaLvYg3d9wVXBvZjUObWBRu9-trwvE8ccUjwW-N7iUXvGwn8c7WlBBfcKZ9j9YJJtTnoP6DORq5nckUFEVg\">fair-dienen.net.<\/a> Mit dabei unser Rechtsanwalt Georg Pothmann. Er hat AJ&#8217;s Geschichte mitverfolgt und hat ihm seine Hilfe beim Ausf\u00fcllen der Formulare f\u00fcr die Jobcenter-Leistungen angeboten.<\/p>\n<p>Als ich AJ davon erz\u00e4hle, ist er begeistert und erfreut. Heute nun haben wir nun den Termin beim Anwalt in dessen Kanzlei wahrgenommen. Georg Pothmann hat AJ wirklich sehr dabei geholfen, die Formulare korrekt auszuf\u00fcllen. Der Schriftverkehr zwischen Jobcenter und AJ l\u00e4uft nun auch \u00fcber die Anwaltskanzlei.<\/p>\n<p>Ich bin sehr gl\u00fccklich, dass AJ soviel Zuwendung und Hilfe erf\u00e4hrt. Danke an das Netzwerk, aus dem heraus auch das Arbeitsangebot f\u00fcr AJ stammt. Irgendwie muss der Teufelskreis von Obdachlosigkeit und Armut doch durchbrochen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Heute fr\u00fch hat AJ zudem von einer Passantin einen neuen Koffer erhalten, den sie mit Handt\u00fcchern und Bettw\u00e4sche bepackt hatte. AJ hat sich sehr gefreut und sich vielmals bedankt.<\/p>\n<p>Das schuddelige Wetter kann AJ f\u00fcr heute nichts mehr anhaben, sein Tag ist gerettet. Er ist so voller Lebensmut und Lebensfreude, weil er sp\u00fcrt, dass es endlich aufw\u00e4rts geht.<\/p>\n<p>Hoffen wir nun, dass das Jobcenter sich mit der Bewilligung der Leistungen beeilt, damit AJ auch endlich krankenversichert ist. Denn AJ hat Halsschmerzen und eine Schwellung am Unterkiefer, die ihn daran hindert, normal zu kauen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Taro Kataoka<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<h4>Jobcenter: AJ erstickt fast im Wust der Antragsformulare<\/h4>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div id=\"attachment_35226\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 853px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-35226\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/177682462_2412389815560138_3726805128147043452_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"843\" height=\"625\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ freut sich \u00fcber die Schokolade, die ihm eine Facebook-Freundin von Taro Kataoka geschenkt hat &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<p>&#8222;Ein weiterer Schritt f\u00fcr AJ zur\u00fcck in ein geordnetes Leben: Er hat Post vom Jobcenter erhalten. Das bedeutet, dass er regelm\u00e4\u00dfig bei seiner Meldestelle erscheint und seine Post abholt. Hierzu muss er einmal quer durch Elberfeld marschieren.<\/p>\n<p>Die Post hatte es allerdings in sich. Um Jobcenter-Leistungen zu erhalten, hat er 25 Seiten Formulare erhalten, die er ausf\u00fcllen mu\u00df. Abgefragt werden alle Verm\u00f6gensst\u00e4nde. Eine Farce f\u00fcr AJ, da er rein gar nichts besitzt, was von Wert ist.<\/p>\n<p>Und so f\u00e4llt es ihm schwer, die Formulare auszuf\u00fcllen. Und selbst ich tue mir schwer, ihm dabei zu helfen, die &#8222;Antragsbegr\u00fcndung&#8220; zu formulieren. Wir brauchen Hilfe. Zum Gl\u00fcck hatte sich via Facebook ein Stadtverordneter gemeldet, der seine Hilfe angeboten hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_35227\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-35227\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/178830814_2412389805560139_3404324400492910869_n-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ br\u00fctet \u00fcber dem 25-seitigen Jobcenter-Antrag &#8211; komplizierter geht es kaum &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Wir werden und wir m\u00fcssen sie in Anspruch nehmen. Die Formulare sind innerhalb einer bestimmten Frist einzusenden &#8211; klar. Doch dann hei\u00dft es: &#8222;Die notwendigen Unterlagen oder Fotokopien k\u00f6nnen durch Zustellung per Post oder Einwurf in den Hausbriefkasten bei der im Briefkopf genannten Stelle zugestellt werden. Bitte beachten Sie hierbei, keine Originale zu \u00fcbersenden oder einzuwerfen. Oder \u00fcbersenden Sie uns die Unterlagen per E-Mail an die o.g. E-Mail-Adresse.&#8220;<\/p>\n<p>Das stellt sich die Frage: Wie weltfremd geht es nur in so mancher Beh\u00f6rde zu!? \u00a0Die ganzen Auflagen sind eine\u00a0echte Herausforderung f\u00fcr einen, der weder \u00fcber ein Handy, einen Kopierer, noch \u00fcber einen Scanner, geschweige denn \u00fcber einen PC verf\u00fcgt. Aber gemeinsam werden wir es schaffen.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Eine Facebook-Freundin hatte AJ Geschirr angeboten, das ich inzwischen abgeholt habe. Sie hat mir extra f\u00fcr AJ Schokolade mit einem pers\u00f6nlichen Gru\u00df mitgegeben. Er hat hat sich riesig dar\u00fcber gefreut und gibt das &#8222;MERCI&#8220; gerne zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auch, dass die Stadtzeitung WUPPERTAL regelm\u00e4\u00dfig berichtet, freut ihn au\u00dferordentlich. Heute hat er sich \u00fcber mein Handy den letzten Bericht durchgelesen. Immer wieder wird er von Mitmenschen namentlich angesprochen. Inzwischen f\u00fchlt er sich schon fast ber\u00fchmt.<\/p>\n<p>Eine Sozialp\u00e4dagogikstudentin hatte ihn angesprochen, w\u00e4hrend er sich mit den Formularen besch\u00e4ftigte. Sie hat ihn geben, \u00a0ihr bei einer Studie als Interviewpartner zur Verf\u00fcgung zu stehen. AJ hat sich sofort bereit erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ich bin sehr gespannt, was daraus wird. Und so entstehen immer neue Kontakte, die deutlich machen, dass AJ es hoffentlich bald schafft, von der Stra\u00dfe weg zu kommen. Immer mehr Wuppertaler dr\u00fccken ihm inzwischen kr\u00e4ftig die Daumen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Taro Kataoka \u00a0 &#8211; \u00a0\u00a0<\/b>Fortsetzung folgt<\/p>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div id=\"attachment_37612\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-37612\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/187812277_2433636373435482_7448064273224446916_n-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der obdachlose AJ an seinem Stammplatz in Elberfeld &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<\/div>\n<h4>AJ: Viele H\u00fcrden auf dem Weg zur\u00fcck ins normale Leben<\/h4>\n<p>&#8222;AJs Antrag auf ARGE-Leistungen ist eingegangen. Heute hatte er einen Telefontermin mit seinem Sachbearbeiter. Wegen der Pandemie konnte der Termin nicht pers\u00f6nlich stattfinden. Was f\u00fcr eine schwierige Situation f\u00fcr alle obdachlosen Mitb\u00fcrger, die kein Handy haben.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnten zwar z.B. bei &#8222;Gleis 1&#8243; oder bei der Diakonie ein Telefon benutzen, aber das ist recht m\u00fchsam. Der Sachbearbeiter w\u00fcnschte postalisch eine Kopie vom Kontovertrag oder einen Scan per E-Mail. Zudem wird er weitere Antr\u00e4ge erhalten, an seine Meldeadresse. Diese kann er dann einwerfen.<\/p>\n<p>Laut Internet w\u00fcnscht die ARGE aber eher die Einsendung per E-Mail. Wie soll AJ ohne Hilfe das hinbekommen? So laufen wohl viele Antr\u00e4ge von obdachlosen Mitb\u00fcrgern ins Leere. Etliche sind hoffnungslos \u00fcberfordert mit den Regularien und der einzuhaltenden Reihenfolge: Postalische Meldeadresse besorgen &#8211; Bankkonto er\u00f6ffnen &#8211; Aufkl\u00e4rung\/Beratung zu einem Pf\u00e4ndungsschutzkonto (P-Kto) einholen &#8211; zur\u00fcck zur Bank, um das P-Kto einzurichten.<\/p>\n<p>Und dann Antrag bei der ARGE stellen und t\u00e4glich bei der Meldeadresse melden. Schlie\u00dflich m\u00fcssen von den erhaltenen Spendengeldern jeden Monat Euro 9,90 zum Monatsende auf dem Konto sein, da ein Basiskonto nur auf Guthabenbasis gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Fehlt das Geld f\u00fcr die Kontof\u00fchrung, wird es umgehend gek\u00fcndigt. Dann hei\u00dft es: Aus die Maus. Denn was soll ein obdachloser Mitb\u00fcrger mit einem ARGE-Scheck, den er sich voll auszahlen l\u00e4sst? Viel zu hoch ist das Risiko, alles sofort auf den Kopf zu hauen oder bestohlen zu werden.<\/p>\n<p>Ich habe schon den Eindruck, dass es den Hilfeb\u00fcrftigen nicht besonders leicht gemacht wird. Mich bek\u00fcmmert das schon sehr!!!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Jetzt hat AJ endlich ein eigenes Bankkonto<\/h4>\n<div id=\"attachment_34830\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1016px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-34830\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/172651048_2400751966723923_7421258617160664496_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1006\" height=\"967\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Gl\u00fcck und zufrieden: AJ mit den Unterlagen f\u00fcr seine neues Bankkonto &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Jetzt standen einige wichtige Termine f\u00fcr AJ an. Um Leistungen der ARGE beziehen zu k\u00f6nnen, um dann beispielsweise auch eine Wohnung anmieten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt er ein Basis-Bank-Konto.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Also sind wir zur n\u00e4chstbesten Bank gegangen. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen. AJ hat es geschafft und ist jetzt stolzer Kontobesitzer. Anschlie\u00dfend ben\u00f6tigte er noch eine postalische Erreichbarkeitsadresse. Auch die hat er Dank der freundlichen Unterst\u00fctzung durch die Diakonie Wuppertal erhalten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Fehlte eigentlich nur noch die Steuer ID-Nummer. Diese hatte er bei einer Sozialarbeiterin hinterlegt, die aber heute nicht erreichbar war. So sind wir zweieinhalb Stunden durch Wuppertal marschiert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen erz\u00e4hlte mir AJ, dass er neulich nachts Besuch vom &#8222;unsichtbar e.V.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.unsichtbar-ev.de\/?fbclid=IwAR1_a2nQRyRaFPvNFi1Sm03jd2q6UPq6t1KGsj0pHt-6bR92vlRAUs6hPFw\">www.unsichtbar-ev.de<\/a>) erhalten habe. Man habe ihn mit Lebensmitteln versorgt. Was f\u00fcr ein gro\u00dfartiger Verein. AJ hat mich gebeten, diesen Verein hier unbedingt zu erw\u00e4hnen, weil er sehr dankbar ist, f\u00fcr jede Hilfe.<\/p>\n<p>Ach ja, und ein Zimmer hat er auch in Aussicht. AJ hat sich auf eine Warteliste setzen lassen. Hoffen wir nun, dass er bald dort einziehen kann und dann ein festes Dach \u00fcber dem Kopf hat. Die Aussicht, dann endlich arbeiten gehen zu k\u00f6nnen, stimmt ihn sehr positiv.<\/p>\n<p>Ganz ehrlich: Vor der ersten Begegnung mit AJ habe ich mir gar nicht vorstellen k\u00f6nnen, wie steinig der Weg aus der Obdachlosigkeit zur\u00fcck in eine geordnete Lebenssituation sein kann. Ich bin aber guter Dinge, dass es AJ schaffen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Obdachloser AJ: Spieleabend bei Familie Kataoka<\/h4>\n<div id=\"attachment_34695\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 886px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-34695\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/169339888_2394190330713420_8029798699141572599_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"876\" height=\"632\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Immer tipptopp gepflegt: Der obdachlose AJ zu Besuch bei Taro Kataoka und seiner Familie &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>&#8222;Ein besonderer Sonntag &#8211; Ostersonntag. Ich bin mit AJ um 13 Uhr verabredet und treffe einen zutiefst deprimierten Mann an. In den f\u00fcnf Stunden, in den er an seinem Platz sitzt, hat er exakt nichts an Almosen erhalten. Seine Dose ist leer.<\/p>\n<p>Zur Weihnachtszeit sehe es anders aus, aber am h\u00f6chsten Fest der Christen sei es enorm hart \u00fcber die Runden zu kommen, so AJ. Ich habe eine T\u00fcte mit von meiner Frau selbgebackenen Keksen in Osterhasenform f\u00fcr ihn dabei.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>AJ freut sich, packt die Kekse aber direkt in seinen R\u00fccksack. Wir gehen ein Runde durch die Stadt. Irgendetwas besch\u00e4ftigt ihn. Schlie\u00dflich verr\u00e4t er mir, dass ein ehemaliger Arbeitgeber mit Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen sei.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Um 14 Uhr sei er mit dessen Sohn verabredet, um sich nach dessen Vater zu erkundigen. Eigentlich will ich AJ zu uns nach Hause zum Kaffee und Abendessen einladen, doch er lehnt dankend ab. Zu wichtig sei ihm das Treffen mit dem Sohn seines Ex-Arbeitgebers. Doch dann verabreden wir uns f\u00fcr die Zeit danach.<\/p>\n<div id=\"attachment_34696\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 899px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-34696\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/169185463_2394190327380087_6206334987506482039_n-2.jpg\" alt=\"\" width=\"889\" height=\"580\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ freut sich \u00fcber die selbstgebackenen Kekse, die Taro Kataoka ihm mitgebracht hat &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>Es ist inzwischen 15:30 Uhr, als ich AJ in der Stadt wieder treffe. Der ehemalige Arbeitgeber hat die letzte Nacht nicht \u00fcberlebt. Tief ber\u00fchrt steigt er zu mir ins Auto und wir fahren zu mir nach Hause, wo er bereits von meiner Frau und Tochter erwartet wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Wir essen gemeinsam und spielen anschlie\u00dfend das eine und andere Gesellschaftsspiel. Doch zwischendurch spricht er immer wieder von seiner Betroffenheit \u00fcber den Tod des Bekannten, eines beinahe v\u00e4terlichen Freundes.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich neigt sich der Abend dem Ende zu. Ich fahre AJ zur\u00fcck in die Stadt. Unsere Wege trennen sich wieder. Doch wir sind f\u00fcr Dienstag (06.04.) schon wieder verabredet, um bei der ARGE einen Termin zu vereinbaren und in einer Bank ein Basis-Konto zu er\u00f6ffnen.&#8220;<\/p>\n<p><b>Taro Kataoka<\/b><\/p>\n<p>Fortsetzung folgt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_33471\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33471\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/21-02-07_AJ_9-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"681\" \/><span class=\"wp-caption-text\">AJ sitzt auf seinem Bett, um ihn herum seine Habseligkeiten &#8211; \u00a9 Taro Kataoka<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber AJ alias Thomas<\/h4>\n<p>AJ alias Thomas, inzwischen 48 Jahre alt, hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Er wurde in Spanien geboren, kam er im Alter von einem Jahr nach Deutschland. Er verlor fr\u00fch beide Elternteile und wuchs in Kinder- und Jugendheimen auf. Nach der Schule machte er eine B\u00e4ckerlehre.<\/p>\n<p>AJ kam nie im normalen Leben an. Er geriet fr\u00fch auf die schiefe Bahn, wurde immer wieder straff\u00e4llig. Von Drogendelikten, \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis hin zum Totschlag, was er heute zutiefst bereut.<\/p>\n<p>\u00dcber drei\u00dfig Jahre seines Lebens verbrachte der gelernte B\u00e4cker bislang im Gef\u00e4ngnis. Als er vor einigen Wochen aus der JVA entlassen wurde, stand er vor dem Nichts: Keine Wohnung, keinen Job, keine Perspektive.<\/p>\n<p>Doch dank Menschen wie Taro Kataoka hat er neuen Mut gesch\u00f6pft und ist jetzt fest entschlossen, seine Chance beim Schopf zu fassen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_33478\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 210px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-33478\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Taro_klein-200x300-1.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Taro Kataoka &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>\u00dcber Taro Kataoka<\/h4>\n<p>Taro Kataoka &#8211; Jahrgang 1966 &#8211; ist japanisch-deutscher Abstammung, seit \u00fcber 25 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.<\/p>\n<p>Nach der mittleren Reife an einer japanischen Schule, hat er zun\u00e4chst die Fachoberschulreife, dann das Abitur an deutschen Schulen gemacht. Anschlie\u00dfend erlernte er den Beruf des Bankkaufmanns.<\/p>\n<p>Taro Kataoka leistete Zivildienst und arbeitete einige Jahre bei einem japanischen Unternehmen. Anschlie\u00dfend studierte er Theologie. Nach zehn Jahren im Pastorenberuf begann er ein Fotodesign-Studium und schlo\u00df dieses mit dem Diplom ab.<\/p>\n<p>Die Kamera ist seither sein st\u00e4ndiger Begleiter, zun\u00e4chst meist nebenberuflich im Bereich der Eventfotografie. Inzwischen arbeitet er selbst\u00e4ndiger Fotodesigner und betreibt ein eigenes Fotostudio.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kataoka-fotografie.de\/\">http:\/\/www.kataoka-fotografie.de\/<\/a><\/p>\n<p>Als interkulturell aufgewachsener Mensch ist Taro Kataoka an anderen Kulturen interessiert. Er lernt gerne neue Menschen kennen und tritt mit ihnen in Interaktion.<\/p>\n<p>Als gl\u00e4ubiger Christ liebt er Gott, seine N\u00e4chsten und das Leben.\u00a0Ein Beispiel daf\u00fcr sind Hilfstransporte mit einem 40-Tonnen- Lkw nach S\u00fcdost-Europa, die er ehrenamtlich unternimmt. Mindestens einmal im Jahr ist er unterwegs, um Menschen mit Lebensmitteln und Kleidung sowie weiteren Hilfsg\u00fctern zu versorgen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist Taro Kataoka Vorstandsmitglied des gemeinn\u00fctzigen Vereins &#8222;Kinder-Tafel-Vohwinkel e.V., der die Kindertafel und den betreuten Spielplatz &#8222;Sternpunkt&#8220; in Vohwinkel betreibt und betreut \u00a0<a href=\"http:\/\/www.kinder-tafel-vohwinkel.de\">http:\/\/www.kinder-tafel-vohwinkel.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>LESEN SIE AUCH &#8211; wenn SIE m\u00f6gen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Folge 1<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/01\/mein-bewegendes-treffen-mit-einem-obdachlosen\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/01\/mein-bewegendes-treffen-mit-einem-obdachlosen\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Folge 2<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/10\/obdachloser-aj-sein-leben-unter-der-bruecke-die-fortsetzung\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/10\/obdachloser-aj-sein-leben-unter-der-bruecke-die-fortsetzung\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Folge 3<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/19\/obdachloser-aj-wohnung-und-job-in-aussicht\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/19\/obdachloser-aj-wohnung-und-job-in-aussicht\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Folge 4<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/03\/25\/34371\/\">https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/03\/25\/34371\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hilfsinitiative &#8222;WEISSE HERZEN Wuppertal&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/weisseherzen.wixsite.com\/wuppertal\">https:\/\/weisseherzen.wixsite.com\/wuppertal<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcber UNSICHTBAR e.V.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.unsichtbar-ev.de\">http:\/\/www.unsichtbar-ev.de<\/a><\/p>\n<p>Das Motto des gemeinn\u00fctzigen Vereins lautet: &#8222;Schau nicht weg, sondern gehe mit Empathie und Respekt auf Menschen zu&#8220;<\/p>\n<p>Der Verein weist darauf hin, dass es in Deutschland rund 678.000 Menschen ohne Wohnung gibt<\/p>\n<p><strong>Was genau macht UNSICHTBAR e.V.? <\/strong>&#8211; so beschreibt sich der Verein auf seiner Webseite<\/p>\n<p>Den Menschen im Blick haben ist unsere Mission. Wir f\u00fchlen uns verantwortlich f\u00fcr jeden, der Sorgen und N\u00f6te hat, auch wenn diese im Auge eines anderen noch so klein sind. Hinschauen, ernstnehmen und helfen \u2013 das ist unser gelebtes Motto. Nicht urteilen \u2013 machen!<\/p>\n<p>Durch unsere Unterst\u00fctzer und Mitglieder im Verein, k\u00f6nnen die unterschiedlichsten Bed\u00fcrfnisse der Hilfesuchenden Menschen abdeckt werden. Wir h\u00f6ren zu und versuchen gemeinsam L\u00f6sungen zu erarbeiten. GEMEINSAM! Manchmal reicht schon zuzuh\u00f6ren oder einfach nur ein liebes Wort. Helfen kann so einfach sein.<\/p>\n<p>In unserer Gesellschaft haben es viele verlernt, auf andere zuzugehen und ihnen ein L\u00e4cheln zu schenken. Diese kleine Geste kann Berge versetzen. Wir sollten es einfach \u00f6fter tun\u2026 Des Weiteren sensibilisieren wir unser Lebensumfeld, mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt zu gehen. Wahrzunehmen und dankbar zu sein, wie gut es uns geht und wie sch\u00f6n und wichtig es ist, etwas davon abzugeben.<\/p>\n<p>Zur unserem Aufgabengebiet geh\u00f6ren auch Vortr\u00e4ge halten, Workshops anbieten und unseren Wirkungskreis immer weiter erweitern. Wir sind 24 Stunden verf\u00fcgbar, spontan und flexibel.<\/p>\n<p>Obwohl wir uns ehrenamtlich engagieren und keine speziellen \u00d6ffnungszeiten haben, sind wir jederzeit erreichbar. Dort wo Hilfe gebraucht wird, versuchen wir zu helfen, ohne Wenn und Aber! Der Vorstand und alle Mitglieder glauben an N\u00e4chstenliebe! Wir leben Respekt und Empathie. Vertrauen und Loyalit\u00e4t sind f\u00fcr uns selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Wir glauben an eine Welt, in der jeder Mensch andere Menschen unterst\u00fctzen sollte.<\/p>\n<p>Also: Herz ein und Augen auf!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Lebensgeschichten, die trotz guter Voraussetzungen kein Happy End haben. Eine solche scheint die Vita des obdachlosen AJ alias Thomas zu sein. Der Foto-Designer und ehemalige Pfarrer Taro Kataoka hatte ihn per Zufall auf der Platte kennen gelernt. Das Schicksal des Ex-H\u00e4ftlings ber\u00fchrte ihn zutiefst. \u00dcber Monate begleitete er AJ auf dem Weg zur\u00fcck in die Gesellschaft. Vergeblich. AJ lebt wieder auf der Strasse. 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