{"id":33795,"date":"2021-02-27T11:21:54","date_gmt":"2021-02-27T10:21:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=33795"},"modified":"2021-02-27T11:45:35","modified_gmt":"2021-02-27T10:45:35","slug":"vor-120-jahren-startete-die-schwebebahn-ihre-erfolgs-sory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/27\/vor-120-jahren-startete-die-schwebebahn-ihre-erfolgs-sory\/","title":{"rendered":"Vor 120 Jahren startete die Schwebebahn ihre Erfolgs-Sory"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_33841\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33841\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Achim-Otto-Kaiserwagen-01-2-1024x746.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"746\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der historische Kaiserwagen in Vohwinkel &#8211; \u00a9 Achim Otto<\/span><\/div>\n<p>Als Im Sommer 1826 die B\u00fcrger Elberfelders im Museumsgarten das Modell einer Schwebebahn bewundern konnten, ahnten sie wahrscheinlich nicht, dass ein solches Vehikel ihre Stadt, das sp\u00e4tere Wuppertal, einmal weltber\u00fchmt machen sollte.<\/p>\n<p>Das Schwebebahnmodell hatte der Unternehmer Friedrich Harkort anfertigen lassen. Erfinder dieses Fahrzeugs war der englische Ingenieur Henry Robertson Palmer. Dieser hatte eine von Pferden gezogene Einschienen-H\u00e4ngebahn f\u00fcr den G\u00fctertransport konstruiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_33798\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33798\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/WSW-1898_Aufgleisen_Wagen_A-1024x798.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"798\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bereits 1898 wurden die ersten Probewagen in Varresbeck ans Ger\u00fcst geh\u00e4ngt &#8211; \u00a9 WSW<\/span><\/div>\n<p>Harkort wollte eine solche Bahn verwirklichen, um Kohle vom Ruhrgebiet nach Elberfeld zu transportieren. Mit seinem Modell wollte er Elberfelds B\u00fcrger und die Stadtverordneten f\u00fcr das Projekt begeistern. Trotz anf\u00e4nglich g\u00fcnstiger Aufnahme der Idee durch die lokalen Honoratioren, \u00fcberwog am Ende die Skepsis und das Vorhaben wurde zu den Akten gelegt.<\/p>\n<p>Erst 1887 kam mit der Gr\u00fcndung einer Hochbahnkommission durch die St\u00e4dte Barmen und Elberfeld wieder Bewegung in das Projekt Schwebebahn. Mit einem modernen, leistungsf\u00e4higen Bahnsystem wollte man der zunehmenden Mobilit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung in den aufstrebenden Industriest\u00e4dten Barmen und Elberfeld Rechnung tragen.<\/p>\n<div id=\"attachment_33799\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33799\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/WSW-1898_Bau_der_Fundamente-1024x805.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"805\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Bau der Fundamente zwischen Zoo und Varresbeck &#8211; \u00a9 WSW<\/span><\/div>\n<p>1889 unterbreitete die Firma Siemens &amp; Halske den Stadtverordneten ein Angebot f\u00fcr den Bau einer Hochbahn und erhielt ein Jahr sp\u00e4ter auch den Zuschlag daf\u00fcr. Als es dann aber um die konkrete Ausgestaltung des neuen Verkehrssystems ging, trat mit dem K\u00f6lner Fahrzeughersteller Van der Zypen &amp; Charlier ein neuer Akteur auf den Plan.<\/p>\n<p>Die Firma hatte sich das Patent des Unternehmers und Erfinders Eugen Langen f\u00fcr eine Einschienen-H\u00e4ngebahn gesichert und bot diese nun den Wuppertaler Gremien an. Das Bahnsystem, das nach der Idee Langens durch den ehemaligen Regierungsbaumeister und sp\u00e4teren Schwebebahn-Bauleiter Wilhelm Feldmann ausgearbeitet worden war, konnte die Firma auch gleich auf einer eigenen Versuchsstrecke in K\u00f6ln-Deutz demonstrieren.<\/p>\n<p>Dort hatte man zun\u00e4chst mit einem zweischienigen System experimentiert, sich dann aber f\u00fcr die sp\u00e4ter realisierte Variante, bei der die Wagen an nur einer Schiene h\u00e4ngen, entschieden. Die Hochbahnkommission empfahl, das System Langen bei der Umsetzung der Pl\u00e4ne zu favorisieren. Da sich Siemens &amp; Halske aber nicht auf das Schwebebahn-Projekt einlassen wollte, sprang die Elektrizit\u00e4ts-Aktiengesellschaft (vormals Schuckert &amp; Co.) aus N\u00fcrnberg ein und schloss 1894 den Vertrag mit den St\u00e4dten Barmen und Elberfeld.<\/p>\n<div id=\"attachment_33800\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-33800 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/WSW-1904-001_Hammerstein-1024x806.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"806\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Die Schwebebahn in Hammerstein. Dieser Streckenabschnitt wurde ab Mai 1901 mit Fahrg\u00e4sten befahren &#8211; \u00a9 WSW<\/span><\/div>\n<p>Ein weiteres Schwebebahn-Projekt, das Langen etwa gleichzeitig in Berlin gestartet hatte, scheiterte \u2013 \u00fcbrigens veranlasst durch Kaiser Wilhelm II. h\u00f6chstpers\u00f6nlich, der im Jahre 1900 dennoch eine vielbeachtete Probefahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn unternehmen sollte.<\/p>\n<p>1895 gr\u00fcndete das Konsortium aus Eugen Langen, Van der Zypen &amp; Charlier und Elektrizit\u00e4ts-Aktiengesellschaft die \u201eContinentale Gesellschaft f\u00fcr elektrische Unternehmungen\u201c mit Sitz in N\u00fcrnberg f\u00fcr den Bau und Betrieb der Schwebebahn. Eugen langen selbst sollte die Verwirklichung seiner Vision nicht mehr erleben. Er starb 1895, drei Jahre vor Baubeginn der Wuppertaler Schwebebahn.<\/p>\n<p>Von Anfang an hatte die Schwebebahn mit Widerst\u00e4nden und Vorbehalten zu k\u00e4mpfen. Schon 1888 strengte die Pferdebahngesellschaft, die um ihr Monopol f\u00fcr die Personenbef\u00f6rderung f\u00fcrchtete, eine Klage gegen die Hochbahn an \u2013 vergebens. Sektiererische Kreise im \u201eMuckertal\u201c wetterten gegen die Schwebebahn als \u201eSatanswerk\u201c.<\/p>\n<p>Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer an der Fahrtrasse, besonders auf der Landstrecke in Sonnborn und Vohwinkel, bef\u00fcrchteten Nachteile f\u00fcr ihre Immobilien. Die Bedenkentr\u00e4ger konnten sich nicht durchsetzen. Und auch die Kritiker, die die Schwebebahn in Leitartikeln und Karikaturen mit Spott und H\u00e4me \u00fcberzogen, wurden eines besseren belehrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_33802\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33802\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/WSW-1897-001_Ger\u00fcstbau_Alexanderbr\u00fccke-1024x798.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"798\" \/><span class=\"wp-caption-text\">1897 &#8211; Bau des Schwebebahnhofs Ohligsm\u00fchle an der Alexanderbr\u00fccke &#8211; \u00a9 WSW<\/span><\/div>\n<p>Im Juni 1898 begannen die Arbeiten. Zun\u00e4chst wurde ein 800 Meter langes Streckenst\u00fcck zwischen Varresbeck und Zoo errichtet, das auch f\u00fcr die ersten Probefahrten genutzt wurde. Mit der Konstruktion des Tragwerks, d. h. der St\u00fctzen und Br\u00fccken, war die Maschinen-Bau-AG N\u00fcrnberg (MAN), beauftragt worden. F\u00fcr die charakteristische L\u00e4ngstr\u00e4ger-Konstruktion besa\u00df der MAN-Direktor und Ingenieur Anton Rieppel das Patent.<\/p>\n<p>Unterdessen waren bei Van der Zypen &amp; Charlier in K\u00f6ln die ersten beiden Probe-Waggons gebaut worden. Sie wurden per Eisenbahn nach Elberfeld transportiert und dort am 13.\/14. September 1898 an die Fahrschiene geh\u00e4ngt. Die ersten Probefahrten fanden 1899 mit 16 km\/h als zul\u00e4ssige H\u00f6chstgeschwindigkeit statt. Schlie\u00dflich wurden sogar Geschwindigkeiten bis 50 km\/h erreicht.<\/p>\n<p>Die Arbeiten schritten vom Zoo zun\u00e4chst in \u00f6stlicher Richtung bis zur Kluse voran. 1900 wurde das westliche St\u00fcck mit der Landstrecke bis nach Vohwinkel gebaut. Bereits am 24. Oktober 1900 konnte Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch in Barmen und Elberfeld die fertige Strecke auf einer Probefahrt vom D\u00f6ppersberg bis nach Vohwinkel befahren.<\/p>\n<p>Beh\u00f6rdlich freigegeben wurde die Strecke aber erst am 15. Februar 1901, nachdem zuvor noch eine Belastungsprobe stattgefunden hatte. Am 1. M\u00e4rz 1901 war es dann endlich soweit: Mit der Aufnahme des Fahrgastverkehrs war es den Wuppertaler B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern m\u00f6glich, in wenigen Minuten vom Elberfelder Stadtzentrum zum Zoo und \u2013 nach der Inbetriebnahme des westlichsten Abschnitts am 24. Mai 1901 &#8211; auch bis nach Vohwinkel zu gelangen.<\/p>\n<p>26 Waggons der Baureihe 1900 standen f\u00fcr den Schwebebahn-Betrieb zur Verf\u00fcgung, davon 21 Haupt- und 5 Nebenwagen. Die Barmer mussten noch etwas l\u00e4nger warten, bis sie in den Genuss der Schwebebahn kamen. Die Barmer Strecke bis nach Rittershausen (Oberbarmen) wurde erst 1903 er\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 120 Jahren (01.03.1901) wurde die Wuppertaler Schwebebahn offiziell er\u00f6ffnet. Die Idee eines solchen Verkehrssystems f\u00fcr die Stadt im Bergischen Land ist sogar schon 195 Jahre alt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-33795","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-27 13:04:01","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33795","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33795"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33795\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33843,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33795\/revisions\/33843"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}