{"id":23016,"date":"2019-07-17T11:42:32","date_gmt":"2019-07-17T09:42:32","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.16\/newsportal\/stadtzeitung\/index.php\/2019\/07\/17\/mama-ich-kann-das-nicht-schreiben-2\/"},"modified":"2022-08-09T13:30:26","modified_gmt":"2022-08-09T11:30:26","slug":"mama-ich-kann-das-nicht-schreiben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/2019\/07\/17\/mama-ich-kann-das-nicht-schreiben-2\/","title":{"rendered":"&#8218;Mama, ich kann das nicht schreiben&#8216;"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_53727\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"max-width: 1034px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-53727\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/IMG_1195_a-2-1024x778.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"778\" \/><span class=\"wp-caption-text\">Diplom-Psychologin Barbara Knoblauch &#8211; \u00a9 Dirk Sengotta<\/span><\/div>\n<p>Die Lese-Rechtschreibst\u00f6rung (abgek\u00fcrzt LRS) wurde fr\u00fcher als Legasthenie bezeichnet. Es zeigen sich deutliche St\u00f6rungen in der Rechtschreibung und im Lesen. Das Kind zeigt beispielsweise eine auff\u00e4llig hohe Fehlerzahl bei Diktaten aber auch bei abgeschriebenen Worten, liest nur stockend und kann das Gelesene nicht wiedergeben. Viele Kinder lernen Texte auswendig und versuchen ihre Umgebung so zu t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>International finden Sie in der Fachliteratur den Begriff der \u201aDyslexie\u2018. Die St\u00f6rung wird im Schulalter diagnostiziert und zwar \u00fcberall auf der Welt. Immer wieder h\u00f6rt man z.B. von der Betroffenheit dreier Mitglieder aus dem schwedischen K\u00f6nigshaus. Jungen sind wesentlich h\u00e4ufiger von der St\u00f6rung betroffen als M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>Es gibt viele Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze und es herrscht noch immer Uneinigkeit \u00fcber die\u00a0Ursachen. Eine Hypothese geht von einer Schw\u00e4che in der Lautdifferenzierung aus, insbesondere Schwierigkeiten beim Zusammenziehen der Laute. Eine andere Hypothese sieht eher die Schwierigkeiten in einer verringerten visuellen Wahrnehmungssensibilit\u00e4t als Grundlage f\u00fcr die St\u00f6rung.<\/p>\n<p>Die famili\u00e4re H\u00e4ufung und neuere Forschungsergebnisse lassen zumindest auf eine genetische Beteiligung, d.h. erbliche Faktoren, schlie\u00dfen. Forschung in diesem Bereich bleibt von gro\u00dfer Bedeutung, damit die St\u00f6rung fr\u00fcher erkannt und mit F\u00f6rderprogrammen angegangen werden kann.<\/p>\n<p>Meist kann man die Kinder schon im ersten Schuljahr durch Schwierigkeiten im Lese- und Schreibprozess erkennen. Da aber je nach p\u00e4dagogischem Ansatz des Schriftspracherwerbs noch eine gro\u00dfe Toleranzbreite herrscht, fallen die Kinder meist erst wirklich Ende des 2. Schuljahres, manchmal noch viel sp\u00e4ter auf.<\/p>\n<p>Dann haben sich nat\u00fcrlich l\u00e4ngst sekund\u00e4re Probleme ergeben. Die Kinder leiden meist stark unter ihren Schwierigkeiten. Sie vergleichen sich mit ihren Klassenkameraden und sehen die eigenen Defizite.<\/p>\n<p>Prinz Carl Philip (40), Sohn des schwedischen K\u00f6nigs Carl XVI Gustaf und K\u00f6nigin Silvia, der sein Problem nicht verheimlicht und sich auch \u00f6ffentlich dazu stellt, berichtete k\u00fcrzlich in einem Fernsehinterview von seiner schwierigen Schulzeit. W\u00e4hrend die anderen Kinder schon mehrere Seiten ihrer Aufgaben erledigt hatten, sa\u00df er immer noch an der ersten Seite und f\u00fchlte sich minderwertig.<\/p>\n<p>Obwohl sich die Schwierigkeiten nur auf das Lesen und Schreiben beziehen, die Kinder ansonsten ja normal intelligent sind, \u00fcbertragen sich die Schwierigkeiten auch auf die anderen F\u00e4cher. Sie k\u00f6nnen nicht oder nur mit Schwierigkeiten lesen, z.B. was die Lehrerin an die Tafel schreibt, was im Mathematikbuch steht etc..<\/p>\n<p>Die Kinder hassen allm\u00e4hlich das Lesen und das Schreiben, verweigern sich, wol- len nicht mehr in die Schule gehen, zeigen psychosomatische Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, m\u00f6glicherweise Schlafst\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Sowohl Schulverweigerung als auch andere Verhaltensweisen drohen. Einige Kinder lernen den Clown zu spielen, um von ihren Problemen abzulenken, andere werden immer depressiver. Die Schulkarriere droht den Bach herunter zu gehen.<\/p>\n<p>Bei einer Vorstellung beim Schulpsychologischen Dienst, in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis oder im Sozialp\u00e4diatrischem Zentrum wird die St\u00f6rung diagnostiziert: Es erfolgt ein Test der Intelligenz und die Erfassung und Messung der Schwierigkeiten. Nur wenn die Intelligenz im Normalbereich liegt und die Schwierigkeiten signifikant (das hei\u00dft statistisch bedeutsam) davon abweichen, wird eine LRS diagnostiziert.<\/p>\n<p>Mit der Diagnose und der Best\u00e4tigung der emotionalen Schwierigkeiten und deren Folgen kann die Fi- nanzierung einer Therapie beim Jugendamt beantragt werden. Die schulischen Mittel m\u00fcssen ausgesch\u00f6pft sein.<\/p>\n<p>Das Jugendamt ist origin\u00e4r nicht zust\u00e4ndig f\u00fcr die Gew\u00e4hrung und Finanzierung von Therapien, muss aber helfen und finanzieren, wenn seelische Behinderung droht oder besteht. Das Jugendamt pr\u00fcft den Antrag und verweist, bei Best\u00e4tigung der Ordnungsm\u00e4\u00dfigkeit, an die anerkannten Institute und Praxen. Hier findet die eigentliche Therapie statt, die sich meist \u00fcber Jahre erstreckt.<\/p>\n<p>Speziell ausgebildete P\u00e4dagogen f\u00fchren Lernprogramme und Therapien mit Ihrem Kind durch, wobei eine enge Zusammenarbeit mit der Schule und den Eltern stattfinden muss.<\/p>\n<p>Der Verlauf der St\u00f6rung ist eher ung\u00fcnstig. Kinder mit einer LRS sind h\u00e4ufig von begleitenden psychischen Schwierigkeiten bedroht. Hinter den statistischen Durchschnittszahlen verbergen sich aber auch Entwicklungen, die sich vollst\u00e4ndig ausgeheilt ohne Restsymptome darstellen.<\/p>\n<p>In jedem Fall bleibt eine fr\u00fche Diagnostik mit Therapie- und F\u00f6rderung auf mehreren Ebenen und guter Zusammenarbeit von entscheidender Wichtigkeit. Im h\u00e4us- lichen Bereich nehmen Sie bitte den Druck raus und versuchen Sie, Ihr Kind spielerisch zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Lesen bleibt vorrangig, da es alle F\u00e4cher betrifft und ein Aufgabenverst\u00e4ndnis vor jedem Schreiben entwickelt werden muss.<\/p>\n<p><strong>Ihre Barbara Knoblauch<\/strong><br \/>\nDipl. Psych.\/Psychotherapeutin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMama, ich kann das nicht schreiben\u201c &#8211; Lese-Rechtschreib-St\u00f6rungen sind auch heute noch gro\u00dfes Problem. Die Wuppertaler Dipl.-Psychologin Barbara Knoblauch gibt Ratschl\u00e4ge, wie Eltern ihren Kindern helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":23014,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-23016","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissen"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-23 19:30:34","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23016"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54406,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23016\/revisions\/54406"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23014"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.die-stadtzeitung.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}