{"id":34265,"date":"2021-03-18T08:46:18","date_gmt":"2021-03-18T07:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=34265"},"modified":"2021-03-18T08:46:18","modified_gmt":"2021-03-18T07:46:18","slug":"jahr100wissen-die-erfindung-des-lichttonverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/03\/18\/jahr100wissen-die-erfindung-des-lichttonverfahrens\/","title":{"rendered":"\u201eJahr100Wissen\u201c: Die Erfindung des Lichttonverfahrens"},"content":{"rendered":"<div class=\"header\">\n<div id=\"attachment_34266\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-34266\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Tonrolle_eines_Filmabtasters_Stephan_Uchrin-1024x684.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"684\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tonrolle einer Farbfilm-\u00dcbertragungsanlage &#8211; \u00a9\u00a0Foto Stephan Uchrin<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p class=\"bodytext\">Ein \u201eJahr100Wissen\u201c-Interview mit Prof. em. Dr.-Ing. Uwe E. Kraus, langj\u00e4hriger Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Nachrichtentechnik an der Bergischen Universit\u00e4t.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"c28347\" class=\"csc-default\">\n<div class=\"csc-textpic csc-textpic-intext-right csc-textpic-equalheight\">\n<div class=\"csc-textpic-text\">\n<p class=\"bodytext\"><b>Der deutsche Ingenieur Hans Vogt war Anfang der 20er Jahre einer der Erfinder des neuen Lichttonverfahrens. Zusammen mit Joseph Massolle und Joseph Benedict Engl gr\u00fcndete er die Gesellschaft \u201eTri-Ergon\u201c, was soviel bedeutet wie \u201eDas Werk der Drei\u201c. Was war das Revolution\u00e4re an dieser Erfindung?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Uwe E. Kraus:<\/b>\u00a0&#8222;Nach jahrzehntelangem Einsatz des Stummfilms konnten jetzt erstmals die Stimmen der Schauspieler, Umgebungsger\u00e4usche und Begleitmusik h\u00f6rbar gemacht werden. F\u00fcr die Massenverbreitung besteht der Vorteil des Lichttonverfahrens im Wesentlichen darin, dass die Filmbilder und die Tonspur bei der Herstellung der Filmkopien gemeinsam kopiert werden. Zudem ist die Lichttonspur bez\u00fcglich der Filmbilder \u00f6rtlich und damit auch zeitlich fixiert, mithin stets lippensynchron und sie kann auch nicht wie beim Magnetton versehentlich gel\u00f6scht werden. Nachteil ist (wie beim eigentlichen Filmbild auch) die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Kratzer, was zu Tonst\u00f6rungen f\u00fchren kann, aber auch bei einem unbesch\u00e4digten Film ist der Tonfrequenzbereich eingeschr\u00e4nkt, was aber damals nicht als st\u00f6rend empfunden wurde.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Was passiert eigentlich technisch bei diesem Verfahren im Projektor?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Uwe E. Kraus: &#8222;<\/b>Eine kleine Lampe mit konstanter Helligkeit im Lichttonger\u00e4t beleuchtet die Tonspur durch einen dazu quer-orientierten, schmalen Spalt hindurch. Entsprechend den ver\u00e4nderlichen Schw\u00e4rzungen auf der Tonspur schwankt die Helligkeit des auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Films austretenden Lichts. Dieses wird von einer Fotozelle in ein elektrisches Signal, also in das reproduzierte Tonsignal umgewandelt und \u00fcber Verst\u00e4rker den Lautsprechern im Kinosaals zugef\u00fchrt. Zur Projektion wird der Film zwischen frei schwingenden Schleifen, jeweils eine oberhalb und eine unterhalb des Bildfensters, schrittweise\/bildweise nach unten bewegt. W\u00e4hrend der Projektion steht das Filmbild im Bildfenster still; w\u00e4hrend des Filmtransports zum n\u00e4chsten Filmbild unterbricht eine rotierende Fl\u00fcgelblende das Licht in Richtung Leinwand.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Tonspur muss dagegen von einem konstant laufenden Filmst\u00fcck abgelesen werden. Im Lichttonger\u00e4t sorgt die so genannte Tonwelle, die mit einem Schwungrad verbunden ist, f\u00fcr einen ruhigen gleichf\u00f6rmigen Filmlauf. Das geschieht \u2013 in Filmlaufrichtung gesehen \u2013 hinter dem Projektionsobjektiv des Projektors. Wegen dieser technisch unterschiedlichen Wiedergabe-Bedingungen sind Bild und Tonspur auf dem Film zueinander versetzt. Ein Tonereignis liegt deshalb nicht direkt neben dem zugeh\u00f6rigen Bild sondern in Laufrichtung um jeweils 20 Bilder voraus.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Die drei deutschen Ingenieure entwickelten dazu neue Fotozellen auf der Basis von Elektronenr\u00f6hren und meldeten ca. 150 Patente an. Trotzdem war die Erfindung in Deutschland, selbst nach der ersten Lichtton-Auff\u00fchrung am 17. September 1922 im Berliner Filmtheater Alhambra, nicht erfolgreich. Warum nicht?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Uwe E. Kraus<\/b>: &#8222;Es waren im Wesentlichen die technischen M\u00e4ngel. 1925 war einer der drei, Joseph Benedict Engl, f\u00fcr den Ton des von der \u201eUniversum-Film AG\u201c (UFA) in Berlin produzierten Kurzfilms \u201eDas M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern\u201c nach dem M\u00e4rchen von Hans Christian Andersen zust\u00e4ndig. Die Premiere musste allerdings aufgrund erheblicher technischer M\u00e4ngel abgebrochen werden; der Film wurde ein kommerzieller Misserfolg.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Die Tonfilm-Patente wurden an den Amerikaner William Fox verkauft, der den Tonfilm ab 1928 weltber\u00fchmt machte und der selbst nach dem B\u00f6rsencrash noch bis zu seinem Lebensende gut von dem Tri-Ergon-Patent leben konnte. Im Laufe der Jahre arbeitete man auch mit anderen Verfahren wie zum Beispiel dem Magnettonverfahren. Welchen Vorteil bot dieses Verfahren in der Filmindustrie?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Uwe E. Kraus: <\/b>Magnettonverfahren erlauben eine bessere Tonqualit\u00e4t als Lichttonverfahren. Professionelle Verfahren mit SEPMAG (separated magnetic) funktionierten mit Magnetfilm, also einem perforierten Tonband von 16, 17,5 (jeweils zwei Tonspuren) oder 35 Millimeter Breite (bis zu sechs Tonspuren), das parallel und synchron zum Bildfilm auf einer mechanisch oder elektrisch gekoppelten Cordmaschine mit mehrspurigen Tonk\u00f6pfen abgespielt wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Beim Drehen des Films wurde der Original-Ton zun\u00e4chst auf tragbaren Tonbandger\u00e4ten (Nagra) mit einer zus\u00e4tzlichen Synchrontonspur (50 Hz) aufgenommen und sp\u00e4ter mit einer elektrisch synchronisierten Cordmaschine auf Magnetfilm aufgezeichnet. Auf Schneidetischen mit drei Tonbahnen konnten die klassischen Elemente Dialog, Ger\u00e4usch (Effekte) und Musik auf Magnetfilm geschnitten werden, fertig zur Mischung im Synchronstudio mit Filmprojektor und mehreren damit gekoppelten Cordmaschinen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Magnettonverfahren COMMAG (combined magnetic) war von den 1950er Jahren bis in die 1980er verbreitet; dabei wurde das schmale Magnettonband direkt auf den Film aufgeklebt und in einem Projektor mit Tonabnehmersystem abgespielt. Der Vorteil dabei war, dass man nur noch ein statt zwei Ger\u00e4te brauchte und die Synchronisierung von Bild und Ton kein Problem mehr war.&#8220;<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Mit welchen Tonsystemen arbeiten Profis denn heute?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Uwe E. Kraus<\/b>: &#8222;Dolby SR ist ein seit 1987 gebr\u00e4uchliches Rauschunterdr\u00fcckungsverfahren f\u00fcr die Tonaufzeichnung auf analogen Lichtton auf 35-Millimeter-Film. SR steht f\u00fcr \u201espectral recording\u201c und hei\u00dft so, weil es eine an das Geh\u00f6r angepasste spektrale Kompressorfunktion besitzt. Das Verfahren ist das am h\u00f6chsten entwickelte Audio-Rauschverminderungsverfahren und markiert den Abschluss der Entwicklung dieser analogen Verfahren, da f\u00fcr digitale Systeme keine Rauschverminderung mehr ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dolby Digital wurde zun\u00e4chst als Mehrkanal-Tonformat f\u00fcr Kinofilme eingesetzt (z. B. Apocalypse Now) und 1995 als Mehrkanal-Standardton f\u00fcr die damals neu entwickelte DVD sowie f\u00fcr Fernsehsender gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Dolby Atmos ist ein aufwendiges Surround-Format f\u00fcr den Heim- und Kinobereich, das 2012 vorgestellt wurde. Das Format erweitert die rein kanalbasierten Raumklangsysteme durch mehrere Deckenlautsprecher und erlaubt theoretisch eine unbegrenzte Anzahl von Tonspuren, es ist abw\u00e4rtskompatibel zu \u00e4lteren Mehrkanal-Tonsystemen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"align-right\"><strong>Uwe Blass<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"align-right\">[#nlsperre]<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reihe \u201eJahr100Wissen\u201c besch\u00e4ftigen sich Wissenschaftler*innen der Bergischen Universit\u00e4t mit 100 Jahre zur\u00fcckliegenden Ereignissen, die die Gesellschaft ver\u00e4ndert und gepr\u00e4gt haben. Durch die Erfindung des Lichttonverfahrens bekam der Stummfilm Anfang der 1920er Jahre eine Stimme.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-34265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-19 18:28:02","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34265"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34268,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34265\/revisions\/34268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}