{"id":27967,"date":"2020-04-20T10:05:08","date_gmt":"2020-04-20T08:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=27967"},"modified":"2022-12-07T21:37:07","modified_gmt":"2022-12-07T20:37:07","slug":"jochen-rausch-mir-tun-die-familien-in-kleinen-wohnungen-leid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/04\/20\/jochen-rausch-mir-tun-die-familien-in-kleinen-wohnungen-leid\/","title":{"rendered":"Jochen Rausch: Mir tun die Familien in kleinen Wohnungen leid"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45365\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 978px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45365\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Foto-WDR-Ludolf-Dahmen-968x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"968\" height=\"1024\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Der Rundfunkmacher, Musiker und Autor Jochen Rausch &#8211; \u00a9\u00a0WDR\/ Ludolf Dahmen<\/span><\/div>\n<p>Wie geht man als Rundfunkmacher angemessen mit dem Thema Coronavirus um? Dieser Frage muss sich Jochen Rausch \u00c2\u00a0jeden Tag aufs Neue stellen. Die richtige Balance zu finden, zwischen knallharten Fakten, subjektiven Einsch\u00e4tzungen und der Unterhaltung, um die Zuh\u00f6rer w\u00e4hrend der ganzen Informationsflut auch einmal auf andere Gedanken zu bringen, ist sicher nicht leicht. Und dann ist Medienmann Jochen Rausch ja auch noch Privatmensch, wie alle betroffen von vielen Einschr\u00e4nkungen in der Coronakrise und der Kontaktsperre. Was geht ihm da durch den kreativen Kopf?<\/p>\n<p><b>DS: Wie wirkt sich die Coronakrise auf Ihr Alltagsleben aus?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Sicher wie f\u00fcr uns alle der gr\u00f6\u00dfte erinnerbare Einschnitt. Man muss sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, eine Wohnsituation zu haben, die R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten bietet. Denke oft an Menschen, bei denen das nicht so ist.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie sehr beeinflu\u00dft die Coronakrise Ihren Job beim WDR?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Wir haben im WDR die Zahl der im Sender t\u00e4tigen Mitarbeiter auf das absolut notwenige Ma\u00df reduziert. Alle anderen arbeiten von zuhause. Hei\u00dft: t\u00e4gliche Schaltkonferenzen mit den Sendern 1LIVE, WDR 2 und WDR 4, f\u00fcr die ich zust\u00e4ndig bin. Viele Telefonate, Mails. Zum Gl\u00fcck war der WDR auch vor der Krise schon digital recht gut aufgestellt, beispielsweise werden verschiedene Sendungen wenigstens teilweise aus dem Homeoffice moderiert, zum Beispiel bei WDR4.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_45337\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45337\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Foto-WDR-Annika-Fusswinkel-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jochen Rausch (r.) mit Rock-Star Herbert Gr\u00f6nemeyer bei der Verleihung 1Live Krone 2014 &#8211;<br \/>\u00a9 WDR\/Annika Fu\u00dfwinkel<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Haben Sie jetzt m\u00f6glicherweise sogar mehr Zuh\u00f6rer als sonst?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;In Krisenzeiten suchen die Menschen nach seri\u00f6ser Information. Sie wissen, dass sie diese vor allem bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern bekommen. M\u00f6glicherweise steigt so die Akzeptanz. Das steht f\u00fcr uns aber nicht im Vordergrund: wir wollen vor allem verl\u00e4sslich sein im Radio, wir wollen die gewohnten Stimmen bringen, aber auch Unterhaltung, Musik und auch Nicht-Corona-Themen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie haben Sie Ihr in Programm in Coronazeiten umgestellt?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Wir haben bei 1LIVE, WDR2 und WDR4 vor allem versucht, das gewohnte Programmangebot aufrecht zu erhalten. Also verl\u00e4ssliche Nachrichten, Korrespondentenberichte aus NRW, Deutschland und der ganzen Welt. Unsere Moderatorinnen und Moderatoren sind zum Gl\u00fcck alle gesund, so gesehen, h\u00f6rt man wahrscheinlich gerade gar keinen gro\u00dfen Unterschied, sieht man einmal davon ab, dass sich nat\u00fcrlich sehr viele Themen um Corona drehen. Was nicht stattfinden kann, sind Events wie Comedy oder Konzerte. So fiel ein eigentlich geplantes tolles Programm zum f\u00fcnfundzwanzigsten Geburtstag von 1LIVE fast komplett ins Wasser.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Wie nutzen Sie die zus\u00e4tzliche Freizeit in Ihrer &#8222;Isolationshaft&#8220; zuhause?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Zus\u00e4tzliche Freizeit entsteht beim Homeoffice ja eigentlich nur durch den Wegfall der Fahrten zwischen Wuppertal und K\u00f6ln. Da ich ja gerne schreibe und das Schreiben ja ohnehin eine sehr einsame Angelegenheit ist, empfinde ich das Homeworking gar nicht als Isolationshaft. Der w\u00f6chentliche 1LIVE-Stammtisch findet jetzt online statt. Und mit meinem Bandkollegen Detlev Cremer frickle ich an einem zweiten Stahlnetz-Album. Das allerdings schon seit 38 Jahren, das erste ist ja 1982 erschienen. Vielleicht beschleunigt die jetzige Situation unsere Arbeit an der Platte, wir haben ja jetzt abends Zeit f\u00fcr Online-Proben.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Was glaubst Sie, wie lange ist die jetzige Situation \u00fcberhaupt noch haltbar und vertretbar?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Ich finde gut, wie verst\u00e4ndnisvoll und umsichtig doch viele Menschen reagieren. Bei der Frage, wie lange das gehen kann, kommt es vor allem darauf an, k\u00fchlen Kopf zu bewahren und nicht aktionistisch zu werden. Nat\u00fcrlich gibt es auch Widerspr\u00fcche und Absurdit\u00e4ten, ob es die Erntehelfer sind oder das Klopapier. Improvisation ist angesagt, Klugheit, Solidarit\u00e4t.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Sp\u00fcren Sie auch in Ihrem Umfeld, dass sich die Menschen Sorgen um die Zukunft machen?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Nat\u00fcrlich. Wer ein Gesch\u00c3\u00a4ft betreibt oder Freelancer ist, ger\u00e4t rasch in allergr\u00f6\u00dfte Probleme. Oder wer mit drei kleinen Kindern in einer engen Wohnung hockt. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir erstens Solidarit\u00e4t zeigen werden in unserer Gesellschaft und zweitens, dass wir auch in der Krise, die ja nicht von heute auf morgen enden wird, kreative Wege finden werden, wenigstens einen Teil des Wirtschaftslebens m\u00f6glichst bald wieder in Gang zu bekommen. Dazu geh\u00f6rt auch, lieber bei lokalen Gesch\u00e4ften zu kaufen und zu bestellen, als Onlinegiganten\u00c2noch reicher und m\u00e4chtiger zu machen.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Welche ganz pers\u00f6nlichen Schl\u00fcsse werden Sie aus der Coronakrise ziehen?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Es hat sich ja schon bei der Klimadiskussion angedeutet, dass wir uns verst\u00e4rkt mit unserem Verh\u00e4ltnis zur Natur auseinandersetzen m\u00fcssen. Wie gehen wir mit unserer Umwelt um, wie mit Tieren, wie ern\u00e4hren wir uns, wie sorgen wir vor allem f\u00fcr die Schwachen und Schw\u00e4chsten?\u00a0Egoismus \u00e1 la Trump oder Kleinstaaterei sind keine L\u00f6sung. Aber wir sehen auch, dass die Globalisierung, die davon lebt, dass in armen L\u00e4ndern die Menschen ausgebeutet werden, und wir nun pl\u00f6tzlich feststellen, dass hier massenhaft Arzneimittel oder Zulieferungen f\u00fcr die Industrieproduktion fehlen, so kein Zukunftsmodell sein kann. Man kann auch gerne\u00a0f\u00fcr Krankenschwestern, Verk\u00e4uferinnen oder Lastwagenfahrer auf dem Balkon\u00a0klatschen, aber viel wichtiger ist es, die Frage, wer leistet eigentlich was in dieser Gesellschaft, neu auszuhandeln. Gerade die, die jetzt den Laden am Laufen halten, brauchen Anerkennung, gute Arbeitsbedingungen und nat\u00fcrlich auch eine angemessene Bezahlung.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_49690\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-49690\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/IMG_4880-1024x694.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"694\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Tom Rausch auf seinem Reporter-Platz im Stadion am Zoo &#8211; \u00a9 Jochen Rausch<\/span><\/div>\n<p><b>DS: Wie geht es Sohn Tim &#8211; fast zwei Jahre lang erfolgreicher Sportreporer der STADTZEITUNG &#8211; jetzt in Zeiten der Coronakrise?<\/b><\/p>\n<p>Jochen Rausch: &#8222;Studenten sind ja ohnehin l\u00e4ngst sehr digital aufgestellt, da l\u00e4sst sich vieles von zuhause machen. Au\u00dferdem hat er seinen ersten Podcast am Start: &#8218;Footballrausch &#8211; der NFL-Podcast&#8216;. Das macht er mit einem anderen NFL-Experten aus M\u00fcnchen, ihr Publikum w\u00e4chst von Folge zu Folge.&#8220;<\/p>\n<p><b>DS: Vielen Dank f\u00fcr das informative, offene Gespr\u00e4ch<\/b><\/p>\n<p><b>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jochenrausch.com\/\">http:\/\/www.jochenrausch.com\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jochen.rausch\">https:\/\/www.facebook.com\/jochen.rausch<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/lebdig\">https:\/\/twitter.com\/lebdig<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tumblr.com\/blog\/peoplereadbooks\">http:\/\/www.tumblr.com\/blog\/peoplereadbooks<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist Programmdirektor der WDR-Rundfunk-Sender 1LIVE, WDR 2 und WDR 4. Er hat sich als Musiker einen Namen gemacht (Die Helden &#8211; Stahlnetz) und er schreibt erfolgreich B\u00fccher. Sein Roman &#8222;Krieg&#8220; wurde sogar von der ARD unter dem Titel &#8222;Fremder Feind&#8220; verfilmt und erhielt mehrere Auszeichnungen. Mehr geht eigentlich nicht. Doch bei allem Erfolg ist der Wuppertaler mit beiden Beinen auf dem Teppich geblieben. Wie geht er mit der Coronakrise um? Wir haben nachgefragt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-27967","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-19 18:47:21","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27967"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58960,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27967\/revisions\/58960"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}