{"id":30787,"date":"2020-09-03T14:55:13","date_gmt":"2020-09-03T12:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=30787"},"modified":"2022-12-07T21:00:30","modified_gmt":"2022-12-07T20:00:30","slug":"jens-grossmann-seine-linse-hat-schon-viel-leid-gesehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/09\/03\/jens-grossmann-seine-linse-hat-schon-viel-leid-gesehen\/","title":{"rendered":"Jens Grossmann: Seine Linse hat schon viel Leid gesehen"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-box\">\n<div id=\"attachment_41726\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-41726\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Jens-Grossmann@Andrea-Kuempfbeck-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Vom bekannten Wuppertaler Fotograf Jens Grossmann, der mit seiner Kamera h\u00e4ufig im Auftrag von Hilfsorganisationen in Krisengebieten unterwegs hat, hat auch das Foto f\u00fcr den IKW-Flyer produziert &#8211; \u00a9 Andrea K\u00fcmpfbeck<\/span><\/div>\n<p>Er arbeitet f\u00fcr renommierte Medien wie Geo, Stern oder den Spiegel. Auf der anderen Seite ist Jens Grossmann, der an der Bergischen Universit\u00e4t Kommunikations-Design studierte, auch zuhause in Wuppertal bei Unternehmen und Organisationen ein sehr gefragter Fotograf.<\/p>\n<p>So vertraut auch Oberb\u00fcrgermeister Andreas Mucke zum zweiten Mal bei einem OB-Wahlkampf auf die gestalterischen F\u00e4higkeiten und innovativen Ideen von Jens Grossmann.<\/p>\n<p>Einige seiner beeindruckende Fotos zieren das Opernhaus-Programmheft der Saison 2016\/17. Seine Ausstellung \u201eDas Leben im Chaos \u2013 die Welt im Blick\u201c? im\u00a0Vok Dams ATELIERHAUS fand gro\u00dfen Anklang und lie\u00df so manchen Betrachter nachdenklich und dem\u00fctig zur\u00fcck. Anschlie\u00dfend war seine beeindruckende Ausstellung auch noch im D\u00fcsseldorfer Landtag zu sehen.<\/p>\n<p>Und auf bei Freiluft-Plakatwand-Kunst-Aktion &#8222;Out And About&#8220; von Frank N war der Foto-K\u00fcnstler Jens Grossmann, dessen eigentliches Auge die Linse seiner Kamera ist, mit mehreren eindringlichen und ausdrucksstarken Fotos vertreten &#8211; u.a. mit\u00a0\u201eLove Nziavake \u2013 Ostkongo\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<p>Ein Querschnitt seiner vielf\u00e4ltigen Arbeit ist auf seiner neuen Web-Seite <a href=\"http:\/\/www.jens-grossmann.de\">http:\/\/www.jens-grossmann.de<\/a>\u00a0oder auf Facebook &#8222;Fotografie Jens Grossmann&#8220; unter dem Link<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/search\/top\/?q=fotografie%20jens%20grossmann&amp;epa=SEARCH_BOX\">https:\/\/www.facebook.com\/search\/top\/?q=fotografie%20jens%20grossmann&amp;epa=SEARCH_BOX<\/a><\/p>\n<p>zu sehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_30795\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30795\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/fedf822a25b5591e2b0cb820e380b880-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Grossmann wurde hier auf einer seiner Auslandsreisen einmal selbst zum Foto-Motiv &#8211; \u00a9 privat<\/span><\/div>\n<p>Lesen Sie auch das Interview mit Jens Grossmann:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>FOTOGRAFIE BRAUCHT KEINEN DOLMETSCHER<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-box\">\n<p><strong>DS: Bei ihren Auslandseins\u00e4tzen in Krisengebieten leisten Sie mit Ihrer Kamera regelrecht Aufkl\u00e4rungsarbeit. Was wollen und was k\u00f6nnen Sie mit Ihrer Arbeit \u00fcberhaupt erreichen?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eEs ist wichtig, Menschen ein Gesicht zu geben und das Leid nach au\u00dfen zu tragen. Aber viel entscheidender ist das Leben selbst, dort sind doch Menschen, die weiter um ihr Leben k\u00e4mpfen. Wenn ich mit Organisationen der Katastrophen- oder Entwicklungshilfe reise, geht es darum Leben, zu retten und Menschen zu erm\u00f6glichen, ihr Leben weiterzuleben.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Wie bereiten Sie sich \u00fcberhaupt auf solche Eins\u00e4tze vor?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eDie Vorbereitung beginnt schon, wenn ich von einer Reise heimkehre. Das hei\u00dft, ich packe meinen Koffer, damit ich mich vor dem n\u00e4chsten Einsatz nicht kurzfristig damit besch\u00e4ftigen muss.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Ihrer viele Erlebnisse hat Sie am meisten beeindruckt?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eEs beeindruckt mich immer wieder zu sehen, wie \u00fcberlebensf\u00e4hig der Mensch in extremen Situationen ist. So zuletzt vor zwei Monaten in \u00c4thiopien wo es derzeit die gr\u00f6\u00dfte Hungersnot seit drei Jahrzehnten gibt.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Hat es auch Situationen gegeben, bei denen Sie Ihre Kamera gar nicht erst ausgepackt, sondern gleich geholfen haben?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eEinen solchen Moment gab es auf Haiti nach dem schweren Erdbeben. Ein provisorischer OP war in einem Klassenzimmer eingerichtet. Dort wurde ich von einem Arzt gefragt, ob ich mit am Tisch arbeiten k\u00f6nnte, da zu wenig Personal vor Ort war. Ich habe dann die Aufgabe des An\u00e4sthesisten \u00fcbernommen. Der Mann hat \u00fcberlebt.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_30796\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-30796\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/c578e277-e9b3-4696-9f0b-65ea2fe25cc3-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Jens-Grossmann-Foto bei &#8222;Out And About&#8220; &#8211; \u00a9 Jens Grossmann<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie bekommen Sie es hin, dass Leid, dass Sie vor Ort sehen, nicht zu nah an sich herankommen zu lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eDer Blick durch die Kamera sch\u00fctzt in gewisser Weise. Da haben es die schreibenden Kollegen schwerer, die das Elend detailliert und emotional geschildert bekommen. Ich mache w\u00e4hrenddessen meine Fotos und schaue mich weiter um. Ich h\u00f6re dann nur aus der Ferne das Weinen und Schreien, wenn Menschen ihre Geschichte erz\u00e4hlen. Au\u00dferdem arbeite ich fast immer ohne Dolmetscher. F\u00fcr die Fotografie ist das besser.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie begeben sich ja bei Ihren Krisen-Eins\u00e4tzen auch selbst in Gefahr. Halten Sie sich f\u00fcr einen mutigen Menschen?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Gro\u00dfmann: \u201eIch kann nicht sagen, ob ich mutig bin. Ich meine aber, in extremen Situation einen klaren Kopf behalten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Sie haben viele Menschen, die Sie in Krisengebieten kennengelernt haben, portraitiert. Haben Sie irgendeinen dieser Menschen sp\u00e4ter einmal wiedergetroffen?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eIch bin ein Jahr nach dem Taifun Haiyan auf die Philippinen gereist, um den Wiederaufbau zu dokumentieren. Im Gep\u00e4ck hatte ich einen Stapel Bilder von Orten, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Diese Orte habe ich erneut aufgesucht, um von der gleichen Position aus noch einmal zum Vergleich zu fotografieren. Und dies nach M\u00f6glichkeit mit den Menschen, die ein Jahr zuvor auf den Bildern zu sehen waren. Dies waren sehr ber\u00fchrende und sch\u00f6ne Momente.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Habe Sie sich eine Deadline gesetzt, an der Sie sagen: Jetzt ist Schluss mit dem Fotografieren in Krisengebieten?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eNat\u00fcrlich. Zun\u00e4chst in ganz praktischer Weise. So habe ich erst mit 44 Jahren eine Familie gegr\u00fcndet. Meine gleichaltrigen Freunde haben dagegen schon erwachsene Kinder. So entwickelte sich meine Lebensplanung mit dem Beruf. Bei meinem bisherigen Leben h\u00e4tte ich keine Verantwortung f\u00fcr eine Familie \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Das war mir absolut bewusst. Ich werde weiterhin reisen und in \u00e4hnlicher Weise arbeiten. Aber ich werde Hotspots wie zum Beispiel Syrien, Afghanistan oder Pakistan meiden, so sehr mir diese L\u00e4nder auch ans Herz gewachsen sind. Das unkalkulierbare Risiko, das einen Journalisten an solchen Orten immer begleitet, ist mit Kind tabu. F\u00fcr Partnerinnen, Familie und Freunde war die latente Ungewissheit schon immer sehr schwer \u2013 trotz einer gewissen Routine, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. Aber jetzt trage ich eine andere Verantwortung.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Solche Foto-Kampagnen, wie die beiden mit Andreas Mucke, m\u00fcssten doch fast schon so etwas wie Wellness-Urlaube f\u00fcr sein oder ist das f\u00fcr Sie ein ganz anderer Stress?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eWellness-Urlaube waren das nat\u00fcrlich nicht. Die Herausforderung war eine ganz andere und auch da komme ich beim Fotografieren ins Schwitzen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_30797\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-30797 size-large\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/7b750430-897b-471e-9ccc-16b3a3380462-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Ein Foto von Jens Grossmann auf einer Plakatwand an der Hohlenscheidter Strasse &#8211; \u00a9 Jens Grossmann<\/span><\/div>\n<p><strong>DS: Wie schalten Sie eigentlich richtig ab?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eBeim Urlaub an der See. Viel frische Luft und gutes Essen tun mir gut.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie eigentlich schon einmal geschafft, die Kamera eine Woche lang nicht anzur\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eNa klar. Das ist ganz einfach. So bleibt die Kamera im Urlaub zuhause.\u201c<\/p>\n<p><strong>DS: Lassen Sie sich eigentlich selbst gern fotografieren?<\/strong><\/p>\n<p>Jens Grossmann: \u201eUngern. Ich f\u00fchle mich im Hintergrund wohler. Aber wenn, dann lieber von einem Profi, der schnell arbeiten kann.\u201c<\/p>\n<p><strong>Text &amp; Interview: Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"anzeigen-box anzeigen-box-horizontal anzahl-6\">\n<div class=\"anzeigen-banner anzeigen-banner-kleinanzeige\">\n<div class=\"bild-banner-image-container\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"anzeigen-banner anzeigen-banner-kleinanzeige\">\n<div class=\"bild-banner-image-container\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"anzeigen-banner anzeigen-banner-kleinanzeige\">\n<div class=\"bild-banner-image-container\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"anzeigen-banner anzeigen-banner-kleinanzeige\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wuppertaler Fotograf Jens Grossmann hat viel von der Welt gesehen. Viel Sch\u00f6nes, aber auch sehr viel Leid. In 50 L\u00e4ndern der Erde hat er mit seiner Kamera im Auftrag von internationalen Hilfsorganisationen menschliche Trag\u00f6dien nach milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen und die Folgen von Natur-Katastrophen festgehalten, damit sich die restliche Welt ein Bild davon machen konnte. Aber auch zuhause in Wuppertal gibt es f\u00fcr den Fotografen aus Leidenschaft viel zu tun &#8211; als eine Art seelischen Ausgleich.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-30787","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-12 12:48:09","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30787"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30787\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58941,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30787\/revisions\/58941"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}