{"id":33441,"date":"2021-02-17T15:18:42","date_gmt":"2021-02-17T14:18:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=33441"},"modified":"2021-02-19T15:47:27","modified_gmt":"2021-02-19T14:47:27","slug":"jens-langner-kinder-werden-auf-schule-stolz-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/02\/17\/jens-langner-kinder-werden-auf-schule-stolz-sein\/","title":{"rendered":"Jens Langner: Kinder werden auf Schule stolz sein"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_33231\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33231\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/141532867_10208815022130714_8859516388938177337_o-1024x694.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"694\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Langner (wei\u00dfes Hemd) mit Kids und Lehrpersonal &#8211; \u00a9 Jens Langner<\/span><\/div>\n<p>Der zweite Corona-Lockdown hat die Gastronomen auf Norderney, die normalerweise von den Touristen leben, schwer getroffen. Viele steht auf der Insel das Wasser bis zum Hals und dar\u00fcber hinaus. Normalerweise herrscht im Laden von &#8222;Tante Jens&#8220; so etwas wie Karnevalsstimmung, wenn er mit seiner Karaoke-Anlage alte Gassenhauer singt und nicht immer ganz jugendfreie Witze und Anekdoten erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite von Jens Langner &#8211; der witzige Entertainer, der seine treue Fan-Gemeinde als &#8222;Tante Jens&#8220; im Akkord zum Lachen bringt, ihnen unbeschwerte Stunden abseits vom Alltagsstress serviert. Normalerweise kann Jens Langner ganz gut davon leben.<\/p>\n<p>Doch jetzt ist alles anders! Disko dicht, keine G\u00e4ste, keine Einnahmen und auch weniger Spenden f\u00fcr sein Herzens-Projekt in Ghana.<\/p>\n<div id=\"attachment_33446\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33446\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/2015-07-28-22.08.28-1-1024x612.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"612\" \/><span class=\"wp-caption-text\">So sahen die Klassenr\u00e4ume der Schule in Accra vorher aus &#8211; \u00a9 Jens Langner<\/span><\/div>\n<p><strong>Doch lesen Sie aus erster Hand, wie Jens Langner selbst die momentane Situation erlebt.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Locki &#8220; der Zweite&#8220;!\u00a0Das D\u00e9j\u00e0-vu kennt keine Grenzen ! &#8222;Locki&#8220;, der Lockdown ist wieder da und wiegt uns, wie schon einmal wie in Trance in eine immer wiederkehrende\u00a0endlose Ruhe! Ich bin der Versuchung nahe, zu sagen: &#8222;Locki &#8211; ich habe Dich lieb!&#8220; Das ist nat\u00fcrlich blanker Zynismus!<\/p>\n<p>Filmszenenartig bewege ich mich gedanklich gerade zwischen meinem beruflichem Alltagsstress in den letzten 30 Jahren und dem Jetzt, wo ich an unserem Teich sitze und die Enten f\u00fcttere und dazu die metamorphorisch vor sich hin wabbernde unendliche Ruhe aufsauge.<\/p>\n<p>Was ist das alles &#8222;surreal&#8220; Haben Sie schon einmal erlebt, dass Langeweile so anstrengend sein kann? Man renoviert zum dritten Mal sein Haus oder sein Gesch\u00e4ft,\u00a0repariert die Dinge, die einem schon 10 Jahre lang ziemlich unn\u00fctz vorkamen, jetzt aber im Mittelpunkt der schier unendlichen Freizeit stehen.<\/p>\n<p>Wie beim ersten Lockdown treibt der einheimische Norderneyer wieder Sport oder stellt Nicht-Vollendetes aus dem ersten Lockdown endlich fertig. Man renoviert sein Haus,\u00a0entdeckt Gesellschaftsspiele mit der Familie wieder neu oder plant f\u00fcr die \u00a0hoffentlich irgendwann wieder existierende Normalit\u00e4t.<\/p>\n<div id=\"attachment_33447\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33447\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG-20210121-WA0004-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">In diesem renovierten Klassenraum werden Kinder in Zukunft unterrichtet &#8211; \u00a9 Jens Langner<\/span><\/div>\n<p>Alles in Allem ist es diesmal ruhiger. Die Leute haben Verst\u00e4ndnis.\u00a0Der Norderneyer ist vorbildlich und um einiges entspannter als beim ersten Lockdown. Man tr\u00e4gt pflichtbewu\u00dft seine Maske, die st\u00f6rrischen\u00a0und trotzigen kleinen Treffen an der frischen Luft, die es noch beim ersten Mal gab, sind auch vorbei. Unsere Zweitwohnungsbesitzer auf der Insel benehmen sich auch\u00a0\u00a0verantwortungsvoll. Man hat eben gelernt! Das sieht man auch an den Inzidenz-Werten. Sie sinken und sinken !<\/p>\n<p>Eine Art Belohnungsgef\u00fchl ist entstanden und man hofft nun, dass man sich in absehbarer Zeit wieder seinem normalen Alltag widmen kann. Endlich!!!<\/p>\n<p>&#8222;Locki&#8220; hat f\u00fcr Entspannung und Entschleunigung gesorgt. Und jetzt, wo der Energie-Akko wieder total aufgeladen ist, m\u00f6chte man sich auch wieder voll und ganz dem Gast widmen und\u00a0laut hinausschreien: &#8222;Here We Are!!!&#8220;<\/p>\n<p>Einige von uns Gastronomen werden es leider nicht schaffen. Schuld daran sind u.a. die sp\u00e4ten Hilfsleistungen der Bundesregierung und das fehlende Entgegenkommen einiger Eigent\u00fcmer von\u00a0Miet- oder Pachtobjekten. Einige Gastronomen werden sich aber auch eingestehen m\u00fcssen, doch etwas zu &#8222;gro\u00dfz\u00fcgig&#8220; gewirtschaftet zu haben\u00a0in den vergangenen Jahren. Da wird ein Umdenken auf beiden Seiten stattfinden m\u00fcssen!<\/p>\n<p>In meinen Gedanken war ich immer bei unserer Schule Ghana, bei den Kindern, bei den Lehrkr\u00e4ften. Ich schmiedete Pl\u00e4ne. Warum warten. Es war genau die richtige Zeit,\u00a0sich unserer Schule wieder zu widmen. Zeit f\u00fcr den letzten Feinschliff, bevor die Schulen wieder aufmachen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>So telefonierte ich mich zusammen mit meinen Lehrern und Vertrauenspersonen, um zu erfahren, was noch gemacht werden muss. Und los ging&#8217;s!<\/p>\n<p>Die Klassenzimmer bekamen eine neue Elektrik und neues modernes Licht, neue Farbe, neue Tafeln und und und &#8230; Einen Teil des Schulhofes wurde \u00fcberdacht.<\/p>\n<p>Die restlichen neuen Schulb\u00e4nke wurden aufgestellt, der Boden gefliest.\u00a0F\u00fcr mich ist es ein kleines Wunder zu sehen, wie sich innerhalb von f\u00fcnf Jahren alles so entwickeln kann! Fantastisch!<\/p>\n<p>Die Arbeit ist endlich getan! Ich bin mir sicher, die Kinder werden mit offenem Mund dastehen und ihre alte &#8222;Holzh\u00fctte&#8220; nicht mehr wieder erkennen. Sie werden auf ihre Schule stolz sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_33448\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33448\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/IMG-20210115-WA0118-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Moderne sanit\u00e4re Anlagen entstanden in der Schule &#8211; \u00a9 Jens Langner<\/span><\/div>\n<p>Aber trotzdem liegen mir noch einige Dinge am Herzen. Wir haben einen Schulgarten und einen Spielplatz geplant. Und im Zuge der Modernisierung\u00a0soll den \u00a0\u00e4lteren Kindern auch der Weg in die Welt der Computer geebnet werden.<\/p>\n<p>So aktiviere ich mein Umfeld und bitte meine Freunde und Bekannte, nicht mehr\u00a0ben\u00f6tigte aber noch funktionierende PC&#8217;s, Laptops und Tablets f\u00fcr die gute Sache und den &#8222;Export&#8220; nach Accra zu Verf\u00fcgung zu stellen. Ich bin mal gespannt !<\/p>\n<p>Und dann war ich verwundert und anschlie\u00dfend ersch\u00fcttert! In einer, unserer Telefonkonferenzen vermisste ich eine unserer Lehrerinnen, Joselyne, 28 Jahre jung. Ich mu\u00dfte erfahren, dass sie vor einiger Zeit\u00a0an Corona gestorben war. Es gab keine M\u00f6glichkeit, sie k\u00fcnstlich zu beatmen und auch keine Chance, sie mit freien, preiswerten Medikamenten zu behandeln.<\/p>\n<p>Man befindet sich in Ghana zwar in einer Art &#8222;Lockdown&#8220; und auch mu\u00df auch Masken tragen, aber die Umsetzung der ganzen Ma\u00dfnahmen\u00a0wird nicht kontrolliert. Die Gesch\u00e4fte in den Gegenden, in denen die Wohlhabenden wohnen, haben alle geschlossen, aber in den Armutsvierteln ist alles nach wie vor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Es muss leider so sein &#8211; die Menschen haben Hunger und auch die H\u00e4ndler m\u00fcssen irgendwie existieren und deshalb ihre Waren weiter verkaufen.\u00a0Trotzdem mussten schon viele der kleinen Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es gibt in Ghana keine Unterst\u00fctzung vom Staat, keine \u00dcberbr\u00fcckungshilfe, keine Dezemberhilfe, kein Arbeitslosengeld und auch kein Hartz 4. Die Menschen sind sich selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Mir wird bewu\u00dft, wie privilegiert ich bin, in Deutschland zu leben .<\/p>\n<p>&#8222;Lock &#8220; hat diesmal einen langen Atem und eine Engelsgeduld! Aber ich bin zuversichtlich, dass auch er einmal Feierabend machen muss!<\/p>\n<p>Wir Gastronomen auf Norderney werden jedenfalls rechtzeitig in den Startl\u00f6chern sitzen. Es gibt eine Menge zu tun!<\/p>\n<p><strong>Euer Tante Jens<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_33452\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-33452\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/2021-02-02-17.13.02-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Langner ist zur\u00fcck im Schnee auf Norderney &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens Langner alias &#8222;Tante Jens&#8220; ist gerade aus den Slums von Accra (Ghana) zur\u00fcckgekehrt, wo er die \u00c4rmel hochkrempelte, um tatkr\u00e4ftig beim Ausbau seiner Schule zu helfen, die er 2015 gegr\u00fcndet hat und seither finanziell und mit Rat und Tat unterst\u00fctzt. In K\u00fcrze beginnt das neue Schuljahr und die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler werden Baukl\u00f6tze staunen, wie sch\u00f6n ihre Schule geworden ist. Zuhause auf Norderney, wo Jens Langner die Nostalgie-Disko &#8222;Kings Club&#8220; betreibt, ist seit vielen Wochen &#8222;tote Hose&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-33441","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weitblick"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-19 18:18:13","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33441"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33441\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33455,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33441\/revisions\/33455"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}