{"id":27116,"date":"2020-03-19T17:21:40","date_gmt":"2020-03-19T16:21:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/?p=27116"},"modified":"2022-08-09T14:09:00","modified_gmt":"2022-08-09T12:09:00","slug":"uni-rektor-prof-koch-virus-hat-meine-befuerchtungen-bestaetigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2020\/03\/19\/uni-rektor-prof-koch-virus-hat-meine-befuerchtungen-bestaetigt\/","title":{"rendered":"Prof. Koch: Virus hat meine Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_45349\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-45349\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/IMG_8403_a-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Prof. Lambert T. Koch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Das Wort des weit \u00fcber Europa hinaus anerkannten und gesch\u00e4tzten \u00d6konoms hat Gewicht. Welche Schl\u00fcsse m\u00fcssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus dieser weltweiten Virus-Krise ziehen? Welche Konsequenzen fasst Prof. Dr. Lambert T. Koch f\u00fcr die Bergischen Universit\u00e4t in Auge? Die STADTZEITUNG hat beim Uni-Rektor nachgefragt.<\/p>\n<p><strong>DS: Inwieweit hat der Coronavirus aus Ihrer Sicht die Welt ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Das Virus hat meine Weltsicht zwar nicht ver\u00e4ndert. Es hat aber Vermutungen und Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt, die in meinem Hinterkopf durchaus vorhanden waren. Dass Seuchen auch in der Neuzeit eine Bedrohung f\u00fcr die Menschheit sein k\u00f6nnen, war bekannt. Doch wie die \u00f6konomische Globalisierung ein solches Geschehen verst\u00e4rkt, war nur zu vermuten. Viele Entwicklungen des Turbokapitalismus bringen eben nicht nur Wohlstand, sondern auch Gefahren und Risiken mit sich. Zugleich lassen sie Gesellschaften und ihre Verantwortlichen leichtgl\u00e4ubig und leichtsinnig werden. Segnungen werden \u00fcber- und die Gefahren unterbewertet.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie \u00fcberhaupt damit gerechnet, dass in der heutigen Zeit ein Virus die ganze Welt ein St\u00fcck weit lahmlegen k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8222;Ohne, dass dies besserwisserisch klingen soll: ja. Aber nat\u00fcrlich schiebt man solche Gedanken im Alltag beiseite, sodass man \u2013 wenn es dann soweit ist \u2013 doch \u00fcberrascht wird.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie sehen Sie den Umgang der Beh\u00f6rden mit dem Virus und dessen Folgen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Wahrscheinlich sind viele von uns geneigt, jetzt in eine pauschale Beh\u00f6rdenkritik einzustimmen: zu z\u00f6gerliche Reaktionen, unklare Anweisungen, unabgestimmte Ma\u00dfnahmen zwischen den Ebenen. Doch das ist zu einfach, man muss auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Handelnden haben: F\u00fcr sie alle ist es das erste Mal, eine so einschneidende Krise managen zu m\u00fcssen. Sie alle m\u00fcssen t\u00e4glich die richtige Balance zwischen angemessenen Einschnitten und der Vermeidung von Panik finden. Au\u00dferdem f\u00e4llt uns hier, um es salopp zu sagen, unser f\u00f6deralistisches System auf die F\u00fc\u00dfe. Denn manchmal wartet hier jede Ebene auf die andere, sodass versp\u00e4tete und z\u00f6gerliche Reaktionen vorprogrammiert sind. Das hat ein wenig etwas von einem gro\u00dfen Schwarze-Peter-Spiel.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Stellt es aus Ihrer Sicht ein Art Schadensbegrenzung dar, dass die (hoffentlich) gr\u00f6\u00dfte &#8222;Corona-Welle\u201c in die Semesterferien f\u00e4llt?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Das l\u00e4sst sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir wissen ja nicht, wie lange unser soziales Zusammenleben noch still zu stehen hat, um die Epidemie einzud\u00e4mmen. Gegen\u00fcber anderen Einrichtungen kommt es uns aber sicher zugute, dass wir das Herunterfahren bzw. Umstellen unserer Angebote und Leistungen nicht mitten im vollen Semesterbetrieb bew\u00e4ltigen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Welche Konsequenzen werden Sie f\u00fcr Ihre Universit\u00e4t aus dieser Krise ziehen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Auch hier ist es noch zu fr\u00fch, schon mit einem fertigen Fazit aufzuwarten. Doch eines l\u00e4sst sich bereits jetzt sagen. F\u00fcr Situationen wie die derzeitige ist es auch f\u00fcr Pr\u00e4senzuniversit\u00e4ten lohnend, sich intensiver mit dem Thema \u201eDistance Learning\u201c und den daf\u00fcr bereitstehenden digitalen Optionen zu befassen. Nicht weniges k\u00f6nnen wir hier schon leisten, aber einiges ist auch durchaus ausbauf\u00e4hig.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Haben Sie \u00fcberhaupt noch die Hoffnung, dass das Sommersemester einigermassen p\u00fcnktlich beginnen kann?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Lambert T. Koch: &#8222;Der Semesterstart wurde ja, einheitlich f\u00fcr Nordrhein-Westfalen, bereits auf den 20.04. verschoben. Anfang April bewerten wir dann zusammen mit dem Ministerium f\u00fcr Kultur und Wissenschaft die Lage, um zu entscheiden, ob dieser Termin zu halten ist.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Wie gro\u00df sehen Sie die Gefahr, dass sich junge Menschen, die ohnehin schon viel Zeit mit \u201eSocial Media\u201c verbringen, sich jetzt noch mehr sozial isolieren, weil viele kommunikative Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit abgesagt wurden?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8222;F\u00fcr diese Frage bin ich kein Fachmann. Einerseits kann ich als Vater nur best\u00e4tigen, dass der Stellenwert von Social Media im Leben der jungen Menschen schon jetzt grenzwertig hoch ist. Andererseits sind wir als Universit\u00e4t gerade sehr froh, dass wir unsere Studierenden \u00fcber diese Kan\u00e4le schnell und zuverl\u00e4ssig erreichen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Kann oder wird die Welt \u00fcberhaupt noch einmal so sein wie sie vorher war?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8222;In einem wohl irrt\u00fcmlicherweise Mark Twain zugeschriebenen Ausspruch hei\u00dft es: \u201eGeschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.\u201c Gem\u00e4\u00df dieser Logik wird sich auch nach der aktuellen Krise manches \u00e4ndern. Man wird hitzig dar\u00fcber debattieren, ob unser Gesundheitssystem zu kommerzialisiert und unsere Wirtschaft zu abh\u00e4ngig vom Ausland ist, ob unsere Kapitalm\u00e4rkte mehr reguliert werden m\u00fcssen und das f\u00f6deralistische System nachjustiert werden muss. Manches wird man halbherzig \u00e4ndern, andere Vorhaben werden, wenn die Zeiten wieder besser sind, schnell vergessen sein. Bis zur n\u00e4chsten Krise. Und da sind wir an dem Punkt, wo sich Geschichte reimt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Sie als \u00d6konom gefragt: Wie kann sich die Weltwirtschaft \u00fcberhaupt vor dieser Art von \u201eH\u00f6herer Gewalt\u201c sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Lambert T. Koch: &#8222;Es muss immer wieder neu um die richtige Balance zwischen Koppelung und Entkoppelung gerungen werden. Das bedeutet, freier Handel ja, aber vor allem in den lebenswichtigen Bereichen keine alleinige Abh\u00e4ngigkeit von anderen Systemen und dem reinen Markt. Wir werden sonst erpressbar und St\u00f6rungen an einem Ende der Welt \u00fcbertragen sich zu schnell. Auch die au\u00dfer Rand und Band geratenen Mechanismen der elektronisch gesteuerten Finanzm\u00e4rkte m\u00fcssen besser kontrollierbar sein. L\u00f6sungsans\u00e4tze g\u00e4be es gen\u00fcgend. Einen vollst\u00e4ndigen Schutz vor solchen Krisen kann es aber nicht geben.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DS: Besten Dank f\u00fcr das sehr informative, interessante Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Interview f\u00fchrte Peter Pionke<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch herrschen Semesterferien an der Bergischen Universit\u00e4t! Doch schon jetzt ist klar: Wegen der Coronaviruskrise wird das Sommersemester nicht p\u00fcnktlich am 01. April beginnen. Landesweit ist der Start jetzt f\u00fcr 20. April vorgesehen. Es steht allerdings in den Sternen, ob dieser Termin eingehalten werden kann. Wie sch\u00e4tzt Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch die momentane Situation ein?<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-27116","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-16 08:13:48","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27116"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54501,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27116\/revisions\/54501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}