{"id":31330,"date":"2021-10-15T08:10:15","date_gmt":"2021-10-15T06:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=31330"},"modified":"2025-05-31T12:39:50","modified_gmt":"2025-05-31T10:39:50","slug":"peter-maffay-mit-19-nr-1-alben-die-nummer-eins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2021\/10\/15\/peter-maffay-mit-19-nr-1-alben-die-nummer-eins\/","title":{"rendered":"Peter Maffay: Mit 19 &#8222;Nr. 1-Alben&#8220; ist er die Nummer eins"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45322\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45322\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Ralph-Larmann-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-7-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Peter Maffay auf seiner &#8222;Back To Live&#8220;-Tour &#8211; \u00a9 Ralph Larmann \/ Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p>Das &#8222;Waldb\u00fchnen-Konzert&#8220; &#8211; \u00a0f\u00fcr ihn ein Auftritt mit Symbol-Charakter. Der Gig findet am Vorabend des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit statt. Und da ist es dem sich\u00a0gesellschaftspolitisch stark engagierenden K\u00fcnstler sehr wichtig, ein musikalisches Zeichen zu setzen.<\/p>\n<p>Als Musiker hat er l\u00e4ngst Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt und Geschichte geschrieben: Mit 19 (!) Nr. 1-Alben ist Peter Maffay der mit Abstand der erfolgreichste Musiker der deutschen LP-Charts. Vor seinem spektakul\u00e4ren Comeback hat der sympathische 71j\u00e4hrige der STADTZEITUNG jetzt ein umfassendes Interview gegeben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-83834\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hand-aufs-Herz-88510200.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"66\" \/><\/p>\n<p><b>DS: Peter Maffay, am 29. Februar haben Sie in der Berliner Mercedes-Benz-Arena zuletzt auf der B\u00fchne gestanden. Das lag an der Verletzung von Bassist Ken Taylor, der Erkrankung von Keyboarder Pascal Kravetz und an der Corona-Pandemie. Jetzt genau nach 216 Tagen werden Sie auf der &#8222;Back To Live&#8220;-Tour in der legend\u00e4ren Berliner Waldb\u00fchne spielen. Hatten Sie so etwas wie Entzugserscheinungen?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;So k\u00f6nnte man es nennen. Wir erleben ja zur Zeit etwas, was es so noch nie gegeben hat. Das Konzert in der Waldb\u00fchne ist so etwas wie eine Ausnahme. Wir sind sehr froh, dass wir am Vorabend des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit dabei sein d\u00fcrfen. Wir wollen mit unserem Auftritt in einer Zeit, die viele Fragen aufwirft, ein kleines Signal der Zuversicht und der Hoffnung setzen und damit ein kleiner Leuchtturm sein &#8211; f\u00fcr uns selbst, f\u00fcr das Publikum und f\u00fcr diejenigen, die es erm\u00f6glichen, dass wir wieder auf der B\u00fchne stehen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen K\u00fcnstlern und Musikern hat die Coronakrise \u00fcbel mitgespielt. Nicht wenige k\u00e4mpfen um die nackte Existensz. Wie kann ihnen geholfen werden?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Besonders betroffen sind die vielen Nachwuchsk\u00fcnstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen und bisher kaum M\u00f6glichkeiten hatten, f\u00fcr eine solche Krisensituation vorzusorgen. Ihre Lage ist prek\u00e4r, sie stehen mit dem R\u00fccken zur Wand. Auch die vielen Roadies, Tontechniker und Helfer, ohne die es kein Live-Konzert geben w\u00fcrde, sind hart getroffen. Die meisten etablierten K\u00fcnstler haben vermutlich gen\u00fcgend R\u00fccklagen, um eine solche Durststrecke eine gewisse Zeit lang zu \u00fcberstehen. Aber keiner wei\u00df ja, wie lange dieser Zustand anh\u00e4lt. Wir tragen ja alle Verantwortung f\u00fcr unsere Mitarbeiter und f\u00fcr die Leute, mit denen wir st\u00e4ndig zusammenarbeiten. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass irgendwann im n\u00e4chsten Jahr, der Weg zur\u00fcck in eine gewisse Normalit\u00e4t m\u00f6glich ist.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_45324\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45324\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Ralph-Larmann-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-5-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Peter Maffay geniesst sichtlich die bombastische Atmosph\u00e4re in der Halle &#8211; \u00a9 Ralph Larmann \/ Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie haben sich denn die Musiker Ihrer Band in den letzten Monaten \u00fcber Wasser gehalten?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Sie alle greifen nach jedem Strohhalm und versuchen auf ihre Weise Musik zu machen und Geld zu verdienen, zum Bespiel bei kleineren Konzerten oder als Studiomusiker. Aber das ist nicht einfach. Es gab ja eine Vollbremsung von 100 auf 0. Das bedeutet: Der sechstgr\u00f6\u00dfte Wirtschaftszweig in Deutschland stirbt einen langsamen Tod. Es wird zun\u00e4chst die wirtschaftlich Schw\u00e4chsten treffen, aber dabei bleibt es nicht. Auch momentan noch stabile Strukturen haben erste Probleme. Wenn nicht irgendwann eine Eigendynamik einsetzt und wir wieder in der Lage sind, live zu spielen und so selbst unseren Unterhalt verdienen k\u00f6nnen, sehe ich schwarz. Die Politik wird es nicht schaffen, die Kulturszene zu retten. Die Gelder, die zur Verf\u00fcgung gestelllt wurden, reichen bei weitem nicht aus. Und der Umverteilungsmechanismus ist viel zu komplex und kompliziert, dass kaum ein Euro bei den K\u00fcnstlern ankommt. Das sind unsere Erfahrungen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Mit welchen Argumenten treten Sie den sogenannten Corona-Leugnern entgegen?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich verstehe nicht, wie man etwas, das existent ist und f\u00fcr das es wissenschaftliche Beweise gibt, so einfach negieren kann. Corona als Umstand zu akzeptieren ist unumg\u00e4nglich. Wir m\u00fcssen mit Corona leben und wir m\u00fcssen auch Corona als gegeben akzeptieren. Wir k\u00f6nnen die Ma\u00dfnahmen hinterfragen &#8211; jeden Tag aufs neue, weil sich die Umst\u00e4nde ver\u00e4ndern. Corona selbst zu leugnen ist einfach nur dumm!&#8220;<\/p>\n<p><b>Sind Sie in Ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld mit Coronaf\u00e4llen in Ber\u00fchrung gekommen?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Die hat es gegeben. Wir hatten Besch\u00e4ftigte, die ausgefallen sind und zuhause bleiben mussten. Aber wir konnten den Betrieb &#8211; wir sind inklusive der Stiftung rund 40 Besch\u00e4ftigte &#8211; aber zum Gl\u00fcck aufrecht erhalten. Das alles ist nat\u00fcrlich kein Ersatz f\u00fcr das, was wir in all den Jahrzehnten mit Erfolg gemacht haben: N\u00e4mlich Musik im Studio und auf der B\u00fchne.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_45325\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45325\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Ralph-Larmann-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-6-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Auf der B\u00fchne ist Peter Maffay in seinem Element &#8211; \u00a9 Ralph Laumann \/ Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie haben Sie und Ihre Band sich auf das Open Air-Konzert in der Waldb\u00fchne vorbereitet?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Wir leben ja alle weit verstreut voneinander. Deshalb mu\u00df in dieser ganz speziellen Situation jeder Musiker seinen Part allein einstudieren. Ich habe in letzter Zeit t\u00e4glich einige Stunden im Studio daf\u00fcr gearbeitet. Wir m\u00fcssen in Berlin praktisch ein Konzert aus der H\u00fcfte heraus spielen. Jeder trainiert f\u00fcr sich. Es gibt keine gemeinsamen Proben. Ich bin aber fest davon \u00fcberzeugt, dass es auch so funktioniert. Jeder wird mit soviel Motivation auf die B\u00fchne gehen und alles daf\u00fcr geben, um den Leuten unter diesen widrigen Umst\u00e4nden aus dem Stand heraus ein tolles musikalisches Geschenk zu machen und ihnen ein wenig Hoffnung mit auf den Weg geben.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: 30 Jahre Deutsche Einheit &#8211; welche Gef\u00fchle verbinden Sie mit diesem Ereignis?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich bin sehr froh, dass vor 30 Jahren eine Mauer gefallen ist, dass ein totalit\u00e4res System aufgeh\u00f6rt hat zu existieren. Ich bin gl\u00fccklich, dass wir eine gemeinsame Perspektive haben. Mir &#8211; und wahrscheinlich jedem anderen auch &#8211; ist klar, dass es noch vieles gibt, was noch zu verbessern w\u00e4re. Wir haben es aber geschaftt, zwei Teile eines geteilten Landes ohne Blutvergiessen wieder zusammen zu f\u00fcgen. Daraus ist eine sch\u00f6ne Kraft entstanden. Wir haben eine Demokratie, in der vieles machbar ist und wir k\u00f6nnen unsere Werte ausleben. Daf\u00fcr werden wir auf der ganzen Welt beneidet. Es macht Sinn, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen. Die Wiedervereinigung klein zu reden und sie negativ zu besetzen, ist der absolut falsche Weg. Wir brauchen eine gelebte Einheit, in einer Gesellschaft ohne Keile. Wir m\u00fcssen auch Fehlentwicklungen wie den aufkeimenden Rechtsradikalismus aushalten und damit fertig werden. Unsere Gesellschaft ist stark genug, um das zu meistern.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die 245 Menschen denken, die von DDR-Grenzsoldaten und durch Selbstschussanlagen get\u00f6tet wurden?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Das offenbart dieses menschenverachtende System der damaligen DDR. Ich komme ja selber aus einem kommunistischen Land. Das Chaushesku-Regime in Rum\u00e4nen hat sich ja von der gleichen Seite gezeigt. Wir haben die gleichen Repressionen am eigenen Leib erlebt, wie viele DDR-B\u00fcrger. Ich bin sehr froh, dass das alles der Vergangenheit angeh\u00f6rt. Wir wu\u00dften nicht, ob und wann<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>die Wiedervereinigung Realit\u00e4t werden w\u00fcrde, aber die Hoffnung hatten wir immer. Deshalb sind Udo Lindenberg, BAP und auch wir in jenen Teil Deutschlands gezogen, um dort zu spielen und mit den Menschen einen Dialog zu entfachen. Wir hofften, dass die Summe aller Anstrengungen, unsere Musik und die Gespr\u00e4che der Politiker, am Ende dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass dieses Regime irgendwann aufh\u00f6ren w\u00fcrde zu existieren. Als Gorbatschow dann ein Zeichen gesetzt hat, kollabierte das DDR-System. Die Zeit war eben reif daf\u00fcr.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sie haben jahrelang daf\u00fcr k\u00e4mpfen m\u00fcssen, \u00fcberhaupt in der DDR auftreten zu d\u00fcrfen. 1986 konnten Sie dann zwei Konzerte in Rostock spielen. Einer ihrer Fans hat sogar sein Motorrad gegen ein Konzert-Ticket eingetauscht. Welche Erinnerungen haben Sie an das denkw\u00fcrdige Gastspiel?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich wei\u00df noch, dass jeweils 6.500 Zuschauer in die Halle durften. \u00dcber 600.000 Leute hatten sich aber im Vorfeld um Tickets bem\u00fcht. Einige Jahre sp\u00e4ter konnte ich einen Blick in die Stasi-Akte werfen und habe festgestellt, wie die Beh\u00f6rden versucht haben, die Menschen davon abzuhalten, nach Rostock zu fahren. F\u00fcr mich pes\u00f6nlich war die Erfahrung elektrisierend, weil ich das erste Mal einem Publikum gegen\u00fcber gestanden habe, das ich so noch nicht erlebt hatte. Ich wu\u00dfte nicht, wie viele der Leute SED-Mitglieder und somit handverlesen waren. Mir war wichtig, den Leuten Lieder vorzuspielen, von denen ich glaubte, diese k\u00f6nnten sie interessieren. Und so war es dann auch. Am Abend des zweiten Konzerts habe ich dann leichtfertig in Mikrofon gesagt: &#8218;Wenn einer von Euch nach dem Konzert noch hierbleiben m\u00f6chte, schreibe ich ihm gerne ein Autogramm&#8216;. Und dann haben wir bis morgens um f\u00fcnf Uhr Autogramme geschrieben, weil fast alle dageblieben sind. Das hat mich total ber\u00fchrt. Damals sind Freundschaften entstanden, die ich heute noch pflege.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_31352\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-31352\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Ralph-Larmann-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-8-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Peter Maffay &amp; Co. verwandelten die Halle in einen Musik-Tempel -\u00a9 Ralph Larmann\/Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wir haben zwar die Deutsche Einheit auf dem Papier, aber es gibt immer noch gro\u00dfe Unterschiede zwischen Ost und West. Wie kann das ge\u00e4ndert werden?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich bin kein Wirtschaftsexperte und ich bin auch kein Politiker, obwohl ich auf der B\u00fchne gesellschaftspolitische Positionen beziehe. Eine solche Umw\u00e4lzung ist nicht von einen Tag auf den anderen machbar. Ein solcher Proze\u00df geht auch nicht ohne Fehler ab. Das zu glauben, ist utopisch. Unser Ansinnen muss sein, sich gleichberechtigt und auf Augenh\u00f6he zu begegnen. Wir m\u00fcssen frei sein von Besserwisserei und es ist wichtig, dass wir freundschaftlich miteinander umgehen. In vielen F\u00e4llen gelingt das. Ich f\u00fchre selber eine deutsch-deutsche Beziehung. Meine Lebensgef\u00e4hrtin Hendrikje ist Gymnasiallehrerin und kommt aus Halle an der Saale. \u00dcber sie und mit ihrer Hilfe erlebe ich diesen Teil Deutschlands jetzt erst richtig. Wir m\u00fcssen aufeinander zugehen. Das ist der richtige Weg, um sich einander zu finden. Wir brauchen diese Begegnung und die mu\u00df frei sein von Kalk\u00fcl und \u00dcbervorteilung. Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Lehrerin in Ostdeutschland f\u00fcr die gleiche berufliche Leistung weniger Geld bekommt als eine Lehrerin in Westdeutschland. Dann ist es nicht verwunderlich, dass das Selbstwertgef\u00fchl von Menschen aus Ostdeutschland einen Knacks abbekommt. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Wenn man diese Ungerechtigkeiten abbaut, entsteht ein anderes Miteinander. Es ist machbar, man muss es nur wollen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Es gibt mit Union Berlin und RB Leipzig nur zwei ostdeutsche Bundesligisten und mit Erzgebirge Aue nur einen ostdeutschen Zweitligisten. Ist der Osten damit nicht total unterrepr\u00e4sentiert?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Das ist auch ein Beweis f\u00fcr das vorhandene Ungleichgewicht. Aber ich bin kein Fu\u00dfball-Experte, meine sportlichen Ambitionen liegen eher beim Mountainbiken.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie erkl\u00e4ren Sie sich, dass ausgerechnet die AfD im Osten so stark ist? Die Partei, die Neo-Nazis in ihren Reihen duldet, die mit Bj\u00f6rn H\u00f6cke einen Rechtspopulisten zum th\u00fcringischen Landeschef gew\u00e4hlt hat und den man ungestraft als Faschisten bezeichnen darf.<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Wenn ein Teil der Gesellschaft sich nicht abgeholt f\u00fchlt, wenn jemand das Gef\u00fchl hat, dass die Argumente, die er vorbringt, nicht wahrgenommen werden, dann ist die Gefahr gro\u00df, dass er sich die Argumente eines Bj\u00f6rn H\u00f6cke zu eigen macht. Er sucht sich dann eine Alternative zu der Meinung, die wir f\u00fcr richtig und wichtig halten. Das ist die einzige Erkl\u00e4rung, die ich daf\u00fcr habe. Ein Teil der Mitte f\u00fchlt sich nicht ber\u00fccksichtigt und allein gelassen mit ihren \u00c4ngsten und Erwartungen. Deshalb werden Menschen empf\u00e4nglich f\u00fcr alternative Argumente der AfD, bis hin zur Radikalisierung. Das kann man meiner Meinung nach in einem gewissen Rahmen zur\u00fcckdrehen. Denn ich glaube nicht, dass alle AfD-W\u00e4hler rechtsradikal sind, aber man muss ihnen schon klar machen, dass Sie eine Mitverantwortung haben, wenn sie rechtsradikale Strukturen zulassen und mittragen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Die Menschen sind bei den Montagsdemonstrationen f\u00fcr die Freiheit auf die Stra\u00dfe gegangen. Die AfD verk\u00f6rpert nicht gerade diesen Freiheitswillen. Was ist da schiefgelaufen?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich stelle fest, dass Leute, die eigentlich demokratisch denken, sich pl\u00f6tzlich in der N\u00e4he von radikalisierenden Teilen der Gesellschaft befinden und sie auch keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit einer Partei wie der AfD mehr haben. Menschen wandern aus der Mitte ab, weil sie sich von den Politkern der gro\u00dfen Parteien nicht mehr repr\u00e4sentiert f\u00fchlen. Das ist f\u00fcr mich der bedrohliche Aspekt. Vielleicht haben wir zuviel Dirigismus in unserer Gesellschaft, zu viele Verordnungen, eine sich anbahnende Entm\u00fcndigung der B\u00fcrger. Wenn sich die Politik von den Menschen entfernt, wenn wir nur noch geregelt werden und Eigenverantwortung kaum noch eine Rolle spielt, ist das gef\u00e4hrlich. Nehmen Sie unsere Situation als K\u00fcnstler beispielsweise. Wir sind den Corona-Bestimmungen und -Entscheidungen auf Biegen und Brechen ausgeliefert, die \u00fcber unseren K\u00f6pfen gef\u00e4llt werden. Irgendwann wird die Angst um die Existenz gr\u00f6\u00dfer als die Angst vor Abgrenzung und vor Corona. Dann entsteht eine Melange, die bedenklich ist. Das m\u00fcssen wir aufarbeiten und miteinander im Dialog bleiben.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_45328\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45328\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Danny-Jungslund-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Peter Maffay &#8211; Gitarren-Duell auf der B\u00fchne &#8211; \u00a9 Danny Jungslund\/Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Viele Ostdeutsche f\u00fchlen sich nicht mitgenommen, obwohl mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin eine Ostdeutsche das zweith\u00f6chste politische Amt im vereinten Deutschland bekleidet. Wird das von den Menschen in Rostock, Leipzig und Dresden nicht gen\u00fcgend gew\u00fcrdigt?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich glaube, dass der Ansatz von Frau Dr. Merkel &#8211; aus humanistischer Sicht sowieso &#8211; ein v\u00f6llig richtiger ist. Als wir anfingen, uns des Ausmasses der Zuwanderung klar zu werden, war die entscheidnde Frage, hilft man den Menschen, die unter lebensbedrohlichen Umst\u00e4nden ihre Heimat verlassen mussten oder l\u00e4sst man sie im Regen stehen? Und Angela Merkel hat gesagt: Denen mu\u00df geholfen werden. Und das ist der einzig richtige Weg gewesen. Ich glaube an ihren ernst gemeinten und menschlich total korrekten Satz: &#8218;Wir schaffen das gemeinsam &#8211; unsere Gesellschaft ist stark genug&#8216;. Zum damaligen Zeitpunkt war aber noch zu wenig angekoppelt das &#8222;wie?&#8220;. Auch daraus kann man letztlich &#8211; wenn man die enorme Aufgabe sieht &#8211; niemanden einen Vorwurf machen. Aber in der Zeit danach gab es einige Vers\u00e4umnisse. Ein System zu entwickeln, das gew\u00e4hrleistet, dass Menschen, die zu uns kommen tats\u00e4chlich integriert werden, sie eine Chance haben, Arbeit zu finden, dass sie die M\u00f6glichkeit bekommen, selbstbestimmt zu leben, das ist nicht gelungen. Das hat meiner Meinung dazu beigetragen, dass es Parallellgesellschaften gibt, die wir nie wollten. Diese Entwicklung haben viele in unserem Land abgelehnt, weil sie sich dadurch bedroht gef\u00fchlt haben. Diesen Teil der Gesellschaft gilt es, wieder abzuholen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Zur\u00fcck zu Ihnen als K\u00fcnstler und Musiker. Was d\u00fcrfen Ihre Fans in den n\u00e4chsten Jahren von Ihnen erwarten?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Ich m\u00f6chte genau so viel Leidenschaft in meine Musik einbringen wie bisher. Wr wollen unsere gro\u00dfe Tournee, die wir in diesem Jahr unterbrechen mussten, im n\u00e4chsten Jahr fortsetzen. Ich hoffe nat\u00fcrlich, dass die Menschen dann wieder unbeschwert in unsere Konzerte kommen k\u00f6nnen. Die Tonleiter hat zwar nur acht T\u00f6ne, aber die Variationsm\u00f6glichkeiten sind unendlich. Da wird uns sicher auch in Zukunft etwas einfallen. Ich lebe in einem Land, in dem es sich zu leben lohnt und ich habe die M\u00f6glichkeit, mit vielen Menschen zusammen zu kommen und das motiviert mich auch in den n\u00e4chsten Jahren.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wird es irgendwann, wie andere Musiker und Bands vormachen, eine gro\u00dfe Peter-Maffay-Abschiedstournee geben?<\/b><\/p>\n<p>Peter Maffay: &#8222;Damit habe ich eigentlich vor, mir noch ein bi\u00dfchen Zeit zu lassen. Der Abschied ist so etwas Absolutes. Den sehe ich bei uns noch nicht. Der Auftakt unserer Tour war so euphorisch und energiegeladen, in unserer Band steckt noch eine enorme Energie und Lust an unserem Beruf. Ich habe ja auch nichts anderes gelernt. Ich mu\u00df also an der Musik festhalten. Ich glaube, mein Abschied wird irgendwann eine Art Paukenschlag sein. Bis dahin kenne ich nur eines: Vollgas!&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen Dank f\u00fcr das spannende, interessante und ehrliche Gespr\u00e4ch<\/b><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte\u00a0<\/strong><b>Peter Pionke<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_31349\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-31349 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Foto-Ralph-Larmann-\u00a9-Red-Rooster-Musikproduktion-GmbH-6-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Peter Maffay &#8211; mit der Atmosph\u00e4re und seiner Musik im Einklang &#8211; \u00a9 Ralph Larmann \/ Red Rooster Musikproduktion<\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VITA Peter Maffay<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Peter Maffay kam am 30.08.1949 in Brasov (Rum\u00e4nien) als Peter Alexander Makkay zur Welt. Im August 1963 wanderte er mit seinen Eltern nach Waldkraiburg (Bayern) aus. Peter Maffay kam schon fr\u00fch mit Musik in Ber\u00fchrung. Als Kind lernte er Geige spielen.<\/p>\n<p>In den Schulferien arbeitete als Handlanger auf dem Bau verdiente sich so das Geld f\u00fcr die erste Gitarre. Peter Maffay war Mitbegr\u00fcnder und Gitarrist der Sch\u00fclerband &#8222;The Beat Boys&#8220;, die sich sp\u00e4ter in &#8222;The Dukes&#8220; unbenannte. Die Gruppe coverte u.a. bei Auftritten im Lokal &#8222;Wei\u00dfer Hirsch&#8220; (Waldkraiburg) Songs von Donovan, Bob Dylan, The Cream, Small Faces und The Kinks.<\/p>\n<p>1968 ging Peter Maffay nach zwei Nichtversetzungen vom Gymnasium in Waldkraiburg ab und begann eine Lehre als Chemigraf, ein Beruf in der Druckerbranche, der aber inzwischen ausgestorben ist.<\/p>\n<p>Mit Magaret Kraus gr\u00fcndete er das Duo &#8222;Peter &amp; Margit&#8220;. Die beiden traten u.a. im M\u00fcnchner Club &#8222;Song Parnass&#8220; auf. Sie interpretierten in verschiedenen Sprachen Lieder von Peter, Paul und Marie, den Rolling Stones, Pete Seeger und Paul Simon. Abendgage pro Person: 10 DM. Immerhin lie\u00df Peter Maffay an der Seite von Margit erstmals auch als S\u00e4nger aufhorchen.<\/p>\n<p>Der Komponist und Produzent Michael Kunze wurde 1969 auf den jungen S\u00e4nger und Gitarristen aufmerksam. Er produzierte mit ihm die erste Single: &#8222;Du&#8220;, eine wundersch\u00f6ne Ballade aus der Feder von S\u00e4nger und Komponist Peter Orloff.<\/p>\n<p>&#8222;Du&#8220; wurde am 15.01.1970 ver\u00f6ffentlicht und verkaufte sich \u00fcber eine Million Mal. Der Titel belegte Platz 1 in den Deutschen Single-Charts (\u00d6sterreich Platz 8 &#8211; Schweiz 2).<\/p>\n<p>Am 21.03.1970 trat Peter Maffay, damals gerade einmal 19 Jahre alt, erstmals im Deutschen Fernsehen auf und pr\u00e4sentierte seinen Hit &#8222;Du&#8220; in der ZDF-Hitparade. Der Start einer m\u00e4rchenhaften Musiker-Karriere!<\/p>\n<p>Peter Maffay engagiert sich seit vielen Jahren f\u00fcr Toleranz und gegen Rassismus. Der Bundesverdienstorden-Tr\u00e4ger ist Botschafter zahlreicher Charity-Organisationen und Schirmherr der Tabaluga-Stiftung f\u00fcr Kinder. Deren M\u00e4rchen-Figur, den Drachen Tabaluga, hat er mit entwickelt und immer wieder auch musikalisch thematisiert.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler war viermal verheiratet. Aus diesen Ehen gehen eine Adoptivtochter und ein Sohn hervor. Seit Ende 2015 ist er mit der Gymnasiallehrerin (Biologie &#8211; Sport) Hendrikje Balsmeyer aus Halle an der Saale liiert. Gemeinsam haben sie eine kleine Tochter.<\/p>\n<p><strong>LESEN SIE auch bei FOCUS.ONLINE:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino_tv\/interview-mit-die-stadtzeitung-maffay-ueber-ersten-ddr-auftritt-durch-naives-angebot-entstanden-freundschaften_id_12493980.html\">https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino_tv\/interview-mit-die-stadtzeitung-maffay-ueber-ersten-ddr-auftritt-durch-naives-angebot-entstanden-freundschaften_id_12493980.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Pandemie nimmt auch auf Legenden keine R\u00fccksicht. 216 Tage stand Peter Maffay nicht mehr auf der B\u00fchne. Seine gefeierte &#8222;Back To Live&#8220;-Tour&#8220; musste der deutsche Superstar unterbrechen. Am Freitag (02.10.) standen er und seine Band endlich wieder im Rampenlicht &#8211; beim &#8222;Back To Live&#8220;-Konzert in der Berliner Waldb\u00fchne &#8211; selbstverst\u00e4ndlich unter strengen Corona-Auflagen. Corona-Leugnern liest Peter Maffay unmi\u00dfverst\u00e4ndlich die Leviten!<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-31330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-27 10:49:28","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31330"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84369,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31330\/revisions\/84369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}