{"id":3381,"date":"2016-01-12T09:10:42","date_gmt":"2016-01-12T08:10:42","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2016\/01\/12\/matthias-nocke-zwischen-pina-bausch-und-politessen\/"},"modified":"2025-05-12T19:21:36","modified_gmt":"2025-05-12T17:21:36","slug":"matthias-nocke-zwischen-pina-bausch-und-politessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2016\/01\/12\/matthias-nocke-zwischen-pina-bausch-und-politessen\/","title":{"rendered":"Matthias Nocke: Zwischen Pina Bausch und Politessen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45331\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45331\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Print_M-Nocke_hoch-2-1024x851.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"851\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Dezernent Matthias Nocke &#8211; \u00a9 Stadt Wuppertal<\/span><\/div>\n<p>Als Dezernent f\u00fcr Kultur, Sport, Feuerwehr und Ordnungsamt muss Matthias Nocke einen Spagat hinlegen, der manchmal schmerzhaft sein kann. Breiter k\u00f6nnte sein Gesch\u00e4ftsbereich kaum aufgestellt sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p>Peter Pionke sprach f\u00fcr die STADTZEITUNG mit dem engagierten Wuppertaler Dezernenten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie haben 20 Jahre im Leichlinger Stadtrat gesessen. Inwieweit f\u00fchlen Sie sich inzwischen als Wuppertaler?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDas ging relativ schnell. Ich arbeite ja &#8211; wenn auch in anderer Funktion &#8211; seit 2000 in Wuppertal und wurde 2008 zum Beigeordneten gew\u00e4hlt. Mit meiner Familie lebe ich auch seit dreieinhalb Jahren in Wuppertal. Seit ich hier wohne, hat sich meine Beziehung zu Wuppertal noch einmal deutlich vertieft. Es geht mir wie den meisten Menschen, die in diese Stadt ziehen, es ist eine Liebe auf den zweiten Blick, aber daf\u00fcr ist die Zuneigung dann umso intensiver und nachhaltiger. Wenn ich unterwegs bin und an Zuhause denke, dann ist Wuppertal damit gemeint. Wuppertal wird von au\u00dfen viel positiver wahrgenommen als noch vor 10 oder 15 Jahren. Und wenn ich Fremde durch unsere Stadt f\u00fchre, gibt es bei vielen einen positiven Aha-Effekt, was diese Stadt alles zu bieten hat.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Ist es aus Ihrer Sicht ein Muss, dass ein Dezernent in der Stadt lebt, in der er\u00a0arbeitet?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eEs ist schon n\u00fctzlich, wenn man sich mit dem Wasser die Z\u00e4hne putzt, mit dem das auch die anderen Wuppertaler B\u00fcrger tun. Man bekommt ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Stadt und die Sorgen der B\u00fcrger, wenn man auch in ihr lebt. Es gibt den altbackenen Begriff von der Residenzpflicht, der aber durchaus seine Berechtigung hat. So bekommt man abends in der Kneipe oder morgens beim B\u00e4cker hautnah mit, wie die Entscheidungen, die man getroffen hat, wirklich beim B\u00fcrger ankommen. Als absolutes Muss sehe ich das aber trotzdem nicht. Wir sind im Bergischen Dreieck ja nah beieinander. Der Remscheider Oberb\u00fcrgermeister wohnt beispielsweise in Vohwinkel und f\u00e4hrt jeden Morgen die paar Kilometer in die Nachbarstadt. Es ist schon ein gro\u00dfer Unterschied, ob ein Funktionstr\u00e4ger jeden Morgen aus M\u00fcnster anreisen muss oder ob er im Bergischen Land zuhause ist.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie kommt man eigentlich als ausgebildeter Jurist wie Sie zur Kultur?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDas war eigentlich so wie mit der ber\u00fchmten Jungfrau und dem Kinde. Dabei gab es bei mir schon immer eine gro\u00dfe Affinit\u00e4t zur Kultur. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der CDU-Ratsfraktion Wuppertal war ich ja mit unterschiedlichsten Themen besch\u00e4ftigt und so eine Art Allrounder. Ich habe die Wuppertaler Kultur-Szene au\u00dferdem immer als sehr lebendig und vielgestaltig wahrgenommen. Insbesondere auch die freie Szene. Ich hatte schon als Sch\u00fcler in D\u00fcsseldorf und Leverkusen ein Theater-Abo und habe zus\u00e4tzlich das Opern-Abonnement meiner Gro\u00dfmutter regelm\u00e4\u00dfig genutzt, das sie schon seit Gustav Gr\u00fcndgens Tagen hatte. Ich besa\u00df also schon immer das notwendige Ma\u00df an Aufgeschlossenheit und Interesse, was die Kultur anging. Es ist ja auch zum Gl\u00fcck f\u00fcr die Kultur nicht meine Aufgabe, Kultur zu machen, sondern die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kunst und Kulturschaffende in dieser Stadt trotz der finanziellen Sachzw\u00e4nge M\u00f6glichkeiten zur Entfaltung finden. Kultur ist f\u00fcr Wuppertal Motor der Innovation, Impulsgeber f\u00fcr die Stadtentwicklung, Standort- und Marketingfaktor und nicht zuletzt entscheidend f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t in unserer Stadt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie wurden 2008 mit gro\u00dfer Rats-Mehrheit zum Dezernenten gew\u00e4hlt, die Bezirksregierung erkannte die Wahl aber nicht an, mit der Begr\u00fcndung, Sie h\u00e4tten nicht gen\u00fcgend F\u00fchrungs-Erfahrung. Berechtigter Vorwurf oder ein Politikum?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eWas meine Eignung f\u00fcr dieses Wahlamt angeht, war ich immer anderer Meinung und gl\u00fccklicherweise damit nicht alleine. Normalerweise ist es so: Wenn die Bezirksregierung jemanden mit dem Stempel \u201eNicht geeignet\u201c versieht, dann war es das f\u00fcr die Person. Ich aber konnte mich auf die volle Solidarit\u00e4t des Oberb\u00fcrgermeisters und des Rates verlassen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie haben das Amt ja zwei Jahre lang \u00fcbergangsweise als Angestellter gef\u00fchrt, ehe Sie dann noch einmal vom Stadtrat gew\u00e4hlt und von der Bezirksregierung als Beigeordneter best\u00e4tigt wurden. Gab es einen gef\u00fchlten Unterschied in der Amtsf\u00fchrung?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201e\u00dcberhaupt nicht! Ich habe das Amt mit gro\u00dfem Engagement so angetreten, als ob ich die gesamte Wahlstrecke vor mir h\u00e4tte. Die Definition, die wir damals gemeinsam gew\u00e4hlt haben, lautete ja ganz eindeutig \u201eLeitender Angestellter in Dezernenten-Funktion\u201c. Und das hat ganz prima geklappt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Man sagt Ihnen ja ein gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen im Umgang mit Menschen nach. Ist dieses Kompliment eine besondere Genugtuung f\u00fcr Sie \u2013 wenn Sie an den Vorbehalt der Bezirksregierung denken?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eIch selbst kann das am Schlechtesten beurteilen, aber ich glaube, ich bin bis jetzt immer ganz gut mit Menschen klargekommen&#8230;\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: In Ihren Zust\u00e4ndigkeitsbereich fallen das Sport- und B\u00e4deramt, der Zoo, die Musikschule, das Sinfonieorchester, das Historische Zentrum, die Bibliothek, das Kulturb\u00fcro, das Von-der-Heydt-Museum, die Bergische Volkshochschule, die fachliche Aufsicht \u00fcber Schauspielhaus, Oper, das Tanztheater Pina Bausch und nicht zuletzt die Feuerwehr und das Ordnungsamt. Wird Ihnen da nicht schwindelig?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eNein, ich bin eigentlich ganz gut aufgestellt. Ich stemme das ja auch nicht alleine. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch der Kolleginnen und Kollegen, die bei uns die \u00c4mter, Stadtbetriebe und Einrichtungen leiten. Das sind alles hervorragende Pers\u00f6nlichkeiten. Allerdings habe ich nun wirklich keinen Mangel an Besch\u00e4ftigung. Wir m\u00fcssen viele Projekte und Baustellen abarbeiten und ich freue mich, wenn wir gemeinsame Erfolge verzeichnen k\u00f6nnen, die vielleicht nicht jeder B\u00fcrger auf den ersten Blick sieht.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Im Prinzip sind Sie ja zust\u00e4ndig f\u00fcr das Tanztheater Pina Bausch, das Geschichte schreibt und f\u00fcr die Politessen, die Kn\u00f6llchen schreiben. Wie kriegen Sie das unter einen Hut?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke (lacht): \u201eIch hatte fr\u00fcher einen sehr homogenen Gesch\u00e4ftsbereich Kultur, Bildung und Sport. Das ist jetzt anders, weil das nach der letzten Kommunalwahl vom Rat eben umgruppiert worden ist. Ich habe jetzt die Sicherheits- und Ordnungskomponente hinzu bekommen. Das f\u00fchrt zu anderen Kommunikationsformen. Da geht es in einigen Bereichen zwangsl\u00e4ufig um einen anderen Umgang mit den B\u00fcrgern, weil wir da nicht dienstleistend t\u00e4tig sind, sondern hoheitlich agieren m\u00fcssen. Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, das Tanztheater ist eine eigenst\u00e4ndige GmbH, mit verantwortlichen Entscheidungstr\u00e4gern. Hier nehme ich meine Aufgabe im Beirat wahr und bin \u2013 wie es so sch\u00f6n hei\u00dft &#8211; in Fragen der strategischen Steuerung t\u00e4tig. Auch beim Ordnungsamt in der Gefahrenabwehr ist Kreativit\u00e4t hilfreich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: H\u00e4tten Sie bei einer freien Auswahl Ihr Dezernat auch so zusammengestellt?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDas Leben ist kein Wunschkonzert und wer hat schon immer die freie Auswahl? Ich kann sagen: Meine Aufgabe macht mir Spa\u00df.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie viel Geld gibt die Stadt Wuppertal 2016 f\u00fcr die Kultur aus?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eIm Haushaltsplan 2016\/17 investiert die Stadt Wuppertal 38,642 Mio. Euro in die Kultur unserer Stadt. Wenn ich das Kultursekretariat NRW, die Volkshochschule und den Zoo einbeziehe, sind es 50,862 Mio. Euro; das macht 3,9 Prozent des st\u00e4dtischen Gesamtetats aus. Die Lebensqualit\u00e4t unserer Stadt h\u00e4ngt ja auch eng damit zusammen, welches kulturelle Angebot wir pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. F\u00fcr eine Stadt wie Wuppertal, in der es drei Hochschulen gibt, in der ein Globalplayer wie Bayer rund 400 Millionen in seinen Gr\u00fcndungsstandort investiert und wir viele qualifizierte Berufst\u00e4tige haben, deren Entscheidung f\u00fcr den Wohnort Wuppertal wesentlich von der Qualit\u00e4t der Bildungseinrichtungen f\u00fcr ihre Kinder und unserem Kulturangebot abh\u00e4ngt, ist diese Frage von zentraler Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Theoretisch k\u00f6nnten ihre Politessen das Geld, das Sie f\u00fcr die Kultur ausgeben, bei den Autofahrern wieder einsammeln&#8230;<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eSo einfach ist das Leben nicht und die \u00f6ffentliche Verwaltung auch nicht. Die Kultur hat zwar jedem Menschen viel f\u00fcr die eigene Pers\u00f6nlichkeit zu geben, ist aber in dem einen oder anderen Bereich finanziell ein Kostg\u00e4nger. Deshalb f\u00e4hrt man gut damit, sich freudig zum Gesamtdeckungsprinzip des st\u00e4dtischen Haushalts zu bekennen. Kn\u00f6llchen dienen ja in erster Linie der Ordnung des ruhenden und flie\u00dfenden Verkehrs und weniger der Einnahmenerzielung, auch wenn das sicher f\u00fcr jede Kommune ein willkommener Nebeneffekt ist.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal selbst f\u00fcr ein Kn\u00f6llchen zahlen m\u00fcssen?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eNoch vor 14 Tagen. Da habe ich dieses Kn\u00f6llchen verdient bekommen und nat\u00fcrlich auch bezahlt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Wie sehr ist Kultur eigentlich heute auf Sponsoren aus der freien Wirtschaft angewiesen?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eWenn ich das nicht nur auf die Wirtschaft beschr\u00e4nke, sondern auch auf das b\u00fcrgerschaftliches Engagement von F\u00f6rdervereinen und Stiftungen erweitere, manchmal etwas lieblos \u201eDritte\u201c genannt, dann ist das Kulturleben unserer Stadt, dann sind die Einrichtungen und Qualit\u00e4ts-Standards, die wir hier haben und ausbauen wollen ohne diese \u201eDritten\u201c nicht leistbar. Das, was viele Unternehmen dieser Stadt, in Kultur, in Lebensqualit\u00e4t und Bildung investieren, ist bemerkenswert und beachtlich. Eines sage ich ganz klar: Die Stadt hat f\u00fcr den normalen Betrieb ihrer Einrichtungen aufzukommen. Das ist auch nicht einspartauglich. Aber selbstverst\u00e4ndlich bin ich allen Unterst\u00fctzern und M\u00e4zenen sehr dankbar.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Das Projekt Pina Bausch Zentrum ist, seit der Zuschuss des Bundes in H\u00f6he von 29,2 Millionen Euro feststeht, in trockenen T\u00fcchern. Wie gro\u00df ist Ihr Anteil am Erreichen dieses Ziels?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDas ist eine Gemeinschaftsleistung, die zurecht viele V\u00e4ter hat. Es waren \u00fcbrigens auch M\u00fctter dabei. Wir bekommen 29,2 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Daf\u00fcr danke ich unseren Wuppertaler Bundestagsabgeordneten ganz besonders. Selbstverst\u00e4ndlich haben wir von Anfang an partnerschaftlich mit dem Land NRW zusammen gearbeitet. Ob Oberb\u00fcrgermeister, Stadtdirektor und Stadtverordnete, alle haben an dem Erfolg mitgearbeitet. Und ich war auch daran beteiligt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie haben ja das Wirken und Schaffen der gro\u00dfen Wuppertaler Choreographin und T\u00e4nzerin Pina Bausch noch live erlebt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der K\u00fcnstlerin.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eIch habe Pina Bausch leider eine viel zu kurze Zeit begleiten d\u00fcrfen. Ich bin ein gro\u00dfer Bewunderer dieser K\u00fcnstlerin. Sie war eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit. Die Gespr\u00e4che mit ihr werde ich nicht vergessen. Sie stand ja damals schon auf dem Sockel. Und ich habe mich ihr \u2013 das gebe ich gerne zu &#8211; auch mit einer gewissen Ehrfurcht gen\u00e4hert. Als ich mal gefragt wurde, wie ich Pina Bausch in Erinnerung behalten w\u00fcrde, habe ich spontan gesagt: \u201eRauchend!\u201c Es war wirklich so: Immer wenn wir miteinander gesprochen haben, hielt sie eine Zigarette in der Hand.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Welche Stellenwert hat denn das Pina Bausch Zentrum in der Gesamtentwicklung unserer Stadt?\u201c<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eMan kann das gar nicht hoch genug h\u00e4ngen. Dieses Zentrum wird in seiner Einzigartigkeit nicht nur national sondern auch international eine gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr den modernen Tanz, f\u00fcr Transformationsprozesse und vieles mehr sein. Der Bau aus dem Jahr 1966 wird unterschiedliche Funktionen beherbergen. Er wird als Ort der Diskussion einer bunten und heterogenen Stadtgesellschaft dienen, er wird der Sitz der Pina Bausch Foundation sein und Produktionsort f\u00fcr internationale Produktionen &#8211; nicht zuletzt auch neue, k\u00fcnstlerische Heimat f\u00fcr das Tanztheater, mit Platz f\u00fcr rund 800 Zuschauern. Das Pina Bausch Zentrum wird der Stadt Wuppertal ungemein n\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was w\u00fcrden Sie heute in der Nachbetrachtung, was die Personalie Toshiyuki Kamioka angeht, anders machen?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eZun\u00e4chst einmal m\u00f6chte ich feststellen, dass es au\u00dfergew\u00f6hnlich ist, dass ein Mann wie Prof. Toshiyuki Kamioka zehn Jahre lang an der Spitze eines solchen ausgezeichneten Orchesters steht. Das ist meistens der Zeitpunkt, an dem sich normalerweise Dirigent und Orchester in mehr weniger gutem Einverst\u00e4ndnis trennen. Wir in Wuppertal wollten diese erfolgreiche Arbeit mit Kamioka unbedingt fortsetzen. Und er hat dann den Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, nicht nur die Funktion des Generalmusikdirektors zu \u00fcbernehmen, sondern auch die des Opern-Intendanten. Aber das Medium von Toshiyuki Kamioka ist die Musik und nicht die Sprache \u2013 zumindest nicht die deutsche Sprache.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Das m\u00fcssen Sie uns jetzt aber n\u00e4her erkl\u00e4ren&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Matthias Nocke: \u201eGern! Als k\u00fcnstlerischer Leiter eines Stadttheaters muss man auch erkl\u00e4ren, begr\u00fcnden und werben. Kamiokas Pers\u00f6nlichkeit, die uns sehr geholfen hat, die Musik-Stadt Wuppertal auf ein sehr hohes Niveau zu heben, ist aber f\u00fcr diese Seite der Aufgabenstellung nicht gleicherma\u00dfen gut aufgestellt. Kamioka wollte sich zu Beginn einer jeden neuen Spielzeit die Frage stellen: \u201eWas will ich spielen?\u201c \u2013 und nicht die Frage: \u201eWas kann ich besetzen?\u201c Er hat nachdr\u00fccklich deutlich gemacht, dass er deshalb zur Verwirklichung seines k\u00fcnstlerischen Konzeptes zun\u00e4chst \u2013 mindestens zwei Spielzeiten lang \u2013 auf ein festes Ensemble verzichten will.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Anh\u00e4nglichkeit des Publikums an \u201esein festes Ensemble\u201c darf man nicht untersch\u00e4tzen, da der Ensemblegedanke zum Wesenskern des deutschen Stadttheaters geh\u00f6rt. Es hat gravierende Folgen, diese Auff\u00fchrungsform auch nur vor\u00fcbergehend zu suspendieren. Als uns Kamioka dann gebeten hat, ihn aus seinem Vertrag zu entlassen, war klar, dass es wieder ein Ensemble geben muss. Ich bin froh, dass wir mit Berthold Schneider einen ausgezeichneten Opernintendanten gefunden haben, der vielversprechende Ideen f\u00fcr die Zukunft der Wuppertaler B\u00fchnen und Sinfonieorchester GmbH hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: In Ihrem breitgef\u00e4cherten Ressort muss man leidensf\u00e4hig sein. Sind da die Erfolge beispielsweise der Oper oder des Tanztheaters so etwas wie Balsam f\u00fcr Ihre Seele?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eWo sehr viel Licht ist, gibt es manchmal eben auch Schatten. Das ist ganz unterschiedlich. Ich freue mich \u00fcber eine sch\u00f6ne Ausstellung im Von-der- Heydt-Museum, im Historischen Zentrum oder \u00fcber ein gro\u00dfartiges Sinfonie-Konzert. Nach dem 3. Sinfoniekonzert bin ich v\u00f6llig verzaubert und begl\u00fcckt aus dem Saal geschwebt.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Viele Wuppertaler weinen ja immer noch dem guten, alten Schauspielhaus nach. Sehen Sie das \u201eTheater am Engelsgarten\u201c als echte Alternative oder eher als \u201eNotunterkunft\u201c?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Matthias Nocke: \u201eDas \u201eTheater am Engelsgarten\u201c sollte nie eine Alternative zum Schauspielhaus sein und ist keine Notunterkunft. Es gibt f\u00fcr die B\u00fchnen ein gro\u00dfes Haus und zwar das Opernhaus und ein kleines Haus, das Theater am Engelsgarten. Beide Sparten bespielen beide H\u00e4user. Das muss nat\u00fcrlich noch intensiver werden. Das Theater am Engelsgarten kann auch gar keine Alternative zu diesem wundersch\u00f6nen Bauwerk des Architekten Gerhard Graubner sein, mit den tollen Wandelg\u00e4ngen und einem attraktiven, ad\u00e4quaten Zuschauerraum, den wir zu Beginn des neuen Jahrzehnts als Pina Bausch Zentrum in Betrieb nehmen werden. Ich kann schon verstehen, dass so mancher Wuppertaler eine Tr\u00e4ne im Knopfloch hat. Eigentlich m\u00fcsste man das Geb\u00e4ude f\u00fcr sechs Monate als altes Schauspielhaus einpacken, so wie Christo den Reichstag verh\u00fcllt hat, und als zuk\u00fcnftiges Pina Bausch Zentrum enth\u00fcllen, damit die Umwandlung deutlich wird.\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000;\">Doch eines muss klar sein: Der Bund investiert nicht in mangelnde Bauunterhaltung maroder Stadttheater. Er investiert auf der Basis eines vorliegenden Konzepts in etwas ganz Neues, das an diesem Ort entstehen wird.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Dann gehen wir jetzt einmal baden. Wie sehen Sie Wuppertal aufgestellt, was Frei- und Hallenb\u00e4der angeht?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eWas die r\u00e4umliche Verteilung unserer Schwimmb\u00e4der im Stadtgebiet angeht, sind wir zugegebenerma\u00dfen nicht optimal aufgestellt. Die Stadt musste leider \u00fcber die letzten Jahrzehnte die Anzahl der B\u00e4der verringern. Wir betreiben jetzt noch f\u00fcnf st\u00e4dtische Hallenb\u00e4der und ein Freibad. Und die befinden sich alle in einem Top-Zustand. Wir haben hier in Wuppertal das Gl\u00fcck, dass das Bandwirker-Hallenbad in Ronsdorf sowie die Freib\u00e4der Eckbusch und Vohwinkel durch engagierte F\u00f6rdervereine weiter betrieben werden. F\u00fcr die Sanierung des Bades M\u00e4hlersbeck stehen 5 Mio. Euro Investitionsmittel zur Verf\u00fcgung. Au\u00dferdem hoffen wir noch zus\u00e4tzliche F\u00f6rdermittel zu bekommen. Derzeit l\u00e4uft gemeinsam mit dem Geb\u00e4udemanagement (GMW) die Planung mit den B\u00fcrgern und der Politik.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was sagen Sie Sportfunktion\u00e4ren oder auch Sch\u00fcler-Eltern, die sich beschweren, wenn Sporthallen vor\u00fcbergehend als Fl\u00fcchtlingsheimen genutzt werden?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDenen sage ich, dass es nur eine kurzfristige, vor\u00fcbergehende Ma\u00dfnahme war. Und dass wir die einzige Stadt in NRW sind, in der alle Sporthallen auch wieder f\u00fcr den Sport genutzt werden k\u00f6nnen, weil wir andere M\u00f6glichkeiten der Unterbringung gefunden und geschaffen haben. Wir sind auch ein St\u00fcck weit beg\u00fcnstigt durch die Situation des Wuppertaler Wohnungsmarkts. Das sieht in D\u00fcsseldorf sicher anders aus. Ich bedanke mich ausdr\u00fccklich bei den Sportvereinen und beim Stadtsportbund. Die haben von Anfang an die Entscheidung, Fl\u00fcchtlinge kurzfristig in Sporthallen unterzubringen, ganz selbstverst\u00e4ndlich mitgetragen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Sie haben der freien Kulturszene bei einem Meeting, bei dem es um f\u00e4llige Einsparungen ging, als Trost ein Apfelb\u00e4umchen geschenkt. Was ist daraus geworden?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eEs steht an der Hebeb\u00fchne in der Nordstadt und w\u00e4chst tapfer vor sich hin. Es war damals in der Zeit der massiven K\u00fcrzungen. Das Jahrestreffen des Oberb\u00fcrgermeisters mit der freien Kulturszene begann mit einer \u201edie in &#8211; Performance\u201c. Deshalb habe ich mich vorher an das alte Luther-Wort erinnert: \u201eWenn ich w\u00fcsste, dass morgen die Welt untergeht, w\u00fcrde ich heute noch ein Apfelb\u00e4umchen pflanzen.\u201c Also habe ich in einer Baumschule ein Apfelb\u00e4umchen gekauft und dies einer Vertreterin der freien Kulturszene als symbolische Geste \u00fcbergeben.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Was macht Matthias Nocke, wenn er nicht am Schreibtisch sitzt oder irgendwelche Termine wahrnimmt?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eMeine Frau w\u00fcrde sagen: schlafen! Ich bem\u00fche mich, durch Laufen fit zu bleiben, was ich am Wochenende im Mirker Hain mache. Im Sommer schwimme ich im Freibad Eckbusch. Ich habe fr\u00fcher Basketball gespielt und bin auch geritten. Aber daf\u00fcr bleibt mir heute leider keine Zeit. Ich lese und verbringe m\u00f6glichst viel Zeit mit der Familie und mit Freunden.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Und wenn jetzt die ber\u00fchmte Fee um die Ecke k\u00e4me und Ihnen 50 Millionen Euro zweckgebunden f\u00fcr die Kultur in Wuppertal \u00fcberg\u00e4be \u2013 wof\u00fcr w\u00fcrden Sie das Geld ausgeben?<\/span><\/p>\n<p>Matthias Nocke: \u201eDen Sportler m\u00fcsste ich bei dieser Vorgabe zun\u00e4chst sagen: Sorry, aber die Fee hat gesagt \u201ezweckgebunden f\u00fcr die Kultur\u201c. Also w\u00fcrde ich f\u00fcr eine ausk\u00f6mmlichere, nachhaltigere Finanzierung der Wuppertaler B\u00fchnen- und Sinfonieorchester GmbH sorgen. Dann w\u00fcrde ich mit Ausblick auf das Engelsjahr 2020 in das Historische Zentrum investieren und au\u00dferdem Geld f\u00fcr die Umsetzung des Konzepts \u201eDer gr\u00fcne Zoo\u201c in die Hand nehmen. Sicher werden wir auch noch Geld f\u00fcr das Pina Bausch Zentrum und die freie Kulturszene unserer Stadt ben\u00f6tigen.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">DS: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch<\/span><\/p>\n<p><strong>Peter Pionke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Nocke ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die sch\u00f6nen K\u00fcnste, f\u00fcr die Oper, f\u00fcr das Pina Bausch Tanztheater und das Sinfonieorchester, das Von der Heydt-Museum, aber auch f\u00fcr Raser, Falschparker, Freib\u00e4der und f\u00fcr Feuersbr\u00fcnste.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":3380,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[1797,324,1800,173,1796,1798,1515,469,1799,191,95,676,188],"class_list":["post-3381","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","tag-dezernent","tag-feuerwehr","tag-freibad","tag-kunst","tag-matthias-nocke","tag-oper","tag-ordnungsamt","tag-pina-bausch","tag-pina-bausch-tanztheater","tag-sinfonieorchester","tag-sport","tag-verkehr","tag-von-der-heydt-museum"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-07 17:58:42","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3381","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3381"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3381\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83908,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3381\/revisions\/83908"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3381"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3381"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}