{"id":2952,"date":"2019-12-17T05:43:56","date_gmt":"2019-12-17T04:43:56","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2015\/12\/11\/heiligabend-in-der-schwebebahn\/"},"modified":"2023-04-11T14:36:50","modified_gmt":"2023-04-11T12:36:50","slug":"heiligabend-in-der-schwebebahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/12\/17\/heiligabend-in-der-schwebebahn\/","title":{"rendered":"Heiligabend in der Schwebebahn"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_54686\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-54686\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Plakat_Ziegler-1024x727.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"727\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Das Plakat in Hamburg, mit dem Ernst-Andreas Lebenswerk geehrt wird &#8211; \u00a9 K\u00f6rber Stiftung<\/span><\/div>\n<p>Immer, wenn der ber\u00fchmte Zirkus Simoneit-Barum am Carnaper Platz sein Zelt aufschl\u00e4gt, nimmt sich Dieter Burmester,\u00a0technischer Leiter und Tausendsassa, zwei Stunden Zeit und f\u00e4hrt mit der Schwebebahn. Einmal erlebte er eine besondere Geschichte.<\/p>\n<p>In der Schwebebahn schreibt Burmester oft seiner Tochter Nina, die mit ihrem Mann einem Clown, im Ausland in einem anderen Zirkus arbeitet, eine Postkarte. Die Geschichte, die ihn so eng mit Wuppertals weltber\u00fchmten Wahrzeichen verbindet, hat sich vor Jahrzehnten zugetragen.<\/p>\n<p>Damals war Dieter Burmester, ein gelernter Maschinenschlosser mit Zirkus-Sehnsucht, auf Arbeit im Ruhrgebiet. Als der Chef mitbekam, dass sein Allround-Mitarbeiter demn\u00e4chst aufh\u00f6ren wolle, schmiss er ihn von einem Moment auf den anderen raus. Auch aus der Wohnung und ausgerechnet am Vormittag von Heiligabend. So stand er auf der Stra\u00dfe, hatte keine Bleibe, war v\u00f6llig abgebrannt, hatte auch Hemmungen, zum Sozialamt zu gehen.<\/p>\n<p>Die letzten 15 Mark brauchte er f\u00fcr eine Tankf\u00fcllung Benzin. Sie musste f\u00fcr die Fahrt mit dem zum Campingwagen umgebauten alten Kombi zu einem Bekannten in Niedersachsen reichen, wo er mit Frau und Tochter \u00fcber Weihnachten Unterschlupf zu finden hoffte.<\/p>\n<p>Weder f\u00fcr seine Frau, noch f\u00fcr Nina, die sich auf Weihnachten und das Christkind freute, hatte er Geschenke. Die hatte er mit dem Lohn kaufen wollen, den ihm sein bisheriger Arbeitgeber vor Zorn nicht herausr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Was tun in solcher Situation? Um Nina abzulenken fuhr Dieter Burmester nach Wuppertal. Er erz\u00e4hlte der Kleinen, an Heiligabend w\u00fcrde das Christkind unerkannt Schwebebahn fahren, damit es bei den Familien, die es besuche, vorher schon einmal durch die erleuchteten Fenster in die Stube schauen und erfahren k\u00f6nnte, ob die Kinder auch lieb seien.<\/p>\n<p>Und weil Nina das nat\u00fcrlich auch sehen wollte, fuhren sie Schwebebahn. Von Vohwinkel nach Oberbarmen und wieder zur\u00fcck. In Augenh\u00f6he erleuchtete Wohnungen, in denen Kerzen am Weihnachtsbaum brannten.<\/p>\n<p>Doch als sie aussteigen wollten &#8211; ihre Fahrkarten hatten keine G\u00fcltigkeit mehr &#8211; fragte der Schaffner (damals gab&#8217;s noch einen), ob sie denn nicht noch eine weitere Runde mitfahren wollten. An diesem Abend koste das nichts, sie seien eingeladen. Der Mann hatte mitbekommen, dass diese Familie mit kleinem Kind an diesem Abend keinen Platz in einer Herberge hatte.<\/p>\n<p>Also fuhren Vater und Mutter so lange Schwebebahn, bis Nina so tief eingeschlafen war, dass sie das Aussteigen gar nicht mehr mitbekam. Die Tochter verschlief den Heiligen Abend, tr\u00e4umte vom Christkind in den Wohnungen an der Schwebebahn, und sie wachte erst auf, als die Familie bei dem Bekannten Unterschlupf, Essen und einen brennenden Weihnachtsbaum gefunden hatte.<\/p>\n<p>Aus dem kleinen M\u00e4dchen von damals ist eine Frau geworden. Wo auch immer sie und ihr Zirkus in der Welt herumreisen: wenn es weihnachtet, erz\u00e4hlt sie den Zirkuskindern, wie es war, als sie arm waren, keine Bleibe hatten und in Wuppertal wie das Christkind Schwebebahn fuhren.<\/p>\n<p>* Dieter Burmester ist im Mai 2010 verstorben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_45290\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45290\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Anna-Schwartz-13.-Mai-Besuch-der-Kanzlerin-19-2-1024x779.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"779\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merke am 13.05.2019 &#8211; ein echtes Highlight f\u00fcr die Junior Uni und F\u00fcr Prof. Ernst-Andreas Ziegler &#8211; \u00a9 Junior Uni \/ Anna Schwartz<\/span><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-24325\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/BA9I4777-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><\/p>\n<h3><strong>Ernst-Andreas Ziegler: Journalist &amp; Geschichtensammler<\/strong><\/h3>\n<p>Prof. Dr. Ernst-Andreas Ziegler wurde er in Weimar, doch er ist l\u00e4ngst mit Leib und Seele Wuppertaler.\u00a0Der langj\u00e4hrige Leiter des Wuppertaler Presse- und Informationsamtes, Initiator, Herz und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Junior-Uni. Eine Aufgabe, eine Berufung, die ihn auch mit 81 Jahren noch jung, dynamisch und neugierig h\u00e4lt. Diese positive Neugierde ist und bleibt seine Triebfeder. Wie andere Briefmarken sammeln, ist er st\u00e4ndig auf der Suche nach Geschichten rund um seine zweite Heimatstadt. Am 18. November 2019 wurde Prof. Dr. Ernst-Andreas Ziegler zum Ehrenb\u00fcrger der Stadt Wuppertal ernannt \u00a0&#8211; wie u.a. Johannes Rau, Pina Bausch, Dr. Wilfried Penner, Lore Jackst\u00e4dt, J\u00f6rg Mittelsten Scheid und Tony Cragg.<\/p>\n<p>Zwei B\u00fccher mit Kurzgeschichten \u00fcber Wuppertal, Wuppertaler und Besucher unserer Stadt hat er bereits im Born-Verlag ver\u00f6ffentlicht. Aus seinem Werk &#8222;Auf der Suche nach der Wuppertaler Seele&#8220; stammt auch die wundersch\u00f6ne Weihnachtsgeschichte &#8222;Heiligabend in der Schwebebahn&#8220;.<\/p>\n<p><strong>DS: Wie haben Sie die Geschichten, die Sie in Ihrem Buch zusammengefasst haben, gefunden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Ziegler: &#8222;Das ist journalistisches Handwerk: Augen und Ohren aufhalten, zu unterschiedlichsten Zeiten durch die Stadt schlendern &#8211; jede Stra\u00dfe sieht zum Beispiel fr\u00fchmorgens anders aus als sp\u00e4tnachmittags und zu Fu\u00df erlebt man jede Stadt anders als per Auto. Also auf die Menschen zugehen und mit ihnen reden, vor allem aber zuh\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Geschichte ist Ihnen ganz pers\u00f6nlich besonders an Herz gegangen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Ziegler: &#8222;Da gibt es mehrere. Zum Beispiel &#8222;Der erste Schnee&#8220; \u00fcber ein sehr vergn\u00fcgliches Erlebnis mit meinem sp\u00e4ter verschollenen sudanesischen Freund oder &#8222;Mitgesch\u00f6pfe&#8220; \u00fcber Kr\u00f6tenwanderungen oder &#8222;Was zum Himmel schreit&#8220; \u00fcber den Wuppertaler Arzt an der Rampe in Auschwitz-Birkenau. Und nat\u00fcrlich die Weihnachtsgeschichte mit der Schwebebahn.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wird es eine Fortsetzung, sprich ein weiteres Buch mit Wuppertal-Kurzgeschichten von Ihnen geben?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Ziegler: &#8222;Auf der Suche nach der Wuppertaler Seele&#8220; war bereits die Fortsetzung des zuvor erschienenen Buches &#8222;Liebeserkl\u00e4rung an Wuppertal&#8220;. Beide B\u00fccher sind im Wuppertaler Born-Verlag erschienen. \u00dcber eine dritte Kurzgeschichten-Sammlung denke ich derzeit noch nicht nach.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie die &#8222;Wuppertaler Seele&#8220; inzwischen gefunden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Ziegler: &#8222;Ja, sie sieht man mit dem Herzen. Sie ist wie eine gute Fee und tritt in verschiedenen Gestalten auf. Weil sie sich versteckt, h\u00f6rt die Suche nach ihr auch f\u00fcr mich nicht auf.&#8220; (pp)<\/p>\n<p>www.born-verlag.de &#8211; <a href=\"http:\/\/www.junioruni.de\">www.junioruni.de <\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-24345\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Aud-der-Suche..-660x1024.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"301\" \/><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler<\/p>\n<p><strong>Auf der Suche nach der Wuppertaler Seele<\/strong><\/p>\n<p>Verlag J.H. Born GmbH Wuppertal<\/p>\n<p>ISBN-Nr. 3-87093-078-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-24346\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Liebeserkl\u00e4rung-an-Wuppertal.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Ernst-Andreas Ziegler<\/p>\n<p><strong>Liebeserkl\u00e4rung an Wuppertal<\/strong><\/p>\n<p>Verlag J.H. Born GmbH Wuppertal<\/p>\n<p>ISBN-Nr. 9-7838709-3056-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Ernst-Andreas Ziegler, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Junior Uni, ehemaliger Redakteur des Wuppertaler Stadtanzeigers (heute WZ) und Presseamtsleiter, ist ein leidenschaftlicher Geschichtensammler. Diese hat er in zwei B\u00fcchern zusammengetragen. Aus diesen stammt auch seine r\u00fchrende Weihnachtsgeschichte &#8222;Heiligabend in der Schwebebahn&#8220;&#8230; <\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":2951,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[1628,85],"class_list":["post-2952","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wuppertal","tag-heiligabend","tag-zirkus"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-24 10:29:33","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2952","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2952"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2952\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64319,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2952\/revisions\/64319"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2952"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2952"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2952"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}