{"id":27691,"date":"2020-04-08T08:24:00","date_gmt":"2020-04-08T06:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=27691"},"modified":"2022-01-27T09:50:38","modified_gmt":"2022-01-27T08:50:38","slug":"tante-jens-gefangener-auf-seiner-trauminsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/04\/08\/tante-jens-gefangener-auf-seiner-trauminsel\/","title":{"rendered":"&#8222;Tante Jens&#8220;: Gefangener auf seiner Trauminsel"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<div>\n<div id=\"attachment_45685\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45685\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/DSC04919-2-1024x762.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"762\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Jens Langner alias &#8222;Tante Jens&#8220; &#8211; \u00a9 Susanne Bellenbaum<\/span><\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Normalerweise fliegt Jens Langner (49), immer dann, wenn auf der Insel und in seinem &#8222;Kings Club&#8220; nicht ganz soviel Trubel herrscht, nach Ghana, um dort seine Schule in den Slums von Accra zu besuchen. Diese hat er vor Jahren mit seinem Lebenspartner Seedrase f\u00fcr einheimische Kinder aufgebaut und betreut sie seither verantwortungsvoll und mit viel Herzblut.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>&#8222;Obolo&#8220; (der dicke, weisse Mann) &#8211; wie Jens Langner liebevoll von den Kids genannt wird &#8211; und Seedrase haben daf\u00fcr gesorgt, dass in ihrer Schule mittlerweile rund 300 M\u00e4dchen und Jungen unterrichtet werden k\u00f6nnen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Doch auf ihren &#8222;Obolo&#8220; werden ghanaischen M\u00e4dchen und Jungen noch eine ganze Weile verzichten m\u00fcssen. Jans Langer (49) darf weder aus Deutschland aus-, noch in Ghana einreisen. Und das tut ihm in der Seele weh! &#8222;Tante Jens&#8220; f\u00fchlt sich als Insulaner auf Norderney &#8222;gefangen&#8220;.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>F\u00fcr die STADTZEITUNG schildert Jens Langer exklusiv, wie das Leben zwischen Milchbar, Surfcaf\u00e9 und Wei\u00dfer D\u00fcne in Coronazeiten abl\u00e4uft. Und das kurz vor Ostern, wo normalerweise auf der Norderney noch nicht einmal eine Besenkammer frei w\u00e4re.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Jens Langner: &#8222;All\u00a0jene, die schon immer davon getr\u00e4umt haben, mehr oder weniger, einsam auf einem Eiland zu leben,\u00a0w\u00e4ren jetzt wahrscheinlich genau richtig hier &#8211; auf Norderney, der wohl angesagtesten ostfriesischen Insel.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Es hat etwas unwirklich Sch\u00f6nes an sich. Man geht an den Strand, der sonst um diese Jahreszeit von unseren<\/div>\n<div>G\u00e4sten erobert w\u00e4re und ist jetzt unter sich. Man f\u00fchlt sich in den Film hinein versetzt: &#8222;Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier&#8220;.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wir haben\u00a0quasi immer Sonntag. Man geht durch die Einkaufsstra\u00dfen und ist allein. Keine dr\u00e4ngelnden Gro\u00dffamilien<\/div>\n<div>oder Radfahrer*innen, die versuchen, sich einen Weg durch die Massen zu bahnen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Man kann jeden Einzelnen mit unserem Norderneyer Gru\u00df &#8222;HE`&#8220;\u00a0begr\u00fc\u00dfen und sich ganz sicher sein, dass es auch ein Norderneyer ist, der zur\u00fcck gr\u00fc\u00dft.\u00a0Die Natur erholt sich jedenfalls&#8230;<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und was machen wir? Wir versuchen, aus der Not eine Tugend zu machen. Wir k\u00f6nnen die Situation momentan nicht \u00e4ndern, also\u00a0erledigen wir Dinge, die seit Ewigkeiten liegen geblieben sind und jetzt ihren Tribute einfordern.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Man treibt Sport, renoviert seine Wohnung, chattet n\u00e4chtelang mit Freunden und Bekannten, die man sehr vermisst.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nat\u00fcrlich denkt man auch \u00fcber die Zukunft nach! Kann man sein bislang bew\u00e4hrtes Konzept beibehalten, muss man es nachbessern oder vielleicht sogar ganz \u00fcber den Haufen werfen?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Viele, die sich nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch wirtschaftlich gesund w\u00e4hnten und davon \u00fcberzeugt waren, ihr Leben in Zukunft wie bisher weiter auf der Sicherheit der immer wiederkehrenden\u00a0satten Jahre aufbauen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen nun wom\u00f6glich komplett umdenken. F\u00fcr sie geht es um\u00a0Schadensbegrenzung oder darum, Alternativen zu finden.\u00a0Nat\u00fcrlich spielt dabei auch eine gewisse Angst mit.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Norderney ist derzeit wie ein riesiges Dorf. Man hilft sich untereinander. Freunde kaufen f\u00fcr die alten Leuten ein.<\/div>\n<div>Einige Restaurants bieten in dieser Zeit kleine Mahlzeiten f\u00fcr &#8222;Ausser Haus&#8220; an. F\u00fcr den Klatsch und Tratsch trifft man sich kurz\u00a0beim B\u00e4cker am Morgen. Oder man kauft sich einen Kaffee &#8222;To go&#8220; und geht an der Promenade spazieren, hofft auf Neuigkeiten von\u00a0Kollegen und Freunde, die man dort immer wieder antrifft.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Alle Gespr\u00e4che enden fast immer gleich &#8211; und zwar mit der Hoffnung, dass hoffentlich alles bald vor\u00fcber ist und man selbst &#8211; ob Angestellter\u00a0oder Arbeitgeber &#8211; dem Teufel wirtschaftlich noch einmal von der Schippe springen kann.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Der Norderneyer ist irritiert und das mit Recht. Seit Montag d\u00fcrfen Einheimische wieder die Insel verlassen. Und Baufirmen ist es erlaubt, auf die Insel zu kommen, um ihre Arbeiten zu Ende zu bringen. Keine Quarant\u00e4ne, keine Kontrolle!<\/div>\n<div>Anweisungen aus Aurich. Selbst unser Insel-B\u00fcrgermeister ist da ohnm\u00e4chtig.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Warum aber d\u00fcrfen dann nicht auch Zweitwohnungsbesitzer (wie der Kabarettist Dr. Ludger Stratmann &#8211; Anmerkung der Redaktion) wieder auf die Insel kommen? Fragen \u00fcber Fragen, aber leider keine logischen Antworten!\u00a0Sp\u00e4testens dann, wenn es wieder nachweisbar Infizierte gibt, wird es \u00c4rger geben.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nur wer wird sich dann von den Beh\u00f6rden, die vorher ihre Erlaubnis erteilt haben (Gesundheitsamt,\u00a0Landkreis Aurich etc. ), der Verantwortung stellen? Man muss hoffen, dass all die Bef\u00fcrchtungen gar nicht erst eintreffen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nat\u00fcrlich ist auch auf Norderney fast jedes Gesch\u00e4ft geschlossen, von der Bierbar bis hin zur Boutique. So hat auch mein<\/div>\n<div>&#8222;Kings Club&#8220; zwangsweise Betriebsferien. Gern w\u00fcrden wir alle im Einzelhandel unsere T\u00fcren wieder \u00f6ffnen und selbstverst\u00e4ndlich auch die damit verbundenen\u00a0Sicherheitsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Gesundheit einhalten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Begrenzter Einlass zum Beispiel. Es g\u00e4be da sicher einige M\u00f6glichkeiten.\u00a0Wir Selbst\u00e4ndigen wissen um unsere Verantwortung unseren G\u00e4sten gegen\u00fcber. Man sollte uns da eine Chance geben!<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Bis es neue Ideen und Entscheidungen gibt, werden wir also weiter flei\u00dfig spazieren gehen und geniessen die M\u00f6glichkeit,\u00a0sich auch einmal wie ein Gast auf einer wundersch\u00f6nen Insel zu f\u00fchlen.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Auf ein baldiges Wiedersehen auf Norderney. Und bleibt gesund!&#8220;<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Eure Tante Jens<\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist ein Paradiesvogel, ein Original mit Herz! Jens Langner, den die meisten nur als &#8222;Tante Jens&#8220; kennen, ist Betreiber der Schlager-Disco &#8222;Kings Club&#8220; auf Norderney, der Lieblingsinsel vieler Wuppertaler. In seinem &#8222;Tanzschuppen&#8220;, eingerichtet im Stil der 80er Jahre, ist er sein eigener Moderator und Entertainer. Er singt die alten Gassenhauer, haut Spr\u00fcche im Minutentakt heraus und erz\u00e4hlt Witze, die nicht immer ganz jugendfrei sind. Doch im Moment ist &#8222;Tante Jens&#8220; ein Conf\u00e9rencier ohne B\u00fchne und ohne Publikum. Die Coronakrise hat den &#8222;Wirbelwind der guten Laune&#8220; ausgebremst.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-27691","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weitblick"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-20 08:04:20","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27691"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27691\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45688,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27691\/revisions\/45688"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}